Was passiert eigentlich ... im ersten Semester Lehramt Kunsterziehung an Gymnasien?

In den Lehramtsstudiengängen Kunsterziehung an Gymnasien beginnt das Studium mit dem einsemestrigen Einführungsprojekt »Probelauf«. Das Projekt wird immer von einer der Lehrenden Professorinnen thematisch begleitet und teilt sich in ein Hauptprojekt, das im 14-tägigen Rhythmus stattfindet, und einzelne im Wechsel dazu geplante Projekttage.

Diese Projekttage bieten den Studierenden Einblicke in die Arbeitsweisen der anderen an der Fakultät Gestaltung angebotenen Studiengängen, wie dem Produkt-Design, der Freien Kunst oder der Visuellen Kommunikation. Anhand von kleinen, praktisch orientierten Aufgabenstellungen zu einem semesterübergeifenden Thema werden die Studierenden an die Arbeit in Projekten herangeführt und haben die Gelegenheit, erste Strategien bezüglich ihres eigenen Ideenfindungs- und Umsetzungsprozesses zu entwickeln, auszuprobieren und zu reflektieren.

Flankierend absolvieren die Studienanfängerinnen und -anfänger Einführungsmodule in »Kunstgeschichte« und »Kunstdidaktik«. Parallel zur Lehre an der Bauhaus-Universität Weimar nehmen die Studierenden ihr Studium der Erziehungswissenschaften und gegebenenfalls des zweiten Faches an der Friedrich-Schiller-Universität Jena auf.

Woran die Studierenden im Probelauf im Wintersemester 2014/15 gearbeitet haben, sehen Sie hier:

Wackelkiste
Wackelkiste

Alltag dekonstruieren, transformieren.

Im Zeitalter digitaler Vernetzung ist es möglich, scheinbar jeglicher Information in Sekundenschnelle habhaft zu werden. Alles scheint perfekt, ohne Fehler und ohne Makel zu sein. Es ist üblich Bilder und Texte mit Copy und Paste aus dem Internet herunter zu laden und in eigene Texte und Bilder zu überführen. Dahingegen lässt sich das Vorhaben, eine Box aus Holz zu bauen oder einen Kopf mit Acryl oder Eitempera auf eine Leinwand oder ein Blatt Papier zu malen, nicht mit Copy und Paste bewerkstelligen und birgt zudem so manche Überraschung. Fehler und Störungen begleiten den Prozess des Machens und führen so zu unvorhersehbaren Ergebnissen.
Im experimentellen Umgang mit Farbe und plastischen Elementen im Raum, wird künstlerisches Arbeiten erprobt, wie auch visuelle Wahrnehmung trainiert. Dabei erschließen sich Wege zu einer individuellen, künstlerischen Arbeit. Anhand von praktischen Übungen werden grundlegende Fragen zu Farbe und Raum erörtert, sowie Ansätze malerischen, bildhauerischen und konzeptuellen Arbeitens diskutiert. 

Francis Zeischegg

Grau

Der Farbe ›grau‹ eilt oft ein gar grausamer Ruf voraus – sie sei gängiges Synonym für Monotonie (Alltag, Systemabläufe), Hässlichkeit, Farblosigkeit, Hoffnungslosigkeit etc., etc. – es gibt jedoch viel Interessantes ›Grauwertiges‹ aus der Welt der grauen Wunder, das diese Farbe in ganz neuem Lichte erstrahlen lässt. Dynamisch wurde in aufregende Grauzonenwelten vorgedrungen: Es entstanden Farbtafeln mit Grauwertverläufen, Mosaike unterschiedlicher Grautonprovenienz und abstrakte Bilder. Ja, es gibt Milliarden von Grautönen, von Grüngrau zu Blaugrau, von Hellockergrau zu Dunkelgelbschwarzgrau, von Graugrau zu… 

Franz Klug und Johann-Martin Krämer

Mosaik
Grautöne I
Grautöne II
Grautöne III

Welche Grauwerte entstehen, wenn kleine Störungen in einen Text einbaut werden?

 Die Schriftfarbe und Art bleibt gleich, doch mal ist etwas fett, mal kursiv, mal wurde der Abstand geändert u.a. Mal sind es nur einzelne Buchstaben, die eine Störung hervorrufen, mal ganze Wörter oder Sätze. Durch verschiedene Störungen werden dem Auge unterschiedliche Grauwerte vorgetäuscht. Wie auch hier anhand des Zitats von Georg Bernhard Shaw »Auch Schlafen ist eine Form der Kritik. Vor allem im Theater« zu sehen ist.

Johanna Lehmann

Textstörungen I
Textstörungen II
Textstörungen III

Im Rahmen des Kurzprojekts »Freie Kunst« wurden die Freiheit und Lösung von bisherigen Zeichengewohnheiten gefordert. Innerhalb weniger Minuten entstanden hintereinander mehrere blind gezeichnete Portraits. Dabei ertastet der Zeichnende gewissermaßen mit den Augen die Gesichtszüge des Gegenübers und bringt sie unmittelbar aufs Papier – die Spur des Zeicheninstruments in Gedanken mitverfolgend. Nicht zeichnen, was man weiß, sondern das, was man sieht.

Maja Menzel

Blindportät I
Blindporträt II

Störung im System – als plastisches Grundmodell diente die Obstkiste im künstlerischen Prozess.

Obstkisten: Gezeichnet

Interessante Facetten der Kisten zeigen sich, versucht man diese zu zeichnen. Gemeinsam wird an einem Blatt gezeichnet, wobei intervallartig die Positionen der Zeichnenden und somit auch die Perspektiven auf die Kiste wechseln, sodass sich nach und nach die Zeichnungen überschneiden, überdecken und miteinander agieren. Die Oberflächen der Kisten und Faltungen der gezeichneten Papiere führen zu neuen Interpretations- und Bearbeitungsmöglichkeiten: Ein geknicktes Blatt, zwei Zeichnende und ein Motiv: Aus einer Kiste wird eine Faltung.

Isabel Kaminsky

Obstkisten - Zeichnung I
Obstkisten - Zeichnung II
Obstkisten - Zeichnung III
Obstkiste transformiert

Obstkisten: Rekonstruiert

Die Aufgabe bestand darin, eine oder mehrere Obstkisten zu rekonstruieren und aus den Teilen ein neues Objekt zu bauen. Erlaubt war dabei EIN einziges anderes Material zusätzlich zu der/den Obstkisten zu verwenden. Wobei berücksichtigt werden sollte, dass das Original (Herkunftsobjekt) erkennbar bleibt entweder durch das Material / die Benutzbarkeit (als Behälter) / die Form / die Struktur / die Unebenheit der Oberfläche oder ähnliches. 

Claire d’Incau

Tischlampe

Wackelkiste

Was passiert, wenn man die starren Tackerklammern einer Holzobstkiste durch Haushaltsgummies austauscht? Jedes einzelne Gummi trägt dazu bei, dass sich die Holzlatten nun zu einem beweglichen Ganzen fügen. Durch die Dekonstruktion eröffnen sich völlig neue Erfahrungen: das eigentlich steife Objekt lässt sich nun verbiegen, drehen, zusammen drücken … Die Bewegung betrifft alle Teile und fordert zum Spielen auf.

 Deshalb ist bei dieser Arbeit das Anfassen ausdrücklich erlaubt.

Frederieke Schmidt

Obstkisten-Transformation I
Obstkisten-Transformation II
Stillleben

Die STÖRUNG IM SYSTEM

Eine Störung im System fällt auf. Etwas ist anders als es sein sollte. Etwas ist anders als man es erwarten würde.

Das Thema wurde hier malerisch umgesetzt. Gemälde hängen an Wänden. So sind sie es gewohnt. Aber was, wenn die Farbe nicht auf dem Bild bleibt? Sie läuft vom Bild, tropft auf das Buch. Doch auch das Buch entkommt. Sollte es nicht, wie auch das Glas, im Bild bleiben? Dort war es ihnen wohl zu langweilig und sie brachen aus ihrer zweidimensionalen Welt, ihrem System, aus. Langeweile – vielleicht ein Grund, um ein System zu stören? Man weiß es nicht.


Isabel Kaminsky

Störung im System

Schlauchsystem

In dieser Arbeit ist die Störung des natürlichen Systems von Leben und Tod gestaltet. Die Verhältnisse zwischen Mensch und Tod wie auch zwischen Mensch und Leben wurden dabei zu zentralen Denkanstößen. Während im Mittelalter der Tod allseits gefürchtet war, integrierte er sich zu Zeiten der Renaissance als einen natürlichen anerkannten Bestandteil jedes Individuums. Heutzutage ist es mit modernsten Techniken in der Medizin möglich, Menschen künstlich am Leben zu halten. Der Tod kann in dem Sinne »überlistet« werden. 

Abgeformte Körperteile aus Gips, verbunden durch ein Schlauchsystem setzen sich mit dieser Thematik auseinander. Am Ende bleiben u.a. die Fragen, inwiefern noch von Leben gesprochen werden kann, was dieses ausmacht und ob es richtig ist, dieses zu verlängern.

Sarah Spitzer

Tassenbilder

Die Idee war drei Gemälde anzufertigen und diese im Rahmen der Ausstellung »Störung im System« zu präsentieren. Die drei 40 x 40 cm großen Leinwände sollen eine gewisse Normalität in einen Ausstellungsraum voller künstlich aufgezeigter bzw. produzierter Störungen bringen. Diese »Normalität« wäre demnach gleichzeitig eine Art Störung im ganzen Konzept des Projektes. Es handelt sich bei den drei Gemälden um Acryl auf Leinwand, die das Motiv einer Tasse aufzeigen, die von links nach rechts betrachtet immer unpräziser wird. Die letzten beiden Werke sind durch eine Wisch- und Schwammtechnik entstanden, indem Schritt für Schritt Farbschichten abgetragen wurden. 

Claire d'Incau

Tassenbilder I
Tassenbilder II
Tassenbilder III
Fischschuppentasse I
Fischschuppentasse II