
Lehre im virtuellen Winterwunderland: Weihnachtsvorlesung als immersive Lernerfahrung
Schneebedeckte Berge, eine Lehrtafel vor eisblauem See, appetitlich anmutende Lebkuchenfiguren und ein festlich geschmückter Weihnachtsbaum: Eine scheinbar reguläre Vorlesung der Professur »Virtual Reality and Visualization« wurde in dieser Vorweihnachtszeit in eine außergewöhnliche Umgebung verlegt. Statt im Hörsaal begegneten sich Studierende und Lehrende in einer eigens gestalteten digitalen Winterwelt, um gemeinsam zu lernen, zu diskutieren und zu experimentieren. Die Veranstaltung »3D Interaction Techniques: Manipulation« fand vollständig in virtueller Realität statt.
Den virtuellen Raum als Hörsaal und Experimentierfeld öffneten Prof. Dr. Bernd Fröhlich und sein wissenschaftlicher Mitarbeiter Tony Jan Zöppig, die die Vorlesung im Rahmen der Masterveranstaltung »Virtual Reality« gestalteten. Studierende konnten entweder von zu Hause aus mit einem Head-Mounted Display teilnehmen oder sich aus dem VR-Labor der Fakultät Medien zuschalten. Als Avatare versammelt, folgten sie der Vorlesung auf einer virtuellen Bühne, bewegten sich durch die Umgebung, interagierten mit Inhalten und nahmen gemeinsam an kurzen Quizformaten teil. Die Vorlesung wird so zu einem räumlich erfahrbaren Ereignis, das in Echtzeit stattfindet und gemeinsames Lernen im virtuellen Raum ermöglicht.
Inhaltlich blieb die Veranstaltung fest im Curriculum der Vorlesung verankert. Behandelt wurden unter anderem klassische und aktuelle 3D-Interaktionstechniken wie die HOMER-Methode, die Go-Go und die PRISM-Technique sowie Guiard's Three Priciples for Bimanual Asymmetric Activities. Demonstrationen, interaktive Beispiele und direkte Anwendungen in der virtuellen Umgebung zeigten eindrucksvoll, wie sich theoretische Konzepte der VR-Forschung unmittelbar erlebbar vermitteln lassen.
Die Weihnachtsvorlesung war Teil des didaktischen Konzepts »Teaching VR in VR«, das im Rahmen der Veranstaltung erprobt wird. Ziel ist es, nicht nur über Virtual Reality zu sprechen, sondern VR selbst als Lehr- und Lernraum zu nutzen. Die Studierenden lernen dabei die Grundlagen moderner VR-Systeme direkt in dem Medium kennen, das Gegenstand der Lehre ist: von stereoskopischem Sehen und Computergrafik über 3D-Eingabegeräte und -Navigationstechniken bis hin zu kollaborativen Mehrbenutzer-Umgebungen.
Dass dies nicht nur technisch funktioniert, sondern auch neue Formen von Aufmerksamkeit, Interaktion und gemeinschaftlichem Lernen ermöglicht, zeigte sich eindrucksvoll in der virtuellen Weihnachtskulisse. Die Vorlesung verband fachliche Tiefe mit spielerischen Elementen und machte erfahrbar, wie immersive Technologien Hochschullehre jenseits klassischer Bildschirm- und Hörsaalformate verändern können. So wurde die weihnachtliche VR-Vorlesung nicht nur zu einem besonderen Abschluss des Jahres, sondern auch zu einem lebendigen Beispiel dafür, wie Forschung, Lehre und Experimentierfreude an der Bauhaus-Universität Weimar zusammenfinden – mitten im virtuellen Winterwunderland.

