Architektur und die Erzeugung der Sichtbarkeit

10. Internationales Bauhaus-Kolloquium • Weimar 2007

Call for Papers

Workshop 2

Prof. Dr. K. Michael Hays (Harvard University)
Assitent Dipl.-Ing. Tilo Amhoff M.A.

Architektur ist ein Medium zur Erzeugung von Sichtbarkeit in der Überschreitung der Grenze zwischen Bild und Material, zwischen Zeichen und Ding. Immer schon vom Bild her gedacht, gehen mit Handskizze (Scharoun), Storyboard-Technik (Le Corbusier), Diagrammserien (Eisenman) oder data visualization (Osterhuis) der Realisierung des Architektonischen bildhaft-performative Entwurfsverfahren voraus. In ihnen zeigt sich die Dialektik der architektonischen Bilderpraxis: Dass die Bilder einerseits Verstärker der Imagination sind, also Medium des Phantastischen und Utopischen, dass sie aber gleichzeitig auch Instrumente zur Präzisierung und Konkretisierung architektonischer Gedanken sind. Der Workshop stellt die Frage danach, wie heute die digitale Bilderproduktion in die Imaginations- und Entwurfsprozesse und damit in die Realität eingreifen. Bedarf es einer bildtheoretischen Rekonzeptualisierung der architektonischen Entwurfsverfahren?

Friedrich Nietzsche hatte schon erkannt, dass die Werkzeuge des Schreibens, wie Feder, Bleistift, Rapidograph oder gar die Schreibmaschine, immer an unseren Gedanken mitformulieren. Und Gottfried Semper hatte in seinem Buch Der Stil festgestellt, dass der Stil die „Uebereinstimmung einer Kunsterscheinung mit ihrer Entstehungsgeschichte, mit allen Vorbedingungen und Umständen ihres Werdens“, also mit den Prozessen ihres Gemachtsein sei. Lassen sich nicht etwa auch Sebastiano Serlios quasi „vorentworfene“, standardisierte Säulenordnungen, Mies van der Rohes Collagetechnik wie auch

Peter Eisenmans Diagrammverfahren als unmittelbare Reaktionen auf die jeweils neuesten Bildtechniken verstehen – wie zum Beispiel Buchdruck, Perspektive, Fotographie oder Film? Und wie partizipieren heute –  nach dem Strukturalismus, nach der Postmoderne und nach dem Dekonstruktivismus – die veränderten, digitalen Bildverfahren am Architekturentwurf?

Der Workshop fragt danach, wie sich die digitalen Bildverfahren in die architektonischen Entwurfsverfahren und weiter in die materiale und räumliche Substanz der Architektur einschreiben. Was ändert sich für die Entwurfsprozesse, die Prozesse der Imagination des Realen und die Erzeugung der Sichtbarkeit im Übergang vom linguistic turn der 60er Jahre zum digital turn heute?

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an: tilo.amhoff[at]web.de