Forschungsgruppe Urban Heritage

Denkmalpflege in schrumpfenden Städten: Städtebauliche Denkmalpflege und Altstadtrevitalisierung in Sachsen-Anhalt, Dokumentation und Evaluierung des Revitalisierungsprozesses in historischen Stadtkernen

Quedlinburg, Gebäudeleerstand 2006, Darstellung: Katrin Kanus-Sieber

Katrin Kanus-Sieber
M.Sc. in Heritage Management (Martin Luther Universität Halle-Wittenberg, Hochschule Anhalt (FH) Dessau, Deutschland)

In den beiden letzten Dekaden wurden große Anstrengungen unternommen, die historischen Städte auf dem Gebiet der früheren DDR zu revitalisieren und zu erhalten. Zur gleichen Zeit haben diese Städte bis zu 30% ihrer Einwohner verloren. Stadtplanung und Denkmalpflege sind nun gefragt, ihre Umgehensweise und Planungswerkzeuge an diese Entwicklung anzupassen.

Um den Revitalisierungsprozess historischer Stadtkerne zu evaluieren, werden zunächst Stadtentwicklung und städtebauliche Konzepte, von ausgesuchten mittelgroßen Städten, mit vergleichbaren Eigenschaften, im Bundesland Sachsen-Anhalt untersucht. Die bisherige Entwicklung, die derzeitige Situation und Tendenzen für die Zukunft dieser Städte werden erläutert. Eine Kategorisierung der Städte auf Grundlage dieser Analyse soll einen ersten Einblick in die unterschiedlichen Bedürfnisse und möglichen Anpassungen der Planungspraxis geben. Die Analyse des Welterbegebietes der Stadt Quedlinburg aus dem Jahre 2006 hat ergeben, dass die Kartierung von Leerständen und Sanierungszustand der Gebäude im historischen Stadtzentrum neue Erkenntnisse zu Ursachen von Leerstand und Verfall aufzeigt. Um vergleichbare Informationen zu erhalten, werden deshalb die herausragenden Beispiele historischer Stadtstruktur Wittenberg, Salzwedel, Naumburg und Quedlinburg in gleicher Art kartographisch analysiert. Als ein neues Werkzeug der Stadtplanung, soll die stete Aktualisierung der Kartierungen (Monitoring) zur Beobachtung von Tendenzen in der Stadtentwicklung diskutiert werden. Hierfür wurde/wird die Bausubstanz im Welterbegebiet der Stadt Quedlinburg in den Jahren 2006, 2008 und 2010 kartiert. Die angestellten Beobachtungen verdeutlichen die teils rapiden Veränderungen unter Schrumpfungsbedingungen.

Das Monitoring der Entwicklung in Denkmalbereichen ist die Voraussetzung für nachhaltige Stadtplanung und Denkmalpflege in diesen Gebieten. Das Hauptaugenmerk zukünftiger, nachhaltiger Stadtplanung, in den schrumpfenden Gesellschaften der westlichen Zivilisation, wird in der Aufwertung bestehender Stadtstrukturen liegen. Neben verbesserten Lebensbedingungen sind Alleinstellungsmerkmale mit hohem Wiedererkennungswert, als Anker für die Identifikation der Einwohnerschaft mit ihrer Stadt wichtig. Historische Stadtzentren, wie es sie in Sachsen-Anhalt gibt, sind einzigartige Strukturen und bergen, so sie erhalten bleiben und ihr Wert vermittelt werden kann, große Potentiale auch in Zukunft Menschen für ein Leben und Arbeiten in ihnen zu begeistern.

April 2009