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Erstellt: 30. Juni 2026

Doppelerfolg: Studentinnen aus Weimar erhalten Nachwuchsförderung für gesellschaftskritische Fotografieprojekte

Gleich zwei Fotoprojekte aus der Fakultät Kunst und Gestaltung der Bauhaus-Universität Weimar – von Mai Do und Teresa Fischer – zählen zu den ersten acht ausgewählten Arbeiten im neuen internationalen Förderprogramm »Expanded Horizons«. Die Körber-Stiftung und das Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg loben dafür jeweils 1.000 Euro Preisgeld und eine Produktionsförderung zur Weiterentwicklung der Projekte aus. Ab November 2026 zeigt das »PHOXXI – Haus der Photographie« in Hamburg die Arbeiten in einer Ausstellung.

Mai Do studiert Visuelle Kommunikation (B.A.) an der Fakultät Kunst und Gestaltung. In ihrem Projekt »Every Weekend, Our Attic Becomes Vietnam« untersucht sie, wie die vietnamesische Diaspora in Deutschland während und nach der Covid-19-Pandemie neue Formen des kulturellen Austauschs und des gemeinschaftlichen Zusammenkommens im digitalen Raum entwickelt hat. Ausgangspunkt ist ihre Familiengeschichte: Ihre Mutter singt regelmäßig vietnamesische Lieder per Facebook-Livestream vom Dachboden des Familienhauses. Ihr Vater hat dort ein Studio mit Greenscreen sowie Licht-, Ton- und Kameratechnik eingerichtet. 

Das Projekt richtet den Blick nicht nur auf die Performance. Es zeigt auch die oft unsichtbare familiäre Care-Arbeit und die technische Infrastruktur dahinter. Mai Do fragt, wie Zugehörigkeit und Sichtbarkeit entstehen, wenn ein privater Raum zur öffentlichen Bühne wird. Kulturelle Bewahrung versteht sie nicht als Stillstand, sondern als fortlaufende Anpassung und gemeinschaftliche Praxis. 

»Mit der Förderung möchte ich das Projekt als Fotobuch und fotografische Ausstellung weiterentwickeln und die Verbindung von familiärer Nähe, digitaler Bildwelt und diasporischer Öffentlichkeit räumlich erfahrbar machen«, so Mai Do. »Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Zugehörigkeit in einem Umfeld sichtbar werden kann, in dem sie nicht selbstverständlich anerkannt wird. Dabei möchte ich eine selbstbestimmte Sichtbarkeit für meine Familie, meine Community und meine eigene Perspektive schaffen. Außerdem möchte ich das Projekt langfristig fortführen und weitere physische und digitale Formen des Zusammenkommens dokumentieren.« 

Drei Frauen in roten Áo dài stehen vor einer orangefarbenen Wand. Die Frau rechts legt einer der anderen Frauen die Hand auf die Schulter, während alle in unterschiedliche Richtungen blicken.
»Every Weekend, Our Attic Becomes Vietnam«; Foto: Mai Do
Zwei Personen als helle Silhouetten vor einem leuchtend grünen Greenscreen.
»Every Weekend, Our Attic Becomes Vietnam«; Foto: Mai Do
»Every Weekend, Our Attic Becomes Vietnam«; Foto: Mai Do
Porträt einer lächelnden Frau mit Mikrofon. Sie trägt ein weißes Oberteil mit roten Punkten und einen rosafarbenen Haarreif und blickt in die Kamera.
»Every Weekend, Our Attic Becomes Vietnam«; Foto: Mai Do
Blick in ein improvisiertes Studio auf einem Dachboden. Zwischen Kleiderstangen mit farbenfrohen Bühnenkostümen stehen Kameras, Softboxen und weiteres Lichtequipment.
»Every Weekend, Our Attic Becomes Vietnam«; Foto: Mai Do
Ein Kamerastativ steht vor einem grünen Greenscreen. Im Vordergrund hängen Bühnenkostüme, daneben sind Lichttechnik und weiteres Studioequipment zu sehen.
»Every Weekend, Our Attic Becomes Vietnam«; Foto: Mai Do

Mehr Sichtbarkeit für lesbische Lebensrealitäten

Teresa Fischer ist PhD-Kandidatin an der Fakultät Kunst und Gestaltung. In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich mit der Sichtbarkeit lesbischer Geschichte und mit Leerstellen öffentlicher Archive. Die Serie »Herstory Repeats Itself« inszeniert frühe Amateurfotografien sapphischer, queerer und lesbischer Paare fotografisch neu. Fischer bezieht sich auf historische Aufnahmen, die lesbische Paare beim Küssen zeigen und heute oft als Sammler*innenobjekte in privaten Archiven verschwinden. 

Die Künstlerin greift diese Bildmotive mit Amateurkameras aus der Zeit zwischen den 1910er- und 1950er-Jahren auf. So setzt sie der historischen Auslöschung lesbischer Lebensrealitäten gegenwärtige Bilder entgegen. Zugleich fragt die Serie nach queeren Räumen, Zugehörigkeit und danach, wie sich öffentliche Räume durch Sichtbarkeit, Zuneigung und persönliche Ermächtigung neu lesen lassen. 

In der KI-generierten Serie »Everybody Wants To Leave Here« visualisiert Fischer kaum dokumentierte Polizeirazzien in historischen lesbischen Bars und deren Folgen. Lesbische Räume werden oft als Orte der Liebe, Gemeinschaft und Zuflucht erinnert. Die Serie macht aber auch Gewalt, Schikanen und die ständige Bedrohung durch Verfolgung sichtbar. Ausgehend von mündlichen Überlieferungen und Texten wie Leslie Feinbergs »Stone Butch Blues« verweist Fischer auf eine weitere Leerstelle öffentlicher Archive: die fehlende Dokumentation von Gewalt gegen Lesben in der Geschichte. »Ich möchte meine Serie noch einmal kuratierter produzieren und vergrößern«, beschreibt Teresa Fischer ihre Pläne für die Weiterentwicklung des Projekts. 

Schwarz-Weiß-Fotografie: Zwei Frauen stehen sich auf einem Gehweg gegenüber und beginnen, sich zu küssen. Im Hintergrund sind ein Wohnhaus mit einem vertikalen »BAUHAUS«-Schriftzug sowie Absperrgitter zu sehen.
»Herstory Repeats Itself«; Foto: Teresa Fischer
Zwei Frauen küssen sich auf einer Wiese vor einem weitläufigen Gebäude. Die Schwarz-Weiß-Fotografie zeigt das Paar in inniger Umarmung unter einem bewölkten Himmel.
»Herstory Repeats Itself«; Foto: Teresa Fischer
Historische Schwarz-Weiß-Fotografie einer Frau, die nachts vor einem Gebäude sitzt. Unter ihrem rechten Auge sind Kratzer und ein Bluterguss zu sehen. Im Hintergrund leuchten Reklameschilder, die Aufnahme weist Kratzer und Gebrauchsspuren auf.
»Everybody Wants To Leave Here«; Foto: Teresa Fischer

Über »Expanded Horizons – Neue fotografische Perspektiven«

Mit »Expanded Horizons – Neue fotografische Perspektiven« verfolgen das Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg und die Körber-Stiftung ein gemeinsames Ziel: Sie wollen internationalen fotografischen Nachwuchs nachhaltig stärken und dem Publikum neue Zugänge zu fotografischen Bildwelten eröffnen. 

Das Förderprogramm unterstützt jedes Jahr acht internationale Nachwuchskünstler*innen. Ihre fotografischen Arbeiten greifen gesellschaftlich relevante Fragen auf und erweitern die Grenzen des Mediums. Zum Programm gehören neben der finanziellen Förderung auch Ausstellungen, Publikationen und ein internationales Netzwerk. Die erste Ausstellung ist vom 20. November 2026 bis 27. April 2027 im PHOXXI – Haus der Photographie der Deichtorhallen Hamburg zu sehen. 
https://koerber-stiftung.de/projekte/expanded-horizons/ 

Ausgewählte Projekte der Bauhaus-Universität Weimar

Mai Do: »Every Weekend, Our Attic Becomes Vietnam«

Betreuung: Prof. Birgit Wudtke und Julia Albrecht 
www.instagram.com/oddmaido

Teresa Fischer: »Herstory Repeats Itself« und »Everybody Wants To Leave Here«

Betreuung: Prof. Birgit Wudtke und Prof. Elke Gaugele, Akademie der Bildenden Künste Wien

Save the Date: Ausstellung zu »Expanded Horizons«

Eröffnung: Donnerstag 19. November 2026 
Ort: PHOXXI – Haus der Photographie Temporär der Deichtorhallen Hamburg
https://www.deichtorhallen.de/de/deichtorhallen/phoxxi 

Für Rückfragen steht Ihnen gern Romy Weinhold, Mitarbeiterin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit an der Fakultät Kunst und Gestaltung, telefonisch unter +49 (0) 36 43 / 58 11 86 oder per E-Mail an romy.weinhold[at]uni-weimar.de  zur Verfügung.