Dipl.-Geographin Sandra Schindlauer erhält seit 2013 ein Stipendium der Graduiertenförderung Thüringen. Im Rahmen der zweijährigen Laufzeit bearbeitet sie ihr Promotionsprojekt zum Thema „Der strategische Umgang mit Wohnungs- und Obdachlosen im öffentlichen Raum deutscher Großstädte“, betreut von Prof. Dr. Frank Eckardt.

Abstract

„Der strategische Umgang mit Wohnungs- und Obdachlosen im öffentlichen Raum deutscher Großstädte“

Das Ziel des Promotionsvorhabens ist die Identifikation und Analyse städtischer Strategien im Umgang mit wohnungs- und obdachlosen Personen. Wohnungs- und Obdachlose sind aufgrund einer Vielzahl von Variablen in besonderem Maße auf den Aufenthalt und die Ressourcen im öffentlichen Raum angewiesen. Durch ihre Sichtbarkeit und ihre Verhalten geraten sie hier allerdings häufig in Konflikt mit BewohnerInnen, Ordnungsbehörden und Geschäftstreibenden.

Anhand dreier Fallbeispiele soll untersucht werden, welche Maßnahmen die Untersuchungsstädte Hamburg, Frankfurt und München ergreifen, um das Verhalten Wohnungs- und Obdachloser im öffentlichen Raum zu kontrollieren und zu steuern. Im Kontext der aktuellen Debatten um SOS (Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit) im öffentlichen Raum und der Frage nach dem „Recht auf Stadt“, wird ein Schwerpunkt der Arbeit auf den Motiven, Gründen und Rechtfertigungen für die Ergreifung bestimmter Maßnahmen liegen. Dabei wird die rechtliche Ebene (Sondernutzungsverordnungen, Gefahrenabwehrordnungen etc.) ebenso berücksichtigt werden wie die gesellschaftliche Wahrnehmung des Problems „Wohnungs- und Obdachlosigkeit“. Besonderes Augenmerk wird zudem auf denjenigen (baulichen) Gestaltungsmerkmalen des öffentlichen Raumes liegen, die gezielt den Aufenthalt wohnungs- und obdachloser Personen verhindern soll. Wesentliches Merkmal der empirischen Arbeit wird die Durchführung von narrativen Interviews mit den Betroffenen selbst, den Ordnungsbehörden, der Stadt und Sozialarbeitern sein. Es wird angenommen, dass dies der effektivste Weg ist, um das komplexe Problem zu begreifen.

Wie sehr das Thema Wohnungs- und Obdachlosigkeit in der deutschen Sozialforschung seit Ende der 1970er vernachlässigt wurde, zeigt nicht zuletzt die Tatsache, dass es in Deutschland weder eine Statistik zum Umfang der Wohnungs- und Obdachlosigkeit gibt, noch eine einheitliche Definition.

Kurzbiographie

1986 in der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden geboren. Studium der Stadt-/Sozialgeographie, Publizistik und Soziologie mit der interdisziplinären Zusatzqualifikation „Europäische Migrationsforschung“ an der Johannes Gutenberg-Universität, Mainz und der Midsweden University, Östersund (Schweden). Diplomarbeit zum Thema „Das Versorgungssystem für Obdachlose in San Francisco“, gefördert durch das Geographische Institut der Johannes Gutenberg-Universität und die Stipendienstiftung Rheinland-Pfalz. Forschungsaufenthalte in den USA, Brasilien und Kanada. Längerfristige Auslandsaufenthalte in Schweden (freiwillige Auslandssemester) und auf Malta (Praktikum gefördert durch den EU Servicepoint). Seit 2012 ehrenamtliche Tätigkeit in einer Wohnungsloseneinrichtung und ehrenamtliche Übersetzerin für das non-profit Internetportal „TED – Ideas Worth Spreading“. Ebenfalls seit 2012 Promotionsstudentin an der Bauhaus-Universität Weimar, Lehrbeauftragte und wissenschaftliche Hilfskraft an der Fakultät für Architektur und Urbanistik.

Arbeitsschwerpunkte
Soziale Ungleichheit (primär in westlichen Nationen), Wohnungs- und Obdachlosigkeit, öffentlicher Raum (besonderer Schwerpunkt auf baulicher Gestaltung), Strategien der Marginalisierung städtischer Randgruppen

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