M.Sc. Urbanistik
Forschungsprojekt Wintersemester 2026/2027
Professur Stadtplanung
Projektleitung:
Prof. Dr.-Ing. Barbara Schönig
Dr. Tabea Latocha
Kleine Städte, kleine Wohnungsfragen? Wohnungsversorgung und Stadtentwicklung in Thüringen
Die Wohnungsfrage wird in Deutschland meist als Problem wachsender Großstädte diskutiert: steigende Mieten, auslaufende Sozialbindungen, drohende Verdrängung und stagnierender Neubau. Weniger sichtbar ist, dass sich auch in Klein- und Mittelstädten drängende Wohnungsfragen stellen – allerdings in anderer Form. Nicht primär geht es dort um einen quantitativen Mangel an preisgünstigen Mietwohnungen, sondern ebenso um die Qualität, Bezahlbarkeit, Zugänglichkeit und Lage des vorhandenen Bestands: um Leerstand und gleichzeitige Versorgungsengpässe, um energetisch sanierungsbedürftige und nicht barrierearme Wohnungen, um soziale Infrastruktur, Mobilität, kommunale Handlungsfähigkeit und die Frage, für wen Kleinstädte künftig Wohn- und Lebensorte sein können. Dabei sind die spezifischen Wohnungsfrage ebenso je nach Lage, ökonomischer, sozialer und demographischer Struktur ebenso unterschiedlich, wie die kleinen Städte selbst: Ob Klinik, Kaserne, Tourismus, einzelne Unternehmen, regional wichtige Schulen oder die Nähe zu einer Großstadt: oft sind es schon einzelne Standortfaktoren, die entscheidend sind für den Bedarf an Wohnraum. In den Diskussionen über Wohnungsversorgung - von der Förderung sozialen Wohnungsbaus über den Bauturbo bis zum Baukindergeld - werden diese spezifischen Bedarfe und die Wirkungen einzelner Instrumente in kleinstädtischen Kontexten meist nicht bedacht. Ebenso wenig finden sie in der Forschung bislang systematisch Berücksichtigung.
Das Master-Forschungsprojekt der Professur Stadtplanung im Wintersemester 2026/27 nimmt diese „Wohnungsfragen unter dem Radar“ (vgl. Schönig 2020) am Beispiel einer Auswahl kleiner Städte in Thüringen in den Blick. Im Zentrum des Projekts steht dabei eine doppelte Fragestellung: Erstens fragen wir, welche konkreten Wohnbedarfe und Herausforderungen in den untersuchten Städten selbst bestehen. Welche Bedarfe und Defizite gibt es? Welche Rolle spielen unterschiedliche Akteur/innen der Wohnungsversorgung? Welche Wechselwirkungen bestehen zwischen Wohnen, Stadtentwicklung, Daseinsvorsorge, Mobilität, Arbeitsmarkt, sozialer Infrastruktur und lokalen Entwicklungsvorstellungen? Zweitens wollen wir zudem erfassen, wie unter diesen Bedingungen übergeordnete politische Entscheidungen und insbesondere wohnungspolitische Instrumente und Programme von Bund und Land ankommen und wirken. Welche Spielräume eröffnen sie vor Ort? Wo entstehen Hemmnisse, Übersetzungsprobleme oder neue Abhängigkeiten?
Das Projekt ist als empirisches Forschungsprojekt angelegt. Ausgehend von einem Methodentraining, einem Expert*innen-Symposium, das zentrale Grundlagen zu Wohnungsfragen in Kleinstädten und in Thüringen vermittelt, und einer gemeinsamen Erkundung der Fallstudien, liegt der Schwerpunkt auf eigenständiger Feldforschung und vergleichender Auswertung und schlussendlich Interpretation der erhobenen Daten. Ziel ist es, eine systematische Analyse der Wohnungsversorgung in Kleinstädten in Thüringen im Kontext gegenwärtiger Herausforderungen zu erarbeiten und hieraus Ansätze für eine räumlich, sozial und intergenerational gerechte Wohnungspolitik zu entwickeln, die auch in Kleinstädten adäquate Wirkung entfalten kann.
Forschungsprojekt richtet sich an: MA Urbanistik
Zeit: Dienstags, 9:15-16:45 Uhr