Mobilisierungsformen des Blicks

10. Internationales Bauhaus-Kolloquium • Weimar 2007

Call for Papers

Workshop 4

Prof. Dr. Marco De Michelis (Universitá IUAV di Venezia)
Assistentin Chris Dähne M.Sc.

 

Wie in den technischen Bildmedien spielt auch im architektonischen Raum der Blick eine wichtige Rolle. Der Blick könnte sogar als eine Art gemeinsamer Nenner der Architektur und der verschiedenen Bildmedien bezeichnet werden. Denn sowohl die architektonischen Räume wie auch die verschiedenen Bilderpraktiken – besonders der Film als paradigmatisches Bildmedium der Moderne – folgt den Verfahren der Konstruktion, Lenkung und Inszenierung von Blicken. Da ist an klassische Formen wie etwa die Illusionsräume des Barock, an die Anamorphosen Andrea Pozzos oder die englischen Landschaftsgärten von Stourhead oder Stowe zu denken, ebenso wie an die zeitgenössische Architekturpraxis, angefangen von den Medienfassaden und Disneyland bis zu den japanischen Themenparks, shopping malls und musealen Erlebniswelten. Gemeinsam ist ihnen, dass der Raum als multiperspektiv, transparent, heterotopisch und virtuell verstanden wird. Die Fragestellung des Workshops besteht daher darin, die Intermedialität von Architektur heute gerade hinsichtlich der Ausrichtung des Sehens und des Blicks auszuloten. Welches ist die Rolle des Paradigmas des Digitalen, dass Wahrnehmungsweisen nicht mehr einem einzelnen Medium angehören, sondern sich in einem inter-medialen Raum als gemeinsame Matrix der räumlichen Imagination ansiedeln?

Eigentlich dienen Blicke ja der Orientierung. Doch ist in der Moderne das Oszillieren zwischen Orientierung und Desorientierung, von Sehen und Gesehenwerden, von Anwesenheit und Abwesenheit, von Transparenz und Intransparenz ein wesentlicher Wahrnehmungsaspekt. Das Unsichtbare ist nicht einfach mehr das Andere des Sichtbaren, sondern steht zu diesem in einem heterogen-fragmentierten Verhältnis. Sprechen wir von Mobilisierungsformen des Blicks, so sind in ihrer Reziprozität nicht nur optisch-sinnliche Ereignisse angesprochen, sondern auch die Blicke, insofern sie sich physiologisch wie psychologisch dem menschlichen Körper einschreiben. Blicke können in Unruhe und Aufruhr versetzen. Welche Rolle spielen die räumlichoptischen Mobilisierungsformen des Blickes dann bei der Innervierung der Körper und ihrer synästhetischen Mobilisierung?

Die verschiedenen Mobilisierungsformen von Bild, Raum und Körper gilt es aufzuspüren und beschreibbar zu machen. Dabei soll die gegenseitige Verschränkung sowohl der filmischen Imagination des Architektonischen – von Fritz Langs Metropolis bis Matrix – wie auch die Mobilisierungsformen des Blickes in der zeitgenössischen Architektur – bei zum Beispiel bei SANAA, GRAFT, Jun Aoki – untersucht werden.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: chris.daehne[at]archit.uni-weimar.de