Sommersemester 2021

Bachelor Vorlesung

Architekturgeschichte II – Von der Gotik bis zur Schwelle der Moderne

Thomas Cole, Architect’s Dream (1840)

Die Vorlesung bildet den zweiten Teil eines zweisemestrigen Zyklus zur Geschichte der Architektur von den Anfängen bis zur Gegenwart. Die Vorlesung des Wintersemesters beginnt mit allgemeinen Überlegungen zum Sinn und zur Bedeutung der Architekturgeschichte für das Studium der Architektur, setzt dann chronologisch mit den Anfängen der Baukunst ein und bietet einen Überblick von der Antike bis ins Spätmittelalter. Ziel ist es, einen Kanon an Bauten zu vermitteln, die ArchitektInnen kennen müssen und zugleich einen Einblick in die wichtigsten geschichtlichen Entwicklungen von Konstruktion und formaler Gestaltung sowie der Baugattungen zu geben, aber auch mit den verschiedenen methodischen Ansätzen und Betrachtungsweisen der Architekturgeschichtsforschung und -historiographie bekannt zu machen.


Literatur:

  • Benevolo, Leonardo: Die Geschichte der Stadt, Frankfurt a.M. 1983.
  • dtv-Atlas zur Baukunst, 2. Bde., 12. Aufl., München 2002.
  • Koch, Wilfried: Baustilkunde. Das große Standardwerk zur europäischen Baukunst von der Antike bis zur Gegenwart, 27. Aufl., München 2006.
  • Koepf, Hans / Binding, Günther: Bilderwörterbuch der Architektur. Mit englischem, französischem, italienischem und spanischem Fachglossar, Stuttgart 2005.
  • Kostof, Spiro: Geschichte der Architektur, 3 Bde., Stuttgart 1992.
  • Pevsner, Nikolaus: Funktion und Form. Die Geschichte der Bauwerke des Westens, Hamburg 1998 (A History of Building Types, 1976).
  • Pevsner, Nikolaus / Fleming, John / Honour, Hugh: Lexikon der Weltarchitektur, 3. Aufl. Hamburg 1992 (2000 als CD-ROM).
  • Seidl, Ernst (Hg.): Lexikon der Bautypen. Funktionen und Formen der Architektur, Stuttgart 2006.

 

Zielgruppe: BA Architektur, BA Urbanistik

Verantwortlich: Prof. Dr. phil Hans-Rudolf Meier, Dipl.-Ing. Kirsten Angermann

Leistungsnachweis:
- Prüfung für BA Architektur: Architekturgeschichte I, Teile 1 und 2 Ende SS 2021
- Testat für BA Urbanistik

Leistungspunkte: 3 + 3 ECTS (für Teile 1 und 2)

Termin: montags, 13.30 Uhr - 15.00 Uhr 1. Vorlesung am 12.04.

Bachelor Seminar

Master Seminar

Master Projekt

Architekturen der Katastrophen, Krankheiten und Krisen

Val van de toren van Babel, Cornelis Anthonisz, 1547

Es ist evident, dass Architekturgeschichte für gewöhnlich chronologisch vermittelt wird. Man kann die Architektur- und Stadtbaugeschichte jedoch auch entlang von Erfindungen, Entdeckungen oder Entwicklungen von Materialen und Konstruktionsweisen, entlang von politischen Umbrüchen oder religiösen Konjunkturen erzählen - und auch anhand von Katastrophen, Krankheiten und Krisen. So kann man den Städtebau des Mittelalters kaum ohne die Pestepidemien denken, ist die Stadtanlage Venedigs nicht ohne die andauernde Flutgefahr zu verstehen oder hatte Tuberkulose einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Architektur der Moderne.

Die noch andauernde Corona-Pandemie fordert heraus, über ihre derzeitigen und zukünftigen Implikationen auf die architektonische und städtebauliche Praxis nachzudenken. Aus der Sicht von Architekturgeschichte und Denkmalpflege ist hierbei der Blick in die Geschichte derjenige, der die Gegenwart verstehen hilft und auch für zukünftiges Handeln fruchtbar gemacht werden kann.

Wir möchten uns im Rahmen des wissenschaftlichen Projektes daher auf die historischen Spuren vorangegangener Katastrophen, Krankheitsausbrüche und Krisen begeben und dies architektur- und/oder stadtbaugeschichtlich nachvollziehen oder deren bauliche Zeugnisse denkmalkundlich betrachten. Vermittelt werden sollen dabei neben der thematischen Fokussierung die einzelnen Schritte des wissenschaftlichen Arbeitens, von der Themenfindung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Fragestellung über die Recherche und Ausarbeitung bis zur Präsentation einer schriftlichen Forschungsarbeit

Sprache: Deutsch

Leistungspunkte: 8 SWS/12 ECTS

Termine: Donnerstags 9:15 - 18:30, Beginn 08.04., 1. Zwischenkritik 06.05., 2. Zwischenkritik 17.06., Endkritik 15.07.

Studiengänge: M.Sc. Architektur, M.Sc. Urbanistik, maximal 15 Teilnehmende

Leistungsnachweis: aktive Teilnahme, mündliche Präsentation im Rahmen von Zwischenkritiken und Endkritik, schriftliche Ausarbeitung einer Forschungsfrage als Aufsatz/Hausarbeit und grafische Darstellung als wissenschaftliches Poster

Lehrpersonen: Prof. Hans-Rudolf Meier, Dipl.-Ing. Kirsten Angermann

 

Bildquelle: Rijksmuseum Amsterdam, gemeinfrei

Thesis-Themen

Villa Vollrath

CC-BY-SA-3.0 user: NoRud

Bachelorthesis

Denkmalsanierung Villa Vollrath, Bad Blankenburg

Bad Blankenburg ist eine unterhalb der Burg Greifenstein gelegene Kleinstadt am Eingang des Schwarzatals im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen. Durch die Errichtung einer Kaltwasserheilanstalt und die Ansiedlung verschiedener Sanatorien entwickelte sich die Stadt in der zweiten Hälfte des 19. und beginnenden 20. Jhd. zu einer florierenden Kurstadt und später einem Sommerfrische-Urlaubsort, war gleichzeitig aber immer auch industriell geprägt.

Die 1910/11 von dem Bad Blankenburger Textilschlauchproduzenten Wilhelm Vollrath erbaute Fabrikantenvilla ist mit Grundstück und Einfriedung als Einzeldenkmal eingetragen. Die großbürgerliche 24-Zimmer-Villa ist ein wichtiges Beispiel der Reformarchitektur des frühen 20. Jhd. in der Region und auch aufgrund des gärtnerischen Umfelds und der bauzeitlichen handwerklichen Innenausstattung bemerkenswert.

Das mehr als 7500 m2 große Grundstück inmitten des örtlichen Villenviertels war ursprünglich auch Standort der Vollrathschen Mechanischen Treibriemenfabrik und Schlauchweberei bis diese 1925 stadtauswärts verlegt wurde. Die Villa, welche zu DDR-Zeiten noch als Schule genutzt wurde, steht seit den 1990er Jahren leer. Gefragt sind Nutzungsideen und Entwürfe für das Gebäude sowie gegebenenfalls städtebauliche Skizzen für eine mögliche Nachverdichtung des Grundstücks.

Aufgabe:
Bauhistorische Analyse der Villa Vollrath sowie der angrenzenden Nebengebäude und denkmalpflegerische Bewertung des Bestandes. Erarbeitung eines Nutzungskonzeptes und Raumprogramms für das Gebäude, denkmalgerechter Entwurf, ggf. städtebauliche Skizzen für eine mögliche Nachverdichtung des Grundstücks.

 

 


Hochhäuser der 1950er und 1960er Jahre in der Stadt: Erbeobjekte, Instandsetzungen und gesellschaftliche Bewertungsprozesse

Foto: Oliver Heissner, 4347

Masterthesis und Bachelorthesis

In Verbindung mit dem gleichnamigen Seminar im Sommersemester 2021  besteht die Möglichkeit, eine Bachelor- oder Masterthesis zum Thema in Absprache mit der Dozentin, PD Dr. habil. Heike Oevermann, zu bearbeiten.

Das Lehrangebot ist angeschlossen an das Forschungsprojekt HochhausBestand der TU München und bietet die besondere Gelegenheit, an Forschung mitzuarbeiten. Ziel des Forschungsprojektes ist es, gute Beispiele des aktuellen Umgangs mit Bürohochhäusern der 1950er und 1960er Jahre zu identifizieren, nämlich solche, die Denkmalpflege, energetische Nachhaltigkeit und veränderte Nutzungsbedürfnisse integrieren. Die Lehrveranstaltung beschäftigt sich mit den Wertekonflikten und integrativen Ansätzen sowohl diskursiv und städtebaulich als auch im architektonischen Detail.

 

Neben Grundlagenrecherche und Analyse anhand viel diskutierter Beispiele, wie z. B. dem Dreischeibenhaus (1957-60, Sanierungen 1992-95 und 2011-14) in Düsseldorf, werden drei zentrale Fragen an einem gewählten Objekt (siehe Objektliste) vertiefend untersucht:

·           Welchen Stellenwert haben historische Bürohochhäuser im städtebaulichen Kontext heute?

·           Wie hat sich die öffentliche Rezeption und Bewertung im Kontext von Instandsetzungsmaßnahmen verändert?

·           Welche Bürohochhäuser werden als erhaltenswert angesehen, warum und in welcher Art und Weise? Hierbei sind auch die Unterschiede in den Denkmallistungen (wann, was, mit welchen Schutzstatus?) zu diskutieren.

 

Die Durchführung der Lehrveranstaltung erfolgt mit Online-Formaten und nach Möglichkeit in drei Workshoptagen (Weimar und München). Für ihre individuelle Recherche sind nach Möglichkeiten Studienfahrten in ausgewählte andere deutsche Großstädte zu planen.

 

 

Objektliste:

-       Plärrerhochhaus, Nürnberg, 1952-54, Arch. Willhelm Schlegtendal; Kernsanierung 2016, Fassade 2018, Arch. Knerer Lang

-       Commerzbank, Düsseldorf, 1959-62, Arch. Paul Schneider-Esleben, Kernsanierung 2018-20, Arch. HPP, Hotelnutzung

-       Hahn-Hochhaus, Stuttgart, 1962-64, Arch. Rolf Gutbrodt, Sanierung seit 2017 (?) Arch. Atelier Brückner

-       Schweizer National, Frankfurt a. M., 1962-64, Arch. Max Maid, Helmut Romeick, Sanierung 2006, Arch. pielok marquardt architecture

-       Haus der Werbung, Berlin, 1963-66, Arch. Rolf Gutbrodt, Sanierung 2016

-       Siemens-Hochhäuser in Erlangen (1959-62, Umbauplanung 2018/19), München (1961-63, entkernt) und Bremen (1962-96, Sanierung 2010-11), Arch. Hans Maurer

-       (Steglitzer Kreisel, Berlin), 1968-80, Arch. Sigrid Kreissmann-Zschach, Sanierung seit 2015/ 2017 Fuchshuber Architekten - städtebauliche Analyse besonders interessant

 

Das Forschungsprojekt erstellt für diese Objekte Lagepläne 1:5000, Regelgrundriss und Erdgeschoßgrundriss 1:500, Fassadendetails 1:33 1/3, die von den Studierenden genutzt werden können.

 

 


Bahnwerkstätten Erfurt

Von Elmar Nolte - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

 

Masterthesis
Bahnwerkstätten in Erfurt

 

Die ehemaligen Bahnwerkstätten der Hauptwerkstatt der Königlich Preußischen Eisenbahnverwaltung westlich des Erfurter Hauptbahnhofes stehen seit 2019 unter Denkmalschutz. Das Areal ist seit Jahrzehnten ungenutzt und sollte bis zur Unterschutzstellung noch der sog. ICE City West Platz machen und neu überplant werden. Seit Kürze im Eigentum der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) soll das Gelände nun zu einem neuen Stadtteil entwickelt werden.

Gesucht wird ein Konzept zur Umnutzung der Hallen (im Gespräch sind u. a. Markthallen, Wohnnutzung, Büros, Co-Working, Werkstätten, Gastronomie, Hotellerie und kulturelle Nutzungen sowie ggf. ein Kongresszentrum) und ggf. zur Nachverdichtung des Geländes.

 

Aufgabe:
Bauhistorische Analyse der Bahnwerkstätten und denkmalpflegerische Bewertung des Bestands, städtebauliche Analyse auch des Umfelds. Erarbeitung von Nutzungsideen für das Areal sowie denkmalgerechter Entwurf im städtebaulichen Maßstab mit detaillierter Ausarbeitung eines selbst zu wählenden Teilbereichs.