Zwischen Goethe, Bauhaus und blinden Flecken: Neue Studie zeigt, wie Weimar als Weltkulturerbe wahrgenommen wird
Weimar ist gleich doppelt UNESCO-Welterbe: als Ort der »Klassik« und als Teil des seriellen Welterbes »Bauhaus und seine Stätten in Weimar, Dessau und Bernau«. Doch wie wirkt diese Kulturlandschaft eigentlich auf Einwohner*innen und Gäste? Dieser Frage geht ein öffentlicher, englischsprachiger Vortrag im Rahmen der Reihe »Debating Heritage« des Internationalen Heritage-Zentrums der Bauhaus-Universität Weimar am 18. Dezember 2025, 17.30 Uhr nach.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung steht das Forschungsprojekt »World Cultural Heritage Mental Mapping: The Experience of Weimar« von Dr. Iuliia Eremenko (Universität Kassel) und Gesine Schuster (IMT School for Advanced Studies Lucca). Grundlage ist eine umfangreiche empirische Studie mit rund 300 Befragten, die untersucht hat, wie Menschen das Weltkulturerbe in Weimar räumlich einordnen, emotional bewerten und mit ihrem Alltag verknüpfen.
Mithilfe sogenannter »Mental Maps« – also individuell gezeichneter Karten – wurde sichtbar gemacht, welche Orte in Weimar als besonders repräsentativ gelten, welche Bereiche positiv besetzt sind und wo die Grenzen des Weltkulturerbes aus Sicht der Bevölkerung verlaufen. Während Theaterplatz, Park an der Ilm und Goethes Wohnhaus zu den bekanntesten und meistbesuchten Orten zählen, bestehen zugleich deutliche Unsicherheiten darüber, welche Stätten tatsächlich zum UNESCO-Welterbe gehören. Besonders das Bauhaus-Museum wird häufig irrtümlich diesem Status zugeordnet, während andere authentische Bauhaus-Orte, wie das Haus am Horn, weniger bekannt sind.
Der Vortrag von Dr. Iuliia Eremenko macht außerdem die Unterschiede zwischen touristischer und lokaler Wahrnehmung deutlich. Tourist*innen verbinden Weimar vor allem mit Goethe und der Klassik, wohingegen sich viele Einheimische stärker mit dem Deutschen Nationaltheater und dem Theaterplatz als zentralem Ort der Stadt identifizieren. Die Studie zeigt außerdem, dass Personen, die Welterbestätten direkt besuchen, über fundierteres Wissen zu deren Status verfügen.
Die englischsprachige Veranstaltung richtet sich an alle Interessierten aus Kultur, Wissenschaft, Denkmalpflege und Stadtgesellschaft. Im Anschluss an den Vortrag besteht die Gelegenheit, über künftige Strategien im Umgang mit dem Welterbe in Weimar zu diskutieren.
Debating Heritage – Internationales Heritage-Zentrum
18. Dezember 2025, 17.30 Uhr
Belvederer Allee 5, Raum 005, Weimar
Der Vortrag findet in englischer Sprache statt. Der Eintritt frei.
Über die Reihe »Debating Heritage«
Die Vortragsreihe »Debating Heritage« bringt internationale Perspektiven zum Umgang mit kulturellem Erbe nach Weimar. Sie bietet ein Forum für aktuelle Forschung, öffentliche Diskussion und den Austausch zwischen Wissenschaft, Kulturpraxis und Stadtgesellschaft.
Für Rückfragen steht Ihnen Dr. Bianka Trötschel-Daniels, Internationales Heritage-Zentrum der Bauhaus-Universität Weimar, telefonisch unter +49 (0) 3643 / 58 13 41 oder per E-Mail an heritage[at]uni-weimar.de zur Verfügung.
