Leon Kraft
Projekttitel
Körper, Oberflächen, Inter-Faces: Containermedien (Arbeitstitel)
Projektbeschreibung
Während animal studies angloamerikanischer Prägung oft aus einer ethisch-aktivistischen Perspektive argumentieren, soll in diesem Dissertationsprojekt das Verhältnis von menschlichen und nichtmenschlichen Tieren auf Grundlage der ontischen Operationen untersucht werden, die diese Unterscheidung materiell erst hervorbringen, prozessieren und gleichzeitig immer wieder unterlaufen. Anliegen ist es zu untersuchen, inwiefern die Unterscheidung von Menschen und Nichtmenschen (die sogenannte anthropologische Differenz) durch kulturtechnische Containergefüge hervorgebracht und rekursiv prozessiert wird.
In der Ontologie des westlichen Naturalismus ist die vielbeschworene Frage nach dem Tier untrennbar mit den ebenfalls vielbeschworenen Fragen nach der Technik verbunden. Durch die Dreierverstrickung von Menschentier, Nichtmenschentier und Technik entstehen gezwungenermaßen analytische Schwierigkeiten. Das Projekt versucht diesen gordischen Knoten zu zerschlagen, indem kulturtechnische Gefüge wie das von Siegert angeführte Gatter als ein technisch-mediales Gefüge der Prozessierung von Innen und Außen, also: als Containermedien verstanden werden. Die ordnenden analytischen Großkomplexe der Arbeit sind die Containergefüge Netz(werk), Box und Haut. Diesen drei paradigmatischen Praktikengefügen ist gemein, dass sie sowohl verbinden als auch trennen und damit gezwungenermaßen leaky sind. In ihnen liegt daher Potential für Transformationen und Übergange.
Das Dissertationsvorhaben verbindet eine medienwissenschaftliche Theoriearbeit, welche insbesondere auf einem Kulturtechnikbegriff der Weimarer Artikulation fußt, mit einem an der Arbeitsweise der material culture orientierten Fokus auf konkrete Artefakte und Praktikengefüge. Durch seine liminale Thematik bedingt operiert es interdisziplinär an den Grenzen der Medienwissenschaft und Anthropologie, ergänzt durch Elemente der Literaturwissenschaft, decolonial theory, interface studies und science-and-technology-studies. Es folgt damit einer Reihe von Publikationen, welche sich programmatisch als Aufruf zur Artikulierung einer medienwissenschaftlichen Containerforschung lesen lassen. Zu nennen sind hier insbesondere Schüttpelz’ paper „From Instruments to Containers, from Containers to Media. The Extensions of the Body“ (2022) und „Medium – Medium: Elemente einer Anthropologie“ (2025). Eine weitere wichtige Referenz ist der letzte von Marie-Luise Angerer herausgegebene Sammelband „Containment: Technologies of Holding, Filtering, Leaking“ (2024), welcher ausgehend von Sofoulis’ „Container Technology“-Essay einen Beitrag zur queerfeministische Containerforschung leistet.
Der Einsatz des Dissertationsprojektes ist es daher, dieses augenscheinlich emergierende Feld der Container Studies um einen innovativen Beitrag zu ergänzen und einen Impuls und Ausgangspunkt für eine potentielle zukünftige Medienzoologie zu geben – ein Problembereich, der in der aktuellen ökologischen und technikhistorischen Situation immer stärker in den Mittelpunkt tritt.
Vita
Leon Kraft ist assoziierter Doktorand am Graduiertenkolleg Medienanthropologie der Bauhaus-Universität Weimar. Er studierte Germanistik und Bild- und Kunstgeschichte an der Universität Bielefeld und Medienwissenschaft an der Bauhaus-Universität Weimar. Während seines Masterstudiums war er Praktikant am Centre for European Studies an der University of British Columbia in Vancouver und war dort an der Konzeption und Durchführung internationaler Forschungskonferenzen beteiligt. In seiner Masterarbeit machte er den Begriff der Kulturtechnik und den des Monströsen wechselseitig füreinander produktiv. Sein Forschungsinteresse der Transformationen von Menschen und Nicht-Menschen verfolgt er in seinem von Prof. Bernhard Siegert betreuten Promotionsprojekt.
Kontakt:
leon.julian.kraft[at]uni-weimar.de
leonkraft[at]gmx.de