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AWE Campus Eisenach

Entwurf | 4.Kernmodul |  B.Sc. Architektur,  B.Sc. Urbanistik | Prof. Dr.-Ing. Sigrun Langner, M.Eng. Elisabeth Peters, M.Sc. Jannik Petry | 12ECTS | 8SWS

Nördlich der Innenstadt von Eisenach, zwischen Bahndamm und dem Fluss Hörsel befindet sich das industriegeschichtlich bedeutsame Areal der ehemaligen Automobilwerke Eisenach (AWE). 

Mit der rasanten Industrialisierung im ausgehenden 19.Jhd. entstand nördlich der Innenstadt eine großflächige Industrieansiedlung, durchmischt mit Arbeiterwohnquartieren in geschlossener Bebauung sowie gründerzeitlichen Stadtvillen. Mit der Verlagerung und Stilllegung der Industrieproduktion ist das Areal heute gekennzeichnet durch eine fragmentierte städtebauliche Struktur, durchzogen von großflächigen Brachen und geprägt durch verbliebene Gewerbebetriebe, vereinzelten gewerblichen Neuansiedlungen, Einzelhandelsnutzungen, aber auch Bildungseinrichtungen und den baulichen Resten des industriekulturellen Erbes. 

Ausgehend vom Areal um das denkmalgeschützte Ensemble des ehem. Automobilstammwerkes gehen wir im städtebaulich-freiraumplanerischen Entwurf „AWE Campus Eisenach“ der Frage nach, wie ein Transformations- und Revitalisierungsprozess des industriegeschichtlich bedeutsamen Gebietes zu einem resilienten und zukunftsfähigem Stadtraum angestoßen werden kann.

Dabei suchen wir nach soziokulturellen, ökologischen, bildungspolitischen und demokratiestärkenden Impulsen, die über den AWE-Campus ausstrahlen und das Gesamtareal entlang der Hörsel als grünen und vernetzenden Stadtraum aktivieren.

Zentrale Frage ist, wie über die Gestaltung der bisher unstrukturierten und undefinierten Freiräume die städtebauliche Profilierung und die ökologische und soziokulturelle Neuausrichtung des ehemaligen AWE-Areals vorangetrieben werden kann. 

Der Umgang mit der industriellen Vergangenheit, Fragen der ökologischen Sanierung, des Hochwasserschutzes, mögliche Verknüpfungsebenen zwischen Bildung, Wissenschaft, Kultur, Sport sowie den bestehenden und neuen Nachbarschaften sollen thematisiert werden.

Im Betrachtungsraum liegt das Denkmalensemble mit den verbliebenen Fabrikgebäude O1 und O2 sowie dem Torhaus zum ehem. Werksgelände. Die denkmalgeschütze O2-Halle beherbergt heute das Automobilmuseum. Aktuell plant die Stadt die Wartburgarena „O1“ als Multifunktionshalle im benachbarten Industriedenkmal für Schul-, Vereins- und Wettkampfsport zu entwickeln. Im Gebiet befindet sich darüber hinaus eine Berufsschule und in unmittelbare Nähe die Duale Hochschule Gera-Eisenach. Bisher stehen diese Bildungs- und Kultureinrichtungen ohne erkennbare Bezüge nebeneinander. 

Das AWE-Gelände selbst und die Quartiere entlang der Oppenheimer Strasse liegen stadträumlich isoliert zwischen der Hörsel und der vielbefahrenen Rennbahn, von der Innenstadt getrennt durch den Bahndamm der ICE-Trasse. Besonders entlang der Hörsel werden die Brüche der Stadtstruktur aber auch Möglichkeiten sichtbar. Ehemalige und aktuell genutzte Industrie- und Gewerbeflächen säumen den Flussraum, der als landschaftliche Achse durch die Stadt führt. Der Fluss selbst wirkt dabei sowohl trennend als auch verbindend: Einerseits ist er identitätsstiftendes Landschaftselement, das mit Blickbeziehungen zum Thüringer Wald und zur Wartburg die Besonderheit des Ortes unterstreicht. Andererseits trennen Uferbefestigungen, rückseitige Gewerbebauten und verkehrliche Barrieren vielerorts Quartiere und Wasser voneinander, sodass der Kontakt zum Fluss häufig zufällig und fragmentarisch bleibt. Ausgedünnte Nutzungen, brachfallende Hallen und versiegelte Flächen prägen in weiten Teilen die Ufer. Aus der freiraumplanerischen Perspektive eröffnen diese Brachen jedoch die Chance in Verbindung mit dem Fluss ein zusammenhängenden Grün- und Freiraumband zu entwickeln: ein Band, das multifunktionale Anforderungen an Hochwasserschutz, ökologische Aufwertung, klimaangepasste Stadtstruktur und wohnungsnahe Erholung für die dichten Blockrandgebiete entlang der Oppenheimer Straße miteinander verbindet.

Eine weitere prägende und zugleich trennende Linie in Eisenach ist die Bahntrasse und die parallel verlaufende Rennbahn, die die Stadt in Ost-West-Richtung durchschneidet. Historisch Motor für wirtschaftliche Entwicklung und Industrialisierung, wirkt die Bahn zugleich als starke räumliche Zäsur im Stadtgewebe. Sie trennt Innenstadt und die beidseitige der Bahnstrecke gelegenen Quartiere voneinander und schränkt Blick- wie Wegeverbindungen ein. Beidseitig der Bahn treffen unterschiedliche Stadtstrukturen und Gebäudetypologien aufeinander: dichte Blockrandbebauung, Gründerzeitvillen, Reihenhäuser, ehemals industrielle Bereiche, großmaßstäbige Gewerbebauten und Einzelhandel, Brachen, Infrastrukturen und Parkplätze... Die Herausforderung besteht darin, aus dieser Zäsur eine Nahtstelle zu machen, durch gestaltete Unter- und Überführungen, klare Wegeverbindungen zwischen Bahnhof, Innenstadt und Flussraum sowie durch die Umnutzung bahnnaher Rest- und Brachflächen zu neuen Adressen für Wohnen, Gemeinschaft und Freiraum. Der Campus auf der AWE-Brache kann zu einem solchen vernetzenden Gelenk in der Stadtstruktur entwickelt werden.

 

Im Projekt suchen wir deshalb nach den Möglichkeiten der Brachen des AWE-Geländes und der Freiräume entlang der Hörsel als Ressource für die Transformation des Areals hin zu einer grünen, klimaresilienten, durchmischten und vernetzenden Stadtstruktur. Hier benötigt es vor allem ein resilientes Programm, das neue, zukunftsfähige Impulse in den industriell geprägten Arealen setzt und diese in die bestehenden Stadt- und Freiraumstrukturen einwebt. Zwischen Flussraum und Bahnschneise entsteht so ein Stadtraum, der aus seinen Brüchen und industriekulturellen Vergangenheit heraus neue Räume für das Zusammenkommen, für Klimaresilienz und für die produktive Verbindung von Landschaft und Stadt entwickelt.

Zeit: Immer Dienstags, ganztägig

Kick-Off: 07.04.26, 
Raum+Zeit: Tba.