Vom 9. bis 12. Juli 2026 wird der Unicampus und Stadtraum wieder zu einem Ort für Ausstellungen, Diskussionen und Begegnungen: Studierende und Lehrende aller Fakultäten präsentieren bei der summaery2026 ihre Projekte, Ideen und Forschungsergebnisse aus dem vergangenen Studienjahr. In diesem Jahr hat die Fakultät Medien die Federführung inne und damit auch das Motto entwickelt: »prompt‽«. Ein Begriff, der heute oft mit künstlicher Intelligenz verbunden wird, zugleich aber weit darüber hinausweist: er wird verstanden als Aufforderung zum Handeln, als Anstoß für neue Ideen, als Eingabefeld für kreative Prozesse. Mit dem Interrobang »‽«, der Verbindung aus Frage- und Ausrufezeichen, vereint das Motto Neugier und Dringlichkeit, Experiment und Reflexion.
Doch wie setzt man diese Motive grafisch um? Wir haben mit den Bachelorstudierenden der Visuellen Kommunikation, Ames Grund, Hannes Altmann und August Guccione, gesprochen, sie haben das Design der summaery2026 gestaltet. Im Gespräch erzählen sie, wie sie das Motto »prompt‽« in eine Bildsprache übersetzt haben, welche Überlegungen hinter dem Design stehen und worauf sie sich bei der diesjährigen Jahresschau am meisten freuen.
Was bedeutet das Motto »prompt‽« für euch und wie habt ihr es gestalterisch interpretiert?
Natürlich mussten auch wir, trotz der zweiteiligen Semantik des Begriffes, in erster Linie an die Schnittstelle zur künstlichen Intelligenz denken. KI hat einfach in den letzten Jahren aufgrund ihrer Relevanz eine unglaubliche Präsenz in Nachrichten, Medien und im Alltag. Viele denken bei dem Wort »prompt« unweigerlich an die Benutzeroberflächen der gängigen Sprachmodelle, die sich visuell alle sehr stark ähneln. Uns war von Anfang an klar, dass wir diese Ästhetik nicht reproduzieren wollen. Wir wollten einen frischen Blickwinkel wagen und haben uns gefragt: Was kann bei dem Thema noch überraschen? Was kommt vielleicht unerwartet?
Wir sehen den Prompt bzw. die Technik des Promptens vor allem als Tool, als Handwerk. Ausgehend von diesem Gedanken haben wir uns in der analogen Welt nach Werkzeugen umgesehen, die einen generativen Charakter haben und sind dabei auf historische Schriftschablonen gestoßen (Plaque Découpée Universelle, 1870), mit denen sich ganze Schriften inklusive aller Buchstaben und Zahlen aus einer einzigen Schablone »generieren« lassen. Das fanden wir sehr passend, denn Prompting bedingt Sprache, und die visuelle Abbildung von Sprache ist Schrift. Also haben wir zwei eigene Schablonen für die summaery entworfen, die zugleich das zentrale Motiv der Plakate sind und die wir auch (als Tool!) für die Gestaltung weiterer Formate verwenden wollen.
Das Interrobang »‽« verbindet Frage und Ausruf in einem Zeichen. Wie zeigt sich diese Spannung in eurem Erscheinungsbild?
Unser analoger, materieller Ansatz steht bewusst ein wenig im Kontrast dazu, woran man beim Motto »prompt‽« zunächst denken würde: Digitalität, Terminal-Ästhetik, Codefragmente bzw. Symbole, Monospace-Schrift usw. Unsere Plakate zeigen Fotos von realen Objekten. Beide Schablonen sind aus Plexiglas gelasert und wurden im Fotostudio abfotografiert. Zudem haben wir uns im Gestaltungsprozess dagegen entschieden, KI zu benutzen, auch wenn es bei dem Thema nahe liegen würde. Wir glauben, dass all diese Entscheidungen zu einer inhaltlichen Ambivalenz beitragen, die das Interrobang andeutet.
Fotos: Angye Diener
Der Prompt ist heute die Schnittstelle zwischen Mensch und Künstlicher Intelligenz. Welche Rolle spielte dieser Gedanke für euer Design?
»Schnittstelle« ist ein sehr abstraktes, digitales Wort. Wir glauben, dass unsere physischen Schablonen das Konzept als Analogie etwas greifbarer machen. Sie funktionieren als analoge Interfaces, als Trennebene zwischen innen und außen, zwischen Input und Output. Die Schablone hat Cut-outs, die im Prinzip wie Eingabefelder sind und den Input des Nutzers fordern. Ähnlich zu einem Prompt, ergeben sich aus nur einer Schablone unzählige mögliche Outputs. Gleichzeitig grenzt die Schablone natürlich ein: Wie eine Schablone in der Gestaltung setzt ein Prompt Grenzen und Orientierungspunkte. Die bewusste Wahl der Worte bestimmt, welche Möglichkeiten hervorgehoben und welche ausgeschlossen werden.
Wie verlief euer Weg vom Motto zum fertigen Design: Gab es besondere Experimente, Inspirationen oder überraschende Entdeckungen?
Wir haben gleich zu Beginn ein Miro-Board erstellt, in das jeder von uns seine Inspirationen und Referenzen einfügen konnte. Am Anfang hatten wir noch mehrere Richtungen, die wir ausprobiert haben. Eine davon war zum Beispiel ein Plakat komplett von Hand zu setzen und mit der Letterpress zu drucken. Dafür hatten wir auch schon Testdrucke in der Pavillon-Presse Weimar gemacht. Die Fakultät Medien hat sich letztlich aber für die Schablonen-Idee entschieden. Die Inspiration dafür kam von Architekturschablonen der 1970er Jahre, die damals als Hilfsmittel für manuelle technische Zeichnungen genutzt wurden.
Wir fanden die Schablonen als Objekte ohne gestalterischen Anspruch wahnsinnig spannend sowie deren sekundäre Ebene mit all den kleinen Beschriftungen, Linien und Pfeilen. Diese Technifizierung als Gestaltungselement haben wir aufgegriffen, um die Komplexität anzudeuten, die sich hinter den sonst so glatten Prompting-Interfaces verbirgt. Auch farblich haben wir uns an den 1970er Schablonen orientiert. Das warme Orange passt perfekt zum Sommer und weckt in Kombination mit Schwarz Assoziationen zu einer bekannten Baumarkt-Kette. Die nutzen wir aus, um den Werkzeug-Gedanken weiter zu stärken.
Zum Schluss: Worauf freut ihr euch bei der summaery2026 ganz persönlich?
Nach diesem Semester verlässt uns eine große Legende, der künstlerische Mitarbeiter der Professur Typographie und Schriftgestaltung Marcel Saidov. Wir freuen uns darauf, bei der summaery zusammen auf ihn anzustoßen. Sehr gespannt sind wir außerdem wieder auf die Typographie-Ausstellung und den Release des diesjährigen PORT-Magazins.
Habt vielen Dank für das Gespräch!
Die Interviewfragen stellte Luise Ziegler.

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Video: Angye Diener
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