Archiv Forschung

Kolloquium "Der lange Schatten des Paul Schultze-Naumburg."

Kolloquium "Der lange Schatten des Paul Schultze-Naumburg."

Wissenschaftliches Kolloquium.
Das für 2019 anstehende Jubiläum der Bauhaus-Gründung nimmt das Bauhaus-Institut für Geschichte und Theorie der Architektur und der Planung der Bauhaus-Universität Weimar zum Anlass, sich verstärkt mit der Geschichte der eigenen Hochschule zu beschäftigen. Reflektiert wird insbesondere auch die Entwicklung der Institution nach dem Weggang des Bauhauses mit Fokus auf den Persönlichkeiten, die als Direktoren und Lehrer das Profil der Hochschule nachhaltig geprägt haben.

Nach einer ersten Tagung im April 2014, die sich mit Ernst Neufert beschäftigte, wird vom 03. bis 04. Dezember ein wissenschaftliches Symposium die durch den Nationalsozialismus geprägte Epoche als „Staatliche Hochschulen für Baukunst, bildende Künste und Handwerk“  in den Blick nehmen. Im Fokus des Symposiums steht ihr damaliger Direktor Paul Schultze-Naumburg, der die Architekturhochschule mit einem konträren Konzept zur Moderne in Richtung einer heimatschutzorientierten Handwerklichkeit neu ausrichten wollte.

In drei thematischen Panels soll zum einen die ambivalente Persönlichkeit Schultze-Naumburgs als Kulturreformer, Rassenideologe und Architekt thematisiert werden, zum anderen wird das didaktische und ideologische Profil der Weimarer Hochschule unter seinem Direktorat genauer betrachtet. Nicht zuletzt werden Wirkung und Nachleben dieser auch heute noch schwierigen Persönlichkeit diskutiert.

 

Programm und Hinweise zur Anmeldung .pdf

Wir würden uns freuen, Sie im Dezember an der Bauhaus-Universität Weimar begrüßen zu dürfen.

 

Ansprechpartner:

Bauhaus-Universität Weimar
Professur Denkmalpflege und Baugeschichte

Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier
Dr. Daniela Spiegel

Geschwister-Scholl-Str. 8
99423 Weimar

Tel. +49 (0) 3643/58 3129
E-Mail: daniela.spiegel@uni-weimar.de

Denkmal Werte Dialog

Denkmal Werte Dialog

Historisch-kritische Analyse und systematisch-praktische Konzeption denkmalpflegerischer Leitwerte

Leitwerte und Handlungsmaximen der Denkmalpflege sind nach der politischen Wende von 1989 europaweit unter Druck geraten und im theoretischen Diskurs wie der praktischen Handhabung in Frage gestellt worden. Scheinbar sichere fachliche Grundlagen haben ihre Allgemeinverbindlichkeit verloren, die Akzeptanz der Denkmalbehörden ist im Schwinden begriffen, das Gebot der umsichtigen Behandlung des kulturellen Erbes kollidiert zunehmend mit Wirtschaftlichkeitserwägungen - ohne dass praktikable neue Wertsysteme an die Stelle des Überkommenen getreten wären und der Stellenwert des kulturellen Erbes eine zeitgemäße Definition in der globalen Gesellschaft gefunden hätte. Eine neue Lust an der Vergangenheit spiegelt sich zudem in den zahlreichen Rekonstruktionsprojekten. Während historische Highlights weitgehend aus dem Baukasten verfügbar sind, treten authentische, bedrohte, "reale" Denkmale unterhalb der kulturellen Spitzenplätze in den Hintergrund. Es verschwindet, kurz gesagt, das Unspektakuläre am Historischen.

Unterschiedliche Aspekte können heute das Denkmal bestimmen - das materielle Zeugnis, seine Erlebnisqualität, sein Kunstwert, seine Funktion als Alleinstellungsmerkmal oder sein identifikationsstiftendes Potential. Die von Politik, Gesellschaft und Wissenschaft geforderten Antworten auf die Fragen nach den Aufgaben und Wertvorstellungen der Denkmalpflege sollen in diesem Forschungsprojekt durch eine kritische Revision denkmalpflegerischer Leitwerte und deren Verhältnis zueinander erarbeitet werden.

Das Projekt widmet sich neben der der fachinternen Vermittlung divergierender Positionen und Wertvorstellungen auch der Übersetzung denkmalpflegerischer Werte in die Gesellschaft bzw. der Rückübersetzung gesellschaftlicher Ansprüche in die denkmalpflegerische Praxis.

Für die mit Umbruch und Neuausrichtung konfrontierten Gesellschaften Europas erklärt sich die Relevanz des Forschungsvorhabens nicht nur angesichts der materiellen Begrenztheit und Unwiederbringlichkeit von Denkmalen, sondern auch aus dem Bedürfnis der Menschen nach identitätsstiftenden kulturellen Grundlagen. Denkmale repräsentieren den "Gemeinbesitz der Menschheit" -  wie es Goethe, Dehio und auch andere formuliert haben; in einer zunehmend durch Privatinteressen geprägten Gesellschaft kommt dessen Bewahrung und zukunftsfähiger Verankerung eine besondere Funktion zu. Diese Herausforderungen nimmt das Forschungsprojekt auf und zielt auf eine zeitgemäße Formulierung denkmalpflegerischer Werte und Wertsysteme. Wie lässt sich die Reflexion über kulturelle Identität und die gesellschaftlich-historische Selbstvergewisserung in Handlungswissen für die denkmalpflegerische Praxis übersetzen?

Die vier Teilprojekte untersuchen die der denkmalpflegerischen Praxis zugrunde liegenden Leitwerte historisch-kritisch und systematisch, wobei die Zeitbedingtheit solcher Werte, ihr Reflex auf gesellschaftliche Veränderungen und ihr zukunftsstiftendes und -strukturierendes Potential die Untersuchungen prägt.

 

Am Verbundprojekt sind folgende ForscherInnen und Institutionen beteiligt:

Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier, Bauhaus Universität Weimar, Fakultät Architektur, Professur Denkmalpflege und Baugeschichte.
Dr. Ingrid Scheurmann, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn, Abteilungsleitung Dokumentation und Denkmalvermittlung; TU Dresden, Fakultät Architektur, Vertretungsprofessur Denkmalkunde und angewandte Bauforschung.
Prof. Dr. Wolfgang Sonne, Technische Universität Dortmund, Fakultät Bauwesen, Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur (GTA).
Dr. Ulrike Wendland, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, Halle/S., Landeskonservatorin.

 

weitere Informationen zu den Teilprojekten

Informationen zur Schlusspublikation "Werte."

Bauen in der historischen Altstadt von Weimar: 1945/49 bis 1989

Bauen in der historischen Altstadt von Weimar: 1945/49 bis 1989

Dokumentation und Analyse des
innerstädtischen Bauens in Weimar seit Kriegsende bis zur Wende 1989.

Als zentrale Wirkungsstätte von Schiller und Goethe galt Weimar zu DDR-Zeiten als "Inbegriff alles Humanistischen in der deutschen Geschichte" (Walter Ulbricht, 1964). Entsprechend identifizierte sich die Stadt mit der historischen, von klassizistischer Architektur geprägten Innenstadt und ihren klassischen Kultur- und Gedenkstätten. Diese Sonderstellung Weimars manifestierte sich -
so die These des Forschungsprojektes - auch im Umgang mit der historischen Architektur: Während die Planungen der späten 1960er Jahre neue städtebauliche Akzente an der Peripherie, gleichzeitig jedoch den Erhalt der Kernstadt vorsahen, wurden an anderen Orten der DDR große Teil der historischen Altstädte durch Neubauten ersetzt.

Kern des 2009 initiierten Forschungsprojektes ist eine Dokumentation und Analyse des innerstädtischen Planens und Bauens in Weimar vom Kriegsende bis zur Wende 1989. Als Grundlage hierfür wird eine Datenbank erstellt, die eine Objektliste mit Baudaten einschließlich späteren Umbauten sowie Verweise auf Planmaterial, Fotografien und Archivdokumente umfasst. Eine Bibliographie soll Publikationen zum Bauwesen in Weimar von 1945-89 einschließlich nicht realisierter Entwürfe und Wettbewerbe, zu den Einzelbauten und zu den Architekten und Entwerferkollektivs aufnehmen. Die ausgeführten und bis heute erhaltenen Gebäude werden fotografisch erfasst, in einer Kurzbeschreibung charakterisiert und der aktuelle Erhaltungszustand festgehalten.
Bereits 2009 wurden eine Diplom- und mehrere Bachelorarbeiten zur DDR-Architektur in Weimar betreut (Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier, Dr. Eva von Engelberg), 2010 folgen weitere Bachelorarbeiten zu diesem Themenkomplex.

Im Wintersemester 2009/10 wird das Projekt durch den Frauenförderfonds 2009 der Bauhaus-Universität Weimar finanziell unterstützt. Frau Claudia Prieske, Masterstudentin der Bauhaus-Universität, übernimmt als wissenschaftliche Hilfskraft einen Teil der Archivrecherche und beginnt mit der Erstellung der Datenbank. Daniel Sebening, Bachelorstudent der Kunstgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Kulturmanagements an der Hochschule für Musik Franz Liszt in Weimar, ist als studentischer Mitarbeiter der Professur Denkmalpflege und Baugeschichte mit Literaturrecherchen betraut.

 

erweiterter Überblick zum Forschungsprojekt

Bybassos / Orhaniye: Survey- und Konservierungsprojekt

Bybassos / Orhaniye: Survey- und Konservierungsprojekt

Im Zusammenhang mit einem von Prof. Dr. Winfried Held (Universität Marburg) geleiteten und von der DFG geförderten Surveyprojekts zur hellenistischen Besiedlung des Gebiets des antiken Bybassos auf der karischen Chersones (Südwest-Türkei) (www.poliskultur.de/43_.html) beteiligt sich die Professur Denkmalpflege und Baugeschichte der Bauhaus-Universität Weimar seit 2007 mit Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier und Dipl.-Ing. Iris Engelmann an der Erkundung und Aufarbeitung der nachantiken Befunde des Survey-Gebiets durch den Lehrstuhl für Christliche Archäologie und Kunstgeschichte der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (Prof. Dr. Carola Jäggi).


Abb. 1  Das Surveyteam in der Burganlage auf der Insel Kale Adasi in der Bucht von Orhaniye (Foto: C. Jäggi)

 

Konservierungskonzept für die »Hafenkirche« von Orhaniye

Unser Teilprojekt konzentriert sich auf die Mitten in der Marina von Orhaniye stehenden Reste einer frühbyzantinischen Kirche. Sie wird in Zusammenarbeit mit dem Erlanger Team baugeschichtlich erforscht. Im Zentrum der Kampagne 2008 stand außerdem die Schadenanalyse, die Basis eines von Iris Engelmann auszuarbeitenden Konservierungskonzepts bildet.


Abb 2 Die Kirche von Nordwesten (Foto: U. Verstegen)

 

Baugeschichtlich hat sich die Hypothese einer Errichtung im 5./6. Jh. bekräftigt, wobei etliche Detailbeobachtungen die Rekonstruktion des Bauvorgangs erlauben. Die dreischiffige Basilika wurde mit ihren Apsisflankenräumen in einem Zug erbaut. Sekundär, aber vermutlich nur wenig später, wurde der Narthex, anschließend der Vorhof angefügt. Mit dem Anbau des Narthex ging die Aufstockung der Seitenschiffwestfassaden einher. Der Narthex war ursprünglich zweigeschossig, doch ist im Laufe der Nutzung der Kirche das Obergeschoss offensichtlich aufgegeben worden. Eine an der Oberfläche zwischen den Steinplatten des Stylobats gefundene mittelbyzantinische Münze gibt Aufschluss, wie lange die Kirche mindestens in Nutzung war.


Abb. 3 Vermessungsarbeiten an der Westwand (Foto: H.R. Meier)

 

Dıe Zustands- und Schadensanalyse des Baus bestätigt zunächst den ersten Eindruck, dass die Ruine sich insgesamt in einem recht guten Zustand befindet und ihre Sicherung und Erhaltung keine allzu großen Probleme bietet. Erscheint zunächst die üppige Umgebungsbepflanzung als problematisch, zeigt die genauere Betrachtung, dass es hauptsächlich der Eukalyptusbaum unmittelbar östlich des Apsisscheitels ist, der möglichst umgehend zu entfernen ist, da er dıe Apsismauer gefährlich auseinanderdrückt. Auch die in und auf den Mauern wachsenden Pflanzen sind zu entfernen, wogegen dıe Begrünung insbesondere vor dem Südschiff offensichtlich mehr schützt als schadet. Wie im Detail zu verfahren ist, wird im von der Bauhaus-Universität zu erarbeitenden Restaurierungs- und Erhaltungskonzept ausgeführt. Ebenso, wie dıe Fehlstellen im Mauerwerk zu behandeln sınd: Neben der Sicherung und Glättung der Mauerkronen und der partiellen Neuverfugung der Mauern im Spritzwasserbereich wird es um die Sicherung der statisch bedenklichen Stürze bei mehreren Türdurchgängen und ehem. Fenstern gehen.


Abb. 4 Ein Eukalyptusbaum unmittelbar vor dem Scheitelpunkt der Apsis sprengt das Mauerwerk (Foto: I. Engelmann)