Erstellt: 20. Juli. 2009

Bauhaus im Do-it-yourself-Prinzip

Professorin Christine Hill von der Bauhaus-Universität Weimar gibt Wohnberatungen bei der Ausstellung „Modell Bauhaus“ in Berlin

Mit einer ironisch an die heutige Shopping- und Markenkultur angelehnte Messe-Installation unter dem Slogan „do it yourself bauhaus“ beteiligt sich die Weimarer Professorin Christine Hill an der Ausstellung „Modell Bauhaus“ vom 22. Juli bis 4. Oktober in Berlin. Die Ausstellung, die am 21. Juli 2009 im Martin-Gropius-Bau in Berlin eröffnet wird, wurde anlässlich des 90. Jahrestages der Gründung des Bauhauses erstmals gemeinsam von den führenden Bauhaus-Instituten Deutschlands, dem Bauhaus-Archiv, der Stiftung Bauhaus Dessau und der Klassik Stiftung Weimar gestaltet.

Ausgehend von der Frage, ob das Bauhaus nun doch noch beim Volk angekommen ist, greift Christine Hills Installation die Wahrnehmung der Ideen und Projekte auf, die von Otto-Normal-Verbraucher mit „Bauhaus“ assoziiert werden, und fordert die Besucher gleichzeitig auf, an neuen Bauhaus-Adaptionen mitzuwirken. Innerhalb der Ausstellung erprobt Hill den Beruf der Wohnberaterin, initiiert die Produktion entsprechender Dienstleistungen und bietet auch dem Rezipienten neue Rollen an. In einer Wohnberatung wird zunächst der individuelle Wunsch nach Veränderung diagnostiziert und dann ein persönlicher Hinweis für die weitere Zielfindung zum eigenen Stil mit auf den Weg gegeben. Zur Hilfe dienen historische Modellwohnungen und Einrichtungshandbücher, welche für Wohnberatungen etwa durch den Werkbund genutzt wurden sowie auch zeitgenössische Wohnmagazine und Ratgeber zu verschiedenen Aspekten des alltäglichen häuslichen Lebens. Ein Archiv der privaten Wohngrundrisse und Einrichtungen der Besucher sowie eine Pinnwand zu inspirierenden Berliner Orten rund um die Themen „Bauhaus“ und „Wohndesign“ können die Ausstellungsgäste aktiv mit gestalten und produzieren und sich so mit dem Thema Bauhaus auseinander setzen.

Objekte der heutigen Warenwelt mit verschiedensten Bauhausbezügen sind im „Kuriositäten-Schrank“ zu sehen. Diese Interpretation von Josef Pohls „Kleiderschrank für Junggesellen“ aus dem Jahr 1929 archiviert Produkte, die in Internet-Auktionsbörsen historisch ungenau als Bauhaus-Stil gelabelt werden, sowie neue Produkte und Projektideen wie z.B. Papierrollenhalter, ein Jugendzentrum, eine Apotheke, eine Immobilienfirma oder Fertighäuser, die ihre Produkte durch die Namensbeigabe „Bauhaus“ und den damit verbundenen Assoziationen aufwerten. Auch zeitgenössische Arbeiten von der heutigen Bauhaus-Universität Weimar setzen sich mit dem Mythos Bauhaus auseinander, so werden in Berlin unter anderem die „Wagenfällt-Lampe“ aus Holzklötzchen aus dem Projekt „My Bauhaus is better than yours“ der Studenten Lisa Dinges und Daniel Burchard, ein T-Shirt mit einem nach Art des IKEA-Katalogs gestalteten Bild des Gropiuszimmers von Max Albrecht und Smiley-Aufkleber im Stil Oskar Schlemmers zu sehen sein.

Diese und andere Erzeugnisse von Studenten der Bauhaus-Universität Weimar können auch im Bauhaus-Shop im Hauptgebäude der Universität, Geschwister-Scholl-Straße 8, erworben werden.

Ausstellung „Modell Bauhaus“
Ausstellung der drei deutschen Bauhaus-Institutionen
Bauhaus-Archiv Berlin / Museum für Gestaltung, Stiftung Bauhaus Dessau und Klassik Stiftung Weimar in Kooperation mit dem
Museum of Modern Art in New York
22. Juli 2009 – 4. Oktober 2009
Eröffnung: 21. Juli 2009
Martin-Gropius-Bau
Niederkirchnerstraße 7 | Ecke Stresemannstr. 110
10963 Berlin
www.modell-bauhaus.de

Kooperationspartner der Ausstellung ist das Museum of Modern Art in New York. Die Ausstellung wird gefördert von der Kulturstiftung des Bundes, HOCHTIEF, den Deutschen Sparkassen- und Giroverband und der Art Mentor Foundation.
(20.07.2009)