Die Ausstellung für »Via Crucis« entsteht

Nachdem das Kunstfest Weimar Robert Wilson für die Inszenierung der »Via Crucis« angefragt hatte, stellte er die Bedingung, vor Ort mit Studierenden zu arbeiten. Wolfgang Kissel, Professor am Lehrstuhl für Medien-Ereignisse der Bauhaus-Universität Weimar, setzte alle Hebel in Bewegung, um eine Gastprofessur Robert Wilsons zu ermöglichen. In enger Zusammenarbeit mit dem DAAD und dem International Office der Bauhaus-Universität Weimar wurde die Kooperation mit Wilsons Watermill Center eingerichtet. Somit konnte der 70-jährige für drei Semester als Lehrender auf Zeit und Visiting Artist verpflichtet werden. Neben den Ausstellungsstücken der Studierenden waren so auch Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern aus Watermill zu sehen.

In einer Reihe intensiver Workshops arbeiteten sieben Studierende der Bauhaus-Universität Weimar an ihrer Ausstellung zur Inszenierung der »Via Crucis«. Die Arbeiten der jungen Künstlerinnen und Künstler der Fakultät Medien und der Fakultät Gestaltung waren im Rahmen des Kunstfests vom 1. bis 8. September 2012 im temporären Bau »Epiphaneia« vor der Weimarer Viehauktionshalle zu sehen. Gastprofessor Robert Wilson begleitete hautnah den Schaffensprozess der Studierenden.

Im Folgenden finden Sie Kurzvorstellungen der Kunstwerke:

Giacomo Blume, Alexander Miller - »Bleeding Hands«

Jesu Leiden und sein Opfer für die Menschen sind zentrale Aspekte der Installation. Aus 2,5 Meter Höhe tropft Blut von zwei unantastbaren Händen herab. Das Blut Jesu wird von elf weiteren Paar Händen aufgefangen, die darunter aus einer rauen Wand ragen. Sie stehen für die Versammlung der Jünger, ohne Judas. Die Blutstropfen verteilen sich schließlich auf dem Boden und berühren im Fallen auch die Betrachter.

Jörg Brinkmann - »SIRI EX MACHINA«

Das Projekt »SIRI EX MACHINA« als Teil von Via Crucis ist der Versuch, ein iPhone an den menschlichen Körper anzuschliessen. Mithilfe eines selbstgebauten Sprechapparates wird der iPhone App SIRI ein Mund aus Fleisch und Blut zur Verfügung gestellt. Somit steigt SIRI förmlich aus der Maschine hervor.

www.joergbrinkmann.net

Stephen Nolan - »The Blue Angel«

Der blaue Engel ist ein Bild, das genauso starr wie bewegt ist. Es ist wie eine eingefrorene Begegnung, deren Material sowohl die Spontanität der künstlerischen Geste als auch die Begegnung mit einem ewigen Moment reflektiert. Explosionsartig wirkt es auf den Betrachter, ohne dass dieser sagen könnte, ob sich das Bild im nächsten Augenblick zusammensetzt oder sich in der Unkenntlichkeit seiner Einzelteile verliert.

Georg Pelzer - »Bald«

Von Anfang an stand die persönliche Beziehung zwischen Betrachter und Installation im Zentrum meiner Entwürfe, Kunst hat für mich immer etwas von Theater. Zwar hat sich die äußere Form im Verlauf der Workshops mit Bob immer wieder radikal geändert, aber eine »Szene« hat mich über all die Phasen begleitet: das Bild eines einzelnen Menschen, der langsam durch eine stumm starrende Masse geht.

Hyun Ju Song - »The moment at which we are lost for words«

Das Projekt handelt von den Absurditäten des Lebens. Wenn man Absurditäten begegnet, wird man sprachlos. Es ist unmöglich solche Situationen logisch zu verstehen. Alles wird fremd und verwirrend. Absurdität liegt in allen 14 Kreuzwegstationen. Das Leben ist voll von Irrationalität, ein grosses Bouquet der Schläge. Sogar für Jesu. 

Moritz Wehrmann - »Les fleurs du mal«

Die Bilder der Fotoserie Les fleurs du mal entstanden auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise. Es ist nicht bloss das Festhalten eines bestimmten Motivs durch den Apparat und nicht allein die Schaffung von Abbildungen von Nachbildungen, Zeichen von Zeichen, die mich zur fotografischen Aufnahme bewegte. Kunstblumen und Fotografien haben strukturelle Gemeinsamkeiten, in ihrer Stofflichkeit und ihrer Zeitlichkeit.

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