Weimarer Wohnungsforschung

Selbstverständnis

Wohnen ist ein menschliches Grundbedürfnis und damit von elementarer Bedeutung für individuelle und gesellschaftliche Entwicklung. Gleichzeitig ist die Schaffung sozial gerechter Wohnraumversorgung eine der zentralen Herausforderungen heutiger Stadtentwicklung.

Wohnen ist die Hauptnutzung des Bodens in den Städten, Kern und Ausgangspunkt lebendiger und sozial integrierter urbaner Räume und wesentlicher Faktor städtischen Ressourcenverbrauchs aber auch Gegenstand kapitalorientierter Verwertungsinteressen und sozialer Verteilungskämpfe. Durch die kapitalistische Organisation von Wohnraum und Boden kommt es zu immer wiederkehrenden Wohnungskrisen, die dieses Grundbedürfnis in Frage stellen. Steigende Mieten bedrohen auch aktuell wieder einkommensschwache Haushalte und die Mittelschicht in deutschen Metropolen, Großstädten und zunehmend auch den Mittelstädten.

Lösungen für eine sozial gerechte Wohnraumversorgung können nur in integrierter Perspektive mit Beteiligung verschiedener Disziplinen gefunden werden. Aus diesem Grund haben sich Wissenschaftler_innen aus Stadtplanung, Soziologie, Architektur, Kulturwissenschaft, Urbanistik, Politikwissenschaft und Humangeographie am Institut für Europäische Urbanistik zur Weimarer Wohnungsforschung zusammengeschlossen.

Die Bauhaus-Universität Weimar und die Fakultät Architektur und Urbanistik als Orte transdisziplinärer Forschung bilden den Rahmen für unsere integrierte und raumbezogene Wohnungsforschung.

Die Ziele der Weimarer Wohnungsforschung sind:

  • Wissenschaftliche Grundlagen aus dem Feld der Stadtforschung zur Analyse der Produktion, Nutzung und Gestaltung von Wohnraum und zur Wohnungspolitik in Deutschland (und im internationalen Vergleich) zu liefern.
  • Die Wohnungsforschung langfristig und dauerhaft als interdisziplinäres Forschungsfeld zu etablieren und institutionell zu verankern, trotz zyklischer Aufmerksamkeit der Politik.
  • Die öffentliche Diskussion und die politische Entscheidungsfindung mit Strategien zur sozial gerechten Wohnraumversorgung zu bereichern.

Workshopreihe des Netzwerks der Weimarer Wohnungsforschung

Eine Workshopreihe des Netzwerks der Weimarer Wohnungsforschung der Bauhaus-Universität Weimar widmet sich aktuellen Fragen der Wohnungsforschung zu Boden, Infrastruktur, Praktiken und Methoden. Ziel der vom Institut für Europäische Urbanistik (IfEU) organisierten Veranstaltungsreihe ist der interdisziplinäre fachliche Dialog zwischen Wohnungsforscher*innen vor dem Hintergrund, dass Lösungen für drängende Fragen einer sozial gerechten Wohnraumversorgung nur im Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis und unter Beteiligung verschiedener Disziplinen gefunden werden können.

In der nunmehr zweiten Workshopreihe des Netzwerks stellen im Lauf von zwei Jahren Wissenschaftler*innen aus dem In-und Ausland und Vertreter*innen der Wohnungswirtschaft sowie Planer*innen aus der Praxis unterschiedliche Perspektiven der interdisziplinären Wohnungsforschung ins Zentrum: aktuelle Belange der Wohnungsforschung in und durch die Pandemie, drängende Fragen zur Schaffung bezahlbaren Wohnungs(neu)baus und das Ausloten alternativer Eigentumsmodelle. Auch zukunftsrelevante Themen wie die Transformation und der Erhalt des Wohnbestands, die Wohnraumversorgung als Infrastruktur im Wohlfahrtsregime und empirischen Methoden zur Beschreibung des Wohnens mit dem Ziel der Ermittlung konkreter Wohn(raum)bedarfe werden thematisiert. Die achteilige Reihe wird ergänzt durch ein interdisziplinäres Doktorand*innen-Kolloquium, zu dem Nachwuchsforscher*innen eingeladen sind, diese Themen mit ihren Ansätzen zu bereichern und einem Gremium hochkarätiger Fachreferent*innen zur Diskussion vorzustellen. Nach einem Auftakttreffen der Netzwerkmitglieder im Juli dieses Jahres startet die Reihe am 26. November 2021 mit einem von Dr. Lisa Vollmer und Prof. Barbara Schönig initiierten Workshop zur »Wohnungsversorgung als Infrastruktur: Zwischen analytischem Konzept und gesellschaftlichem Programm«.

Die Workshops sind inhaltlich eingebettet in den Forschungskontext des 2018 gegründeten Netzwerks der Weimarer Wohnungsforschung. Unterstützt wird die Reihe durch die Ernst-Abbe-Stiftung, Jena.

Das Netzwerk der Weimarer Wohnungsforschung ist ein Zusammenschluss von ehemaligen und aktuellen Wissenschaftler*innen der Bauhaus-Universität Weimar aus den Bereichen Stadtplanung, Soziologie, Architektur, Kulturwissenschaft, Urbanistik, Politikwissenschaft und Humangeographie. Mit den Workshops wird die erfolgreich im Jahr 2018 erstmalig durchgeführte Workshopreihe »Wohnungsfrage(n) ohne Ende«, aus der u.a. die Schriftenreihe »Interdisziplinäre Wohnungsforschung« (transcript-Verlag) hervorgegangen ist, fortgesetzt und verstetigt. Die Reihe möchte die interdisziplinäre universitäre Wohnungsforschung stärken und ausbauen.

Workshopüberblick

1. Kick-Off

1. Juli 2021

Wie Corona unsere Forschung beeinflusst hat? Austausch der Netzwerkmitglieder zu aktuellen Forschungen und Vorhaben sowie Fragestellungen und Themen, die sich aus der aktuellen Situation in der Pandemie ergeben.

2. Wohnungsversorgung als Infrastruktur: Zwischen analytischem Konzept und gesellschaftlichem Programm

26. November 2021

Dr. Lisa Vollmer, Prof. Dr.-Ing. Barbara Schönig

Ankündigung

Die Wohnraumversorgung wird in Überblickwerken der Infrastrukturforschung äußerst selten als Infrastruktur genannt, teils sogar explizit ausgeschlossen, obwohl sie viele Merkmale wie hohe Investitionssummen, Langlebigkeit und einen gewissen Bedarf an zentraler Planung mit anderen Infrastrukturen teilt. Der Workshop stellt die Frage, woher diese Ausklammerung kommt und inwiefern eine Betrachtung der Wohnraumversorgung als Infrastruktur möglich und sinnvoll ist. Gemeinsam mit Wissenschaftler*innen aus der Wohlfahrtsregimeforschung, der Stadt- und der Infrastrukturforschung wollen wir erörtern, wie die Wohnraumversorgung als Infrastruktur konzeptualisiert werden kann und welche Konsequenzen sich für die empirische Betrachtung der Wohnungsversorgung als Infrastruktur ergeben.

Programm

09:00-09:30 Ankommen, Begrüßung, Vorstellungsrunde, Thesen von Prof. Dr. Barbara Schönig, Dr. Lisa Vollmer

09:30-10:00

Infrastrukturen als soziotechnische raumwirksame Konfiguration im Wandel

Stadtforschung/Infrastrukturforschung: Prof. Dr. Jochen Monstadt

Infrastrukturgeschichte: Dr. Jan Hansen
10:00-10:30 Pause

10:30-11:30

Infrastrukturen als ökonomisches Gut

Prof. Dr. Thorsten Becker

Dr. Leonard Plank (Foundational Economy)
11:30-12:30 Mittagspause

12:30-13:30

Infrastruktur als normatives Konzept

Wohlfahrtsforschung: Prof. Dr. Hans-Jürgen Bieling, Johanna Betz

Ethnologie: Dr. Sascha Roth
13:30-15:00 abschließende Diskussion

Workshopbericht


Die Wohnungsversorgung wird in Überblickwerken der Infrastrukturforschung äußerst selten als Infrastruktur genannt, teils sogar explizit ausgeschlossen, obwohl sie viele Merkmale wie hohe Investitionssummen, Langlebigkeit und einen gewissen Bedarf an zentraler Planung mit anderen Infrastrukturen teilt. Woher kommt diese Ausklammerung? Gibt es aktuelle Ansätze, die Wohnen als Infrastruktur denken? Und wie könnte die Wohnungsversorgung als Infrastruktur konzeptualisiert werden?

Diese Fragen stellten Barbara Schönig und Lisa Vollmer in einem Eingangsinput an die eingeladenen Gäste des ersten Workshops in der neuen Reihe wissenschaftlicher Workshops der Weimarer Wohnungsforschung, der angesichts der pandemischen Lage leider online stattfinden musste. Jan Hansen näherte sich dem Thema aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive und legte das Potential dar, Infrastruktur als analytische Linse anzulegen, um etwa die in Infrastrukturen eingeschriebenen Macht- und Herrschaftsverhältnisse gleichermaßen wie die Aneignungspotentiale durch Nutzer:innen in den Blick zu nehmen. Im Anschluss stellte Thorsten Beckers eine Betrachtung der Wohnungsversorgung aus institutionenökonomischer Sicht dar, die es ermöglicht sie als Infrastruktur zu denken. Hans-Jürgen Bieling und Johanna Betz betonten die grundlegende Bedeutung von Infrastrukturen für das Funktionieren von Gesellschaft und die dadurch notwendige staatliche Gewährleistung aus der Perspektive der Wohlfahrtsregimeforschung. In diesem Sinne sei Wohnen als Infrastruktur zu verstehen. Sascha Roth berichtete schließlich aus seiner ethnographischen Forschung in Baku, Aserbaidschan. Im post-sozialistischen Kontext wird die Wohnungsversorgung selbstverständlicher als Infrastruktur gedacht, da damit an die offizielle Rhetorik und Ideologie aus sowjetischer Zeit angeknüpft wird. Kurzfristig entfielen leider zwei Beiträge, die das Wohnen als Infrastruktur aus Sicht der sozio-technischen Infrastrukturforschung und der Foundational Economy in den Blick hatten nehmen wollen.

In der gemeinsamen Diskussion kristallisierten sich zwei unterschiedliche Herangehensweisen an die Konzeptualisierung der Wohnungsversorgung als Infrastruktur heraus: Erstens eine analytische Perspektive, die auf die Infrastrukturperspektive als Heuristik zurückgreift und die Gesamtheit der Wohnungsversorgung – unabhängig von ihrer jeweiligen Organisationsform – als Infrastruktur begreift. Und zweitens eine normative Perspektive, die unter Wohnungsversorgung als soziale Infrastruktur ein in einem transformatorischen Prozess zu erreichendes Ziel versteht und folglich lediglich bestimmte, weitgehend dekommodifizierte Teile der Wohnungsversorgung als Infrastruktur betrachtet.

3. Von Bewohner*innen und ihren Wohnungen: Methoden zur empirischen Erforschung von Wohnpraktiken

3. Februar 2022

Dr.-Ing. Julia von Mende, Antonia J. Krahl M.A.

Ankündigung

Die Frage danach, wie man die Wechselwirkung von Sozialem und gebautem Raum empirisch untersuchen kann, geriet in den letzten Jahrzehnten zunehmend in den Fokus architektursoziologischer Forschungen. In Bezug auf aktuelle Wohnraumbedarfe stellt sie sich in besonderer Dringlichkeit. Zugleich ist der private Wohnraum ein für Forscher*innen nicht immer leicht zugängliches Feld. In diesem Workshop wollen wir dem Wie und Was einer qualitativen empirischen Wohnforschung nachgehen und mögliche historische Bezüge eruieren. Aus einer multidisziplinären Perspektive soll der Frage nachgegangen werden, wie die Wechselwirkungen von Physisch-Materiellem und Sozialem in Bezug auf das Wohnen untersucht werden und auf welche methodischen Ansätze dabei zurückgegriffen werden können. Welche Sackgassen gab es in der Vergangenheit, welche Stränge erscheinen vielversprechend für aktuelle Fragen?

Programm

09:00-09:30

Ankommen, Begrüßung, Vorstellungsrunde

Lernen aus der Vergangenheit: Dr.-Ing. Julia von Mende, Antonia J. Krahl

09:30-10:35

PionierInnen einer praxistheoretisch orientierten Wohnforschung: Dr.-Ing. Julia von Mende

Anfänge des Wohnlabors: Prof. Dr. Simon Güntner

Zu Film und Fotografie – Wechsel des Mediums in der empirischen Wohnforschung: Prof. Dr. Joachim Krausse
10:35-10:45 Pause

10:45-11:30

Wohnpraktiken der Gegenwart erforschen

Aktuelle Themen der Wohnforschung: Prof. Dr. Frank Eckardt

Institutionelles Wohnen: Dr. Miriam Meuth

Multilokales Wohnen erforschen: Dr.-Ing. Markus Kaltenbach
11:30-12:00Diskussion
12:00-13:00 Mittagspause

13:00-14:00

Aktuelle methodische Zugänge

Qualitative Methoden für empirische Forschung zu Bewohner*innen und physisch-materiellen Raum: Antonia J. Krahl

Visuelle Methoden der Raumforschung: Dr. Séverin Marguin

Ethnografische Wohnhausforschung: Performative, deskriptive und räumliche Methoden: Dr. Anna Richter, Marieke Behne

Hausbiografien als Instrument zur Umsetzung qualitativer Wohnungsforschung: Dr. Eveline Althaus
14:00-14:40 Diskussion
14:40–15:00Pause
15:00-16:00Abschlussdiskussion
19:00Filmvorführung

Workshopbericht

Wie kann die Wechselwirkung von gebautem Raum und Sozialem empirisch sowie interdisziplinär untersucht werden? Welche Herausforderungen bestehen und was lässt sich daraus für zukünftige Forschung ableiten? Vor diesem Hintergrund wurde im Workshop interdisziplinäre Forschung zu „Wohnungen und ihre Bewohner*innen“ und sich daraus ergebende methodische Herangehensweisen, Herausforderungen und Anforderungen diskutiert. Die Organisatorinnen Julia von Mende und Antonia J. Krahl luden dazu ein, den Workshop in drei Teilen zu denken:

Der erste Teil lenkte den Blick auf die Vergangenheit und stellte die Frage, welche methodischen Anknüpfungspunkte sich für die gegenwärtige Erforschung von Bewohner*innen und physisch-materiellem Raum in der Geschichte der Wohnungsforschung finden lassen. Julia von Mende eröffnete inhaltlich den Tag mit einer Einführung zur praxistheoretischen Perspektive auf das Wohnen am Beispiel der Arbeiten von Pionier*innen einer Wohnungsforschung der Nachkriegszeit, die am Experiment im Labor und in der Wohnung als Reallabor Wohnpraktiken und insbesondere deren Materialisierung empirisch erforschten. Hieran schloss sich der Beitrag von Simon Güntner an, der über die frühen aktivistischen Wohnprojekte der Settlement-Bewegung berichtete und entlang des Hull House in Chicago u.a. auf die Rolle der Forscher*in einging. Die ‚residents‘ brachten neben ihrem Anspruch an die Verknüpfung von sozialer Praktik und wissenschaftlicher Arbeit auch eine multimethodische Herangehensweise ein. In der Konsequenz sahen sich die Forscher*innen neben sozialen Abwertungsversuchen mit Kritik aus der eigenen Disziplin mit Blick auf die Güte ihrer Daten konfrontiert. An die Frage nach Forschungsmethoden, die über verbale Erhebungen hinaus gehen, schloss Joachim Krausses Kurzpräsentation einer dreiteiligen Dokumentarfilmreihe an, die er gemeinsam mit Jonas Geist im Auftrag des WDR 1982-1985 zum Neuen Bauen in Frankfurt geschrieben und gedreht hat. Hierbei stand die Interaktion mit Akteur*innen des Wohnens, Bewohner*innen und Wohnungsproduzierenden im Zentrum. Über das Medium Film entsteht hierbei eine „Archäologie“ der Wohnung und Wohnpraktik dieser Zeit. Ergänzend wurde die Grafik eingesetzt, um gewonnenes Wissen nicht nur zu synthetisieren, sondern auch allgemein verständlich zu machen. Über Film und Bild kann das Wissen auf eine „andere Ebene“ gehoben werden, befreit von den Bedingtheiten der Sprachlichkeit und auch der Gefahr durch Sprache auszuschließen.

Der zweite Teil des Workshops stellte die Frage nach gegenwärtigen Forschungsbedarfen. Frank Eckardt führte mit einer Zusammenschau übergeordneter soziologischer Diskurse in Verbindung mit dem Wohnen ein: soziale Ungleichheit, mikrosoziologische Formen der Vergesellschaftung, sozial-ökologische Transformation und sozialer Wandel oder Intensivierung gesellschaftlicher Risse, Wohnen in fragmentierten Gesellschaften oder Wohnen als Abschottung und neue Gemeinschaftsbildung. Ein zentraler Aspekt Eckardts war, dass „induktive Innovation“ über Wohnnarrative, sozio-materielle Wohnwelten und der Untersuchung von Wohnpraktiken hergestellt werden kann. Krankheitsbedingt musste der Beitrag zum institutionellen Wohnen aus einer erziehungswissenschaftlichen Perspektive entfallen. Markus Kaltenbach rief als praktizierender Architekt und Forscher zu „mehr Mut“ in der Wohnungsforschung in Bezug auf Interdisziplinarität, Multiskalarität, Offenheit im Experiment und die Nutzung unterschiedlicher „Gefäße der Ergebnissicherung“ auf. Mit der von ihm erläuterten Verschränkung von Text und Grafik als Mittel um Wohnpraktiken zu erforschen, die er in seiner Arbeit zum Multilokalen Wohnen angewandt hat, schlug er die Brücke zu Joachim Krausses Grafik im Film: in beiden Fällen dient die Grafik in ihrer Reduktion auf das Wesentliche im Sinne der Übersetzung von erhobenem empirischem Wissen als Mittel der Synthese, aber auch Kommunikationsmedium im Austausch mit den Teilnehmenden und Motivator für diese, sich ins Bild zu setzen.

Der dritte Workshopteil widmete sich den besonderen methodischen Herausforderungen des Wechselspiels zwischen Bewohner*innen und Wohnung. Antonia J. Krahl eröffnete die methodische Diskussion und Reflexion bezogen auf Herausforderungen an den Feldzugang und die Rolle der Anbahnung, auf das Erhebungsdesign und das Settings, auf Sprachlichkeit und Nichtsprachlichkeit, auf Inklusion von Zielgruppen und insbesondere auf Interdisziplinarität und fachspezifischen Anforderungen jeder Disziplin, die sich teilweise gegenseitig aushebeln. Sie betonte hierbei, dass es trotz – oder gerade aufgrund des großen Spektrums an Erhebungsinstrumenten der unterschiedlichen Disziplinen gilt, sich zukünftig systematisch mit den Herausforderungen dieser Vielfalt in Verbindung mit Materialität auseinanderzusetzen. Séverine Marguin führte das Spektrum innerhalb der visuellen Methoden der Raumforschung vor Augen und gab Einblick in Go-alongs in einem multimethodischen Forschungsprogramm, raumfokussierte Ethnografie, Mappings als Joint Spatial Display und multimodale Diskursanalyse. Eveline Althaus berichtete von ihrer Forschung mit Hausbiografien als Lebensgeschichten von Wohnhäusern, die als Triade des wahrgenommenen, des gebauten und des gelebten Raums konzeptualisiert werden. Das interdisziplinäre Team aus Architektin und Soziologin von Marieke Behne und Anna Richter stellte die Frage nach einer Erweiterung des Werkzeugkastens hausbiografischer Forschungen um das Medium des biografischen Dokumentarfilms einerseits und nach möglichen Folgen für den Architekturentwurf aus den Forschungsergebnissen ihrer Haus-Bewohner*innenbiografien andererseits.

Der dritte Workshopteil widmete sich den besonderen methodischen Herausforderungen des Wechselspiels zwischen Bewohner*innen und Wohnung. Antonia J. Krahl eröffnete die methodische Diskussion und Reflexion bezogen auf Herausforderungen an den Feldzugang und die Rolle der Anbahnung, auf das Erhebungsdesign und das Settings, auf Sprachlichkeit und Nichtsprachlichkeit, auf Inklusion von Zielgruppen und insbesondere auf Interdisziplinarität und fachspezifischen Anforderungen jeder Disziplin, die sich teilweise gegenseitig aushebeln. Sie betonte hierbei, dass es trotz – oder gerade aufgrund des großen Spektrums an Erhebungsinstrumenten der unterschiedlichen Disziplinen gilt, sich zukünftig systematisch mit den Herausforderungen dieser Vielfalt in Verbindung mit Materialität auseinanderzusetzen. Séverine Marguin führte das Spektrum innerhalb der visuellen Methoden der Raumforschung vor Augen und gab Einblick in Go-alongs in einem multimethodischen Forschungsprogramm, raumfokussierte Ethnografie, Mappings als Joint Spatial Display und multimodale Diskursanalyse. Eveline Althaus berichtete von ihrer Forschung mit Hausbiografien als Lebensgeschichten von Wohnhäusern, die als Triade des wahrgenommenen, des gebauten und des gelebten Raums konzeptualisiert werden. Das interdisziplinäre Team aus Architektin und Soziologin von Marieke Behne und Anna Richter stellte die Frage nach einer Erweiterung des Werkzeugkastens hausbiografischer Forschungen um das Medium des biografischen Dokumentarfilms einerseits und nach möglichen Folgen für den Architekturentwurf aus den Forschungsergebnissen ihrer Haus-Bewohner*innenbiografien andererseitsDie Frage nach der akademischen Güte der angewandten Methoden vs. der Fruchtbarkeit alternativer und spontan aus der Situation heraus entwickelter Werkzeuge durch und im Austausch mit den Wohnenden selbst, zog sich als roter Faden durch den gesamten Workshop.

4. Strategien für einen bezahlbaren Wohnungsneubau: Bezahlbar bauen! Aber wie?

7. April 2022

Kassandra Löffler, M.Sc.

Ankündigung

Ziel des Workshops ist es mit Architekt*innen, Wohnungsunternehmen und Modulhersteller*innen die Potentiale des Baukostensektors in der Produktion von kostengünstigen Wohnungsneubauten zu diskutieren. Dafür werden Expert*innen eingeladen, die in den letzten fünf Jahren renommierte Wohnungsneubauten errichtet haben, welche aus Wettbewerben hervorgegangen sind, mit dem Ziel nachhaltigen, anspruchsvollen und zugleich bezahlbaren Wohnungsneubau zu errichten. Die in der Dissertation „Architektonische Strategien für einen kostengünstigen Wohnungsneubau – Eine Analyse von 10 Preisträger*innen aus vier Wettbewerben“ werden gemeinsam mit den Expert*innen auf ihre Übertragbarkeit auf andere Wohnungsneubauten überprüft. Darüber hinaus findet ein relevanter Austausch zwischen Vertreter*innen der Wissenschaft, Wohnungsunternehmen aber auch Architekt*innen zu diesem Thema statt.

Programm

Donnerstag, 07. April 2022 // 9.00-16.00 Uhr
Uhrzeit Titel Vortragende Dauer
9.00 Uhr Ankommen, Begrüßung, Vorstellung des Workshops Kassandra Löffler (Bauhaus-Universität Weimar) 20 min
9.20 Uhr Vorstellungsrunde Alle Beteiligten 20 min
1. Urban Living (Berlin — seit 2013)
9.40 - 9.50 Uhr Vorstellung des Wettbewerbs „Urban Living“ Kassandra Löffler 10 min
9.50 - 9.55 Uhr Briesestraße EM2N (Henrike Kortemeyer) 5-10 min
9.55 - 10.00 Uhr Langhansstraße Bollinger und Fehlig Architekten (Roger Bollinger) 5-10 min
10.00 - 10.05 Uhr Arcostraße Blauraum Architekten 5-10 min
10.05 - 10.35 Uhr Diskussion Alle Beteiligten 20 min.
15 Minuten Pause
2. Wohnraum schaffen! (Bremen — 2016)
10.50 - 10.55 Uhr Einblicke in den Wettbewerb „Wohnraum schaffen!“ Kassandra Löffler 10 min
10.55 - 11.00 Uhr Melle Martens Sternkopf Architekten (Johannes Martens) 5-10 min
11.00 - 11.05 Uhr Hannover Buchholz btp architekten (Oliver Tebarth) 5-10 min
11.05 - 11.10 Uhr Hannover Ahlem Feldschnieders + Kister (Stefan Feldschnieders) 5-10 min
11.10 - 11.30 Uhr Diskussion Alle Beteiligten 20 min.
3. Seriell und modular (bundesweit — seit 2017)
11.30 - 11.40 Uhr Einblicke in den Wettbewerb „Seriell & Modular“ Kassandra Löffler 10 min
11.40 - 11.50 Uhr Systembau + Beispiel Frankfurt a.M. Planquadradt Architekten+ Lechner Immobilien Development (Robert Müller) 10 min.
11.50 - 12.00 Uhr Systembau + Beispiel Böblingen Werner Sobek Architekten + AH Aktiv (Sten Klaus) 10 min.
12.00 - 12.20 Uhr Diskussion Alle Beteiligten 20 min.
60 Minuten Mittagspause
4. Diskussion der Forschungsfragen mit allen Beteiligten
13.30 - 14.00 Uhr 1. Welche architektonischen Strategien haben Sie angewandt um einen bezahlbaren Wohnungsneubau zu erzeugen?
14.00 - 14.20 Uhr 2. Hatten diese Entwurfsstrategien in der Ausführung und Realisierung tatsächlich eine Kostenreduktion zur Folge? Welche Rolle/Effizienz sprechen Sie der jeweiligen Strategie zu?
14.20 - 14.30 Uhr 3. Exkurs: Soziale Wohnraumförderung. Wie hoch liegt der Anteil sozial geförderter Wohnungen in Ihrem Projekt? Ist eine bezahlbare Wohnung ohne Wohnraumförderung - nur durch architektonische Raffinesse - möglich?
20 Minuten Kaffeepause
14.50 - 15.10 Uhr 4. Wie bewerten Sie die Einflussmöglichkeiten von Architekt:innen und ihren Entwürfen auf den Neubau? Welchen Beitrag kann das Berufsbild von Architekt:innen zu einer sozialgerechten Wohnraumversorgung beitragen?
15.10 - 15.45 Uhr 5. Wie wollen wir uns das Wohnen in Zukunft leisten? Bitte geben Sie ein kurzes Statement ab, wie Sie sich und die Problematik einer sozialgerechten Wohnraumversorgung in der Zukunft sehen?
Abschlussrunde (15 Minuten)

Workshopbericht

Folgt in Kürze.

5. Jenseits des Privateigentums? Neue Perspektiven auf und für die Stadtplanung

28. Oktober 2022

Michael Schwind, M.Sc., Cilia Lichtenberg, M.Sc.

Ankündigung

Dieser Workshop widmet sich der Frage, wie Stadtplanung Eigentum im Lichte derzeitiger Diskussionen um Eigentum neu denken kann. Damit möchte der Workshop einen Dialog zwischen der Stadtplanung und aktuellen theoretischen und empirischen Befunden rund um das Thema Eigentumswandel anstoßen. Dazu werden wir uns zunächst dem Verhältnis zwischen der Stadtplanung und Eigentum im Kontext wohlfahrtstaatlicher Transformation annähern. Weiterhin werden wir uns alternativen Eigentumsformen jenseits des Privateigentums widmen und überlegen, wie die Stadtplanung diese für sich ‚übersetzen‘ kann. Der Workshop bringt wissenschaftliche Analysen, aktivistische Initiativen und Planungspraktiker*innen zusammen.

6. Interdisziplinäres Doktorand*innenkolloquium

Dezember 2022

Ankündigung

Das interdisziplinäre Doktorand*innenkolloquium soll auf Grundlage eines Calls-for-Abstracts Promovend*innen die Möglichkeit eröffnen mit geladenen Kommentator*innen aus dem Feld der interdisziplinären Wohnungsforschung ihre Arbeiten zu diskutieren. Den Nachwuchsforscher*innen wird so die Möglichkeit zur Vernetzung und fokussierten Diskussion ihrer Promotionen eröffnet. Die Veranstaltung dient auch der Netz-werkerweiterung der Weimarer Wohnungsforschung.

7. Home Ownership vs. Tenant: Eine internationale Perspektive zur Eigentumsfrage

April 2023

Dr. Elodie Vittu

Ankündigung

Der Traum vom Einfamilienhaus im Grünen wird in Deutschland mit Kampagne zur Enteignung von Großwohnimmobilien in Verbindung gebracht. Der Workshop wird einen internationalen Blickwinkel auf den deutschsprachigen Diskurs um Eigenheim und Miete einnehmen. Die Wohnraumoffensive setzt voraus, dass es zu wenig Eigentum gibt und behauptet, dass die post-sozialistische Städte durch ihre Privatisierungskampagne eine solide Wohnraumversorgung erreicht haben. Nicht thematisiert wird, dass in diesen Ländern die Bausubstanz bröckelt, da die Bewohner*innen nicht über die finanziellen Mittel der Instandhaltung verfügen. Entlang von gebauten Beispielen, Organisationsformen und Finanzierungsmodellen werden Handlungsperspektiven eruiert.

8. Housing renovation: Socialist heritage and state-society-relations

Juni 2023

Jun.-Prof. Dr.-Ing. Daniela Zupan

Ankündigung

Drei Jahrzehnte nach dem Zerfall der Sowjetunion haben sich in den Nachfolgestaaten als Resultat profunder Transformationsprozesse sehr unterschiedliche Pfade im Bereich der Wohnraumversorgung herausentwickelt. Während die Prozesse insgesamt von einem Trend der Privatisierung, des Rückzugs des Versorgerstaates und der Herausbildung neuer Subjektivitäten geprägt waren, lassen aktuelle Entwicklungen neuartige Dynamiken erkennen, die von zunehmender Neoliberalisierung bis hin zu einer Rückkehr starker zentralstaatlicher Einflussnahme mitsamt eines erneuten Versorgerversprechens reichen. Dieser Workshop bringt Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen (u.a. Stadtforschung, Architektur und Städtebau, Soziologie, Geographie und Ethnologie) zusammen, um diese neuen Konfigurationen in verschiedenen postsozialistischen Kontexten zu analysieren. Gemeinsamer Ausgangspunkt sind aktuelle Programme und Projekte der Renovierung sozialistischer Wohnanlagen. In diesen Vorhaben, so die These, zeigen sich neuartige Re-Konfigurationen von Staat-Gesellschafts-Beziehungen am deutlichsten.

Wissenschaftliche Stellungnahme "Für eine wirklich soziale Wohnungspolitik"

Über 200 Wissenschaftler/innen, darunter auch die Weimarer Wohnungsforschung, kritisieren das Gutachten des wissenschaftlichen Beirats des BMWi zur „sozialen Wohnungspolitik“ und stellen eigene Analysen für eine wirklich soziale Wohnungspolitik vor, um sozialer Spaltung entgegenzuwirken: mehr und anderen sozialen Wohnungsbau, Schutz der Bestandsmieten, Stärkung gemeinnütziger Träger und Demokratisierung der Wohnraumversorgung. Die Pressemitteilung vom 18.09.2018 finden Sie hier und die in sub\urban. zeitschrift für kritische stadtforschung vorabveröffentlichte wissenschaftliche Stellungnahme hier.

Weimarer Wohnungsforschung

Die interdisziplinäre Forschungsgruppe besteht aus Wissenschaftler_innen mit dem Forschungsschwerpunkt Wohnen, die an der Bauhaus-Universität Weimar tätig sind oder waren.

M.A. Historische Urbanistik
Doktorandin in der Nachwuchsforscherinnengruppe „Soziale Wohnraumversorgung" an der Professur Stadtplanung

Forschungsschwerpunkte
Rekommunalisierung und Dekommodifizierung von Wohnraum, soziale Wohnraumversorgung, Neue Wohnungsgemeinnützigkeit

Dr. M.Sc.
Postdoktorand am Fachbereich Finanzwissenschaften und Infrastrukturpolitik der Technischen Universität Wien

Forschungsschwerpunkte
Wohnungspolitik, Gentrifizierung, soziale Ungleichheit

Dipl.-Ing.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Raumplanung und Raumforschung

Forschungsschwerpunkte
Bau- und Planungsgeschichte, Traditionelle Wohnsiedlungen der 1920er und 1930er Jahre, Wohnungspolitik

M.A. Empirische Politik- und Sozialforschung
Doktorandin in der Nachwuchsforscherinnengruppe „Soziale Wohnraumversorgung" an der Professur Stadtplanung

Forschungsschwerpunkte
Wohnungspolitik, Bereitstellung bezahlbaren Wohnraums, CSR

Dipl.-Ing.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Stadtplanung

Forschungsschwerpunkte
Großsiedlungen, Behutsamkeit in der Stadterneuerung, Wohnungspolitik

M.Sc. Urbanistik
Doktorandin in der Nachwuchsforscherinnengruppe „Soziale Wohnraumversorgung" an der Professur Stadtplanung

Forschungsschwerpunkte
Sozialegerechte Wohnraumversorgung, Bodenpolitik, Eigentum an Grund und Boden

M.Sc. Urbanistik M.Sc. Architektur
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Professuren Entwerfen und Tragwerkskonstruktion sowie Immobilienwirtschaft und -management

Forschungsschwerpunkte
(Gemeinschaftliche) Wohnprojekte, kommunale Projektentwicklung, ökonomisch nachhaltige Architektur

Dipl.-Ing.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Europäische Urbanistik

Forschungsschwerpunkte
Architekturtheorie, Praxistheorie, Wohn- und Essenspraktiken

Dipl.-Soz. M.A.
Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Stadtplanung

Forschungsschwerpunkte
Stadt- und Wohnungsforschung, Quartiersentwicklung, gemeinschaftlicher Wohnungsbau

Dr. habil. Geographie
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Humangeographie der Goethe-Universität Frankfurt am Main

Forschungsschwerpunkte
Politische Ökonomie des Wohnens, städtische soziale Bewegungen, Gentrifizierung

Prof. Dr.-Ing.
Lehrstuhlinhaberin der Professur Stadtplanung

Dipl.-Ing.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur Raumplanung und Raumforschung

Forschungsschwerpunkte
Recht auf Wohnen und auf Stadt, europäische Wohnungspolitik

M.A. Historische Urbanistik
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Europäische Urbanistik

Forschungsschwerpunkte
Urbane soziale Bewegungen, Gentrifizierung, Paradigmenwechsel in der Wohnungspolitik

M.A.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur Sozialwissenschaftliche Stadtforschung

Forschungsschwerpunkte
Großsiedlungen sozialen Wohnungsbaus in vergleichender Perspektive, urbane Ethnographie, Ungleichheit