Medienwissenschaftlerin Dr. Elena Vogman gibt Sonderausgabe des renommierten e-flux Journals heraus
Dr. Elena Vogman, Freigeist Fellow der Volkswagenstiftung an der Fakultät Medien, hat gemeinsam mit dem Philosophen und Medientheoretiker Matteo Pasquinelli die Ausgabe 162 des renommierten e-flux Journal herausgegeben. Das e-flux Journal zählt zu den international einflussreichsten Plattformen für zeitgenössische Kunst, Medientheorie und kritische Kulturtheorie und fungiert als zentrale Schnittstelle zwischen künstlerischer Praxis, Medientheorie und kritischer Gegenwartsanalyse.
Das Heft widmet sich einer materialistischen Genealogie des »Operativismus« – einem Konzept, das sich durch die Arbeitspolitiken und das Scientific Management des 20. Jahrhunderts zieht: von den sowjetischen Avantgarden über die Kybernetik der Nachkriegszeit bis hin zur modernen Kriegsführung und den vielfältigen Lesarten von Harun Farockis »operativen Bildern«.
Vor dem Hintergrund einer weltweiten Intensivierung militärischer Operationen plädiert die Ausgabe für eine Rückkehr zu den materiellen und historischen Grundlagen des Operativismus. Bislang wurden »Operationen« vorwiegend im technologischen Register der Macht analysiert – ein Zugang, der alternative Genealogien verdeckte, die Operationen als Teil der Logik von Kooperation in Arbeit und sozialen Verhältnissen begreifen. Die Ausgabe richtet den Blick daher auf die »soziale Maschine« und die Organisationsformen der Arbeit, die operativen Abläufen zugrunde liegen. Ausgehend von Sandro Mezzadra und Brett Neilsons Analyse der »Operationen des Kapitals« wird Operativismus als kritisches Instrument gefasst, das vermeintlich neutrale Produktions- und Machtverhältnisse als historisch spezifische, umkämpfte Organisation von Arbeit lesbar macht.
Ein zentraler Bezugspunkt ist Harun Farockis Umdeutung des Operativismus in den späten 1960er Jahren: Er verstand ihn als Praxis politischer Intervention und Agitation – als Eingriff in die Zirkulationen von Bildern, Wissen und Produktion selbst. Im Rückgriff auf Sergej Tretjakov und Walter Benjamin wird Operativismus dabei nicht nur als ästhetische Kategorie, sondern als Organisationsfrage von Arbeit gefasst – einschließlich seiner Verstrickungen in extraktive und imperiale Produktionsformen. Die Ausgabe nutzt diese Spannungen produktiv, um Operativismus als kritische mediale Praxis neu zu bestimmen, die zwischen technischer Operation und sozialer Kooperation oszilliert.
e-flux Journal 162: Operativism: Labor, Automation, Agitation Herausgegeben von Elena Vogman und Matteo Pasquinelli April 2026
Mit Beiträgen von: Harun Farocki, Tom Holert, Olexii Kuchanskyi, Elena Vogman, Matteo Pasquinelli, Alla Vronskaya, Aleksei Gastev, Evgenii Petrov, Aleksandra Selivanova, Devin Fore, Kalindi Vora und Neda Atanasoski.
www.e-flux.com/journal/162
Kontakt:
Dr. Elena Vogman, she/her | Freigeist Fellow and Principal Investigator Madness, Media, Milieus. Reconfiguring the Humanities in Postwar Europe
Berkaer Str. 1
99423 Weimar
E-Mail: elena.vogman[at]uni-weimar.de
