Neue Juniorprofessur an der Schnittstelle von Architektur und Bauingenieurwesen
Antonia Herten wurde zum 1. Oktober 2025 als Juniorprofessorin mit Tenure-Track für Projektentwicklung und Bauökonomie berufen. Die Professur wird gemeinsam von den Fakultäten Architektur und Urbanistik sowie Bau- und Umweltingenieurwissenschaften getragen.
Jun.-Prof. Dr. Herten hat an der HTWG Konstanz und an der ETH Zürich Architektur studiert. Anschließend sammelte sie praktische Erfahrungen, unter anderem bei David Chipperfield Architects in Berlin, e2a in Zürich, airchitekten in Kreuzlingen, Ferdinand Heide Architekten in Frankfurt am Main sowie bei AFX Financial News in London. Im Anschluss an ihren Master im Bereich Management [Bau Immobilien Infrastruktur] an der Bauhaus-Universität Weimar wurde sie wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur Baumanagement und Bauwirtschaft und promovierte mit einer Arbeit zum Thema »Zwischennutzung in der Projektentwicklung. Immobilienleerstand und Brachflächen im Stadtraum«.
Mit ihrer Erfahrung im wissenschaftlichen Kontext, aber auch durch zahlreiche Projekte in der Wirtschaft, an der Schnittstelle von Architektur, Immobilienmanagement/-wirtschaft und Projektentwicklung wird sie künftig wertvolle Impulse für Lehre und Forschung setzen. Im Gespräch erzählt sie, welche Herausforderungen sie im Bauwesen sieht, was ihr in Lehre und Forschung wichtig ist, warum interdisziplinäres Arbeiten sie begeistert.
Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell und in naher Zukunft für das Bauwesen?
Das Bauwesen sieht sich derzeit mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert. Diese reichen von der Entwicklung neuer, nachhaltiger Baumaterialien bis hin zu innovativen Recycling-Konzepten. Gleichzeitig verändert die Digitalisierung Prozesse in Planung, Bau und Logistik grundlegend. Zudem stellt sich die Frage, ob es gelingt, auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen auch antizyklisch zu reagieren, etwa in Zeiten konjunktureller Schwankungen. All diese Aspekte eröffnen, auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, Chancen, die es für die Zukunft des Bauens zu nutzen gilt.
Ihre Promotion beschäftigte sich mit Zwischennutzung. Warum ist dieses Thema heute so relevant?
In meiner Promotion habe ich mich mit Nachnutzung leerstehender Gebäude und Flächen beschäftigt, ein Thema, das heute aktueller denn je ist. Der ausführliche Titel meiner Arbeit lautete »Zwischennutzung in der Projektentwicklung. Immobilienleerstand und Brachflächen im Stadtraum«. Dabei ging es nicht nur um temporäre Projekte, sondern vor allem um die generelle Frage, wie wir mit Leerständen im städtischen Raum resilient umgehen. Gerade der Leerstand von Immobilien, etwa bspw. bei Kaufhäusern oder Bürogebäuden, entwickelt sich zunehmend zu einer zentralen Herausforderung auch in wirtschaftlicher und rechtlicher Perspektive für Städte. Zwischennutzungen können hier in der Projektentwicklung ein Schlüssel sein, um Flächen wieder zu aktivieren, nachhaltige Nutzungsformen zu etablieren und zugleich auf wirtschaftliche wie gesellschaftliche Rahmenbedingungen zu reagieren, die sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft haben. In diesem Sinne sind Zwischennutzungen heute weit mehr als eine Übergangslösung: Sie können zu einem Instrument werden, mit dem Städte auf Wandel reagieren und zukunftsfähige Perspektiven entwickeln.
Was möchten Sie den Studierenden in Ihrer Lehre mitgeben?
In der Lehre möchte ich den Studierenden vor allem vielseitiges methodisches Werkzeug mitgeben, damit sie in ihrem Berufsleben flexibel auf unterschiedliche Herausforderungen reagieren können. Dazu gehört auch, die Vielfalt der Disziplinen kennenzulernen und durch gemeinsame Projekte die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Stakeholdern auch in der Praxis zu erproben. So erhalten die Studierenden nicht nur Einblicke in einzelne Maßstabsebenen – von der Immobilie bis hin zur Stadt –, sondern auch ein Verständnis für die Skalierung zwischen Mikro- und Makroebene. Mir ist zudem wichtig, Begeisterung für das Berufsfeld zu wecken und die Studierenden bestmöglich auf ihre berufliche Zukunft vorzubereiten.
Welche Themen möchten Sie in den ersten Jahren Ihrer Forschung an der Bauhaus-Universität Weimar verfolgen?
In meiner Forschung möchte ich bspw. Themen weiterverfolgen, die sich aus meiner Dissertation ergeben haben. Ebenfalls gibt es vielschichtige aktuelle Fragstellungen, die mich seit Jahren beschäftigen, etwa die Frage nach bezahlbarem Wohnen und unterschiedlichen Wohnformen. Ich freue mich auch, dass es hier bereits Kolleg*innen gibt, die dazu ebenfalls forschen, so dass sich hier auch Anschlussmöglichkeiten ergeben können. Gleichzeitig sehe ich einen großen Bedarf, die digitale Transformation des Bauwesens sowie Lebenszyklus-Perspektiven im Immobilienbereich stärker in den Blick zu nehmen. Nachhaltigkeit und Resilienz wird dabei immer ein zentrales Leitmotiv sein. Diese Themen bieten die Möglichkeit, mein Forschungsprofil auszubauen und die noch junge Disziplin weiter zu stärken.
Worauf freuen Sie sich besonders?
An meiner neuen Professur reizt mich insbesondere die interdisziplinäre Ausrichtung. Die Aufgabe, verschiedene Disziplinen zusammenzuführen und zugleich eine starke Verbindung zur Praxis zu halten, entspricht genau meinem eigenen beruflichen Hintergrund. Interdisziplinarität ist für mich nicht nur eine wissenschaftliche Herausforderung, sondern auch ein Abbild der Realität in der Immobilienwirtschaft und im Bauwesen, in dem unterschiedliche Fachrichtungen und Akteure eng zusammenarbeiten müssen. Diese Brückenfunktion möchte ich aktiv ausgestalten.
Das Gespräch führte Gabriela Oroz.
