Carsten Praum

Wider den Profit?! Der gemeinschaftliche Wohnungsbau am Beispiel von München und Frankfurt

Kurzdarstellung:

Die Wohnungsfrage ist bereits seit geraumer Zeit zurück auf der politischen Tagesordnung, wobei ein Aspekt im Vordergrund steht: das Problem der Bezahlbarkeit des Wohnens. Damit einhergehend sind insbesondere wachsende Städte erneut von einer teilweise eklatanten Wohnungskrise betroffen, die das Resultat einer verstärkt auf Vermarktlichung, Dezentralisierung und Wettbewerbsorientierung ausgerichteten Stadtentwicklungs- und Wohnungspolitik ist. In diesem Zusammenhang kann die Abschaffung der Wohnungsgemeinnützigkeit im Jahr 1989 als einer der Ausgangspunkte angesehen werden.

Hinsichtlich der Behebung des gegenwärtig konstatierten Mangels an bezahlbarem Wohnraum rücken - neben staatlichen Akteuren - zunehmend gemeinschaftliche Träger des Wohnungsbaus in den Fokus des Interesses - altbekannte und neue Träger also, die auch in der Phase der Post-Wohnungsgemeinnützigkeit häufig freiwillig, das heißt ohne rechtliche Sonderstellung für gemeinwohlorientierte Ansätze stehen. Dabei setzen sie sich oftmals explizit mit dem Problem der Bezahlbarkeit des Wohnens auseinander. Im Rahmen des Forschungsvorhabens "Wider den Profit?!" soll daher am Beispiel der bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt spürbar von der Wohnungskrise betroffenen Städte München und Frankfurt ein breites Spektrum an gemeinschaftlichen Bauträgern in den Blick genommen werden. Diese scheinen sich im Zuge ihrer gemeinschaftlichen Orientierung - so eine erste These - dem vorherrschenden Finanzialisierungsdruck im Bereich des Wohnens zu widersetzen, indem alternative Formen der Responsibilisierung zur Anwendung kommen.

Um zu einem möglichst umfassenden Bild zu gelangen, werden neben Wohnungsgenossenschaften, Vereinen und Projekten des Mietshäuser Syndikats auch Baugemeinschaften hinsichtlich ihrer Organisations- und Finanzierungsmodelle untersucht - was zunächst überraschen mag, gelten letztere vielen doch als "die netten Gentrifizierer von nebenan". In diesem Zusammenhang sei jedoch darauf hingewiesen, dass die zunehmende Nachfrage im Bereich der genossenschaftlich organisierten Baugemeinschaften darauf hindeutet, dass die dauerhafte Bereitstellung eines Angebots an bezahlbarem Wohnraum innerhalb der Szene - aber auch der Politik - an Relevanz gewinnt. Exemplarisch hierfür steht die Hamburger Praxis, Baugemeinschaften mit einem bestimmten Anteil an genossenschaftlichem Eigentum gesondert zu fördern.

Vor diesem Hintergrund wird im Rahmen einer theoriegestützten empirischen Erhebung mit Bezugnahme auf Michael E. Stones housing affordability standard gefragt, ob Wohnungsgenossenschaften, Vereine, Projekte des Mietshäuser Syndikats sowie Baugemeinschaften beginnend mit dem Jahr 1990 tatsächlich in der Lage waren und sind, bezahlbaren Wohnraum bereitzustellen - und wenn ja, für wen. Neben der primär ökonomisch zu beantwortenden Frage nach der Bezahlbarkeit des Wohnens wird somit explizit auch die Ebene einer möglichen sozialen und kulturellen Exklusivität in den Blick genommen, um das Problem der Zugänglichkeit zu Wohnraum in seiner gesamten Bandbreite abzubilden.

Darüber hinaus soll qualitativ untersucht werden, inwiefern die zunehmende Einbettung von gemeinschaftlichen Bauträgern in Stadtentwicklungs- und Wohnungspolitiken als Ausdruck gouvernementaler Regierungspraktiken und demnach als ein "Regieren durch Community" zu lesen ist. Auf der anderen Seite gilt es zu fragen, inwiefern sich im Bereich des gemeinschaftlichen Wohnungsbaus Projekte formieren, die unter anderem mit Rückgriff auf die Forderung nach einem "Recht auf Stadt" und dem daraus resultierenden Bestreben nach Dekommodifizierung und Vergesellschaftung - zumindest punktuell - über die gegenwärtige neoliberalisierte Stadt hinausweisen.

Verfasser:

Carsten Praum ist seit April 2016 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Stadtplanung der Bauhaus-Universität Weimar. Weitere Informationen finden Sie hier.

Kontakt:

carsten.praum[at]uni-weimar.de