Die Keramische Werkstatt des Staatlichen Bauhauses Weimar in Dornburg

von Hans-Peter Jakobson, Direktor des Museums für Angewandte Kunst Gera

Als einzige Werkstatt des Staatlichen Bauhauses befand sich die Keramische Werkstatt außerhalb Weimars. Nach einem missglückten Versuch in Weimar fand Walter Gropius mit Max Krehan in Dornburg, nahe Jena, einen Töpfermeister, dessen Haltung zum Handwerk ihm ideale Voraussetzung für eine Einstellung als Werkmeister des Bauhauses bot. Die einfachen, klaren Formen seiner sicher auf der Scheibe gedrehten Waren, von Hand dekoriert, solide gebrannt, folgten überkommenen Mustern und waren auf Zweckmäßigkeit abgestimmt. In dieser Werkstatt verlief seit Mai 1920 die gesamte traditionelle Grundausbildung der Bauhauslehrlinge. In der am 1.Oktober 1920 eröffneten, eigentlichen Bauhauswerkstatt im ehemaligen Marstallgebäude gegenüber dem Rokokoschloss der drei Dornburger Schlösser, (heute Max-Krehan-Str. 1), konzentrierten sich die Schüler gemeinsam mit dem Formmeister und Bildhauer Gerhard Marcks zunächst auf Formenprobleme  sowie die optische Einheit von Form und Dekor. Unikatgefäße mit teilweise bizarren bis grotesken Details oder Proportionen, entstanden hauptsächlich unter plastisch- formalen Prinzipien. Deren Bildhaftigkeit als »Gefäßplastiken« galt mehr als tatsächliche Funktionalität.

Als Gropius in Vorbereitung auf die Bauhausausstellung 1923 von den Werkstätten Modelle für Serienfertigungen forderte, entwickelten die beiden Gesellen Otto Lindig und Theodor Bogler Prototypen für eine industrielle Produktion und boten sie Thüringischen Porzellanfabriken zur Übernahme an. Während Boglers Keramiken zum Beispiel die »Modulteekannen« wie vom Reißbrett wirken, bevorzugte Lindig eine plastische Körperlichkeit mit fließenden Umrisslinien. Als das Bauhaus 1925 Weimar verließ, verblieb die Keramikwerkstatt in Dornburg. Am Bauhaus Dessau gab es keine keramische Ausbildung.

In Erinnerung bleiben Mut und Kraft weniger junger Männer und Frauen und zweier weit denkender, menschlich integrer Lehrer, um neue Wege in der Keramik zu erproben. Trotz Unzulänglichkeiten  der Produktion entstanden Gefäße, die ihre Strahlkraft und Vorbildwirkung bis heute bewahrt haben.

Über Schüler oder Studenten konnten einige Bauhauskeramiker ihre Prinzipien individuell differenziert weiter tragen. In der Werkstatt wird noch heute handwerkliche Keramik hergestellt.

Werkstattgebäude in Dornburg (Fotos: Ch. Linsel 2008)
Werkstattgebäude in Dornburg (Fotos: Christiane Linsel)