Vom Prozess zur Ästhetik: Forschungsprojekt untersucht postkoloniale Modernitäten zwischen Kino, Print und Design
Wie gelangten modernistische Designideale über Europa hinaus – und welche neuen Bedeutungen erhielten sie in südasiatischen Medienkulturen? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Forschungsprojekt »From Process to Aesthetic: Recontextualizing Modernism in South Asia through Cinema, Print, and Object-Oriented Ontology« (2025–26). Gefördert durch die Initiative Forschungswerkstatt der Bauhaus-Universität Weimar, nimmt das Projekt Architektur, Medien und materielle Ästhetiken in den Blick – und denkt Moderne konsequent aus einer postkolonialen Perspektive heraus.
Geleitet wird das Projekt von Sneha Singh, Doktorandin am Lehrstuhl für Medienphilosophie, und Pappal Suneja, Doktorand an der Fakultät Architektur und Urbanistik. In ihrer interdisziplinären Forschung verbinden sie Medienanalyse, Architekturgeschichte und spekulative materialistische Theorie: Im Zentrum steht dabei die Frage, wie gebaute Formen, Objekte und visuelle Motive nicht nur Ausdruck, sondern aktive Akteure bei der Herausbildung postkolonialer Vorstellungen von Modernität waren – insbesondere außerhalb des europäischen Kontexts.
Aufbauend auf theoretischen Ansätzen wie der Objektorientierten Ontologie (Harman, 2018) und dem Neuen Materialismus (Bennett, 2009) geht das Projekt bewusst über anthropozentrische Lesarten von Architektur hinaus. Stattdessen rückt es das Zusammenspiel von Materie, Ästhetik und Repräsentation in den Vordergrund, um zu zeigen, wie die Erfahrung moderner Räume in Südasien neu definiert wurde. Durch fortlaufende Archiv- und Bildrecherchen in Indien – unter anderem in nationalen Film- und Druckarchiven – spürt das Team einem Phänomen nach, das es als »vernakulären Modernismus« beschreibt: einer lokal verankerten Neuinterpretation globaler modernistischer Ästhetik.
Digitale Diskussionsrunde: »From Process to Aesthetic: Mediating Modernity across Cinema and Print«
Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist ein internationale Online-Fachrunde, die vom 23. bis 24. April 2026 stattfindet. Eingeladen sind Wissenschaftler*innen, Forschende und Praktiker*innen, die an der Schnittstelle von Architektur, Medien, Ästhetik und postkolonialen Modernitäten arbeiten.
Ziel soll es sein, den interdisziplinären Dialog zu stärken und gemeinsam zu diskutieren, wie Kino und Printmedien die Erfahrung der Moderne in der postkolonialen Welt nicht nur abbildeten, sondern aktiv mitgestalteten. Die Teilnehmenden stellen in kurzen Inputs ihre aktuellen Forschungsarbeiten vor, gefolgt von offenen Diskussionen zu Methodik, Archiven und konzeptionellen Ansätzen für ein neues Nachdenken über das transnationale Erbe der Moderne.
Über das Projekt
Das Projekt »From Process to Aesthetic« wird im Rahmen der Fellowship Forschungswerkstatt der Bauhaus-Universität Weimar gefördert. Mit diesem Format unterstützt die Universität besonders innovative – und im besten Sinne auch risikofreudige – Forschungsvorhaben. Ziel ist es, Begegnungen, Austausch und Zusammenarbeit zu ermöglichen sowie Räume für interdisziplinären Dialog und die Vernetzung wissenschaftlicher und künstlerischer Fragestellungen zu schaffen.
Bereits im Vorfeld haben Pappal Suneja und Sneha Singh ihr Projekt im Rahmen mehrerer Forschungsaufenthalte und Engagements vorgestellt, unter anderem beim IAAW South Asia Research Colloquium an der Humboldt-Universität zu Berlin am 5. Dezember 2025. In einem Seminar mit dem Titel »Mediating Modernism: Cinema and Print as Agents of Design Transformation in Postcolonial South Asia« präsentierten sie dort den theoretischen Rahmen sowie erste Forschungsergebnisse.
