Architektonische Rauminstallation: Kreppband quer durch den Raum gespannt
Foto: Yvonne Graefe

Ein schwedisches Sprichwort besagt: Ein Schulkind hat drei Lehrer. Der erste Lehrer sind die anderen Kinder, der zweite Lehrer ist der Lehrer und der dritte Lehrer ist der Raum.

Unsere tägliche Umgebung, unser Zuhause, unsere Arbeitsstätten, die Stadt in der wir leben, kurz - all die Dächer über unseren Köpfen werden nur ungenügend reflektiert. Architekten gestalten unsere gebaute Umwelt maßgeblich. Wie kann man den Gestaltungsprozess und die Sensibilisierung für die Räume, die uns umgeben, so vermitteln, dass der Lehrer Raum das kritische Urteilsvermögen der Kinder, ihr Verantwortungsgefühl, ihre Phantasie und ihre praktischen Fähigkeiten fördert? Diesen Fragen geht die Seminar-Reihe »Architektur und Schule« seit 2001 im interdisziplinären Dialog der Fakultäten Architektur und Gestaltung nach. Wir erforschen, erfahren und experimentieren mit Raum und entwickeln Konzepte, wie dies schließlich im Kontext von Architekturvermittlung umgesetzt werden kann.

Doch das Thema Architekturvermittlung ist weit umfassender, als der Schulkontext vermuten lässt. Ein Architekt steht vor diesem Problem, wann immer er mit anderen Fachleuten, Laien oder generell der Öffentlichkeit kommunizieren muss. Durch größtmögliche Synergieeffekte zwischen den Fakultäten geeignete Konzepte für diese Kommunikation zu finden, ist ebenfalls Ziel des Themenschwerpunktes »Architektur und Schule«. 

ARCHITEKTUR bildet: 5. Internationales Symposium zur Architekturvermittlung und deren Forschung

13. bis 14. November 2015 an der Bauhaus-Universität Weimar

Das Programm bietet einen Arbeits- und Aktionsraum, in welchem die aktuellen Entwicklungen in der Architekturbildung und Architekturvermittlung insbesondere in der Schule und ihre wissenschaftlichen Reflexionsformen präsentiert und diskutiert werden. Es bietet Gelegenheit zum Austausch über neue Kulturtechniken, Themenfelder und Schwerpunkte für den Forschungsbereich Architekturvermittlung. Das Symposium gibt zugleich einen Einblick in Theorie- und Praxisfelder der Architekturvermittlung. Und ist damit Plattform für den Dialog und die Vernetzung zwischen Kunstpädagogen, Museumspädagogen, Psychologen, Architekten, Architekturvermittlern, Wissenschaftlern, Promovenden, Studierende wie auch politischen Entscheidungsträgern im Zusammenhang mit baukultureller Bildung.

Kontakt:
Ines Escherich (Fakultät Gestaltung)
E-Mail: ines.escherich[at]uni-weimar.de 

Luise Nerlich (Fakultät Architektur & Urbanistik)
E-Mail:luise.nerlich[at]uni-weimar.de

Die Jury des »Architecture & Children Golden Cubes Awards 2014« war von der Seminararbeit mit dem Titel »Kinderleicht« so überzeugt, dass sie kurzerhand eine außerplanmäßige lobende Erwähnung vergab. Damit verbunden ist eine Einladung an die Bauhaus-Universität Weimar, am nächsten Architekten-Weltkongresses der UIA im August 2014 in Durban /Südafrika teilzunehmen. » mehr

Abstracts Ausgewählter Arbeiten der Studierenden

Architektur bildet

Am 13. und 14. November 2015 wird die Bauhaus-Universität Weimar zu einem besonderen Ort – sie beherbergt in dieser Zeit das 5. Internationale Symposium zur Architekturvermittlung und deren Forschung »ARCHITEKTUR BILDET«. Sein Programm bietet Arbeits- und Aktionsraum für aktuelle nationale wie internationale Entwicklungen in der Architekturbildung bzw. Architekturvermittlung und ist Plattform für den Dialog und die Vernetzung zwischen Kunstpädagogen, Psychologen, Architekten, Architekturvermittlern, Museumspädagogen, Wissenschaftlern, Promovenden, Studierenden wie auch politischen Entscheidungsträgern im Zusammenhang mit baukultureller Bildung.

Dazu wird in fünf verschieden Sektionen zu den Themen: Forschungsperspektiven, künstlerische Strategien der Raumerforschung, partizipative Architekturvermittlung, didaktische Anregungen zur Architekturvermittlung und außerschulische Projekte zur Architekturvermittlung sowie am Runden Tisch zum Thema internationale Ansätze zur Architekturvermittlung & Vernetzung - referiert, argumentiert, präsentiert und diskutiert. Ein vielfältiges Angebot an Workshops im Kontext von Architekturvermittlung und Raumwahrnehmung bietet die Möglichkeit sinnlich-taktile Erfahrungen zu sammeln und praktische Impulse zu entwickeln.

Werdet Teil dieser besonderen ORTSerfahrung, denn die Teilnehmer des Moduls sind zugleich Teilnehmer des Symposiums und nähern sich gezielt theoretischen und praktischen (Forschungs-) schwerpunkten der Sektionen. Ziel ist es, innerhalb einer eigenen Reflexionsarbeit eine individuelle Sichtweise zu entwickeln und darzustellen. Neben der wissenschaftlich-theoretischen Auseinandersetzung steht auch das Feld der Workshopdidaktik im Zentrum des Moduls. Nach gezieltem Vertrautmachen mit der Spezifik bzw. Funktion dieser Lehrform und der aktiven Teilnahme an einem der angebotenen Workshops, soll dieses Feld ebenfalls reflektorisch betrachtet und analysiert werden.

 

Lehrende:

Dipl.-Des. Ines Escherich, Fakultät Gestaltung                                                                                    Dr.-Ing. Luise Nerlich, Fakultät Architektur und Urbanistik 

Auswahl an Seminarergebnissen:

Ortserfahrung Erfahrungsort

Architektur ist stets verortet – bezieht sich auf einen Ort – ist einem Ort zugehörig – an einen Ort gebunden. Architektur antwortet auf das Vorgefundene oder schafft einen Ort, indem wir uns vor Ort bewegen, uns an einen Ort annähern und ihn einnehmen. Somit setzen wir uns mit jeder Veror­tung stets ins Verhältnis zur Welt, erkennen und erproben Beziehungen zwischen uns selbst und dem Ort. Dabei ist dieser nicht nur visuell vor uns ausgebreitet, sondern mit unserer Annäherung an ihn – füllen wir den Ort mit Leben!

»Gebäude sind Übermittler des Lebens. Sie über­mitteln das Leben der Vergangenheit in das Leben der Zukunft – wenn sie mehr sind als reine Ob­dach und mehr als geliehene Form. Ein Volk ohne Architektur vermittelt nur wenig seiner Kultur.« Frank Lloyd Wright

Obwohl seit Menschengedenken der Ort eine der bedeu­tendsten Einflussgrößen auf die Architektur ist, angefangen vom Baugrund über vorhandene Ressourcen bis hin zu Klimaeinflüssen und kulturellen Eigenheiten ihrer Nutzer, wird mit der klassischen Moderne der Ortsbezug zur Nichtigkeit erklärt. Internationale, industrielle Standards treten an die Stelle regionalen Ausdrucks. Doch führt genau dies zu einer Kritik der Moderne, die den entstandenen Architekturen Sprachlosigkeit vorwirft. Nimmt eine Architektur kein Zwie­gespräch mit dem Ort auf und geht mit ihm keine Beziehung ein, so kann sie auch nicht zu uns sprechen.

Am 13. und 14. November 2015 wird die Bauhaus-Univer­sität Weimar zu einem besonderen Ort – sie beherbergt in dieser Zeit das 5. Internationale Symposium zur Architektur­vermittlung und deren Forschung »ARCHITEKTUR bildet«. Sein Programm soll Arbeits- und Aktionsraum für aktuelle nationale wie internationale Entwicklungen in der Architek­turbildung und Architekturvermittlung bieten und Plattform für den Dialog und die Vernetzung zwischen Kunstpäda­gogen, Psychologen, Architekten, Architekturvermittlern, Museumspädagogen, Wissenschaftlern, Promovenden, Studierenden wie auch politischen Entscheidungsträgern im Zusammenhang mit baukultureller Bildung sein.

Das Modul ORTSERFAHRUNG – ERFAHRUNGSORT im Sommersemester 2015 gibt einen Einblick in das Themenfeld der Architekturvermittlung. Studierende der Architektur, Urbanistik, Lehramt Kunsterziehung, Visuelle Kommunikation und Produktdesign haben Strategien zur Aneignung von Architektur kennengelernt und diese praktisch erprobt. Im Vordergrund steht dabei neben der Aneignung fachlicher Kompetenzen und didaktischer Überlegungen zur Architekturvermittlung vor allem der Moment der Reflektion der eigenen Arbeit. Ziel des Seminars ist aufbauend auf den während des Semes­ters getätigten Erkenntnissen eigene Konzepte für Workshops zu erarbeiten. Die Resultate werden nun im Rahmen des Symposiums »ARCHITEKTUR bildet« vorgestellt und mit den Teilnehmern der Tagung eigenständig durchgeführt.

www.uni-weimar.de/de/gestaltung/symposium-architektur-bildet/

Lehrende:

Dipl.-Des. Ines Escherich, Fakultät Gestaltung

Dr.-Ing. Luise Nerlich, Fakultät Architektur und Urbanistik 

Seminarergebnisse:

Workshopheft


 

 

Stadtrebellen

SchülerInnen scheinen ihr Schulhaus, ihren Schulhof und das unmittelbar angrenzende Quartier so gut wie ihre Hosentasche zu kennen. Täglich laufen sie routiniert ihren Schulweg ab, treten ein in das wohl vertraute Gebäude, verbringen zwischendurch hochverdientermaßen Zeit auf dem Hof, schauen in mancher Stunde sehnsuchtsvoll aus dem Fenster und betrachten die angrenzenden Häuser, lauschen zur Mittagszeit dem Geläut der Glocken, treffen sich nach Unterrichtsschluss vor dem Gebäude, bleiben auf angrenzendem Platz noch eine Weile lang stehen - tauschen sich aus, verabreden sich oder warten auf einer Bank darauf abgeholt zu werden, beobachten dabei Menschen, die vorübergehen, ... . Aber tatsächlich gibt es dennoch Dinge, die sich ihrer Wahrnehmung entziehen. Das mag daran liegen, dass es bestimmte Details, Besonderheiten, Unwägbarkeiten, Lücken, Leerstellen, ..., gibt, denen sie keine besondere Bedeutung zumessen, weil sie im Kontext des Schulalltags keine Rolle spielen. Das Modul StadtRebellen will gemeinsam mit den SchülerInnen einen Quadratkilometer rund um das Schulgebäude im Kontext von Architektur, Urbanistik und Kunst erforschen. Ziel ist es die Wahrnehmung der SchülerInnen (und vielleicht auch die eigene...) zu verändern, das bisher Übersehene, nicht Wahrgenommene bewusst zu thematisieren. Um einen Blick hinter die Welt der Alltäglichkeit und der Gewohnheit werfen zu können, müssen Sehroutinen aufgebrochen werden. Damit dieser Prozess gelingt, gilt es geeignete Methoden, Herangehensweisen und Arbeitsformen zu finden, die es einerseits ermöglichen, die Wahrnehmung für das Andere, Neue, Unbekannte zu sensibilisieren und andererseits auch das bereits Bekannte reflektierbar machen. Im Austausch werden wir von den SchülerInnen lernen Architektur und Stadträume neu zu sehen. Der Perspektivwechsel und die frische, ungebremste Kreativität der SchülerInnen wird uns helfen neue Wege der Analyse und des Entwurfes zu entwickeln. Mit den Augen der Kinder werden wir Architektur und Stadt nicht mehr nur von den Rissen her verstehen und planen, sondern als Räume, die wir bewohnen und benutzen. Das Modul StadtRebellen ist ein Kooperationsprojekt zwischen dem Labyrinth Kindermuseum Berlin, kleine baumeister Berlin, dem Fachbereich Architektur und Schule der Bauhaus-Universität Weimar und dem Goethegymnasium Weimar. Zeitgleich mit Berlin, machen sich Weimarer Studierende in Tandems mit SchülerInnen auf den Weg 1x1 Quadratkilometer Stadt genauer unter die Lupe zu nehmen, um damit den Blick für Stadtstrukturen zu schärfen. Gemeinsam soll das 1000x1000 Meter große Areal in Augenschein genommen und im Hinblick auf eigene Wünsche und Bedürfnisse zu hinterfragt werden. Das Projekt StadtRebellen ermöglicht so die Einbindung der kleinen Bürger der Stadt in den städtebaulichen Diskurs indem sie einen Ort und viele Lautsprecher bekommen und ihre Sicht auf die Stadt zeigen. Sie erfahren Handlungsspielräume, in denen sie ihre Ideen und Interessen einbringen und eigene (Bildungs-)Wege gehen können. Ein Austausch mit den in Berlin zeitgleich durchgeführten "Rebellionen" ist angedacht. Die Ergebnisse, die während des Projektzeitraums entstehen, werden als temporäre Installationen u.a. im öffentlichen Raum sowie fortlaufend im Labyrinth Kindermuseum präsentiert. 

Lehrende:
Dipl.-Des. Ines Escherich, Fakultät Gestaltung
Dr.-Ing. Yvonne Graefe, Fakultät Architektur und Urbanistik

Auswahl an Seminarergebnissen:

 

 

 

 

Zelten

»Diese Wohnungen ... weniger gebaut als geknüpft, geflochten, gewoben, gestickt ... ; statt den Bewohner in einer Masse gleichgültiger Steine zu ersticken, passen sie sich seiner Anwesenheit und seiner Bewegung an; ... wie eine leichte elastische Rüstung umgibt das Dorf seine Bewohner, eher den Hüten unserer Frauen vergleichbar als unseren Städten ... Die Nacktheit der Bewohner erscheint durch das samtene Gras der Wände und die Fasern der Palmblätter geschützt: Sie schlüpfen aus ihren Wohnungen, als ob sie riesige Hausmäntel aus Straußenfedern ablegten.« Claude Levi-Strauss

Der Stoff, aus dem die Träume sind ... - die Faszination textiler Materialien im Kontext des Bauens ist so alt wie die Menschheit selbst. Bevor unsere Vorfahren begonnen haben, Land zu kultivieren und sesshaft zu werden, waren sie lange Zeit darauf angewiesen im Einklang mit dem Wechsel der Jahreszeiten jederzeit flexibel ihren Wohnort verlagern zu können. Auch wir schätzen heute den Vorteil der Mobilität und Leichtigkeit des Zeltes nicht nur beim Camping. Wer kennt sie nicht - die romantische Nacht im Schutz der textilen Hülle, in der man nur durch eine dünne, fast transparente Wand die Unmittelbarkeit der Natur genießen kann. Das Seminar Zelten - Architektur als zweite Haut gibt Einblick in das weite Themenfeld der ephemeren Architektur. Egal ob Hülle, Haut, Überzug, Verpackung, ob Jurte, Tipi oder Planwagen, ob Camping- , Zirkus-, Messe- und Festzelt oder Fußballstadion - das Subtile, das Schlaffe, das Weiche, das Fragile, das Flexible sowie das Forminstabile des textilen Materials schickt unsere Wahrnehmung auf Reisen. Ausgehend von Phasen der intensiven Wahrnehmung und Erforschung sowie der Enträtselung ästhetischer textiler Botschaften, soll ein gestalterisch-experimenteller Prozess angebahnt werden. Ausgelotet werden dabei die Wechselwirkungen von Wahrnehmungs-, Gestaltungs- und Reflexionsprozessen. Der spielerische Umgang und die Experimentierfreude mit Textilien sollen Architekturvermittlung und Architektur produktiv miteinander verknüpfen. Ferner wollen wir uns mit der Frage auseinandersetzen, wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene textile Architektur erleben, wahrnehmen und sich aneignen. Gleichsam sollen Ideen entwickelt werden, wie ihnen Zugang zu textiler Raumgestaltung und deren Ausdrucksmöglichkeiten verschafft werden kann. Wie können Alltagspraktiken, subjektiv Gedachtes und Erdachtes sowie Lebensführung mit diesem Feld der Architektur in Verbindung gebracht werden?

 

Lehrende:
Dipl.-Des. Ines Escherich, Fakultät Gestaltung
Dipl.-Ing. Yvonne Graefe, Fakultät Architektur und Urbanistik

Auswahl an Seminarergebnissen:

Die Vermessung des Raumes

Lebensraum – Außenraum – Zwischenraum – Innenraum – mobiler Raum – Freiraum –Gemeinschaftsraum – öffentlicher Raum – Spielraum – Stadtraum – Leerraum – Landschaftsraum – Umgebungsraum – fiktiver Raum

Alles, was wir tun und erleben spielt sich in Raum und Zeit ab. Indem wir uns im Raum bewegen, setzen wir uns ins Verhältnis zur Welt, erkennen und erproben Beziehungen zwischen uns selbst und dem Raum sowie den Dingen darin. Dabei ist Raum ist nicht nur visuell vor uns ausgebreitet, sondern wir wohnen, arbeiten und bewegen uns in Räumen. Dabei gehen wir eine unmittelbare Beziehung mit ihnen ein – mit unserem Betreten füllen wir sie mit Leben. Dies geschieht, weil nicht zuletzt mit jeder Suche, Eroberung und Aneignung von Raum – Raumwahrnehmung, Raumorientierung, Raumerforschung und Raumerfahrung einhergeht. Als kreatives Individuum sehnen wir uns danach neuen Raum zu finden, Raum zu schaffen und zu erfinden.

Das Seminar Die Vermessung des Raumes gibt Einblick in das weite Themenfeld des architektonischen Raumes. Gemeinsam wollen wir Konzepte und Strategien zur Aneignung von Raum kennenlernen, praktisch ausprobieren und auf die jeweiligen Fächerdisziplinen zurückführen. Dazu werden Formate bzw. Konzepte wie Kunst im öffentlichen Raum, Secondhand-Architektur, Urban Gardening, Guerilla Gardening, Mapping u.a. thematisiert, um davon ausgehend über Ansatzpunkte der Stadt- und Architekturentwicklung im Kontext von Architekturvermittlung und partizipativer Raumgestaltung nachzudenken.

Wir wollen uns mit der Frage auseinandersetzen, wie Kinder, Jugendliche und Erwachsene Räume erleben, wahrnehmen und sich aneignen. Gleichsam sollen Ideen entwickelt werden, wie ihnen Zugang zu Raumgestaltung verschaffen kann. Wie können Alltagspraktiken, subjektiven Formen der Raumbenutzung und Lebensführung mit diesem Feld der Architektur in Verbindung gebracht werden? Wie kann man sie anregen Räume wahrzunehmen, sie zu erforschen oder ganz und gar zu erschaffen und damit eine aktive Teilhabe an Entwicklungs- und Gestaltungsprozessen sowie der selbstbestimmten Nutzung von (Stadt-)Räumen zu entwickeln?

Lehrende
Dipl.-Des. Ines Escherich, Fakultät Gestaltung
Dipl.-Ing. Yvonne Graefe, Fakultät Architektur und Urbanistik

Auswahl an Seminarergebnissen:

Einblick.Durchblick.Ausblick

Ein Archiv ist nicht nur ein Ort für Ordnung und Chaos, sondern ebenso das Reich der Möglichkeiten. Archivarien, selbst wenn sie einen Platz und eine Nummer erhalten haben, bewahren sich ein Eigenleben. Überlässt man sich ihnen, leiten sie uns in ihre eigenen unerwarteten Formationen; sie folgen geheimnisvollen Regeln der Ähnlichkeit, von der Zeit unabhängigen Genealogien, gemeinsamen Interessen und Themen. Alleingelassen, aufgestapelt oder in Regalen, in Kartons, warten sie darauf, sortiert, entdeckt und katalogisiert zu werden – eines fernen Tages …  
(frei nach Alberto Manguel)

Dieser ferne Tag rückte im vergangenen Semester endlich in greifbare Nähe. Die interdisziplinäre Seminarreihe Architektur und Schule wurde im Jahr 2013 dreizehn Jahre alt.

... All die unzählbaren Gedanken, geplanten Projekte, Spiele, Bücher, Filme, … wurden zum Leben erweckt werden. All die einsamen Paare wurden gefunden, die begonnenen Gedanken zu Ende gesponnen, weiterentwickelt und sichtbar gemacht.

Lehrende:
Dipl.-Des. Ines Escherich, Fakultät Gestaltung
Dr.-Ing. Yvonne Graefe, Fakultät Architektur und Urbanistik

Auswahl an Seminarergebnissen:

SecondhandArchitektur

Die Um-und Zwischennutzung von brachliegenden urbanen Räumen, das Umfunktionieren verlassener, ungenutzter Gebäude sowie das Verwenden von recycelten Baumaterialien gewinnen für die Stadtplanung und -Stadtentwicklung zunehmend an Bedeutung. Architektur avanciert immer stärker zum Vermittler innerhalb komplexer Verwertungs- und Umnutzungsprozesse im Spannungsfeld der leeren, ungenutzten bzw. nicht mehr benötigten Gebäude, Gebiete und Flächen. Zum einen gilt es, Ideen für langfristige Umnutzungskonzepte zu finden – zum anderen alternativ dazu auch temporäre Zwischenlösungen zu kreieren.

Werden Gebäude und Brachflächen »wiederverwertet und aufgewertet«, setzt man sich dabei gleichzeitig mit Werten wie Nachhaltigkeit, Aneignung und Beteiligung auseinander und regt ein Nachdenken über den sich daraus ergebenden ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Mehrwert möglicher Transformationsprozesse an.

Im Seminar wurden Formate bzw. Konzepte wie Secondhand-Architektur, Recycling-Architektur, 2nd hand spaces, temporärer Urbanismus, Architektur auf Zeit u.a. thematisiert, um davon ausgehend über neue Ansatzpunkte der Stadt- und Architekturentwicklung im Kontext von Architekturvermittlung nachzudenken.

Es wurden Ideen entwickelt, wie man Kindern und Jugendlichen Zugang zu Raumgestaltung verschaffen kann. Wie können ihre Alltagspraktiken, ihre subjektiven Formen der Raumbenutzung und Lebensführung mit diesem Feld der Architektur in Verbindung gebracht werden? Wie kann man sie anregen Architektur(leer)räume neu zu denken, umzufunktionieren, neu zu besetzen – zu recyceln und damit eine aktive Teilhabe an Entwicklungs- und Gestaltungsprozessen sowie der selbstbestimmten Nutzung von (Stadt-)Räumen zu entwickeln?

Lehrende:
Dipl.-Des. Ines Escherich, Fakultät Gestaltung
Dipl.-Ing. Yvonne Graefe, Fakultät Architektur und Urbanistik

Auswahl an Seminarergebnissen:

BauMaterial


Materialität ist eng mit Architektur verbunden. Material fungiert nicht allein als Baustoff – sondern ist Träger ästhetischer Botschaften und Vermittler zwischen Architektur und Mensch. Als Gestaltungsmittel nimmt es dabei direkten Einfluss auf Wirkung und Aussagekraft – trägt es doch durch seine Erscheinung, durch das Gefühl bei Berührung, den Geruch und das akustische Verhalten zum Erleben architektonischen Raumes bei. 

Ob Papier, Stoff, Folie, Aluminium, Glas, Beton, Lehm, Holz, Klinker, Granit, Beton, Kunststoff, Stein, Marmor (...) – ob ungewöhnlicher, verpönter, recycelter, nachhaltiger, multifunktionaler, formver-
ändernder, natürlicher (...) Baustoff –  Material schickt unsere Wahrnehmung auf Reisen. Das Sehen, Fühlen, Riechen, Hören und Begreifen von Materialität regt Fantasie und Denken auf vielfältige Art und Weise an. Ferner löst es Empfindungen aus, weckt Interesse, provoziert Widerstände und fordert zur Gestaltung bzw. Bearbeitung heraus. Jedes Material tritt uns mit einer ihm individuell eigenen Ästhetik entgegen. Seine spezifischen Qualitäten können als eine Art Sprache verstanden werden. Erst wenn wir für diese Sprache sensibilisiert sind, können wir sie entschlüsseln.

Ziel des Seminars ist es, in einen Dialog mit verschiedenen Materialien zu treten. Ausgehend von Phasen der intensiven Wahrnehmung und Erforschung sowie der Enträtselung ästhetischer Botschaften, soll ein gestalterisch-experimenteller Prozess angebahnt werden – aus Material wird Bau.material. Ausgelotet werden dabei die Wechselwirkungen von Wahrnehmungs-, Gestaltungs-
und Reflexionsprozessen. Der spielerische Umgang und die Experimentierfreude mit Materialien
sollen Architekturvermittlung und Architektur produktiv miteinander verknüpfen.

Lehrende:
Dipl.-Des. Ines Escherich, Fakultät Gestaltung
Dr.-Ing. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur und Urbanistik

Auswahl an Seminarergebnissen:

Stadtgespräch

Früher war das einfacher mit der Kommunikation. Fenster auf, Kissen aufs Fensterbrett und mit der Nachbarin genüsslich neueste Nachrichten ausgetauscht. Heute braucht es mindestens schnellen Internetanschluß bis in den letzten dörflichen Winkel, auch wenn dort immer weniger wohnen...

Doch Stadt ist wieder in, da zieht man gerne hin. In ist, wer drin ist, im Stadtviertel, in der Gesellschaft, in der Szene ... Stadt ist Sehnsucht, Stadt ist Schicksal, Summer in the City! Highlights und Party sind angesagt. Jeder will auf sich aufmerksam machen, in den Metropolen wie in den Städten der Provinz. Die Inszenierung der Stadt ist allenthalben Thema, Stadt ist künstlich und Stadt ist Kunst. Aber Stadt ist vor allem höchste Wirtschaftskonzentration, ist überbordender Verkehr, ist Parkhaus, Kaufhaus, Einkaufsmeile, ist Verwaltungszentrum und Platz für Banken, Versicherungen und Dienstleistungen jeglicher Art. Doch wo spielen die Kinder? Auf welchen Plätzen feiern die Eltern, die Familien, die Nachbarn ihre Feste? Wo wird getanzt und gesungen? In welcher Umgebung fühlen sich die Einwohner wohl, im Alltag wie an Festtagen? Das Seminar wird sich mit Stadträumen, ihrer Architektur und ihrer Nutzung befassen, mit ihrer Atmosphäre und den lebenswerten Eigenschaften dieser Orte. Dazu werden Literatur, Film und eigene Erfahrungen genutzt. Hintergründiges Ziel des Themas ist, Kindern urbane Qualitäten und wichtige Momente der Stadtentwicklung zu erläutern. Denn Städte entstehen, wandeln sich und vergehen zuweilen. »Es geht vorwärts« ruft der Specht in der Erzählung von Hermann Hesse (Die Stadt, 1910) und sieht den wachsenden Wald und den herrlichen, grünenden Fortschritt auf Erden zufrieden an.

Lehrende: 
Dr. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur 
Dipl.-Des. Ines Escherich, Fakultät Gestaltung

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

Im Prinzip ein Kinderspiel

 

Lehrende: 
Dipl.-Ing. Yvonne Graefe & Dr.-Ing. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur und Urbanistik
Prof. Dr. Andrea Dreyer, Fakultät Gestaltung

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

Spur der Steine

Lehrende: 
Dr.-Ing. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur 
Prof. Dr. Andrea Dreyer, Fakultät Gestaltung

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

Villa Kunterbunt

Lehrende: 
Dr.-Ing. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur und Urbanistik
Dr. Brigitte Wischnack, Fakultät Gestaltung

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

BauTraum

Lehrende: 
Dr.-Ing. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur und Urbanistik
Dr. Brigitte Wischnack, Fakultät Gestaltung

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

Wohnzimmertheater

Lehrende: 
Dr.-Ing. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur und Urbanistik
Dr. Brigitte Wischnack, Fakultät Gestaltung

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

Rot.Gelb.Blau

Lehrender: 
Dr.-Ing. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur und Urbanistik

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

Zusammen ist man weniger allein

Lehrender: 
Dr.-Ing. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur und Urbanistik

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

Räume leben

Von der Kunst, im Normalen das Besondere zu entdecken

Wir verbringen unser Leben im Spannungsfeld natürlicher und überwiegend künstlich gebauter Räume, die unsere Befindlichkeit beeinflussen und ihrerseits ein Eigenleben entwickeln. Wir erfahren sie mit allen Sinnen, arrangieren uns mit ihnen und verändern sie bei Bedarf. Von allen Seiten werden wir mit den Auswüchsen einer neuen Erlebniskultur konfrontiert, die weder den Supermarkt noch die Tanzbar auslässt. Die Fitnesswelle schwappt in die Spaßbäder. Wir schweben auf Wellnesswolken und chillen in alternativen Räumen, die ursprünglich völlig andere Funktionen erfüllten. Der alte Wartesaal ist uns ebenso recht wie der Kesselraum im e-Werk. Wir schätzen das Ausflugslokal im Grünen und abgefahrene Partyräume mitten in der Stadt. Aus der puren Zweckarchitektur entstehen Begegnungsstätten und Räume zum Wohlfühlen, deren Spaßfaktor je nach Zielgruppe und jeweiligem Trend stark differiert. Inwieweit die Eventkultur auch halböffentliche und intime Räume prägt, soll exemplarisch untersucht werden. Im schnellen Wechsel von In und Out sich einzurichten oder mitunter auch gegen den Strom der Reizüberflutung zu schwimmen kann lebenswichtig sein. Mit geschärften Sinnen nehmen wir die Orte wahr, wo wir unsere Freizeit verbringen. Die Zwischenräume werden dabei interessant, die Pausenkultur und das Verhalten kleinerer und größerer Menschengruppen zwischen Arbeitszeit und Schlaf. Afterwork-Partys und Liquid Sound locken die einen, andere empfinden die Tankstelle, den Biobauernhof oder den Park als Oase. Was Kino, Theater oder Erlebnisgastronomie für bestimmte Bevölkerungsgruppen bedeuten, liefert Mac Donalds für Kindergeburtstage und Jugendtreffs... Im Seminar bleiben wir in Bewegung, fokussieren unsere Aufmerksamkeit auf den Zusammenhang zwischen Aktion und Raum bei der Analyse von Film und Literatur, bei Besichtigungen und intensiven Diskussionen. Ein Höhepunkt wird das gleichnamige Symposium im Rahmen der Reihe "Architektur und Schule" am 4./5. Mai 2007, zu dem wir einladen. Referenten aus dem In- und Ausland berichten über ihre Erfahrungen, Workshops thematisieren das Raumerlebnis auf spezifische Weise.

Lehrende: 
Dr. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur 
Dr. Brigitte Wischnack, Fakultät Gestaltung

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

Hausgeister – Ordnung ist das halbe Leben

HAUSGEISTER. Ordnung ist das halbe Leben

Beinahe jeder von uns möchte Ordnung um sich herum, im Leben überhaupt – aber wer räumt schon gerne auf? Da wünscht man sich oft dienstbare Geister: »...wie war zu Köln es doch vordem mit Heinzelmännchen so bequem«... Der leidige Abwasch, das ungeliebte Putzen, das Bügeln oder Werkzeug-Sortieren beanspruchen Zeit, wertvolle Lebenszeit. Andererseits können wir durch praktikable Ordnung Zeit gewinnen. Freiräume entstehen, wenn wir den Mut zum Beiseite-Tun und Wegwerfen aufbringen. Häufig steht das offensichtlich menschliche Bedürfnis nach Ordnung und Übersicht im Widerstreit mit der eigenen Bequemlichkeit und der Tendenz zur Ansammlung von Dingen. »I feel at home in this chaos because chaos suggests images to me... If I did have to leave and went into a new room, in a week’s time the thing would be in chaos... I like a chaotic atmosphere.« – so begründet der Maler Francis Bacon die ausufernde Anhäufung von Dingen in seinem Lebensumfeld. Andere signalisieren mit der aufgeräumten Klarheit ihrer Umgebung Sicherheit und Struktur. In der Architektur hat das Prinzip Ordnung einen festen Platz, erfüllt informative Funktion und befriedigt ästhetische Bedürfnisse. Ordnung, Gliederung und Akzentuierung verschaffen Wohnräumen und Bauten individuelle Aussagekraft. Ordnungssysteme und Ordnungstätigkeiten sind für Architekten und Nutzer wesentliche Elemente der gebauten Umwelt. Weder die Wohnung als Schublade noch das leere Loft, aber auch nicht die zugemüllten und voll gestellten Etablissements unterschiedlichster Couleur erscheinen uns als erstrebenswerte Räume. In der Balance zwischen den Polaritäten Chaos und Ordnung organisieren wir unser Leben. Zwischen »27 m Ordnung« bei Jean Prouvé und dem unbeschreiblichen Chaos im Atelier von Francis Bacon liegen Welten, die wir im Seminar analysieren und diskutieren wollen. Ergänzt durch Besichtigungen und Anregungen mit Film und Literatur sowie durch die eigene Erfahrung sollen schließlich die Erkenntnisse und Einsichten umgesetzt werden in Arbeiten, die auch Kinder, Jugendliche und Laien an die Problematik heranführen und neugierig machen auf den Themenkreis Architektur.  

Lehrende:
Dr. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur
Dr. Brigitte Wischnack, Fakultät Gestaltung

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

Küchengeheimnisse

Phantasievoll kochen, gemeinsam essen und gute Gespräche führen in räumlich angenehmer Atmosphäre. Kochstudios und Designerküchen liegen im Trend. TV-Sendungen mit Amateur- oder Profiköchen erlangen Kultstatus. Talkmaster bewirten ihre Gäste mit eigens zubereiteten Mahlzeiten. Es geht familiär und küchengemütlich zu - vor Millionen Zuschauern. Und jeder kennt die Situation von Parties - wenn die Küche zum Ende oder von Beginn an das Zentrum interessantester Kommunikation ist. Die durch Gaumenfreuden angeregte Unterhaltung kehrt offensichtlich gern an den Ort der kulinarischen Produktion zurück. Von der urzeitlichen Feuerstelle bis zur heutigen High-Tech-Küche blieben die Plätze der Zubereitung und des Essens zentrale Elemente des Wohnens, ungeachtet vieler Versuche, sie räumlich und in ihrer Bedeutung zu mindern. Immer betreffen Kochen und Essen, über das bloße Grundbedürfnis unserer Ernährung hinaus, auch sinnlich-ästhetische, kulturelle und nicht zu unterschätzende soziale Ansprüche. Wie reagieren Architektur, Design und Kochkunst auf die aktuellen Trends eines im Grunde uralten Bedürfnisses? Wie viel und welcherart gestalteten Raum braucht es für die Erfahrung dieser kulinarischen, ästhetischen und sozialen Genüsse? Brauchen Fastfood, Hausmannskost oder erlesene Delikatessen ein spezielles Ambiente? Das Seminar wagt einen Einblick in 'Küchengeheimnisse' unterschiedlicher Art. Gesucht sind eigene Erfahrungen und neue Erkenntnisse aus dem Themenkreis "Architektur Küche Kunst', die sich lehrreich, spielerisch und originell umgesetzt auch für die Architekturvermittlung im Schulunterricht eignen. Literatur, Film und Architekturbesichtigungen ergänzen die Veranstaltungen.

Lehrende: 
Dr. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur 
Dr. Brigitte Wischnack, Fakultät Gestaltung

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

 

Wohnfühlen

Gemütlich soll unser Zuhause sein und bequem, etwas geräumig, praktisch und schön. Stabil und sicher, trocken und warm. Im Sommer auch schattig, mit Kühlschrank und Eis. Mit Streifentapeten oder Wänden in Weiß ... Von der urzeitlichen Behausung bis zur modernen Komfortwohnung sucht der Mensch mit seiner Wohnumwelt zurechtzukommen, sich in den Gegebenheiten einzurichten oder diese nach seinen Bedürfnissen zu verändern. Er wechselt vom Land in die dichte Stadt, im Lauf der Geschichte auch wieder zum Stadtrand oder zurück aufs Land. Mit der Lebensweise wandelt sich die Wohnkultur, hinterlässt Spuren in den Häusern und im Verhalten der Bewohner. Dabei offenbart sich Erstaunliches. Auf Licht, Luft und Sonne, mit der Moderne Synonym für gesundes Wohnen, und entsprechend weitläufige, offene Architekturräume reagieren die Menschen mit einer erneuten Lust auf dichte und lebendige urbane Situationen. Auf werbestark offerierte, in Technik und Ausstattung hochgerüstete "Traumwohnungen" antworten Trends zu neuer Einfachheit und selbstbestimmter Individualität. Das Seminar bietet einen Ausflug in die unterschiedlichen Wohnbedürfnisse, Wohnorte und Ansprüche an das Zusammenleben. Wie gewohnt gibt es Literatur, Film und Architekturbesichtigungen. Fragestellung ist, wo und warum man gerne wie wohnt, um sich ganz einfach wohlzufühlen.

Lehrende: 

Dr. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur 
Dr. Brigitte Wischnack, Fakultät Gestaltung

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

 

WohnMobil

Mobil sein ist alles. Der Wunsch nach Veränderung gehört zu unserem Alltag. Mutter beginnt nach dem Frühjahrsputz mal wieder die Wohnung umzuräumen. Beim Camping wird die eigene Welt ins Grüne transportiert - kreatives Wohnen mit Provisorien. Kinder begeistert die spontane Veränderung vertrauter Räumlichkeiten. Straßenfeste, Weihnachtsmärkte, Karneval - mit Hingabe wird Bestehendes umfunktioniert und in neue Konfigurationen verwandelt. Und irgendwie finden wir das alles viel gemütlicher, herrlich nostalgisch oder aufregend neu, auf jeden Fall aber ganz anders und überraschend gut. Wir brauchen zur Aneignung unserer gebauten Umwelt offensichtlich beide Tendenzen - Kontinuität und Veränderung. Das Seminar soll dieses Phänomen untersuchen, Beispiele aufspüren und die Qualitäten solcher Veränderungen aufzeichnen. Vielleicht entwickeln sich dabei innovative Ideen für mobiles Wohnen oder für transportable Rückzugsorte, die mehr Spielraum bieten als die gewohnten vier Wände. Auch für dieses Seminarthema ist die praktische Umsetzung in einer kunstpädagogischen Aktion vorgesehen. Zunächst stehen Worte im Raum, mit denen wir spielen, bis wir ihren Sinn neu erfahren: Umräumen, Ausräumen, Einräumen.

Lehrende: 
Dr. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur 
Dr. Brigitte Wischnack, Fakultät Gestaltung

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

 

Wohngeschichten

Die Welt verändert sich. Täglich. Stündlich. In jedem Moment. Es bleiben Erinnerungen. Geschichten, die sich tief eingraben. Mitunter sichtbare Spuren hinterlassen. Eine Patina, die von gelebtem Leben spricht. Lässt sich der Verbrauch von Lebenszeit an Architektur ablesen? Welche Geschichten erzählen alte Häuser? Inwiefern trägt Denkmalpflege heute dazu bei, solche Geschichten zu bewahren? Wie wohnt es sich in historisch aufgeladenen Räumen? Ein weites Feld tut sich auf in Städten wie Weimar und anderswo. Betreten auf eigene Gefahr! Im Seminar wagen wir den Gang durch Geschichte und Geschichten, indem wir die eigene Erinnerung befragen und mit den Bedeutungsschichten historischer Gebäude auseinandersetzen. Die sinnliche Raumerfahrung vor Ort, zum Beispiel in der Scherfgasse in Weimar, wird ergänzt durch Film ("Abschied von Matjora", Arte-Serie "Wohnwelten") und Lesemarathon sowie Gastvorträge ( Dr. J.-F. Dwars, Jena - "Wie Dichter hausen und wohnen") und Gespräche. Das Puppenhausmuseum zieht und ebenso in seinen Bann wie der individuelle Erinnerungs- und Erfahrungsraum. Auffällig ist die Offenheit und Neugier der Studierenden. Die Bandbreite der Arbeiten ist wie in den vorhergehenden Seminaren groß: Von Comicstrips und Spielen über Kurzfilme, Bücher bis zur Fotoserie und eher analytischen Auseinandersetzungen oder zum Selbstentwurf einer Lebensart reichen die Formen. Die Inhalte kreisen um die Dinge des Wohnens, um Veränderungen, um Wohnraum als Experiment, um Alltagsgeschichten und Zweitwohnwelten, um fremdes Wohnverhalten und Wohninszenierungen ...

Lehrende: 
Dr. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur 
Dr. Brigitte Wischnack, Fakultät Gestaltung

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

 

Wie Kinder wohnen wollen

Überraschend ist das überwältigende Interesse am Seminarthema, mit dem wir zu einem Streifzug durch Kinderzimmer, Klassenräume und neu gebaute Einrichtungen für Kinder auffordern. Offensichtlich übt die kindliche Erfahrungs- und Erlebniswelt einen besonderen Reiz aus. Recherchiert werden die Wohnansprüche, Wohnerlebnisse und spezifische Wohnvorstellungen von Kindern, die altersgemäß einen eigenen Umgang mit der von Erwachsenen konzipierten baulichen Umwelt entwickeln. Dabei werden eigene Kindheitserinnerungen zutage gefördert, Filmimpressionen ("Die Insel der Schwäne") wechseln sich mit Literaturauszügen ("G. Wohmann - "Paulinchen war allein zu Haus") und Vorträgen (St. Engelstädter, Kinderbeauftragter der Stadt Weimar). Zu Höhepunkten geraten die Besichtigungen der Landenbergschule in Weimar und eines Kindergartens in Jena, wo wir sofort integriert sind und Snoozle-Raum und Wasserspiele im Freien bewundern dürfen. Eine Studentin fotografiert Kinderzimmer und begibt sich auf die Spurensuche an den Orten ihrer Kindheit, eine andere entwickelt eine "Anleitung zum Missbrauch von Gegenständen". Das Raketenhaus wird geplant und in eine Geschichte verpackt. Ein kleiner Raum entsteht, Kinder werden befragt und zum Zeichnen aufgefordert. Das Bilderbuch vom Puppenhaustraum steht gleichberechtigt neben Analysen von Spielplätzen in der Stadt Weimar. Zitate werden eigentümlichen Installationen gegenübergestellt und ein unscheinbarer Sack wird mit der Frage Verbunden: "Warst du schon mal in Afrika?"

Lehrende: 
Dr. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur 
Dr. Brigitte Wischnack, Fakultät Gestaltung

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

Architektur spielen

Wichtiger als der biografische Kontext ist in dieser Lehrveranstaltung der Vermittlungsaspekt, der den Blick auf Schule, Unterricht und auf didaktisches Material lenkt. Das Spiel als Vorwegnahme realer Lebenssituationen kristallisiert sich als besonders fruchtbarer Ansatz heraus und wird in seinem Begriffsinhalt philosophisch, pädagogisch-psychologisch, literarisch und künstlerisch ausgelotet. Die Aktionen des Schweizer Künstlers Roman Signer, die wir im Film "Signers Koffer" untersuchen, lassen durch ihre Originalität, ihre Selbstvergessenheit und ihre Intensität viele Parallelen zum kindlichen Spiel erkennen. Beobachtungen beim Bau von Baumhäusern, von Buden aus Pappkartons werden thematisiert, Spielesammlungen ausgearbeitet, kategorisiert und bewertet. Das spielerische Herangehen an das Thema Architektur/gebaute Umwelt wird an Beispielen der eigenen Erfahrungswelt konkretisiert und in anregende Angebote umgesetzt. Es entsteht ein 80 x 80 cm großes Tastspiel, ein Memory als Ergebnis einer großangelegten Befragung zu Wohnwünschen, eine Monopoly-Variante und ein Legomodell. Geplant wird eine Aktion für eine Lerngruppe, für einen Tag und für einen Raum. Bei der Realisierung des Vorhabens im H.-v.-Fallersleben-Gymnasium Weimar modifiziert sich die Übung zur Raumverwandlung durch die Energien und Intentionen der 10 - 11jährigen zu einem überbordenden Spektakel, in dem Kinderwünsche Gestalt annehmen. Beim Bauen, Probieren, Entdecken lernen wir das Staunen wieder ... 

Lehrende: 
Dr. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur 
Dr. Brigitte Wischnack, Fakultät Gestaltung

Woanders wohnen

Jeder kennt den Reiz des Fremden, der einen Ortswechsel begleitet. Wenn einem die Decke auf den Kopf fällt, muss man hinausgehen, wegfahren, den Alltag hinter sich lassen. Aufwachen in einer anderen Umgebung ... Im Seminar werden Elemente temporärer Wohnformen herausgefiltert. Subjektives Empfinden und objektive Gegebenheiten als Determinanten dieses "anderen" Wohngefühls werden exemplarisch untersucht und mit unterschiedlichen Medien artikuliert. Im Film "Die Ferien des Monsieur Hulot" kulminiert die Andersartigkeit auf vergnügliche Weise und regt ebenso wie die literarischen Exkurse im Seminar zum Erinnern eigener Urlaubserlebnisse an. Im Gespräch werden höchst verschiedene Einflüsse von Landschaft, Klima, Kultur, Historie und Lebensweise benannt und mit kleinen Sammlungen belegt, ehe sich die Teilnehmer intensiv mit dem Wechsel von Vertrautem ins Unbekannte auseinandersetzen. Da wird ein Zelt als Modell nachgebaut, das die Erfahrungen im Sommercamp in sich birgt. Das Tagebuch einer jungen Frau dokumentiert ihren Kuba-Aufenthalt mit starken Fotos und sensiblen Texten. Zwei Studentinnen tauschen ihre Wohnungen mit aller Konsequenz. Eine andere Arbeit geht dem Phänomen nach, dass Kinder bereits auf der Reise zu wohnen beginnen, indem sie mit minimalem Inventar im Zugabteil, im Auto, im Hotelzimmer die häusliche Lebenswelt imitieren. Eine Studentin vernäht Kinderzeichnungen, Reiseskizzen und Urlaubsfotografien zu einem riesigen Patchwork. Und schließlich werden die völlig uniformen Internatszimmer in den Plattenbauten Frankfurt/Oder zum Ausgangspunkt von Befragung und Analyse.

Lehrende: 
Dr. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur 
Dr. Brigitte Wischnack, Fakultät Gestaltung

Wohnen wie gewohnt

Das Seminar liefert den Auftakt für die Reihe, bietet Diskussionsstoff und Impulse zum Nachdenken über das Wohnen. Stadtrundgänge durch Weimar und Erfurt schärfen den Blick für alte und neue Wohnformen. Hautnah erleben wir bei der Besichtigung der Wohngenossenschaft an der Sackpfeife, wie zeitgenössisches Bauen funktionieren kann. In Gesprächen kristallisiert sich die Polarität zwischen neuartigen Lebensentwürfen und dem tradierten Wohnverständnis als Schlüsselproblem heraus. Bleibt die Wohnung heute für breite Kreise das letzte Refugium selbstbestimmter Gemütlichkeit und Ort der Repräsentation oder wird sie zur Spielwiese für den Gestaltungswillen und sich verändernde Gewohnheiten? Den radikalen Fragestellungen entsprechen experimentelle Arbeiten, die mit dem Überkommenen spielen: Da wird kurzerhand das Bad zum zentralen Wohnraum umfunktioniert oder ausprobiert, wie das Internatszimmer wirkt, wenn die Möbel von den Wänden in die Mitte geräumt werden. Feine Beobachtungen werden mit Stift und Kamera festgehalten, so dass sinnfällig wird, welche Lichtverhältnisse existieren, wie gering der Abstand zwischen zwei Wohnblöcken ist, oder an welchen Punkten sich die Wege der Bewohner kreuzen. Erinnerungen an vergangene Wohnsituationen werden mit der derzeitigen Lebenswelt konfrontiert. Vielsinnliche Erfahrungen werden nacherlebbar mit konservierten Gerüchen, Materialproben, sehr persönlichen Bekenntnissen und Fotografien. Akribische Untersuchungen stehen neben eher künstlerischen Gestaltungen, bei denen das vertiefe Verständnis von Raumordnungen, die Sensibilität beim Aufspüren des Besonderen und die Reflexion über Wohnqualitäten deutlich wird.

Lehrende: 

Dr. Hannes Hubrich, Fakultät Architektur 
Dr. Brigitte Wischnack, Fakultät Gestaltung

Klein aber fein

Ein Exkurs durch minimale Wohnwelten

»Däumelinchen bekam nun eine lackierte Walnussschale als Wiege. Veilchenblätter waren ihre Matratze und ein Rosenblatt ihre Bettdecke. So schlief sie bei Nacht, aber am Tage spielte sie auf dem Tisch. Die Frau stellte ihr einen Teller mit Wasser hin und legte einen ganzen Kranz Blumen darum, sodass die Stängel ins Wasser ragten. Nun konnte Däumelinchen auf einem Tulpenblatt sitzen und von der einen Seite des Tellers zur anderen fahren. Sie hatte zwei weiße Pferdehaare zum Rudern. Dabei sang sie so fein und zart, wie man es nie gehört hatte. Das war wirklich wundervoll.«

Hans Christian Andersen

Wie im Märchen offenbart das Seminar Dinge und Orte, die nicht so sind, wie sie zunächst scheinen. Extreme Wohnlagen, karge Räume von geringster Dimension wandeln sich zu Refugien mit Wohnwert und besonderem Flair. Einfache aber wirkungsvolle Details bedienen komplexe Bedürfnisse und erlauben eine erstaunliche Individualität. Es zeigt sich, dass nicht nur die Größe der Behausung oder der gebotene Komfort die Wohnqualität bestimmen, sondern vor allem ihre Atmosphäre und besonderen Eigenheiten.

Lehrender:
Dr.-Ing. Hannes Hubrich

Seminarergebnisse:
» Seminarergebnisse herunterladen

Staatsexamensarbeit/Bachelor- oder Master-Thesis

Das Forschungsfeld der Architekturkommunikation und der Architekturvermittlung ist weit und bisher nur von einigen wenigen Vorreitern untersucht worden. Dementsprechend kann das Fachgebiet nicht auf bereits definierte Fragestellungen, Anwendungsfelder oder Methoden zurückgreifen, sondern muss – oder besser kann sich und seine Position innerhalb der Architektur noch (er-)finden. Die Reihe »Architektur und Schule« soll für eine weitere Vertiefung sensibilisieren und neugierig machen. Innerhalb einer Master Thesis ist es dann möglich im Bereich der Architekturvermittlung, der Architekturkommunikation oder dem Bauen für und mit Kindern, seinem Forschungsdrang nachzugehen. Ebenfalls besteht die Möglichkeit, zum Thema zu promovieren. Die intensive Zusammenarbeit zwischen den Fakultäten Gestaltung und Architektur soll dafür eine stabile Basis bieten. Wer Interesse an der Bearbeitung einer solchen Abschlussarbeit hat, kann die beteiligten Professorinnen und Professoren sowie deren Mitarbeiterinnen kontaktieren.

Promotion

Doktorarbeit: Architektur und Kommunikation
von Alexandra Abel
an der Fakultät Architektur und Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar

Ohne Kommunikation entsteht keine Architektur. Ohne erfolgreiche Kommunikation kann Architektur nicht gelingen.
Die Dialektik von Architektur und Kommunikation ist aber noch vielfältiger. Architektur ist selbst Kommunikation und Architektur beeinflusst Kommunikation.
In ihrer Doktorarbeit »Architektur und Kommunikation« möchte Alexandra Abel diesen Aspekten nachgehen und zugleich aufzeigen, was gelungene Architekturkommunikation ausmacht und wie Architekturkommunikation, – durch Architektur, über Architektur oder mit Hilfe der Architektur gelingen kann.

Betreuende Professorinnen und Professoren:
Prof. Dr. Andrea Dreyer (Fakultät Gestaltung)
Prof. Dipl.-Ing. Dipl.-Des. Bernd Rudolf (Fakultät Architektur und Urbanistik)

Kontakt:
Dipl.-Psych. Alexandra Abel
E-Mail: mail[at]alexandraabel.de

Mit einer Kindervorlesung startete am Donnerstag, 10. Oktober 2013, das studentische Projekt »Kreative Schulraumplanung mit Kindern« in Zusammenarbeit mit der Staatlichen Gemeinschaftsschule Weimar. ›Schule selber bauen‹ lautete der Titel der Vorlesung, zu der Prof. Dr.-Ing. Barbara Schönig und Prof. Dr.-Ing. Steffen de Rudder von der Fakultät Architektur und Urbanistik der Bauhaus-Universität Weimar eingeladen hatten.

 

 

 

mehr

Symposien zur Architekturvermittlung

Die Fakultäten Gestaltung und Architektur und Urbanistik veranstalten in Kooperation mit der Architektenkammer Thüringen, dem Thüringer Ministerium für Bildung Wissenschaft und Kultur (TMBWK), dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm) und der Klassik Stiftung Weimar regelmäßig Symposien zur Architekturvermittlung.

» siehe Quicklinks