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Die Fakultät Architektur und Urbanistik zeigt auf der summaery2026 Entwürfe für Räume im Wandel. Design: Ames Grund, Hannes Altmann, August Guccione | Foto: Studierende Professur Bauformenlehre, 2. Kernmodul im Bachelor Architektur »Reforming Roofs«
Die Fakultät Architektur und Urbanistik zeigt auf der summaery2026 Entwürfe für Räume im Wandel. Design: Ames Grund, Hannes Altmann, August Guccione | Foto: Studierende Professur Bauformenlehre, 2. Kernmodul im Bachelor Architektur »Reforming Roofs«
Erstellt: 26. Juni 2026

summaery2026 an der Fakultät Architektur und Urbanistik: prompt‽ – Zwei Orte, viele Zukünfte

Was bleibt, wenn die Maschinen stillstehen? Und was geschieht, wenn ein Markt mehr ist als ein Ort des Handels, nämlich ein Speicher von Erinnerungen, Routinen und Geschichten? An zwei sehr unterschiedlichen Orten gehen Architektur- und Urbanistikstudierende der Bauhaus-Universität Weimar diesen Fragen nach und präsentieren ihre Arbeiten zur summaery2026 im Hauptgebäude.

In Eisenach und Shenzhen, zwischen dem ehemaligen Automobilstandort in Thüringen und einem historischen Marktviertel im Perlflussdelta im Süden Chinas, suchen die Studierenden nach Impulsen für neue Räume. Beide Orte stehen exemplarisch für Situationen räumlicher Transformation in sehr unterschiedlichen Kontexten: der »AWE Campus Eisenach« auf einem industriell geprägten Areal in Thüringen, der »Gongming Market Revival« in einem hochverdichteten Marktquartier in der chinesischen Metropole Shenzhen. Zwischen Brachen und Betrieb, Alltag und Verdichtung ergeben sich Konstellationen, in denen Vergangenes nicht abgeschlossen ist, sondern weiterwirkt, und in denen Zukunft nicht feststeht, sondern verhandelt wird.

Zwischen Industriebrachen und neuen Zukunftsbildern

Der Standort der ehemaligen Automobilwerke Eisenach (AWE) zeugt von industrieller Produktion, von Arbeit und Identität. Mit der Industrialisierung entstand nördlich der Altstadt ein prägendes Zentrum des Automobilbaus. Nach dem Rückzug der Industrie blieb ein fragmentierter Stadtraum zurück, der geprägt von Brachflächen, einzelnen Gewerbenutzungen, Bildungseinrichtungen und den baulichen Spuren seiner industriellen Vergangenheit ist. Wo einst Fahrzeuge gefertigt wurden, kommen heute Fragen nach Nachnutzung, Klimaanpassung und regionaler Entwicklung auf. 

Die angehenden Architekt*innen und Urbanist*innen begreifen das Gelände als Experimentierfeld für den Umbau ehemaliger Industrieflächen. Sie fragen: Welche Zukunft kann aus den vorhandenen Strukturen wachsen? Welche Geschichten können weitergeschrieben werden? Und wie lässt sich das Erbe in einen lebendigen Ort für Bildung, Kultur, Wissenschaft, Sport und Nachbarschaft einbinden? 

Ausgehend vom denkmalgeschützten Ensemble des ehemaligen Automobilstammwerks erarbeiten die Studierenden Visionen für einen Campus. Der Fokus liegt dabei auf dem Potenzial der Freiflächen zwischen den Gebäuden. Die Entwürfe zeigen, wie diese dem Areal ein neues Profil verleihen können, indem sie ökologisch, programmatisch und atmosphärisch aufgewertet werden und vorhandene Stadtstrukturen dabei neu verknüpfen. Der Bestand wird nicht als Hindernis, sondern als Ausgangspunkt für neue räumliche Beziehungen gesehen, der industrielle Spuren, notwendige Klimaanpassung und gesellschaftliche Anforderungen zusammen denkt. Die städtebaulich-freiraumplanerischen Entwürfe zeigen Visionen eines widerstandsfähigen Stadtraums, der sich stetig weiterentwickelt.

»Die postindustriellen Brachflächen des ehemaligen AWE-Stammwerks zwischen Hörsel und Bahndamm bilden eine Zäsur in der Stadtstruktur. Uns hat interessiert, wie der Freiraum die Beziehungen zwischen Bestand, Bildung, (Industrie-)Kultur, den umliegenden Nachbarschaften und dem Fluss stärken kann. Wir betrachten ihn dabei als Ressource für die Transformation des Areals hin zu einer grünen, klimaresilienten, durchmischten und vernetzten Stadtstruktur«, so Jannik Petry, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur für Landschaftsarchitektur und -planung.

Die studentischen Ideen geben ökologische, soziale und bildungspolitische Impulse, die weit über den AWE-Campus hinauswirken. Sie zeigen, wie sich an einem Ort der Produktion neue Perspektiven für eine Stadtlandschaft eröffnen, in der Menschen lernen, arbeiten und sich begegnen. 

summaery2026 | Fakultät Architektur & Urbanistik

von Bauhaus-Universität Weimar

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Video: Angye Diener

Lokale Geschichten im globalen Stadtraum

Tausende Kilometer entfernt, im Guangming District der chinesischen Metropole Shenzhen, beginnt das Projekt »Gongming Market Revival«. Hier liegt ein Ort, der bereits alles erzählt. Der historische Gongming Old Market liegt eingebettet in ein sogenanntes Urban Village, ein hochverdichteter urbaner Raum. Dieser ist aus ehemals ländlichen Siedlungsstrukturen hervorgegangen und wird heute durch Überlagerungen verschiedenster Nutzungen wie Produktion, Handel, Wohnen, Alltag und stetige Transformation geprägt.

Im Zentrum steht die Qilou-Architektur (骑楼), deren arkadenartige Bauweise das Straßenbild prägt und als stilles Archiv regionaler Bau- und Stadtgeschichte lesbar bleibt. Zwischen engen Gassen, überdachten Wegen und dicht gestapelten Nutzungen stellt sich die Frage, wie ein Marktquartier bestehen bleiben und sich zugleich verändern kann. 

Diese Frage wird im Rahmen eines gemeinsamen Entwurfsstudios der Professur Entwerfen und Baukonstruktion der Bauhaus-Universität Weimar und des Greater Bay Area Lab der Shenzhen University verhandelt. Die Zusammenarbeit vor Ort eröffnet dabei direkte Einblicke in die räumlichen, sozialen und baulich-konstruktiven Strukturen des Quartiers. Bereits die Exkursion vor Semesterbeginn machte deutlich, dass der Markt kein abgeschlossenes System, sondern tief im Alltag der Menschen verankert ist. 

»Der Markt ist kein Relikt der Vergangenheit, sondern ein lebendiger Träger lokaler Identität. Seine räumlichen Strukturen sind bis heute eng mit den alltäglichen Wegen und Gewohnheiten der Menschen verbunden«, sagt Marlene Külz, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur Entwerfen und Baukonstruktion. »Besonders charakteristisch sind die Überlappung unterschiedlicher Nutzungen sowie die tageszeitliche Transformation des öffentlichen Raums. Tagsüber prägen Produktion, Handel und Versorgung das Quartier, abends wird es zum Ort informeller Gastronomie und sozialer Interaktion. Diese enge Verflechtung der verschiedenen Funktionen macht die besondere Qualität des Quartiers aus.«

Die Entwurfsarbeit setzt an den Überlagerungen von Alltag, Architektur und Stadtgeschichte an. Es wurden Strategien für eine behutsame Revitalisierung im Bestand und die Hinzufügung nachhaltiger Neubauten erarbeitet. Dabei ist klar: Transformation ist hier kein Bruch, sondern eine Weiterentwicklung, die im Bestehenden angelegt ist. Der Markt wird nicht als isoliertes Objekt betrachtet, sondern er fungiert als Ausgangspunkt für Szenarien, die Stadt und Quartier lebendig halten, Geschichte und Gegenwart verbinden und Raum für zukünftige Entwicklungen schaffen.

prompt‽ – Fragen, die Räume verändern

Beide Projekte zeigen in unterschiedlichen Maßstäben und Kontexten, wie das Entwerfen mit einer Frage beginnt – einer, die das Vorhandene öffnet, es hinterfragt und Raum für Neues schafft. Zwischen Industrieareal in Thüringen und südchinesischem Markt, zwischen Vergangenheit und Gegenwart, lokalem Wissen sowie globalen Herausforderungen entstehen keine fertigen Antworten, sondern offene Setzungen, die weiterbearbeitet, weitergedacht und weiterverändert werden können. So wird sichtbar, dass jeder Entwurf auch ein Anfang ist, ein Impuls, der weitere folgen lässt. Die summaery2026 versammelt diese Impulse unter dem Titel »prompt‽«: als Einladung, das Entwerfen selbst als Bewegung zwischen Frage, Reaktion und Möglichkeit zu verstehen.

Jahresschau der Bauhaus-Universität Weimar
summaery2026 »prompt‽«
Donnerstag, 9. Juli, bis Sonntag, 12. Juli 2026

Alle Projekte der Fakultät Architektur und Urbanistik im Überblick (alphabetische Reihenfolge):

After Glück
AWE Campus Eisenach
Bauarchiv am Köllnischen Park
Bauhäuser – Ein Architekturführer der Bauhaus-Universität Weimar
Bebauen oder Bewahren? – Nutzungskonkurrenzen zwischen Stadtentwicklung, Schieneninfrastruktur und Klimaschutz im Rosensteinareal in StuttgartBürgerhaus Berlin Mariendorf
D–LAB Research Showcase – Projects, Prototypes & Processes
Das Klassische Weiterbauen
City in Panels: Urban Comics
DIE BÜCHER UND IHR ORT. Ein Neubau für die Bibliothek Werner Oechslin.
Eine Stunde Architektur
Der unsentimentale Versuch eines Bauteilkatalogs
Engaged (urban) sketching
Elizabeth Street Garden – Seminar / Elizabeth Street Garden
IL TETTO – Case Study House / IL TETTO – Unfolding Large Roofs / IL TETTO – Roofscapes /  IL TETTO – Reforming Roofs
How to draw!
Gongming Market Revival
Kompaktes Wohnen: Was braucht der Mensch?
IN TUNE Between attunement and performance: towards a practice of co-design
Klimanotstand! und jetzt? – Kommunale Handlungsspielräume in der Klimapolitik
Kritische räumlich-ökologische Praxis
Lehm-Flechten-Werk
Otto Steidle – Recherche
Offenes Forschungslabor der Bauhaus-Gruppe Sendehalle
Murx!
practices and politics of representation 2026
Prompt City: Urban Vision Wolfsburg
Post-Benko Stadt mit Abschlusspräsentation und Podiumsdiskussion am Freitag, 10. Juli, 17 bis 20 Uhr im Oberlichtsaal
RESONANCE.PATTERN - water jet timber structure
Schlauchturm “alte Feuerwache Weimar e.V.”
RE.shape | Neue Mitte Leonhardsvorstadt Stuttgart
Spielfrei – formschlüssiges Ineinandergreifen
Stadtbad Glauchau
Seminar und Zeichenexkursion nach Litoměřice / Leitmeritz
Therapie! Das alte Klinikareal: ein neuer Stadtbaustein für Jena
Turmbaubühne
Using and Re-Using the Existing (umzunutzen)
Unverleimte Holzkonstruktionen
Versuchsgut Dornburg – Experimente zu einer nachhaltigen Tektonik, Komfort und Alltag mit Baustellenfest am Samstag, 11. Juli, 15 bis 22 Uhr auf der Domäne Dornburg 
WiederverwendBAR
Weimar Merketal - To build or not to build

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