Studierende entwickeln Visionen für eine junge Kulturplattform im öffentlich-rechtlichen Rundfunk
Wie kann öffentlich-rechtliche Kultur junge Menschen erreichen, beteiligen und sichtbarer machen? Mit dieser Frage setzten sich Studierende der Bauhaus-Universität Weimar und der Universität Erfurt im Rahmen einer Kooperation mit ARD Kultur und dem Film- und Medienfestival TeleVisionale auseinander. Ihre Ergebnisse präsentierten sie während des Festivals, das vom 1. bis 5. Dezember 2025 erstmals in Weimar stattfand, und äußerten dabei klare Forderungen an die Kulturangebote.
Ein wiederkehrendes Motiv war der Wunsch nach Partizipation, den die Studierenden nicht als bloße Kommentarfunktion verstanden, sondern als aktiven Bestandteil kultureller Öffentlichkeit. Digitale Plattformen und soziale Medien beschrieben sie als zentrale Räume demokratischer Teilhabe, da sie Austausch unabhängig von Ort, Zeit und individuellen Voraussetzungen ermöglichen. »Ich finde demokratische Teilhabe wichtig – und da ist Social Media einfach toll, weil jeder teilhaben kann«, äußerte eine Studentin.
Vor diesem Hintergrund formulierten viele Studierende auch eine deutliche Kritik am linearen Programm, in dem sie sich häufig weder angesprochen noch repräsentiert fühlen. Entsprechend forderten sie mehr dialogische Formate, echte Beteiligung an kulturellen Diskursen und eine stärkere Vernetzung mit lokalen Kulturinitiativen. Zugleich wurde der Bedarf nach besserer Orientierung und Bündelung bestehender Angebote deutlich: »So eine europäische Plattform, wo man alles auf einen Blick hat – das wäre echt nice«, formulierte ein Teilnehmer.
Die Zusammenarbeit mit ARD Kultur erstreckte sich über mehrere Stationen: Bereits im April 2025 hatten Studierende der Bauhaus-Universität Weimar und der Universität Erfurt im Rahmen der Medientage Mitteldeutschland in einem World-Café-Format erste Ideen entwickelt. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie öffentlich-rechtliche Kulturangebote junge Lebensrealitäten realistischer abbilden und besser kommunizieren können.
Bilder: ARD Kultur
An der Fakultät Medien begleiteten Studierende des Bachelorstudiengangs Medienkultur die TeleVisionale aus wissenschaftlicher Perspektive: In einem Praxismodul, geleitet von Prof. Dr. Lorenz Engell, Professur Medienphilosophie, arbeiteten sie eng mit ARD Kultur zusammen. Gemeinsam mit Programmgeschäftsführerin Bettina Kasten und der Redakteurin Ineke Hagedorn diskutierten sie Aufgaben, Spielräume und Grenzen des öffentlich-rechtlichen Kulturauftrags – mit Blick auf junge Zielgruppen.
Im weiteren Verlauf entwickelten die Studierenden in einem Design-Thinking-Prozess konkrete Konzepte für eine zeitgemäße Kulturplattform. Ausgangspunkt war eine kritische Analyse bestehender Angebote: Gelobt wurden Social-Media-Formate wie »funk« oder kurze Nachrichtenformate, gleichzeitig äußerten viele den Wunsch nach besserer Auffindbarkeit, mehr Diversität und einer direkteren Ansprache: »Es gibt ja schon gute Inhalte – die müssten nur auffindbar sein«, brachte es eine Teilnehmerin auf den Punkt. Andere kritisierten unübersichtliche Mediatheken, stereotype Rollenbilder oder unzureichende Werbung für bereits existierende Inhalte auf TikTok.
Zum Abschluss entstanden in Gruppen vier Prototypen eines öffentlich-rechtlichen Kulturangebots – modellhaft mit Lego oder skizziert auf Papier. Gemeinsam war allen Entwürfen ein weiter Kulturbegriff, der Alltagskultur ebenso einschließt wie klassische Formate und den Wunsch nach Austausch »auf Augenhöhe«. Neben digitalen Angeboten wünschten sich die Studierenden ausdrücklich auch reale Begegnungsräume: Kooperationen mit lokalen Kulturzentren, Konzerte, Diskussionsformate – Kultur, die online beginnt, aber vor Ort wirkt.
Die Ergebnisse der Weimarer und Erfurter Studierenden wurden am 4. Dezember 2025 beim ARD-Kultur-Empfang im Rahmen der TeleVisionale vorgestellt. Ausgewählte Statements sind auch auf der Plattform von ARD Kultur veröffentlicht: https://www.ardkultur.de/netzwerke/studierende-aus-thueringen-gestalten-kulturportal-der-zukunft-100





