Fünf Fragen aus der Uni-Gemeinschaft, fünf Antworten von Präsident Prof. Peter Benz
Wir haben zum Ende des letzten Jahres zum ersten Mal die Universitätsgemeinschaft aufgerufen, dem Präsidenten der Universität Fragen zu stellen, die er dann einmal im Monat beantworten wird. Gedacht war, jeweils fünf Fragen pro Monat auszulosen; wie sich herausstellte, brauchten wir zumindest dieses Mal nicht zu losen: Es gab genau fünf Fragen.
Hier kommen die Antworten von Prof. Peter Benz aus der ersten Fragen-Runde.
Zunächst einmal: ich wünsche uns allen ein frohes, gesundes neues Jahr 2026. Angesichts der absehbar auf uns zukommenden Herausforderungen wird es zumindest mit Sicherheit ein spannendes Jahr werden. Aber wir haben allen Grund, die anstehenden Aufgaben selbstbewusst und zuversichtlich anzugehen.
1. Wie geht es Ihnen/Dir? (Mitarbeitende aus dem Gewährleistungsbereich)
Danke der Nachfrage: mir geht es gut, immer.
Ich lebe das Privileg, Präsident der wunderbarsten Universität der Welt – meiner Uni, meiner Alma Mater – zu sein; es wäre völlig unangebracht, wenn es mir nicht gut ginge. Das heißt nicht, dass es nicht auch mal schwierige Tage oder Wochen gibt; als Teil meiner Aufgaben bekomme ich auch unschöne Themen auf den Tisch und muss letztlich teils unangenehme Entscheidungen treffen und verantworten. Das ist oft recht emotional und nimmt mich durchaus auch mal mit – aber gerade auch diese lebensprallen Momente machen den Job interessant und mitreißend. Auch wenn die Zeiten gerade fordernd sind: Ich erlebe unsere Universität als einen sehr wachen, engagierten Ort, voller kluger Köpfe und berechtigter Fragen. Das ist auch mal anstrengend, aber es ist vor allem ein Privileg. Deshalb, um mit einer Camus-Variation zu antworten: »Sie können sich den Präsidenten als einen glücklichen Menschen vorstellen.«
2. Im Erlass zur Haushaltsführung des Kanzlers vom 23.12.2025 heißt es, dass im Gewährleistungsbereich »jede vorhandene Stelle auf ihre Betriebsnotwendigkeit überprüft« werden soll. Müssen sich die Mitarbeitenden des Gewährleistungsbereichs darauf einstellen, in nächster Zukunft ihre eigene Stelle rechtfertigen zu müssen und dabei mit ihren Kolleginnen und Kollegen in den Wettbewerb um die beste Rechtfertigung zu treten? (Mitarbeitender aus dem Gewährleistungsbereich)
Kurz und klar: Nein, ein interner Wettbewerb um die »beste Rechtfertigung« von Stellen ist weder beabsichtigt noch sinnvoll. Der Hinweis im Erlass zur Haushaltsführung richtet sich nicht an einzelne Personen, sondern an Strukturen, Aufgabenprofile und Prozesse. Ziel ist es, gemeinsam zu prüfen, wo Aufgaben unverzichtbar sind, wo sich Dinge überlagern, wo wir entlasten, bündeln oder anders organisieren können. Dabei ist mir wichtig: Das ist keine Bewertung individueller Leistung, sondern eine Verantwortung gegenüber der Institution insgesamt. Diese Überprüfung kann nur kooperativ funktionieren – und sie wird auch so angelegt sein.
3. Warum tut sich die Bauhaus-Universität so schwer mit der Digitalisierung von Verwaltungsprozessen? Dienstreisebeantragung und -abrechnung, Urlaubsverwaltung, Mitarbeitereinstellung, Beschaffung – das sind Themen, die so unglaublich ineffizient gestaltet sind und unsere Zeit rauben. (Mitarbeitende aus der Fakultätsverwaltung Bau und Umwelt)
Die kurze, ehrliche Antwort: Ich weiß es auch nicht. Dabei ist es nur ein kleiner Trost, dass Ihre Beobachtung ganz allgemein für die deutsche Hochschullandschaft und/oder den deutschen öffentlichen Dienst zutrifft. Am Ende hat es etwas damit zu tun, dass diese Prozesse historisch gewachsen und rechtlich komplex sind, dass wir personell angespannt und vielleicht auch manchmal zu geduldig mit uns selbst sind. Trotzdem bin ich nicht weniger frustriert.
Die (etwas) längere Antwort: Verwaltungsdigitalisierung ist nicht nur eine Frage von Software, sondern von Prozessklarheit, Zuständigkeiten, Rechtsrahmen und Veränderungsbereitschaft. Viele der genannten Beispiele – Dienstreisen, Beschaffung, Personalprozesse – leiden darunter, dass wir versuchen, analoge Logiken digital nachzubilden, statt Prozesse wirklich neu zu denken.
Das ist unbefriedigend, aber: Wir sind dran. Und ich halte es für zentral, dass Digitalisierung nicht zusätzlich Arbeit erzeugt, sondern spürbar entlastet. Daran müssen wir uns messen lassen und daran lasse ich mich auch messen.
4. What does your perfect day look like? (Masterstudierender der Fakultät Medien)
Frankly, I’m not sure something like a »perfect day« actually exists. But a very good day is one where I can actually work through things instead of just reacting to them. It includes a few focused meetings that lead to concrete decisions, time for a Mensa visit including an after lunch coffee and a chat, and maybe at least one opportunity to engage in some »normal« university activity like a critique session, an exhibition opening, a lab demonstration or similar. As president one occasionally feels somewhat removed from actual academia, thus it’s really nice – and helpful – to re-align with the real purpose of university. If, by the end of the day, I manage to even have fewer emails in my inbox than in the morning – then it has been a very good day.
5. Bei einer Gelegenheit hast Du mal gesagt, wir könnten eine Campuskatze haben. Jetzt wäre noch offen: Wer besorgt die Katze? Wo steht ihr Körbchen? Ist es UNESCO-konform, dass das Hauptgebäude eine Katzenleiter bekommt? (Akademische Mitarbeitende der Fakultät Kunst und Gestaltung)
Von mir aus kann es gerne eine Campuskatze geben; eine Campuskatze wäre ein Gewinn für die akademische Kultur – allein schon als niedrigschwelliger Beitrag zur Resilienz der Universitätsgemeinschaft. An meiner vorherigen Uni hatten wir eine Campuskatze – wobei es weniger eine »Uni-Katze« als eine »Fakultätskatze« war. Soweit ich weiß, war die Katze zugelaufen; Studierende bauten ihr ein „Nest“ in einer überdachten Ecke des Ton-Lagers des Ceramic Studios und stellten ein Schälchen Wasser auf; manchmal kam vielleicht auch ein Schluck Frühstücksmilch hinein – aber das war’s auch schon. Ansonsten war die Katze Selbstversorgerin – was Katzen ja auch gut sein können. Vor allem war die Katze nach einer Weile auch handzahm und ließ sich ausgiebig streicheln, was von vielen Fakultätsmitgliedern gerne getan wurde. Später bekam die Katze einen Wurf Junge, das war ein großes Ereignis für die Fakultät. Danach gab es mehrere Katzen auf dem Campus, allerdings mit unsteter Präsenz …
Aus dieser Erfahrung heraus würde ich sagen: klar, lasst uns eine Campus-Katze haben. Ich könnte mir als »Standort« den Campusgarten hinter dem Van-de-Velde-Bau vorstellen oder die Apfelwiese hinter dem x-Stahl oder das Bauhaus.Atelier. Könnte man auch den Campus-Kindergarten mitdenken? Sollte es ein Bauhaus.Modul »Campuskatze« geben, um für die Ausstattung zu sorgen, aber auch um ein Versorgungssystem zu designen? Der Möglichkeiten gibt es gerade an unserer Uni viele; allerdings hätte ich auch das Gefühl, dass eine Campuskatze eben keine Top-Down-Präsidiumsentscheidung sein sollte, sondern sich Bottom-Up aus der Mitgliedschaft ergeben sollte. Gute Katzen finden ihren Campus selbst. Deshalb: wenn Ihr eine Campuskatze wollt …
Die Reihe wird während des ganzen Jahres fortgesetzt und jedes Universitätsmitglied kann jederzeit seine oder ihre Fragen einreichen unter: wir[at]uni-weimar.de. Stichtag für den kommenden Monat ist jeweils der 15.
