Sommer 2020












 

 

Die Rückseiten des Gauforums
4. Kernmodul

Weimar steht für viele für eine bestimmte bildungsbürgerliche Lebensform. Eine Form des kultivierten Zusammenlebens, bei der sich scheinbar selbstverständlich Interessen an Natur, Wissenschaft und Kunst verbinden lassen. Unter anderem Goethe hat es geschafft, dieses bürgerliche Leben in Weimar so nach außen hin zu kultivieren, dass es seiner Zeit gelang, die Stadt und ihr damaliges kleinteiliges bürgerliches Stadtbild beim deutschen und europäischen Bildungsbürgertum als stilbildend zu etablieren. Eine Vorstellung von Weimar als Stadt der deutschen Klassik, die bis heute in der Vermarktung der Stadt erfolgreich ist. Doch mit dem Nationalsozialismus erfährt diese Geschichte einen deutlichen Bruch. Gerade an den Rückseiten des Gauforums wird die Rücksichtslosigkeit der nationalsozialistischen Planung gegenüber dem kleinteiligen, in die Topografie eingefügten Stadtkörper Weimars deutlich. Bis heute wirken viele dieser Stadträume beziehungslos und peripher. Die Situation vermittelt ein Gefühl architektonischer Sprachlosigkeit.

Die Aufgabe des Entwurfs wird es sein, im Umgang mit der geschichtlichen Bedeutung des Raums und der real vorhandenen Bebauung den an das Einkaufszentrum Weimar Atrium angrenzenden öffentlichen Raum neu zu denken. Dabei sind diese Stadträume so in das umgebende Gefüge Weimars zu integrieren, dass sie in ihrer historischen Dimension besser lesbar und gleichzeitig für alle Bürger*innen und Besucher*innen wieder aneigenbar werden.

Das 4. Kernmodul ist eine Einführung in das städtebauliche Entwerfen. In didaktisch aufeinander aufbauenden Phasen von der Analyse über die Konzeptfindung bis zur Ausarbeitung des Entwurfs wird ein überschaubares städtebauliches Projekt in Teamarbeit von Architektur- und Urbanistikstudent*innen erarbeitet.

Begleitend zum Entwurf werden vier künstlerische Übungen als Annäherungsversuche an die Entwurfsaufgabe mit zu bearbeiten sein. Die geplante Exkursion in die Umgebung von Weimar über Erfurt, Gotha nach Eisenach wird, durch Online Referate ersetzt, zu einer „Tour Digitale“. Gemeinsam wollen wir uns auf diesem Weg einen Einblick in die Geschichte Thüringens erarbeiten, der uns in die Lage versetzt, den Weimar umgebenden Kulturraum Mittelthüringens besser zu verstehen.

Die Teilnahme an der Vorlesung „Die Geschichte des Europäischen Städtebaus“ wird empfohlen.

 

 












 

 

 

Die Rückseiten des Gauforums
Projektmodul Master

Weimar steht für viele für eine bestimmte bildungsbürgerliche Lebensform. Eine Form des kultivierten Zusammenlebens, bei der sich scheinbar selbstverständlich Interessen an Natur, Wissenschaft und Kunst verbinden lassen. Unter anderem Goethe hat es geschafft, dieses bürgerliche Leben in Weimar so nach außen hin zu kultivieren, dass es seiner Zeit gelang, die Stadt und ihr damaliges kleinteiliges bürgerliches Stadtbild beim deutschen und europäischen Bildungsbürgertum als stilbildend zu etablieren. Eine Vorstellung von Weimar als Stadt der deutschen Klassik, die bis heute in der Vermarktung der Stadt erfolgreich ist. Doch mit dem Nationalsozialismus erfährt diese Geschichte einen deutlichen Bruch. Gerade an den Rückseiten des Gauforums wird die Rücksichtslosigkeit der nationalsozialistischen Planung gegenüber dem kleinteiligen, in die Topografie eingefügten Stadtkörper Weimars deutlich. Bis heute wirken viele dieser Stadträume beziehungslos und peripher. Die Situation vermittelt ein Gefühl architektonischer Sprachlosigkeit. 

Die Aufgabe des Entwurfs besteht darin, das jetzige Einkaufszentrum „Weimar Atrium“, den ehemaligen Rohbau der so genannten „Halle der Volksgemeinschaft“ zu einem öffentlichen Gebäude für die Klassik Stiftung Weimar, die Bauhaus-Universität und die Stadtbibliothek umzubauen. Vorbild sind die Idea Stores, die in London in wirtschaftlich und sozial prekären Nachbarschaften eröffnet wurden, um als neue Zentren das kulturelle Leben zu befördern. Der Ansatz der Idea Stores ist es, durch Attribute wie Erreichbarkeit, Teilhabe und Gemeinschaft allen Bürger*innen einen einfachen, offenen Zugang zu Bildung, Medien und Kultur zu ermöglichen. 

Eine der wesentlichen Herausforderungen des Entwurfsprojekts ist der Umgang mit der geschichtlichen Bedeutung dieses Gebäudes und seines Umfeldes. Die Implementierung dieser neuen öffentlichen Nutzungen in das bestehende Gebäude soll gleichzeitig als Chance begriffen werden, die angrenzenden Stadträume neu zu organisieren und sich so mit der Bedeutung des öffentlichen Raums auseinander zu setzen. Ziel des Entwurfs ist es, zusammen mit dem neuen öffentlichen Gebäude einen durchgehenden öffentlichen Raum zu generieren, der von seiner historischen Dimension her lesbar bleibt und sich gleichzeitig in das umgebende Raumgefüge Weimars integriert. 

Die Teilnahme an der Vorlesung „Die Geschichte des Europäischen Städtebaus“ wird empfohlen.

 

 












 

 

 

Die Geschichte des Europäischen Städtebaus
Vorlesung

Unserem europäischen Selbstverständnis zufolge ist der öffentliche, allen freien Bürgern zugängliche Raum das konstituierende Element der Europäischen Stadt. In den Vorlesungen zeigen wir auf, dass die Architektur den öffentlichen nicht nur als gebauten Raum, sondern mit ihren narrativen Möglichkeiten auch als Bedeutungsraum erschließen und lesbar machen muss. Aus diesem Grund sind Architektur und Städtebau eine untrennbare Einheit. Das eine ist nicht ohne das andere denkbar. Beide bedingen einander.

Architektur und Städtebau sind in einem dialektischen Verhältnis gefangen, das seit der Aufklärung bis heute krisenhaft ist. Während die Architektur sich in der Regel immer stärker auf das Einzelobjekt beschränken ließ, hat sich die Stadtplanung auf eine reine Funktionsplanung reduzieren lassen. Trotz der kritischen Reflexion der Postmoderne und der anschließenden Rekonstruktion der Stadt hat sich die anhaltende Auflösung der Stadtstruktur nicht wirklich aufhalten lassen. Eine Erosion städtischer und architektonischer Konventionen, die am Ende der Architektur den notwendigen Bezugsrahmen entzieht.

Nur mit einem Verständnis für die Geschichte des Europäischen Städtebaus und der Architektur können wir wieder an die Erzählung der Europäischen Stadt anknüpfen und jene narrativen Qualitäten schaffen, die notwendig sind, um den öffentlichen Stadtraum zu konstituieren, den wir bis heute so sehr an der Europäischen Stadt schätzen.

Die Vorlesungsreihe ist eine Einführung in die Geschichte des Europäischen Städtebaus. Sie setzt sich mit dem architektonischen und städtebaulichen Denken von den Anfängen des bürgerlichen Bauens im 18. Jh. bis heute auseinander. Die Vorlesungen geben anhand unterschiedlicher Architekturpositionen einen Einblick in die Typologien, Raumkonzeptionen und Diskurse der jeweiligen Zeit, um damit den Studierenden einen ersten Überblick über das Handwerkzeug des städtebaulichen Entwerfens zu geben.

Im Sommersemester 2020 werden die Vorlesungen als Videos über Moodle bereitgestellt.

 

 












 

 

Images design Images III. Nichtreferentielle Architektur
Theorieseminarreihe

Das Theorieseminar ist Teil einer mehrsemestrigen Seminarreihe, die unseren Umgang mit Bildern, Vorstellungen und Referenzen im Entwurf thematisiert. Durch die Digitalisierung haben die Geschwindigkeit und die Menge der Bilder zugenommen, die wir beim Entwerfen und im Entwurf einsetzen können. Im Konsum des Bildstroms verliert die einzelne Referenz an Bedeutung. Fast schon unbewusst fließen Bilder in den Entwurf und werden sofort zu neuen Bildern verarbeitet. Dabei ist in einer vermeintlichen Suche nach Neuem ein Kreislauf von immer gleichen Bildern entstanden.

Bilder und Referenzen für den Entwurf zu nutzen, war nicht immer selbstverständlich. Für die Architekten der Nachkriegsmoderne und des Funktionalismus musste sich der Entwurf aus den technischen und den sozialen Bedingungen heraus definieren. Bilder oder gar historische Referenzen waren von vornherein ausgeschlossen oder wurden nicht öffentlich benannt.

Die Seminarreihe untersucht das Thema in vier Semestern von den Anfängen der Postmoderne, der Behauptung der Autonomie der Architektur bei den Architekten des Rationalismus, der Verwendung des Vorgefundenen bei den Analogen Architekten, dem Einsatz des Bildes zur Konstituierung des Entwurfs bei Eisenmann, Shinohara und Olgiati bis zur heutigen Generation Instagram.

In diesem Semester setzen wir uns mit dem Selbstreferenziellen in der Architektur auseinander. Eine selbstbewusste Behauptung, die für die Architektur einen eigenen unabhängigen Bedeutungsraum beansprucht, der durchaus bewusst im Konflikt steht zu den funktionalen und realen Bedingungen des Bauens.

Im Seminar setzen wir uns mit einzelnen Architekturpositionen von Kazuo Shinohara, Peter Eisenmann und Valerio Olgiati auseinander. Wir analysieren im Zusammenhang mit ihren Texten ihre Entwürfe. Dabei werden von den Studierenden eine intensive Recherche, Grundrissanalyse und Textarbeit erwartet.

Interesse an architekturtheoretischen Positionen und Freude am architektonischen Beschreiben sind dazu Voraussetzung und Antrieb zugleich.

 

 












Freier Entwurf, Bachelorthesis, Masterthesis

Die Professur Entwerfen und Stadt (   ) Architektur bietet bis zu sechs freie Entwurfsplätze an. Falls Sie ein Interesse an einer Betreuung Ihrer Thesis oder Ihres freien Entwurfs an unserem Lehrstuhl haben, bitten wir Sie, sich bis zum 30 04 per Email an susanne.riese@uni-weimar.de zu bewerben.

Die Bewerbungsunterlagen sind als PDF Broschüre einzureichen, der Umfang sollte 6 Seiten im Format DIN A3, bzw. 5 MB nicht überschreiten. Neben dem Anschreiben mit Ihrer Motivation sollte ihre Bewerbung eine Erläuterung ihres Entwurfsthemas, einen Lageplan des Entwurfsortes, eine möglichst klare Aufgabenstellung und eine Kurzvita beinhalten.

Am 04 05 werden wir Sie über den Erfolg Ihrer Bewerbung benachrichtigen.