Vor 100 Jahren trat die noch junge Disziplin des Städtebaus, resp. Stadtplanung, mit einem fulminanten Paukenschlag an die Öffentlichkeit. Hervorgegangen aus dem Wettbewerb für ein Groß-Berlin, präsentierte sich die internationale Fachwelt mit den neuesten Planungen, Projekten und Theorien auf einer bis dahin einzigartigen Schau. Dieses historische Ereignis bietet den Anlass wie den thematischen Aufhänger für eine bilanzierende Rückschau sowie für eine Darstellung zukunftsweisender aktueller Tendenzen im Städtebau. 
Die Ausstellung STADTVISIONEN 1910|2010 ist mit Bundesmitteln des Nationalen Strategieplans für eine integrierte Stadtentwicklungspolitik (Nationale Stadtentwicklungspolitik) durch das Bundesinstitut für Bau- Stadt- und Raumforschung (BBSR) gefördert worden. An der Ausstellung waren die TU Berlin (federführend), die Uni. Dortmund sowie die Bauhaus-Universität Weimar, vertreten durch Harald Kegler, beteiligt. Sie wurde im Architekturforum der TU Berlin am Ernst-Reuter-Platz vom 14. Oktober bis 3. Dezember 2010 präsentiert. Danach wanderte sie nach Dortmund und Kassel.  
Die Ausstellung unternimmt den Versuch, anhand von vier der damals im Städtebaudiskurs federführenden Städte, Berlin, Paris, London und Chicago, Besonderheiten und Vergleichbares herauszuarbeiten. Wurden vor 100 Jahren die grandiosen Planungen für Chicago weltweit gefeiert, rückten Paris und London in das Zentrum der Debatten um die urbanistische Zukunft der Weltstädte, und zeigte Berlin Planungen, bei denen die wichtigsten Fragen der Zeit in einer stadtregionalen Sicht zusammengeführt wurden, so ergibt sich heute die Frage, ob diese Kultorte des Städtebaus von gestern immer noch oder, angesichts der neuen Herausforderungen, wieder eine Rolle spielen. Können sie, angesichts des „Endless-City-Hipe“, der sich um die Mega- bzw. Turbostädte von Shanghai bis Dubai rankt und die Entwicklungen in den frühindustrialisierten Regionen dieser Welt in den Hintergrund treten lässt, erneut Antworten auf die drängenden Fragen der Gegenwart geben? Die Metropolen der „alten“ Welt haben sich heute den Herausforderungen von Klimawandel, Demografie, Infrastruktur etc. gestellt – wenngleich weit mehr im Schatten globaler Aufmerksamkeit als vor 100 Jahren.  
Mit Blick auf die vier gewählten Modellstädte wurden für die Ausstellung sechs (1910) und acht Themenfelder (2010) ausgewählt, die das gesamte Spektrum des jeweiligen Städtebaus angemessen widerspiegeln sollen. Die relative Ähnlichkeit der Themenfelder 1910 und 2010 war das Resultat einer jeweils unabhängigen Suche, die erst im Ergebnis die erwarteten Unterschiede, auch erstaunliche Bezüge sichtbar werden ließ. Denn die Themenfelder von damals ähneln denen von heute, wenngleich sich die Vorzeichen drastisch geändert haben: Damals stand alles unter dem Verdikt einer rationalen Gestaltung des uneingeschränkten Wachstums der Städte, von Prosperität und Progression, die es zu lenken gelte. Heute steht der soziale und ökologische Umbau der Stadtregionen, deren Reurbanisierung und Revitalisierung, ja sogar perspektivisch deren Schrumpfung, auf der Tagesordnung.    
Eingerahmt wird die Gegenüberstellung vom „Kult des großen Plans“, der 1910 ein Markenzeichen des neuen Fachgebietes geworden, das aus ursprünglich aus Architektur und Ingenieurwesen hervorgegangen war, und der das Planungsdenken befeuerte. Heute erfährt der große Plan als strategischer Plan eine – wenn auch gewandelte – Renaissance; diesmal unter dem „Markenzeichen“  der Nachhaltigkeit. Die Fragen haben sich gar nicht so sehr geändert, sie stellen sich jetzt aber grundsätzlich neu im Kontext des Klima- und Demografiewandels sowie des Abschieds von der alten Industriegesellschaft.  

Die Ausstellung umfasst 130 Tafeln (2x1m) – jeweils zur Hälfte dem Part 1910 bzw. 2010 gewidmet, geteilt auf die vier Modellstädte.
Das Institut für Theorie und Geschichte der Architektur und Planung sowie das Institut für Europäische Urbanistik sind an der Ausstellung beteiligt. Ausstellungspartner sind die TU Berlin und die TU Dortmund.
Die Ausstellung wird kuratiert von PD Dr. phil. habil. Harald Kegler.

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