Lehre

Wintersemester 2017/18

Alle Angaben zu den Lehrveranstaltungen von Vertr.-Prof. Stephan Gregory finden Sie hier: http://von-anderen-medien.de

Sommersemester 2017

Projektmodul Kulturtechniken (B.A./M.A.)
Plenum: Architektur in Bewegung (G. Schabacher)
Seminar: Kuratieren. Kulturtechniken des Zeigens (C. Tittel)

Studienmodul Infrastrukturen 2 (B.A.)
Vorlesung: Infrastrukturen in der Medienforschung (G. Schabacher)
Seminar: Geschichte des Computing (G. Schabacher)

B.A./M.A.-Kolloquium

Wintersemester 2016/17

Einführungsmodul: Einführung in die Medien- und Kulturtheorie (B.A.)
Seminar: Textanalyse (C. Tittel, S. Frisch)

Studienmodul Zeichenregime (B.A.)
Seminar: Mediengeschichte der Bürokratie (G. Schabacher)

Studienmodul Migration der Dinge (M.A.)
Seminar: Dinge zwischen Sammlerleidenschaft und Forschung. Zum Umgang mit materieller Kultur (C. Tittel)

Kulturwissenschaftliches Projektmodul (M.A.)
Plenum: Warten. Medien, Praktiken und Architekturen des Aufschubs (G. Schabacher und N. Wiedemeyer (Universität Erfurt))
Onlineprojekt der Studierenden: www.wartezeit.wordpress.com

Studienmodul Kulturtechniken (M.A.)
Seminar: Grundlagen der Kulturtechnikforschung (G. Schabacher)

B.A./M.A.-Kolloquium

Sommersemester 2016

Studienmodul Kulturtechniken (B.A.)
Vorlesung: Das Leben schreiben. Autobiographie als Selbsttechnik (G. Schabacher)
Seminar: Grundfragen der Kulturtechnikforschung (G. Schabacher)

Projektmodul Kulturtechniken 1 (B.A.)
Plenum: Mobile Architecture (G. Schabacher)
Seminar: Migration der Dinge (C. Tittel)
Seminar: Paris. Bewegungsbilder der Moderne (T. Ullrich)

Studienmodul Bildtheorie (M.A.)
Seminar: Bildlichkeit der Architektur. Architektur als Bild (C. Tittel, U. Kuch)

B.A./M.A.-Kolloquium

Wintersemester 2015/16

Projektmodul Kulturtechniken (M.A.)
Plenum: »Doing things«. Kulturtechniken des Machens (G. Schabacher)
Seminar: Die Kunst des Recycling (C. Tittel)

Studienmodul Infrastrukturen 1 (B.A.)
Vorlesung: Verkehrsgeschichte und Medienwissenschaft (G. Schabacher)
Seminar: Kulturtechniken des Wohnens (G. Schabacher)

Studienmodul Zeichenregime (B.A.)
Seminar: Wenn Gebäude zu uns sprechen. Zeichenregime der Architektur (C. Tittel)

B.A./M.A.-Kolloquium

Einführungsmodul Einführung in die Medien- und Kulturtheorie (B.A.)
Ringvorlesung: Einführung in die Medientheorie

Sommersemester 2015

Wintersemester 2014/15

Sommersemester 2012

Sommersemester 2012

Einführungsmodul Einführung in die Mediengeschichte (B.A.)

Einführung in die Mediengeschichte (F. Steinhauer)
Filmgeschichte (U. Hanstein, S. Martin)
Plenum zum Einführungsmodul (F. Steinhauer, P. Löffler)

Basismodul Medienkultur (M.A.)

Kultur-Technik (F. Steinhauer)
Urszenen der Medientheorie (Freiherr von Gregory)

Studienmodul Kulturtechniken 2 (M.A.)

Streitkultur und Friedensstiftung (J. Bergann)

Wintersemester 2011/12

Einführungsmodul Medien- und Kulturtheorie (B.A.)

Einführung in die Medien- und Kulturtheorie (F. Steinhauer)
Übung zum Einführungsmodul (F. Steinhauer, A. Ortner)

Projektmodul Das Gesetz der Medien (B.A.)

Medienverfassung (F. Steinhauer)
Verfahren (F. Steinhauer)
Der Fall, die Medien und das Recht (J. Bergann)

Sommersemester 2011

Sommersemester 2011

Projektmodul Kulturtechniken (M.A.)

Die Person der Medien (F. Steinhauer)
Über Kulturtechniken (F. Steinhauer)
Zum Atlas. Aby Warburgs Exempel (F. Steinhauer)

Studienmodul Rechtskulturen 2 (B.A.)

Kulturtechniken des Richtens und Vermittelns (J. Bergann)

Studienmodul Kulturelle Grammatiken: Kritik und Produktion (B.A)

Kulturelle Grammatiken: Kritik und Produktion (L. Eckert)

Wintersemester 2010/11

Projektmodul Notationen (B.A.)

Ordnungen der Zeichen (F. Steinhauer)
Diagramme, Schemata, Atlanten (F. Steinhauer)
Über Schreiben (F. Steinhauer)

Studienmodul Zeichenregime (B.A.)

Ordnungen der Zeichen (F. Steinhauer)
Diagramme, Schemata, Atlanten (F. Steinhauer)

Basismodul Medienkultur (M.A.)

Medium. Mittler. Medialität (J. Bergann, U. Hanstein)

Studienmodul Recht und Film (B.A.)

Recht im Film (J. Bergann)

Studienmodul Diversity (B.A.)

Körper; Normalisierungsprozesse und Widerstand (L. Eckert)
Medien, Kultur und Identität. (L. Eckert)

Sommersemester 2010

Sommersemester 2010

Basismodul Medienkultur (M.A.)

Übergänge. Medien/Kultur/Theorie (J. Bergann, U. Hanstein)

Projektmodul Kulturtechniken 1 (B.A.)

Kulturelle Praktiken des Auges (B. Schneider, M. Vöhringer)
Kulturtechniken des Auges (B. Schneider, M. Vöhringer)
Latour Kultur Natur (B. Schneider, M. Vöhringer)

Wintersemester 2009/10

Projektmodul Wahrheitstechniken (M.A.)

Gerichtliche Wahrheitstechniken (C. Vismann)
The truth, the whole truth, and nothing but the truth. Wahr-Sprechen, Bezeugen, Gestehen (A. Fleckstein, U. Hahnstein)
Wahrheitstechniken (F. Balke, C. Vismann)

Projektmodul MediaArchitecture (M.A.)

Die Wand als Gegenstand und Medium der Architektur (C. Vismann)

Studienmodul Rechtskulturen (B.A.)

Rituelle Räume des Rechtsprechens (C. Vismann)
Das Rec ht in der griechischen Tragödie (J. Bergann)

MA- und Doktorandenkolloquium (C. Vismann)

Sommersemester 2009

Projektmodul Medien und Recht (B.A.)

Was waren die Staatsmedien? (C. Vismann)
Fälle im Medienrecht (J. Bergann, C. Vismann)
Grundlagen des Medienrechts (J. Bergann)

Studienmodul Medienrecht (B.A.)

Was waren die Staatsmedien? (C. Vismann)
Grundlagen des Medienrechts (J. Bergann)

Projektmodul Diskursanalyse und Dekonstruktion (M.A.)

Text oder Geschichte. Der Streit zwischen Foucault und Derrida um den Wahnsinn bei Descartes (C. Vismann)
Stilübungen. Geschichte schreiben nach Foucault und Derrida (S. Gregory)
Universalismen (Jacques Derrida) (S. Neef)
Diskursanalyse und Dekonstruktion I (S. Gregory, S. Neef, C. Vismann)

MA- und Doktorandenkolloquium (C. Vismann)

Personen und Dinge (Seminar Basiskolleg, Graduiertenkolleg, C. Vismann)

Wintersemester 2008/09

Projektmodul Kulturtechniken

Zeigen und Verbergen. Geheimniskulturtechniken 1700–1800 (S. Gregory)

Vorlesung, 2 SWS Mittwoch, 11:00–12:30, Marienstraße 13 C, Hörsaal D Beginn: 5. November

 

Verheimlichung und Geheimhaltung bilden elementare Mechanismen der Strukturierung von Gesellschaften; als Praktiken der Politik sind sie vermutlich so alt wie diese selbst. Von allen früheren Geheimniskulturen unterscheidet sich die Freimaurerei des 18. Jahrhunderts durch den experimentellen und gleichsam selbstreflexiven Gebrauch der Geheimnisse. In der freimaurerischen Subkultur werden nicht nur Versatzstücke der unterschiedlichsten Geheimpraktiken – von den antiken Mysterienbünden über das mittelalterliche Zunftwesen bis zur Arkanpolitik der absolutistischen Staaten – zusammenführt und zur Erzielung neuartiger Subjektivitätseffekte eingesetzt, es findet sich hier auch ein beachtlicher Grad an Reflexion über jene Weisen des Verbergens und Entbergens, die den Kern der Geheimnisproduktion ausmachen. So dass man von den Freimaurern vielleicht kein Geheimnis erfahren kann, wohl aber „wie man ein Geheimnis macht“.

Voraussetzungen: regelmäßige Teilnahme
Leistungsnachweis: Kurzessay zu einem ausgewählten Mechanismus der Geheimnisbildung
Zielgruppe: MK/BA, MM/BA

Die Vermittlung in Recht und Literatur (J. Bergann)

Blockseminar, 2 SWS

 

Im Mittelpunkt dieses Seminar auf der Schnittstelle zwischen Recht und Literatur stehen rechtliche und literarische Texte, anhand derer die Figuren des Rechts als Funktionsträger der Konfliktlösung analysiert werden. Dies geschieht durch die Gegenüberstellung von Mediation als einer Vermittlungstätigkeit und gerichtlichem Urteil als einem Tribunal der Entscheidung. Ausgehend von dem griechischen Begriff „mesos“ (Mitte) als Schlagwort für das Recht, richtet sich die Frage an die verschiedenen Figuren des Dritten als Instanzen der Streitschlichtung. Da in den Figuren des Vermittlers, des (Staats-) Anwalts und des Richters die großen Fragen des Rechts nach Einigung und Ausgleich kulminieren, wird ihr Oszillieren zwischen den Funktionen von Störenfried und Friedensstörer um den Ort der Mitte als dem Weg zum Recht nachgezeichnet.

Anhand von Texten Goethes, Kleists und Kafkas wird zwischen der Schlichtungstätigkeit des Vermittlers, der Entscheidung des Richters sowie der Parteilichkeit des (Staats-) Anwalts unterschieden. Ausgewählte Texte von Aristoteles, Hegel und Serres liefern dabei die Grundstruktur für eine „Vermittlungstheorie“,

Termine

Einführungsveranstaltung (Raum 013, B11)
Freitag, 19.12.2008 von 9-11 Uhr

Block 1 (Karl-Haußknechtstraße 7, Hörsaal),
Samstag, 24.01.2009 11-18 Uhr
Sonntag, 25.01.2009 11-18 Uhr

Block 2 (Raum 013, B11)
Samstag, 31.01.2009 11-18 Uhr
Sonntag, 01.02.2009 11-18 Uhr

Das Protokoll (T. Nanz)

Das Protokoll (T. Nanz)

Seminar, 4 SWS Montag, 9.15–12.30 s.t., Raum 14, Bauhausstr. 11

Das Protokoll ist eine politische Technologie. Zum einen ist es historisch mit der Etikette sowie dem Zeremoniell verbunden und reguliert beispielsweise bei Staatsbesuchen den Gang der Verhandlungen und die Verhaltensweisen der Beteiligten. Zum anderen steuern Protokolle die Mensch-Maschine-Interaktion sowie die Kommunikation zwischen Computern und Peripheriegeräten. Wie stehen politisch-diplomatisches Protokoll und Computerprotokoll zueinander? Wie formiert sich eine Gesellschaft über diese politische Technologie? Wie verteilt sich die Macht in einer vernetzten Kontrollgesellschaft aus menschlichen und nicht-menschlichen Akteuren? Entlang dieser Fragestellungen soll im Seminar eine Genese des Protokolls verfolgt und mit aktuellen biopolitischen Debatten verknüpft werden.

Seminarplan (vorläufig)

27.10.08 Einführung

03.11.08 Clockwork Orange
Lektüre: Freud 1999, v.a. S. 444–458

Identifizieren und Ordnungen herstellen

10.11.08 Pässe und Gesichter
Lektüre: Seitter 1985, Kap. 1 u. Macho 1996
Weiterführende Lektüre: Groebner 2004
Referat: Theres Büttner, Nicole Heimbürge u. Sarah Müller

17.11.08 Protokoll des Verbrechens und Kriminalanthropologie
Lektüre: Poe 2002 u. Ginzburg 1995, S. 7–44
Weiterführende Lektüre: Vogl 1991
Referat: Fabian Böttner u. Janin Pilakowski

24.11.08 Staatsräson und Policey
Lektüre: Foucault 2001, Schiller 2004, Mercier 2000 (Auswahl)
Weiterführende Lektüre: Springer 2000, Vogl 2000 u. Schäffner 2000
Referat: Johannes Bucher, Maria Paar u. Davis Aßmann

Ordnungen der Gesellschaft

01.12.08 Etikette und Zeremonie
Lektüre: Arditi 1998, S. 1–17, Elias 1990 (Auswahl) u. Frühsorge 1984
Referat: Denise Nefzger, Juliane Seeber u. Saskia Davideit

08.12.08 Von der Souveränitäts- zur Kontrollgesellschaft, Biomacht
Lektüre: Foucault 1994a, S. 9–14, 173–181, 251–292, Deleuze 1995, S. 254–260
Referat: Tobias Gottschlich u. Christine Steinmetz

15.12.08 Ritual und Zeremonie. Übung vor Ort: Residenzschloß Weimar
Lektüre: von Rohr 1733, S. 62–89, Paravicini 1997
Weiterführende Lektüre: Bothe 2000, Knebel 2008
Referat: Nicole Apel u. Daniela Mühlberger

Modelle

05.01.09 Netzwerke, organische Staatsmetaphern und Rhizome
Lektüre: Knies 1857 u. Deleuze/Guattari 1997, S. 11–42
Referat: Carolina Zishiri u. Olga Osadtschy

Protokolle schreiben

12.01.09 Redesynchrone Mitschrift, Gerichtsbarkeit und Laborprotokoll
Lektüre: Niehaus 2003, Niehaus 2005 u. Latour 1996
Referat: Susann Freitag u. Tina Machleb

19.01.09 Programmieren und digitale Identität
Lektüre: Kittler 1993 (Es gibt keine Software; Protected Mode)
Referat: Claudia Ressler u. Christoph Stransky
11.00 Führung durch das Weimarer Residenzschloß

Protokolle der Gegenwart

26.01.09 Programmieren und Schreiben; Gouvernementalität und Biopolitik
Lektüre: Foucault 1983, Kapitel V, Lemke 2000
Referat: Patrick Aßmann, Stefanie Schubert u. Sylvia Drevin

02.02.09 Abschlußdiskussion: Protokoll
Lektüre: Galloway 2004, S. 80–116
Referat: Benjamin Thiessen

Literaturliste (Auswahl)

Jorge Arditi, A Genealogy of Manners, Chicago u.a. 1998

Jürgen Barkhoff (Hg.), Netzwerke. Eine Kulturtechnik der Moderne, Köln 2004

Rolf Bothe, Dichter, Fürst und Architekten. Das Weimarer Residenzschloß vom Mittelalter bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts, hrsg. v. den Kunstsammlungen zu Weimar, Ostfildern-Ruit 2000.

Ulrich Bröckling, Susanne Krasmann u. Thomas Lemke (Hg.), Gouvernementalität der Gegenwart, Frankfurt a.M. 2000

Gilles Deleuze, Unterhandlungen 1972–1990, Frankfurt a.M. 1993

Gilles Deleuze u. Félix Guattari, Tausend Plateaus, Merve 1997

Norbert Elias, Über den Prozeß der Zivilisation, Frankfurt a.M. 1990, 2 Bde.

Michel Foucault, Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1, Frankfurt a.M. 1983.

Michel Foucault, Omnes et singulatim. Zu einer Kritik der politischen Vernunft, in: Joseph Vogl (Hg.), Gemeinschaften, Frankfurt am Main 1994, S. 65–93

Michel Foucault, Überwachen und Strafen, Frankfurt a.M. 1994a

Michel Foucault, Das Leben der infamen Menschen, Berlin 2001

Sigmund Freud, Das Unbehagen in der Kultur, in: ders., Gesammelte Werke, Frankfurt a.M. 1999, Bd. 14, S. 419–506

Gotthardt Frühsorge, Vom Hof des Kaisers zum Kaiserhof. Über das Ende des Ceremoniells als gesellschaftliches Ordnungsmuster, in: Euphorion. Zeitschrift für Literaturgeschichte 78, 1984, S. 237–265

Alexander R. Galloway, Protocol. How Control exists after Decentralization, Cambridge u.a. 2004

Carlo Ginzburg, Spurensicherung. Die Wissenschaft auf der Suche nach sich selbst, Berlin 1995

Valentin Groebner, Der Schein der Person. Steckbrief, Ausweis und Kontrolle im Mittelalter, München 2004

Friedrich Kittler, Am Ende der Schriftkultur, in: Gisela Smolka-Koerdt u.a. (Hg.), Der Ursprung von Literatur, München 1988, S. 289–300.

Friedrich Kittler, Protected Mode und Es gibt keine Software, in: ders., Draculas Vermächtnis. Technische Schriften, Leipzig 1993, S. 208–242

Kristin Knebel, Ein Schloßbau im europäischen Kontext, in: Hellmut Th. Seemann (Hg.), Europa in Weimar. Visionen eines Kontinents, Göttingen 2008, S. 105–137

Karl Knies, Der Telegraph als Verkehrsmittel. Über den Nachrichtenverkehr überhaupt, Tübingen 1857

Bruno Latour, Der Pedologen-Faden von Boa Vista. Eine photo-philosophische Montage, in: ders. (Hg.), Der Berliner Schlüssel. Erkundungen eines Liebhabers der Wissenschaften, Berlin 1996, S. 191–248

Thomas Lemke, Die Regierung der Risiken. Von der Eugenik zur genetischen Gouvernementalität, in: Ulrich Bröckling u.a. (Hg.), Gouvernementalität der Gegenwart, Frankfurt a.M. 2000, S. 227–264

Thomas Macho, Vision und Visage. Überlegungen zur Faszinationsgeschichte der Medien, in: Wolfgang Müller-Funk u. Hans Ulrich Reck (Hg.), Inszenierte Imagination. Beiträge zu einer historischen Anthropologie der Medien, Wien u. New York 1996, S. 87-108

Louis-Sébastien Mercier, Tableau de Paris (Pariser Nahaufnahmen), Frankfurt a.M. 2000

Michael Niehaus, Das Verhör. Geschichte — Theorie — Fiktion, München 2003

Michael Niehaus, Wort für Wort. Zur Geschichte und Logik des Verhörprotokolls, in: ders. u. Hans-Walter Schmidt-Hanissa (Hg.), Das Protokoll. Kulturelle Funktionen einer Textsorte, Frankfurt a.M. 2005, S. 27–47

Werner Paravicini, Zeremoniell und Raum, in: ders. (Hg.), Zeremoniell und Raum, Sigmaringen 1997, S. 11–36

Edgar Allan Poe, Die Morde in der Rue Morgue, in: ders., Sämtliche Erzählungen, Frankfurt a.M. 2002, Bd. 2, S. 9–52

Julius Bernhard von Rohr, Einleitung zur Ceremoniel-Wissenschafft der großen Herren, Leipzig 1990 (Neudruck der Ausgabe von 1733)

Julius Bernhard von Rohr, Einleitung zur Ceremoniel-Wissenschafft der Privat-Personen, Leipzig 1990 (Neudruck der Ausgabe von 1728)

Wolfgang Schäffner, Das Indiz des Schönen, in: Inge Baxmann u.a. (Hg.), Das Laokoon-Paradigma. Zeichenregime im 18. Jahrhundert, Berlin 2000, S. 439–459

Friedrich Schiller, Die Polizei, in: ders., Sämtliche Werke, Frankfurt a.M. 2004, Bd. 3, S. 190–201

Walter Seitter, Menschenfassungen. Studien zur Erkenntnispolitikwissenschaft, München 1985

Miriam Springer, “Legierungen aus Zinn und Blei.” Schillers dramatische Fragmente, Frankfurt a.M. 2000, S. 58–75

Joseph Vogl, Mimesis und Verdacht. Skizze zu einer Poetologie des Wissens nach Foucault, in: Francois Ewald u. Bernhard Waldenfels (Hg.), Spiele der Wahrheit. Michel Foucaults Denken, Framkfurt a.M. 1991, S. 193–204

Joseph Vogl, Staatsbegehren. Zur Epoche der Policey, in: DVjs 74, 2000, S. 600–626

Studienmodul Licht und Sicht

Leuchtspuren. Licht und Geschichte (S. Gregory)

Seminar, 2 SWS Freitag, 11:00–12:30, Berkaer Str. 11, Raum 005 (EG) Beginn: 7. November

 

Wenn es sich lohnt, Licht als ein Medium aufzufassen, dann vielleicht gerade deshalb, weil am Licht alle Schwierigkeiten des Begriffs „Medium“ in besonderer Schärfe hervortreten. Ohne Licht gibt es nichts zu sehen, und so kann man es als Bedingung der Möglichkeit des Sehens oder als „mediales a priori“ der Sichtbarkeit bezeichnen. Doch das Licht, das zu sehen gibt, bleibt selbst unsichtbar. Es entzieht sich der Sichtbarkeit, und es tut dies in anderer und radikalerer Weise als es die Dinge tun, die gewöhnlich als Medien des Sehens bezeichnet werden, wie Teleskope oder Bildschirme.

Es ist wohl diese drastische Weise der Verschränkung von Gabe und Entzug, die dem Licht den Nimbus eines geheimnisvollen, nicht weiter zu befragenden Geschenks verliehen hat – daher seine Eignung zur Beschwörung eines transzendenten, göttlichen Lichtgebers. Dieses “Geheimnis” des Lichts soll hier weder fortgeschrieben werden, noch durch physikalischen Reduktionismus entzaubert werden. Es handelt sich also nicht so sehr darum, das Rätsel des Lichts zu lösen (so schön das wäre), sondern eher darum, eine „Geschichte der Lichtverhältnisse“ in Angriff zu nehmen, d.h. die je unterschiedlichen Weisen zu beschreiben, in denen es – zu einer bestimmten Zeit und an einem bestimmten Ort – Licht „gibt“.

Wie eine solche historische Analyse von Lichtsituationen und Lichtveränderungen angegangen werden kann, soll in den ersten Seminarsitzungen besprochen werden. Anschließend handelt es sich darum, ausgewählte Texte zu diskutieren, die als Beiträge zu einer Geschichte des Lichts verstanden werden können. Schließlich bietet sich gegen Ende des Semesters die Möglichkeit, anhand ausgewählter Licht- und Beleuchtungsszenarien (aus Malerei, Bühnenbild, Film, Architektur, Literatur etc.) eigene Versuche in einer medialen Historiographie des Lichts zu unternehmen.

Sagbarkeiten/Sichtbarkeiten. Der Streit der Wörter und der Bilder bei Foucault

Seminar, 2 SWS Freitag, 13:30–15:00, Berkaer Str. 11, Raum 005 (EG) Beginn: 7. November

 

Von Anfang vermischt sich in den Arbeiten Michel Foucaults die Untersuchung der Sagbarkeiten (des „Diskurses“) mit einer Analyse der Sichtbarkeiten (der Ermöglichungsbedingungen des Sehens). Nach Auskunft von Deleuze war Foucault „stets ebenso fasziniert von dem, was er sah, wie von dem, was er hörte oder las“; entsprechend beziehe sich die Foucaultsche Archäologie nie auf ein rein sprachliches oder textuelles, sondern stets auf „ein audiovisuelles Archiv“; jedes von Foucault beschriebene Dispositiv lasse sich als „ein Brei aus Sichtbarem und Sagbarem“ auffassen.

Wenn Sagbares und Sichtbares bei Foucault auf so intime Weise verbunden sind, wie kann dann ihr Verhältnis genauer bestimmt werden? Einerseits hat es den Anschein, als ließen sich die methodischen Vorkehrungen der Diskursanalyse einfach auf die Untersuchung der visuellen Wissensformen übertragen; so wie sich aus dem Sagbaren die Regeln seiner Sagbarkeit ablesen lassen, so würde das Sichtbare die grundlegenden Bedingungen seiner Sichtbarkeit preisgeben. Doch auch wenn Sagbarkeiten und Sichtbarkeiten auf diese Weise analog (als historisches Apriori) gefasst sind, so sind doch die Ordnungen des Sprechens und des Sehens keineswegs aufeinander reduzierbar. Wie Deleuze sagt, dringen sie zwar ineinander, doch anstatt sich zu ergänzen, liegen sie vielmehr im Streit; so sehr sich Wort und Bild vermischen, bleibt doch eine Disjunktion zwischen Sprechen und Sehen, zwischen den Zonen der Sichtbarkeit und den Feldern der Lesbarkeit: „Eine Ordnung des Lichts und eine Ordnung der Sprache besitzen nicht dieselbe Form, gehören nicht zur selben Formation.“

Im Seminar soll den Implikationen dieser (Nicht-)Verbindung nachgegangen werden; neben Texten von und zu Foucault sollen dabei auch zeitgenössische filmische Arbeiten herangezogen werden, in denen das Verhältnis von Sag- und Sichtbarem in vergleichbarer Weise zum Problem wird.

Einführung in die Textanalyse. Kafkas “Vor dem Gesetz” (J. Bergann)

Einführung in die Textanalyse. Kafkas “Vor dem Gesetz” (J. Bergann)

Proseminar, 2 SWS Mittwoch, 9–11 c.t., Raum 13, Bauhausstr. 11

 

Im Rahmen des Einführungsmoduls führt das Proseminar in die Methoden und Techniken der Textanalyse ein. Es vermittelt theoretische Grundlagen, stellt exemplarische Analysen vor und übt in eigenständiges Arbeiten mit Texten ein. Anhand der Erzählung “Vor dem Gesetz” von Franz Kafka sollen die verschiedenen Literaturtheorien vorgeführt werden. Den Hintergrund der Textanalysen bilden die “Kulturtechniken des Rechts” als einem Motiv für die Untersuchung literarischer Texte.

Sommersemester 2008

wird als Ringvorlesung weitergeführt mit folgenden Themen:

12.06.: Stefan Heidenreich — Digitale Bildarchive
19.06.: Friedrich Balke — Archivierung und Selbstverwaltung
26.06.: Markus Krajewski — Einfach alles. Vollständigkeit im Archiv
03.07.: Sonja Neef — Derrida, le mal d’archive

Wintersemester 2007/08

Sommersemester 2007

Archivfiktionen. Das Machtdispositiv der Polizei (B. Siegert)

Geschichte des Interfaces (T. Nanz)

Blockseminar, 2 SWSBauhausstr. 11, R. 15

Mensch-Maschinen-Schnittstellen wie etwa grafische Benutzeroberflächen ermöglichen Anwendern eine Interaktion mit Rechnern. Verschiedene Eingabe-, Reaktions- und Navigationsmöglichkeiten lassen die Computernutzer dabei oft vergessen, inwieweit jene Interaktion eine einseitige ist, da sie nach den Spielregeln der vermittelnden Instanz – des Interfaces – verlaufen. Diese Medienfunktion der Schnittstelle soll anhand ihrer Geschichte erkundet werden. Die Pflichtlektüren befinden sich im Semesterapparat in der Limona. Die Veranstaltung findet in der Bauhausstr. 11, R. 15, statt.

Termin und Ort der Klausur:
Dienstag, 24.07.07, 09.15–10.45 Uhr. B11, R. 15.

Seminarplan

Block 1
10.05.07

14–16 Uhr: Lektüre und Diskussion: Heidenreich 1998
16–18 Uhr: Einführung und Vergabe der Themen

Block 2
20.07.07

11.15–12.45 Uhr: Das Interface als Theater

Verpflichtende Lektüre: Matussek 2000
Quellen: Laurel 1991, Yates 1994

Referate: Fabian Ihlow u. Martin Werner (Laurel), Georg Bergmann u. Anna Pfannstiel (Yates), Katharina Seyfarth u. Henrike Schneider (Matussek)

14.00–15.30 Uhr: Windows und Zentralperspektive
Verpflichtende Lektüre: Edgerton 2000
Quellen: Edgerton 2002, Kittler 2002
Referat: Deniz Gencosman

15.45–17.15 Uhr: ISOTYPE
Quellen: Neurath 1980, 1991, Hartmann 2000, 2002
Referate: Katrin Ehm, Rafael Jové, Henriette Kriese u. Sylvia Rohr

17.30–20.00 Uhr: Filmsichtung: eXistenZ (1999), David Cronenberg, Einleitung und Diskussion
Quellen: Kittler 2002, Weibel 1996
Referate: Martin Bomba, Hyan-Jea Lee u. Johannes Heinke (Einführung), Jörg Brinkmann u. Rafael Voigel (Medien des Films)

21.07.07

10.15–11.45 Uhr: Computerspiele und Arbeitswissenschaften
Quellen: Pias 2002
Referate: Carolin Böhlau, Jeanette Goßlau, Katharina Schwarz, Franziska Spanger, Nora Ströbel u. Kilian Ullmann

13.15–14.45 Uhr: Es gibt keine Software
Verpflichtende Lektüre: Kittler 1993
Referate: Johannes Deich, Haye Heerten u. Jannis Leidel

15.00–16.45 Uhr: Gestaltung von Interfaces
Verpflichtende Lektüre: Stephan 2001
Referate: Benjamin Giannes (akustische Interfaces), Daniela Garkov, Fabian Grodde u. Christiane Müller (Stephan), Christian Brinkmann, Dietmar Thal u. Philipp Zettl (Interface-Gestaltung)

22.07.07

10.15–11.45 Uhr: Geschichte des Computers, der Maus, des Bildschirms, etc.
Quellen: Bush 1945, Pias 2001, 2002, Roch 1995
Referat: Tina Machleb u. Sebastian Altmann

12.00–13.45 Uhr: Interface und VR
Verpflichtende Lektüre: Krämer 2002
Quellen: Rheingold 1994, 1995, Turkle 1998
Referate: Christian Hellmann, Martin Ketelhut, Ulf Kietzmann, Christopher Schön u. Ludwig Völker (Krämer, Turkle, Rheingold), Constantin Weiße u. Michael Karnapke (Microsoft Surface)

Literatur:

Vannevar Bush, “As we may think”, in: Atlantic Monthly 1945

Samuel Y. Edgerton, Die Entdeckung der Perspektive, München 2002

Samuel Y. Edgerton, “Die ideologischen Wurzeln der Zentralperspektive in der Renaissance”, in: Norbert Bolz (Hg.), Weltbürgertum und Globalisierung, München 2000, S. 127–144

Frank Hartmann, Bildersprache: Otto Neurath, Wien 2002

Frank Hartmann, Medienphilosophie, Wien 2000

Stefan Heidenreich, “Icons: Bilder für User und Idioten”, in: Birgit Richard, Robert Klanten u. Stefan Heidenreich (Hg.), Icons. Die Gestalten, Berlin 1998

Friedrich Kittler, Optische Medien, Berlin 2002

Friedrich Kittler, “Protected Mode” und “Es gibt keine Software”, in: ders., Draculas Vermächtnis. Technische Schriften, Leipzig 1993, S. 208–242

Sybille Krämer, ” Verschwindet der Körper? Ein Kommentar zu virtuellen Räumen”, in: Rudolf Maresch u. Niels Werber (Hg.), Raum–Wissen–Macht, Frankfurt am Main 2002

Brenda Laurel, Computer as Theatre, Reading 1991

Peter Matussek, “Computer als Gedächtnistheater”, in: Götz-Lothar Darsow (Hg.), Metamorphosen, Stuttgart u.a. 2000, S. 81–100

Otto Neurath, Gesammelte bildpädagogische Schriften, hg. v. R. Haller (Bd. 3 v. Gesammelte Schriften), Wien 1991

Otto Neurath, International Picture Language, Reading 1980

Claus Pias, Computer — Spiel — Welten, München 2002

Claus Pias, “Punkt und Linie zum Raster”, in: Ornament und Abstraktion, Hg. v. M. Brüderlin, Kat. Fondation Beyeler, Köln 2001, S. 64-69

Howard Rheingold, Virtuelle Gemeinschaft, Bonn 1994

Howard Rheingold, Virtuelle Welten, Reinbek 1995

Axel Roch, “Die Maus. Von der elektrischen zur taktischen Feuerleitung”, in: LAB. Jahrbuch der Kunsthochschulefür Medien Köln, 1995, 167–173

Peter F. Stephan, “Denken am Modell”, in: Bernhard E. Bürdek (Hg.), Der digitale Wahn, Frankfurt a. M. 2001, S. 109–129.

Sherry Turkle, Leben im Netz, Reinbek 1998

Peter Weibel, “Neurocinema. Zum Wandel der Wahrnehmung im technischen Zeitalter”, in: Brigitte Felderer (Hg.), Wunschmaschine Welterfindung, Wien u. New York 1996, S. 167–184.

Frances

 

“Kulturtechniken”: “Symbolmaschine Architektur” (B. Siegert / A. Ziemann)

Medien und Formate der Kommunikation (M. Krajewski)

Methoden der Mediengeschichtsschreibung von 1800 bis heute (B. Siegert)

Plan der Vorlesung, Skript VL 02, Skript VL 03, Skript VL 04, Skript VL 05, Skript VL 06, Skript VL 07, Skript VL 08, Skript VL 09

Regierungswissen (T. Nanz)

Software- und Kulturtechnik (T. Gross / M. Krajewski)

Wintersemester 2006/07

Das große Fressen (B. Siegert, M. Krajewski)

Essen. Bausteine einer Wissenschaft der Kulturtechniken III (B. Siegert)
Küche. Kultur und Technik der Gerätschaften (M. Krajewski), Anmeldung und Infos unter elearning.uni-weimar.de
Kochen. Die Kunst der Zubereitung (M. Krajewski), Anmeldung und Infos unter elearning.uni-weimar.de

Krieg und Frieden (B. Siegert, T. Brandstetter, T. Nanz)

Krieg und Literatur / Medien der Feindschaft (B. Siegert)
Kulturen der Eskalation (T. Brandstetter)
Zeichen der Krise (T. Nanz)

Seminar, 2 SWSDonnerstag, 11.00-13.00 c.t., Raum 14, Bauhausstr. 11

Im 17. Jahrhundert führte man in Europa zwei Jahre keinen Krieg; im 18. Jahrhundert gab es immerhin 32 Friedensjahre. Thomas Hobbes hat den Krieg als »Naturzustand« beschrieben und damit den Frieden zu einem fast widernatürlichen Sonderfall gemacht. Der Frieden musste also erst erfunden werden: Im frühneuzeitlichen Europa wurden Techniken zur Krisenbewältigung und Friedenssicherung entwickelt, um den politischen Konflikten der Staaten mit den Mitteln der Diplomatie zu begegnen. Das Seminar geht dem Verhältnis von Krieg und Frieden nach, erkundet die Medien und Techniken des Friedens, analysiert Konstrukte wie das »europäische Gleichgewicht«, thematisiert Strategien der Deeskalation (rotes Telefon) und Strategien zur Produktion von Evidenz (worauf Colin Powell mit seiner legendären Power-Point-Präsentation im Uno-Sicherheitsrat aufmerksam gemacht hat). Das Seminar ist Teil des Projektmoduls »Krieg und Frieden«.

Seminarplan

19.10.06 Themenvorstellung

26.10.06 Gouvernementalität und Staatsräson
Lektüre: Foucault 1994

02.11.06 Das Gleichgewicht der Kräfte
Lektüre: Foucault 2004, Vorlesung 11; Duchhardt 1997
Referat: Katharina Spiel

09.11.06 Zum ewigen Frieden
Lektüre: Kant 1983
Referat: Vaclav Harsa

16.11.06 Friedenstheater: Diplomatie
Lektüre: Rohr 1990; Graciàn 1992; Roosen 1980; Lünig 1719
Referat: Lisa Schreiber

23.11.06 Stehende Heere
Lektüre: Bröckling 1997; Schmitt 1995; Foucault 1995
Referat: Robert Müller und Caroline Weber

30.11.06 Spionage
Lektüre: Horn 2002; Kahn 1996; König 1875
Referat: Stefanie Neuber und Nadine Schnappinger

07.12.06 Krisenkommunikation: Bote, Flugblatt, Brief, etc.
Lektüre: Wenzel 1997; Werber 1996
Referat: Theres Rohde und Michael Bartlewski

14.12.06 Krisenkommunikation: Telegraphie, Telephonie, Television, etc.
Lektüre: Flichy 1994; Galison 1997; Kaufmann 1996; Virilio 1993; Virilio 1978; Virilio 1979
Referat: Oliver Tege

21.12.06 Sitzung entfällt

11.01.07 Sprache der Diplomatie
Lektüre: N.N.
Referat: Anja Millow

18.01.07 Die Banalisierung des Militärischen
Lektrüre: Holert 2002; Virchow/Thomas 2004; Thomas/Virchow 2006
Referat: Alexander Hüller, Aileen Pinkert und Jens Wernicke

19.01.07 Filmsichtung (Abends)
Dr. Strangelove or: How I Learned to Stop Worrying And Love The Bomb
Stanley Kubrick, 1964

20.01.07 Gemeinsame Sitzung mit dem Seminar Kulturen der Eskalation
Eskalation durch Präsentation und War Rooms (15 bis 19 Uhr)
Lektüre: Cuntz 2006; Pias 2004
Referat: N.N.

Literaturliste (Auswahl)

Matthew Smith Anderson, The Rise of Modern Diplomacy 1450-1919, London u. New York 1993

Wolfgang Beutin (Hg.), Hommage à Kant. Kants Schrift Zum ewigen Frieden, Hamburg 1996

Ulrich Bröckling, Disziplin, München 1997

Ulrich Bröckling, Susanne Krasmann u. Thomas Lemke (Hg.), Gouvernementalität der Gegenwart, Frankfurt am Main 2000

Michael Cuntz (Hg.), Die Listen der Evidenz, Köln 2006

Heinz Duchhardt, Balance of Power und Pentarchie, Paderborn u.a. 1997

Patrice Flichy, Télé, Frankfurt am Main 1994

Michel Foucault, Omnes et singulatim. Zu einer Kritik der politischen Vernunft, in: Joseph Vogl (Hg.), Gemeinschaften, Frankfurt am Main 1994

Michel Foucault, Überwachen und Strafen, Frankfurt am Main 1995

Michel Foucault, In Verteidigung der Gesellschaft, Frankfurt am Main 2001

Michel Foucault, Geschichte der Gouvernementalität, Frankfurt am Main 2004

Peter Galison, Die Ontologie des Feindes. Norbert Wiener und die Vision der Kybernetik, in: Hans-Jörg Rheinberger, Michael Hagner u. Bettina Wahrig-Schmidt (Hg.), Räume des Wissens, Berlin 1997

Volker Gerhardt, Immanuel Kants Entwurf Zum ewigen Frieden, Darmstadt 1995

Balthasar Gracián, Handorakel und Kunst der Weltklugheit, Stuttgart 1992

Thomas Hobbes, Leviathan, Frankfurt am Main 1992

Tom Holert u. Mark Terkessidis, Entsichert: Krieg als Massenkultur im 21. Jahrhundert, Köln 2002.

Eva Horn, Der Spion, in: dies., Stefan Kaufmann u. Ulrich Bröckling (Hg.), Grenzverletzer, Berlin 2002

Eva Horn, Secret Intellligence. Zur Epistemologie der Nachrichtendienste, in: Rudolf Maresch u. Niels Werber (Hg.), Raum, Wissen, Macht, Frankfurt am Main 2002

David Kahn, The Codebreakers. The Story of Secret Writing, New York 1996

Immanuel Kant, Zum ewigen Frieden, in: Werke in zehn Bänden, hg. v. Wilhelm Weischedel, Bd. 9, Darmstadt 1983

Stefan Kaufmann, Kommunikationstechnik und Kriegsführung, 1815–1945, München 1996

Emil König, Schwarze Kabinette, Braunschweig 1875

Martin Löffelholz (Hg.), Krieg als Medienereignis, Wiesbaden 1993

Martin Löffelholz (Hg.), Krieg als Medienereignis II, Wiesbaden 2004

Johann Christian Lünig, Theatrum Ceremoniale Historico-Politicum oder Historisch- und Politischer Schau-Platz aller Ceremonien, 2 Bde., Leipzig 1719f.

Louis Marin, Das Porträt des Königs, Berlin 2005

Luther H. Martin u.a. (Hg.), Technologien des Selbst, Frankfurt am Main 1993

Garrett Mattingly, Renaissance diplomacy, Boston 1955

Harold Nicolson, Kleine Geschichte der Diplomatie, Frankfurt am Main 1955

Claus Pias, Der Auftrag. Kybernetik und Revolution in Chile, in: Daniel Gethmann u. Markus Stauff (Hg.), Politiken der Medien, Berlin 2004

Helmuth Plessner, Grenzen der Gemeinschaft. Eine Kritik des sozialen Radikalismus, Frankfurt am Main 2002

Julius Bernhard von Rohr, Einleitung zur Ceremoniel-Wissenschafft der großen Herren, Leipzig 1990 (Neudruck der Ausgabe von 1733)

William Roosen, Early Modern Diplomatic Ceremonial: A Systems Approach, in: The Journal of Modern History 53, 1980, S. 452–476.

Carl Schmitt, Theorie des Partisanen, Berlin 1995

Tanja Thomas u. Fabian Virchow (Hg.), Banal Militarism. Zur Veralltäglichung des Militärischen im Zivilen, Bielefeld 2006

Milos Vec, Zeremonialwissenschaft im Fürstenstaat, Frankfurt am Main 1998

Fabian Virchow u. Tanja Thomas, Mililtainment als banaler Militarismus, in: Martin Löffelholz (Hg.), Krieg als Medienereignis II, Wiesbaden 2004

Paul Virilio, Fahren, fahren, fahren, Berlin 1978

Paul Virilio, Die Ästhetik des Verschwindens, in: Tumult 2, 1979, S. 116–127

Paul Virilio, Krieg und Kino, Frankfurt am Main 1991

Paul Virilio, Krieg und Fernsehen, München 1993

Horst Wenzel, Boten und Briefe. Zum Verhältnis körperlicher und nichtkörperlicher Nachrichtenträger, in: ders. u.a. (Hg.), Gespräche–Boten–Briefe, Berlin 1997

Niels Werber, Technologien der Macht. System- und medientheoretische Überlegungen zu Schillers Dramatik, in: Jahrbuch der Deutschen Schillergesellschaft 40, 1996, S. 210–243

Projektmodul MediaArchitecture (B. Siegert)

Techniken der Selbstinszenierung (T. Nanz)

Sommersemester 2006

Bauformen des Gewissens, Beginn am 13. April (M. Krajewski)

Studienmodul, 4 SWS Donnerstags, 13.30-16.45 s.t. Bauhausstr. 11, R. 13

Seit Cicero heißt es, das Antlitz spiegele die Seele. Wenn die Fassade das Gesicht des Hauses ist, so kann man davon ausgehen, daß in Analogie dazu die Oberflächen neuer und wiederhergestellter Bauten ab 1945 eine aufschlußreiche Wechselwirkung zwischen der architektonischen Erscheinung und dem >Seelenzustand< Deutschlands abbilden. Ausgehend von jenem kulturellen Res(e)t in der sog. Stunde Null will das Seminar dieser Entsprechung zwischen Fassadengestaltung und der Lage der Nation in beschreibender, erforschender und analytischer Perspektive nachgehen. Aus welchen Gründen jenseits billiger Baustoffe formen sich die Fassaden deutscher Städte in jenen Ausprägungen, die man heute als eigenartig bis verstörend einzustufen geneigt ist? Warum werden manche Innenstädte, vor allem in Westdeutschland im Wiederaufbau weitestgehend verkachelt? Was läßt sich aus solchen abwaschbaren Orten beispielsweise in Köln ablesen? Und verbergen sich hinter diesen Fassaden nicht nur ästhetische Verunsicherungen, sondern gar die tiefen (Ab-)Gründe (west-)deutscher Geschmacklosigkeit?. Das Studienmodul richtet sich an den Master-Studiengang Media Architecture und Medienkultur (Master und Diplom). Leistungsnachweis durch Referat in Kombination mit einer Hausarbeit.

Seminarplan

13.04.06 Einführung

20.04.06 Bestandsaufnahme: Die Stunde Null. Schock und Anfang
Literatur: Binder (1947) Beyme (1992) Bartlome (2000) Sebald (1999)
Referat: Jandke Anneken

27.04.06 Res(e)t. Die tabula rasa als Denkfigur
Literatur: Gadanho (2001), Traa (1957) Serres (1980/1987)
Referat: Fr. Ortler, Irma Klerings

04.05.06 Exkursionstag (am Semesterende)
Referat: NN

11.05.06 Ruinentheorie. Ein Rückgriff auf den Vorgriff
Literatur: Speer (1969/1993), Böhme 1989 (hier als pdf-Datei), Woodward (2001), Durth (1988b)
Referat: Hannah Möller, Martina Kellner

18.05.06 Materialmodularisierung
Literatur: Neufert (1936) Prigge (1999): Im Ordner als Kopie oder als Original in der UB: Nd NeufErn / 1.

25.05.06 (fällt aus wegen Christi Himmelfahrt)

01.06.06 Bauen, Wohnen, Denken. Heidegger in Darmstadt
Literatur: Heidegger (2000) Führ (200)
Referat: Maren Schwieger, Fr. Fu, Thomas Kircher, Maike Hohn

08.06.06 Wiederaufbau I: Erbauungsschriften
Lektüre zur Vorbereitung (im Ordner): Häring und Schwarz, beide in: Conrads (2003) sowie Durth (1988d)
Literatur: Conrads (2003) Durth (1988a) Durth (1988b) Durth (1988c) Binder (1947) Schulz (1994)
Referat: Christoph Ivanow, Anika Höppner

15.06.06 Wiederaufbau II, West. Köln, Düren, Kassel…
Lektüre zur Vorbereitung (im Ordner): Schwarz (1947) in Binder (1947)
Literatur: Beyme (1987) Durth (1988b) Durth (1988d) Fendel (1996) Hanke (1992) Lange (1994) Lindau (2000) Meyer (1993) Bode (1992) Mulzer (1972) Schulz (1994) Uepping (1985) Sterra (1991) Oddey (2000)
Referat: NN

22.06.06 Wiederaufbau III, Ost: Die Stalinallee und der 17.Juni 1953
Literatur: Fendel (1996) Nicolaus (1997) Raschke (2005) Schätzke (1991)
Referat: Laura Kraeusel, Martin Heimbürge

29.06.06 Fassade, Seele und Gewissen
Literatur: Führ (2000)
Referat: Jakob Racek, Manuela Klaut, Carsten Uhlig

06.07.06 Die Kachel / Fliesen
Literatur: Matz (2005) Herzog (2004) Giedion (1987)
Referat: Susanne Pötzsch, Stefanie Appelius

12./13.07.06 Ästhetik des Häßlichen vs. Unbewußter Funktionalismus?
Exkursion nach Köln
Treffpunkt: Bauhausstr. 11, 7.15 Uhr, Abfahrt um 7.30 Uhr!

Literaturliste (Auswahl)

Diese Liste stellt lediglich eine Auswahl aus der für die Referate und Forschungsarbeiten notwendigen Literatur dar. Sie bietet also nur einen Einstiegspunkt in die jeweilige Thematik und enthebt Sie nicht von der Aufgabe, intensive eigene Recherchen vorzunehmen.

Bartlome, Niklaus und Martin Körner (Hg.), 2000, Zerstörung durch die Stadtherrschaft, innere Unruhen und Kriege = Destruction by the Lord’s power, internal troubles and wars = Destruction par le pouvoir seigneurial, les troubles internes et les guerres, Bd. 2 von Stadtzerstörung und Wiederaufbau = Destruction and reconstruction of towns / Martin Körner, Hrsg./Ed, Haupt, Bern u.a.

Beyme, Klaus von, 1987, Der Wiederaufbau. Architektur und Städtebaupolitik in
beiden deutschen Staaten, Piper, München.

Beyme, Klaus von und Hans Berger (Hg.), 1992, Neue Städte aus Ruinen. Deut-
scher Städtebau der Nachkriegszeit, Prestel, München.

Binder, Gottlob (Hg.), 1947, Grundfragen des Aufbaus in Stadt und Land. Die
Referate u. Aussprachen der Kölner Arbeitstagung im April 1947, Bd. H. 2
von Aufbau-Sonderhefte, Hoffmann, Stuttgart.

Böhme, Hartmut, 1989, Die Ästhetik der Ruinen, in: Dietmar Kamper und Christoph Wulf (Hg.), Der Schein des Schönen

Bode, Peter M. und Stephan Braunfels (Hg.), 1992, München in den 50er Jah-
ren. Architektur des Wiederaufbaus am Beispiel von Hans Fries, Buchendor-
fer, München

Conrads, Ulrich (Hg.), 2003, Die Städte himmeloffen. Reden und Reflexionen
über den Wiederaufbau des Untergegangenen und die Wiederkehr des Neuen
Bauens 1948/49, Bd. 125 von Bauwelt-Fundamente, Bertelsmann Fachzeit-
schriften [u.a.], Gütersloh u.a.

Durth, Werner, 1988a, Deutsche Architekten. Biographische Verflechtungen 1900
- 1970, 3., durchges. Aufl., Schriften des Deutschen Architekturmuseums zur
Architekturgeschichte und Architekturtheorie, Vieweg, Braunschweig u.a.

—, 1988b, Konzepte, Bd. 1 von Träume in Trümmern. Planungen zum Wie-
deraufbau zerstörter Städte im Westen Deutschlands 1940 – 1950, Vieweg,
Braunschweig u.a.

—, 1988c, Städte, Bd. 2 von Träume in Trümmern. Planungen zum Wiederauf-
bau zerstörter Städte im Westen Deutschlands 1940 – 1950, Vieweg, Braun-
schweig u.a.

—, 1988d, Träume in Trümmern. Planungen zum Wiederaufbau zerstörter Städ-
te im Westen Deutschlands 1940-1950, Schriften des Deutschen Architektur-
museums zur Architekturgeschichte und Architekturtheorie, Vieweg, Braun-
schweig u.a.

Fendel, Ute, 1996, Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland Ost
und West. Ein Vergleich anhand kommunaler Repräsentativbauten, Diss. phil.,
Bonn.

Führ, Eduard (Hg.), 2000, Bauen und Wohnen. Martin Heideggers Grund le-
gung einer Phänomenologie der Architektur = Building and dwel ling : Martin
Heidegger’s foundation of a phenomenology of architecture, Bd. 3 von Theo-
retische Untersuchungen zur Architektur, Waxmann, Münster u.a.

Gadanho, Pedro (Hg.), 2001, Post.Rotterdam. Architecture city after the tabula
rasa, 010 Publications, Rotterdam.

Giedion, Sigfried, 1987, Die Herrschaft der Mechanisierung. Ein Beitrag zur
anonymen Geschichte, Athenäum-Verlag, Frankfurt am Main.

Hanke, Hans H., 1992, Architektur und Stadtplanung im Wiederaufbau. Bochum
1944 – 1960, Bd. 22 von Denkmalpflege und Forschung in Westfalen, Habelt,
Bonn.

Heidegger, Martin, 1951/2000, Bauen, Wohnen, Denken, in: ders., Vorträge und
Aufsätze, Bd. 7 von Gesamtausgabe. Abt. 1 Veröffentlichte Schriften 1910–
1976, Vittorio Klostermann Verlag, Frankfurt am Main, S. 139–156.

Herzog, Roland Krippner und Werner Lang, Thomas (Hg.), 2004, Fassaden
Atlas, Edition Detail, Institut für Internationale Architektur-Dokumentation,
München.

Lange, Ralf, 1994, Hamburg – Wiederaufbau und Neuplanung. 1943 – 1963, Die
blauen Bücher, Langewiesche, Königstein im Taunus.

Lindau, Friedrich, 2000, Hannover. Wiederaufbau und Zerstörung. Die Stadt im
Umgang mit ihrer bauhistorischen Identität, Schlüter, Hannover.

Matz, Reinhard (Hg.), 2005, Fassade.Köln. Architektur, Straßen, Öffentlichkeit.
Photographien, Emons Verlag, Köln.

Meyer, Angelika, 1993, Der Wiederaufbau der Braunschweiger Innenstadt nach
1945. Eine Analyse exemplarischer Planungen, Wettbewerbe und Bauprojekte
der ersten Nachkriegsjahre, Diss. phil., Osnabrück.

Mulzer, Erich, 1972, Der Wiederaufbau der Altstadt von Nürnberg, 1945 bis
1970, Bd. Heft 31 von Erlanger geographische Arbeiten, Selbstverlag der Frän-
kischen Geographischen Gesellschaft, Erlangen.

Nerdinger, Winfried und Inez Florschütz (Hg.), 2005, Architektur der Wunder-
kinder. Aufbruch und Verdrängung in Bayern 1945 – 1960, Pustet, Salzburg
u.a. Katalog anläßlich der Ausstellung »Architektur der Wunderkinder. Auf-
bruch und Verdrängung in Bayern 1945 – 1960« des Architekturmuseums der
TU München in der Pinakothek der Moderne.

Neufert, Ernst, 1936, Bau-Entwurfslehre. Grund lagen, Normen und Vorschrif-
ten über Anlage, Bau, Gestaltung, Raumbedarf, Raumbeziehungen, Maße für
Gebäude, Räume, Einrichtungen und Geräte mit dem Menschen als Maß und
Ziel. Handbuch für den Baufachmann, Bauherrn, Lehrenden und Le, Bauwelt-
Verlag, Berlin.

Nicolaus, Herbert, 1997, Die Stalinal lee. Geschichte einer deutschen Straße, Ver-
lag für Bauwesen, Berlin

Oddey, Markus und Thomas Riis (Hg.), 2000, Zukunft aus Trümmern. Wie-
deraufbau und Städtebau in Schleswig-Holstein nach dem Zweiten Weltkrieg,
Ludwig, Kiel.

Pehnt, Wolfgang, 2005, Deutsche Architektur seit 1900, Deutsche Verlags-
Anstalt, München.

Prigge, Walter und Ernst Neufert (Hg.), 1999, Ernst Neufert. Normierte Baukul-
tur im 20. Jahrhundert, Bd. 5 von Edition Bauhaus, Campus-Verlag, Frank-
furt am Main u.a.

Raschke, Brigitte, 2005, Der Wiederaufbau und die städtebauliche Erweiterung
von Neubrandenburg in der Zeit zwischen 1945 und 1989, Bd. 1 von Untersu-
chungen zu Schönen Künsten, CFD im Scaneg-Verlag, München.

Roth, Jürgen (Hg.), 1998, Öde Orte. Ausgesuchte Stadtkritiken: von Aachen bis
Zwickau, Bd. 1625 von Reclam-Bibliothek, Reclam, Leipzig.

Schulz, Günther, 1994, Wiederaufbau in Deutschland. Die Wohnungsbaupolitik
in den Westzonen und der Bundesrepublik von 1945 bis 1957, Bd. 20 von
Forschungen und Quel len zur Zeitgeschichte, Droste, Düsseldorf.

Schäche, W., 1989, Architektur für die Ewigkeit….? Zur »Theorie des Rui-
nenwertes« von Albert Speer und den Bauten des Reichsparteitagsgeländes
in Nürnberg, Der Architekt. Zeitschrift des Bundes Deutscher Architekten,
Bd. 38, S. 565–568.

Schätzke, Andreas, 1991, Zwischen Bauhaus und Stalinal lee. Architekturdiskus-
sion im östlichen Deutschland 1945 – 1955, Bd. 95 von Bauwelt-Fundamente,
Vieweg, Braunschweig u.a.

Schönberger, A., 1987, Die Staatsbauten des Tausendjährigen Reiches als vor-
programmierte Ruinen? Zu Albert Speers Ruinenwerttheorie, Idea. Jahrbuch
der Hamburger Kunsthal le, Bd. 6, S. 97–107.

Sebald, Winfried G., 1999, Luftkrieg und Literatur. Mit einem Essay zu Alfred
Andersch, Carl Hanser Verlag, München u.a.

Serres, Michel, 1980/1987, Der Parasit, Bd. 677 von stw, Suhrkamp Verlag,
Frankfurt am Main.

Speer, Albert, 1969/1993, Erinnerungen, Ullstein Verlag, Frankfurt am Main
u.a.

Sterra, Bernhard, 1991, Das Stuttgarter Stadtzentrum im Aufbau. Architektur
und Stadtplanung 1945 bis 1960, Bd. 2 von Stuttgarter Studien, Silberburg-
Verlag, Stuttgart.

Traa, G. E. van Walsum Rolf Italiaander und T. Brouwer, C. van (Hg.), 1957,
Rotterdam. Der Neubau einer Stadt, Donker, Rotterdam.

Uepping, Bernhard (Hg.), 1985, Stadtlohn als nichts mehr lief. Dokumentation
über d. düstersten Stunden d. Stadtgeschichte u. über d. Wiederaufbau bis
1955. Zerstörung im März 1945 und Wiederaufbau bis 1955, Stadt Stadtlohn,
Stadtlohn.

Woodward, Christopher, 2001, In ruins, Chatto & Windus, London.

Geschichte der Medien, Beginn am 13. April (T. Nanz)

Plenum, 4 SWS Donnerstag, 9.00–11.00 c.t. und 13.30–15.00 s.t., R. 15, Bauhausstr. 11

Eine allgemeine Mediengeschichte gehört neben der Medientheorie zum Grundlagenwissen der Medienwissenschaft. Dieses Plenum dient erstens der Diskussion klassischer und grundlegender Texte der Mediengeschichte, die neben dem historischen Wandel der Medien über verschiedene methodische Strategien und Denkfiguren der medialen Historiographien informieren können. Zweitens gilt es, eigene Recherchen zu ganz unterschiedlichen Medien durchzuführen und im Plenum vorzustellen, um Zusammenhänge und Zäsuren in der Mediengeschichte herauszuarbeiten. Die Veranstaltung richtet sich an die Studierenden der Medienkultur/Bachelor/2. Semester, ein Leistungsnachweis kann durch ein Referat im Plenum und im ergänzenden Filmseminar sowie durch eine Hausarbeit in einer der beiden Veranstaltungen erworben werden.

Seminarplan

13.04.06 Themenvorstellung

20.04.06 Gesichter und Masken

Lektüre: Macho 1996

Referate: Zur Geschichte der Physiognomie (Anja Hense u. Jessica Schulze); — Einführung in den Text (Katja Lehmann u. Joana Rockendorf)

27.04.06 Auge und Fernrohr

Lektüre: Vogl 2001

Referate: Geschichte des Auges (Sandra Moskova u. Moritz Wehrmann); — Geschichte des Fernrohrs (Christian Müller)

04.05.06 Zentralperspektive und Photographie

Lektüre: Edgerton 2000 u. Geimer 2002

Referate: Geschichte der Zentralperspektive (Tina Meinhardt); — Camera Obscura (Ines Tittmann); — Geschichte der Photographie (Deniss Kacs)

11.05.06 Buchdruck und Post

Lektüre: Giesecke 1991, Eisenstein 1997 u. Siegert 1993

Referate: Geschichte des Buchdrucks (Robert Sawallisch); — Geschichte der Post (Carolin Ackermann u. Julia Förster); — Rohrpost (Sylvia Braunsdorf); Brief (Gabriele Rabe u. Katja Wegner)

18.05.06 Lesen, Schreiben, Rechnen

Lektüre: Bosse 2006 u. Boelhower 1988

Referate: Geschichte der Schulausbildung und Schiefertafel (Anna-Helena Klumpen, Julia Kosog, Olga Osadtschy u. Vera Stinzing); — Geschichte der Karte (Anna Grutza u. Benjamin von Alemann)

25.05.06 Christi Himmelfahrt

01.06.06 Panorama und Eisenbahnreise

Lektüre: Oettermann 1980 u. Schivelbusch 2000

Referate: Geschichte des Panoramas (Alexander Spiertz); — Geschichte der Eisenbahnreise (Janine Krieglstein u. Nicole Müncheberg)

08.06.06 Telegraphie und Telephonie

Lektüre: Kittler 1996 u. Siegert 1995

Referate: Geschichte der Telegraphie (Alexander Husche); — Geschichte der Telephonie (Stefanie Greiner u. Jasmin Meerhoff)

15.06.06 Krieg und Kino

Lektüre: Virilio 1989

Referate: Marcela Drummond, Judith Galka, Lea Gamula, Nadine Schnappinger u. Lisa Tegelhütter.

22.06.06 Sitzung entfällt

29.06.06 Medien des Labors und Hysterie

Lektüre: Chadarevian 1993

Referate: Experimentalsysteme (Marine Francois u. Katharina Spiel); — Hysterie und Menschen als Medien (Sina Gehring, Maike Janssen u. Barbara Kramp)

06.07.06 Schreibmaschinen und Computer

Lektüre: Kittler 1996 u. Lévy 1998

Referate: Schreibmaschinen (Julia Eimer u. Matthias Eimer); — Geschichte des Computers (Roland Löbner, Dejie Li, Ren Yi u. Sibylle Zettl)

13.07.06 Geschichte des Computerspiels und akustische Medien

Referate: Akustische Medien (Nadine Trüe); — Geschichte des Computerspiels (Haye Heerten, Anna Keiderling u. Hannes Wagner)

Literaturliste (Auswahl)

Barthes, Roland, Die helle Kammer. Bemerkung zur Photographie, Frankfurt am Main 1989

Belting, Hans, Bild-Anthropologie, München 2001

Boelhower, William, »Inventing America: a model of cartographic semiosis«, Word and Image 4, 1988, S. 475–497

Bosse, Heinrich, »Die Schüler müßen selbst schreiben lernen oder: Die Einrichtung der Schiefertafel«, in: Tobias Nanz u. Bernhard Siegert (Hg.), Ex Machina. Beiträge zur Geschichte der Kulturtechniken, Weimar 2006 (im Erscheinen), S. 163–206

Campe, Rüdiger u. Manfred Schneider (Hg.), Geschichten der Physiognomik. Text, Bild, Wissen, Freiburg im Breisgau 1996

Chadarevian, Soraya de, »Die Methode der Kurven in der Physiologie zwischen 1850 und 1900«, in: Rheinberger, Hans-Jörg und Michael Hagner (Hg.), Die Experimentalisierung des Lebens. Experimentalsysteme in den biologischen Wissenschaften 1850/1900, Berlin 1993, S. 28–49

Edgerton, Samuel Y., »Die ideologischen Wurzeln der Linearperspektive in der Renaissance«, in: Bolz, Norbert (Hg.), Weltbürgertum und Globalisierung, München 2000, S. 127-144

Edgerton, Samuel Y., Die Entdeckung der Perspektive, München 2002

Eisenstein, Elizabeth L., Die Druckerpresse. Kulturrevolutionen im frühen modernen Europa, Wien u. New York 1997

Flichy, Patrice, Tele. Geschichte der modernen Kommunikation, Frankfurt am Main u.a. 1994

Galilei, Galileo, Sidereus Nuncius. Nachricht von neuen Sternen, Frankfurt am Main, 2. Aufl. 2002

Geimer, Peter, »Was ist kein Bild? Zur Störung der Verweisung«, in: ders. (Hrsg.), Ordnungen der Sichtbarkeit. Fotografie in Wissenschaft, Kunst und Technologie, Frankfurt am Main 2002, S. 313–341

Giesecke, Michael, Der Buchdruck in der frühen Neuzeit. Eine historische Fallstudie über die Durchsetzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien, Frankfurt am Main 1991

Gugerli, David u. Daniel Speich, Topografien der Nation. Politik, kartografische Ordnung und Landschaft im 19. Jahrhundert, Zürich 2002

Hick, Ulrike, Geschichte der optischen Medien, München 1999

Kittler, Friedrich, Grammophon, Film, Typewriter, Berlin 1986

Kittler, Friedrich, Draculas Vermächtnis. Technische Schriften, Leipzig 1993

Kittler, Friedrich A., Aufschreibesysteme 1800 — 1900, München, 3., vollst. überarb. Aufl. 1995

Kittler, Friedrich, »Lakanal und Soemmering: Von der optischen zur elektrischen Telegraphie«, in: Felderer, Brigitte (Hg.), Wunschmaschine Welterfindung. Eine Geschichte der Technikvisionen seit dem 18. Jahrhundert, Wien u. New York 1996, S. 286–295

Kittler, Friedrich, Optische Medien. Berliner Vorlesung 1999, Berlin 2002

Kümmel, Albert u. Petra Löffler (Hg.), Medientheorie 1888–1933. Texte und Kommentare, Frankfurt am Main 2002

Latour, Bruno, »Der Pedologen-Faden von Boa Vista. Eine photo-philosophische Montage«, in: ders. (Hg.), Der Berliner Schlüssel. Erkundungen eines Liebhabers der Wissenschaften, Berlin 1996, S. 191-248

Lévy, Pierre, »Die Erfindung des Computers«, in: Michel Serres (Hg.), Elemente einer Geschichte der Wissenschaften, Frankfurt am Main 1998, S. 905–944

Macho, Thomas, »Vision und Visage. Überlegungen zur Faszinationsgeschichte der Medien«, in: Müller-Funk, Wolfgang u. Hans Ulrich Reck (Hg.), Inszenierte Imagination. Beiträge zu einer historischen Anthropologie der Medien, Wien u. New York 1996, S. 87-108

Münsterberg, Hugo, Das Lichtspiel. Eine psychologische Studie (1916) und andere Schriften zum Kino, Wien 1996

Oettermann, Stephan, Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums, Frankfurt am Main 1980

Pias, Claus, Computer-Spiel-Welten, München 2002

Pircher, Wolfgang, »Kinder der Telegraphie. Eine nachrichtentechnische Genealogie des Computers«, in: Felderer, Brigitte (Hrsg.), Wunschmaschine Welterfindung. Eine Geschichte der Technikvisionen seit dem 18. Jahrhundert, Wien u. New York 1996, S. 272-285

Regener, Susanne, Fotografische Erfassung. Zur Geschichte medialer Konstruktionen des Kriminellen, München 1999

Rheinberger, Hans-Jörg, Experiment, Differenz, Schrift, Marburg an der Lahn 1992

Riekher, Rolf, Fernrohre und ihre Meister, Berlin, 2., stark bearb. Auflage 1990

Ronell, Avital, Das Telefonbuch. Technik, Schizophrenie, elektrische Rede, Berlin 2001

Schivelbusch, Wolfgang, Geschichte der Eisenbahnreise. Zur Industrialisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert, Frankfurt am Main 2000

Serres, Michel, »Vorwort«, in: ders. (Hg.), Elemente einer Geschichte der Wissenschaften, Frankfurt am Main 1989, S. 11–37

Siegert, Bernhard, »Das Amt des Gehorchens. Hysterie der Telephonistinnen oder Wiederkehr des Ohres 1874–1913«, in: Jochen Hörisch u. Michael Wetzel (Hrsg.), Armaturen der Sinne. Literarische und technische Medien 1870–1920, München 1990, S. 83–106

Siegert, Bernhard, Relais. Geschicke der Literatur als Epoche der Post, Berlin 1993

Siegert, Bernhard, »Hold me in your arms, Ma Bell. Telefonie und Literatur«, in: Ästhetik & Kommunikation 24, 1995, S. 58–69

Virilio, Paul, Krieg und Kino. Logistik der Wahrnehmung, Frankfurt am Main 1989

Vismann, Cornelia, Akten. Medientechnik und Recht, Frankfurt am Main 2000

Vogl, Joseph, »Medien-Werden: Galileis Fernrohr«, Archiv für Mediengeschichte, Bd. 1, S. 115-123, Themenheft Mediale Historiographien 2001

Zielinski, Siegfried, Audiovisionen. Kino Fernsehen als Zwischenspiele in der Geschichte, Reinbek bei Hamburg 1989

Kulturtechnik (B. Siegert, Alexander Klose)

Kulturtechniken. Gegenstände, Methoden, Geschichte. Eine Einführung. Beginn am 26. April (B. Siegert)
Quadratisch, praktisch, gut. Kultur und Theorie des Behälters. Beginn am 10. April (A. Klose)

Noise and Interruptions (B. Siegert, Petr Szczepanik, Nina Wiedemeyer)

Epistemologie der Störung I + II. Beginn am 25. April (B. Siegert)
History of noise in media, Blockveranstaltung, Erstes Treffen 21. April, 10.00 (P. Szczepanik)

Seminar, 2 SWS / 4 Credits
Bauhausstr. 11, R. 13

 

Einführungsveranstaltung:
Dienstag., 2.5.06, ab 17:00 Uhr – 19:00 Uhr – Bauhausstraße 11, R. 013

Sitzungen:
Freitag, 12.5.06, ab 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr – Bauhausstraße 11, R. 013
Montag, 26.6.06, ab 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr – Bauhausstraße 11, R. 013
Montag, 10.7.06, ab 11:00 bis 18:00 Uhr – Bauhausstraße 11, R. 013

Noise has its specific mediality and historicity: According to Michel Serres, noise is an empirical domain of any message, in a certain sense it is a medium itself. Media reveal their mediality through specific disturbances: crackling of gramophone disc, »static« in radio, nonsynchronicity of image and sound in talkies, «hiss« of magnetic tapes, «snowing« in TV, etc. The development of media technology from phonograph to Dolby Stereo is directed by the efforts to reduce undesirable noises. But in communication we can distinguish noise from the signal only retrospectively and noise can always be turned to signal again: What was background noise, or chaos for the contemporaries, often becomes signal for the next generation. From a historical perspective, acoustic noise had not been analyzable until the first recording devices were invented in 19th century (except by human memory and voice). In traditional historical accounts, sound was reduced to language and music. With the introduction of sound media, the soundscape of everyday life became recordable, transmittable and manipulable in a similar way as the visual forms, and the new possibilities for sound history and sound art emerged.

Stürme Schreie Lärm, Blockveranstaltung, Erstes Treffen 21. April, 11.30 (N. Wiedemeyer)

Seminar, 2 SWS / 4 Credits Bauhausstr. 11, R. 13

Einführungsveranstaltung:
Freitag, den 21.04.2006 15:15 – 16:45 Uhr,
Bauhausstraße 11, R. 014

Sitzungen, alle in Bauhausstraße 11, R. 015:
Freitag, den 19.05.2006 von 11:00 – 18:00 Uhr
Sonnabend, den 20.05.2006 von 10:00 – 18:00 Uhr
Freitag, den 14.07.2006 von 11:00 – 18:00 Uhr
Sonnabend, den 15.07.2006 von 10:00 – 18:00 Uhr

An vielgestaltigen Beispielen von still-noise und Hörbarkeiten in der Kunst sollen Fragen nach der Selbstreferenz und Störung von Medium / Bild gestellt werden. Die Stürme der Malerei lassen in Wolkenbergen und in Rissen der Gewitterlandschaften ihre materiale Ebene aufblitzen. Als verfestigte Kurz-Zeit-Ereignisse stehen die Blitze konträr zu den Kulissen dauerhafter Landschaften (Georgione, N. Poussin). Als Einbruch des Schrecklichen und Unterbrechung von Bildkontinuum und Handlungsebene künden sie vom Einbruch des Neuen. Mit dem Schrei aus Lessings Laokoon – Schrift verfestigt sich ein Paradigma der Medientheorie. Im Wettstreit der Künste zeigt sich das selbstbewusste Bild und lohnt ein Fragen nach der Selbstreferenzialität des Mediums. Da sind die stummen Aufschreie von Päpsten (F. Bacon), hörbare Skulpturen (B. Nauman) und Horrorszenarien im Film. Zum Schrei liegt die fundierteste Kunsttheorie vor. Zu Stürmen und Dingen sollen Fragen und Hintergründe entwickelt werden. Auch beim Lärm der Gegenstände und Maschinen geht es um neue Geräusche für neue Dinge (J. Tati) und um den Einbruch des Realen (J. Cage). Gedacht ist beim Lärm an die Einladung eines fieldrecording Spezialisten.

Wintersemester 2005/06

Einführungsmodul I Medienkultur/Medienökonomie (B. Siegert, T. Hennig-Thurau, T. Nanz)

Einführung in die Medienkultur für MediengestalterInnen (T. Nanz)

Seminar, 2 SWSDonnerstag, 15.00–17.00 c.t.Bauhausstraße 11, Raum 15

Gestalterische Arbeit ist keine theoriefreie Zone, jede künstlerische Produktion ist verschiedenen Zwängen unterworfen, die von den Medientechniken bis hin zum (ebenfalls erzeugten) gesellschaftlichen Umfeld reichen, das die Künste in gute und schlechte ausdifferenziert. Die KünstlerInnen und die Kunst sind damit von Anfang an in eine spezifische Ordnung eingebunden, die Auseinandersetzung mit Medientheorien kann bei der Analyse dieser Ordnung und der gestalterischen Produktionsbedingungen helfen.

Im Seminar sollen in erster Linie verschiedene Medien- und Kulturtheorien diskutiert werden, welche die gestalterische Arbeit reflexiv begleiten und strukturieren können. Neben der Besprechung der Texte werden Grundlagen des wissenschaftlichen Arbeitens erörtert, die bei Vorträgen und bei Seminararbeiten vonnöten sind.

Seminarplan

20.10.05 Einführung

27.10.05 Wissenschaftliches Arbeiten

03.11.05 Klassiker
Marshall McLuhan, Die magischen Kanäle, Dresden u. Basel 1995, v.a. Kap. “Das Medium ist die Botschaft” und “Verliebt in seine Apparate”.
Referat: Frederik Vogt

10.11.05 Wahrnehmung I
Peter Weibel, “Neurocinema. Zum Wandel der Wahrnehmung im technischen Zeitalter”, in: Brigitte Felderer (Hg.), Wunschmaschine Welterfindung, Wien u. New York 1996, S. 167–184.
Referat: Katharina Kiklas und Sven Raach

17.11.05 Massenmedien I
Walter Benjamin, “Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen
Reproduzierbarkeit”, in: ders., Gesammelte Schriften, hg. v. R. Tiedemann u. H. Schweppenhäuser, Frankfurt a. M. 1991, Bd. I/2, S. 471–508.
Referat: Matthias Eimer und Sandra Ludley

24.11.05 Massenmedien II
Bertolt Brecht, “Der Rundfunk als Kommunikationsapparat” und Hans M. Enzensberger, “Baukasten zu einer Theorie der Medien”, in: Kursbuch Medienkultur, hg. v. Lorenz Engell u.a., Stuttgart 1999, S. 259–278.
Referat: Tim Knabe und Hannes Wagner
Themenausgabe Hausarbeiten

01.12.05 Überwachung
Michel Foucault, Überwachen und Strafen, Frankfurt a. M. 1994, v.a. Kap. “Der Panoptismus” und Gilles Deleuze, “Postskriptum über die Kontrollgesellschaften”, in: ders., Unterhandlungen 1972–1990, Frankfurt a. M. 1993, S. 254–262.
Referat: Matthias Krause und Francie Nippe

08.12.05 Raum
Paul Virilio, “Fahrzeug”, in: Kursbuch Medienkultur, S. 166–184.
Referat: Bernhard Gruber und Georg Petzold

15.12.05 Kybernetik
Norbert Wiener, Kybernetik. Regelung und Nachrichtenübertragung im Lebewesen und in der Maschine, Wien 1992. Insbesondere “Einführung” und Kap. 1.
Referat: Martin Ketelhut und Katharina Kraus
Abgabe Hausarbeit

04.01.06 Diskussion Hausarbeiten

12.01.06 Wahrnehmung II
Ernst von Glasersfeld, “Konstruktion der Wirklichkeit und des Begriffs der Objektivität”, in: Kursbuch Medienkultur, S. 348–371.
Referat: Daniel Hundt und Karsten Kleinert

19.01.06 Computer und Interface I
Friedrich Kittler, “Protected Mode” und “Es gibt keine Software”, in: ders., Draculas Vermächtnis. Technische Schriften, Leipzig 1993, S. 208–242.
Referat: Nadja Prahl und Nancy Schneider

26.01.06 Computer und Interface II
Lev Manovich, “The Interface”, in: ders., The Language of New Media, Cambridge 2001, S. 62–115. — Peter F. Stephan, “Denken am Modell”, in: Bernhard E. Bürdek (Hg.), Der digitale Wahn, Frankfurt a. M. 2001, S. 109–129.
Referat: N.N.

02.02.06 Schlußdiskussion

Extended Radio (B. Siegert, R. Homann, C. Engemann) 

Humanoide Medien (B. Siegert, M. Krajewski, T. Nanz)

Beamte (M. Krajewski)

Seminar, 2 SWSDonnerstags, 15.00-17.00 c.t.Bauhausstr. 11, R. 13

Ganz entgegen seinem Klischee erweist sich die Geschichte des Beamten als ebenso abwechselungsreich wie aufregend. Das Seminar zeichnet wichtige Etappen seiner Historie anhand eines Spektrums von elementaren Funktionen und Eigenschaften (von Gehorsam bis Pedanterie) nach, nicht ohne jedoch einen Blick auf seine kaum minder konstitutiven Dysfunktionalitäten (Korruption, Faulheit etc.) zu werfen. Im Zentrum steht dabei der Funktionär im Kontext verschiedener Institutionen wie Post, Verwaltung, Eisenbahn, Zeitungen, Polizei oder Militär, die sich ihre Beamten in je spezifischer Weise zunutze machen, mithin indem sie spezifische Codes entwickeln (“Sprache der Ämter”), die nur sie entschlüsseln können wollen. Die Amtsinhaber erscheinen dabei als Schaltstelle, eingebunden in streng geregelte Hierarchien, die absehbare Karrierewege ermöglichen — so lange man, wie es heißt, keine ‘silbernen Löffel’ stiehlt. Jenseits dieser Vorhersehbarkeiten warten jedoch immer schon jene Nischen und Abgründe des Apparats, die gefährdenden Bruchstellen des Systems, in denen man so frivole Figuren antrifft, wie sie beispielsweise der preussische Hofmarschall Jakob Paul Freiherr von Gundling nahezu idealtypisch verkörpert. Denn in dessen allerpreussischstem Bestreben, dem Staat mit allen Talenten treu zu dienen, gerät er zur Zielscheibe des so groben wie unerbittlichen Spotts ausgerechnet des Königs und seines willfährigen Hofstaats.

Das Seminar ist Bestandteil des Forschungsprojekts Humanoide Medien. Funktionäre zwischen Frivolität und Prunk. Leistungsnachweis durch Referat und Hausarbeit.

Seminarplan

20.10.05 Einführung

27.10.05 Bestandsaufnahme: Be-Amte und ihre Funktionen

Literatur: Walser (1902/1972), Weber (1910)
Kurzreferat: Rahel Ueding

03.11.05 Amt und Amtliches: Der Fürst und die Repräsentation

Literatur: Kantorowicz (1927/1994) Kantorowicz (1957)

10.11.05 Preußen I: Bio(graphische)-Macht, Ämterverteilung und -häufung

Literatur: Kittler (1988), Weber (1917/1984)
Referat: Beamte in der chinesischen Tang-Dynastie: Dejie Li, Jinyang Wang, Yimeng Zhao

17.11.05 Preußen II: Der Fall Gundling. Zwischen Auflehnung und Gehorsam

Literatur: Sabrow (2001)
Referat: Sabrina Krumpa und Madlen Palko

24.11.05 Karriere

Literatur: Lecheler (1981), Lehmann (2004)
Referat: Yvonne Marschall

01.12.05 Amtliche Schriften I: Goethe

Literatur: Flach (1952), Bradish (1937), Linder (2001)
Referat: Saran Tenin Sanogo

08.12.05 Material Culture: Akten

Literatur: Vismann (2000)
Referat: Irma Klerings

15.12.05 Die Sprache der Ämter. Vom Kanzleistil zum Beamtendeutsch

Literatur: Bischoff (1793) Steinhausen (1889)
Referat: Caspar Clemens Mierau und Philipp Dennert

05.01.06 Sekundärtugenden und Nebentätigkeiten: Fleiß, Faulheit, Korruption

Literatur: Bajohr (2001) Groebner (2000) Bellers (1999) Borchert (2000) Schuller (1982)
Referat: Katrin Feistel, Theres Rohde, Christian Müller

12.01.06 Amtliche Schriften II: Kafka

Literatur: Kafka (1991)
Referat: Yimeng Zhao

19.01.06 Der Nazi als Beamter

Literatur: Sauckel (1938)
Referat: Sebastian Pomp

26.01.06 Planerfüllung: Auftrag und Auflehnung

Literatur: Müller (1979/1999) Müller (1984/1985) Müller (1985–1994) Müller (1986/1994)

02.02.06 Outsourcing: Die Abschaffung des Beamten

Literatur: Beucker (2004)
Referat: Friso Richter

Literaturliste (Auswahl)

Diese Liste stellt lediglich eine Auswahl aus der für die Referate und Forschungsarbeiten notwendigen Literatur dar. Sie bietet also nur einen Einstiegspunkt in die jeweilige Thematik und enthebt Sie nicht von der Aufgabe, intensive eigene Recherchen vorzunehmen.

Bajohr, Frank, 2001, Parvenüs und Profiteure. Korruption in der NS-Zeit, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main.

Bellers, Jürgen (Hg.), 1999, Politische Korruption. Vergleichende Untersuchungen, Bd. 3 von Studien zur Politikwissenschaft, Lit-Verlag, Münster.

Beucker, Pascal und Frank Überall, 2004, Die Beamtenrepublik. Der Staat im Würgegriff seiner Diener?, Campus Verlag, Frankfurt am Main, New York.

Bischoff, Johann Nicolaus, 1793, Lehrbuch des teutschen Canzleystyls und der Canzley-Geschäfte zur Beförderung academischer Vorübung in denselben = Erster oder theoretischer Theil, von den allgemeinen Eigenschaften des Canzley-Styls, Fleckeisen, Helmstedt.

Borchert, Sigrid Leitner und Klaus Stolz, Jens, 2000, Politische Korruption, Bd. 3 von Jahrbuch für Europa-und Nordamerika-Studien, Leske+Budrich, Opladen.

Bradish, Joseph A. von, 1937, Goethes Beamtenlaufbahn, Bd. 4 von Veröffentlichungen des Verbandes deutscher Schriftsteller und Literaturfreunde in New York, Westermann, New York.

Flach, Willy, 1952, Goetheforschung und Verwaltungsgeschichte. Goethe im Geheimen Consilium 1776 -1786, Bd. 3 von Thüringische Archivstudien, Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar.

Groebner, Valentin, 2000, Gefährliche Geschenke. Ritual, Politik und die Sprache der Korruption in der Eidgenossenschaft im späten Mittelalter und am Beginn der Neuzeit, Bd. 4 von Konflikte und Kultur -historische Perspektiven, Universitäts-Verlag Konstanz, Konstanz.

Haußmann, Hermann, 1925, Die Büroreform als Teil der Verwaltungsreform, Heymann, Berlin.

Hirschbiegel, Jan und Werner Paravicini, 2004, Der Fall des Günstlings. Hofparteien in Europa vom 13. bis zum 17. Jahrhundert, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern.

Kafka, Franz, 1991, »Hochlöblicher Verwaltungsausschuß!«. Amtliche Schriften, Luchterhand Literaturverlag, Frankfurt am Main.

Kantorowicz, Ernst, 1927/1994, Kaiser Friedrich der Zweite, Klett-Cotta, Stuttgart.

Kantorowicz, Ernst H., 1957, Die zwei Körper des Königs. Eine Studie zur politischen Theologie des Mittelalters, Bd. 4465 von dtv wissenschaft, Deutscher Taschenbuch Verlag, München.

Kittler, Friedrich, 1988, Das Subjekt als Beamter, in: Gérard Raulet und Willem van Reijen Manfred Frank (Hg.), Die Frage nach dem Subjekt, Bd. 430 von edition suhrkamp, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, S. 401–420.

Lecheler, Helmut, 1981, Das Laufbahnprinzip. Seine Entwicklung, seine rechtliche Grundlage und Bedeutung für das Berufsbeamtentum, Verantwortung und Leistung. Arbeitsgemeinschaft höherer Dienst, , Nr. 3.

Lehmann, Maren, 2004, Karriere als Projekt, in: Markus Krajewski (Hg.), Projektemacher. Zur Produktion von Wissen in der Vorform des Scheiterns, Kulturverlag Kadmos, Berlin, S. 49–63.

Linder, Jutta, 2001, »Falsche Tendenzen«. Der Staatsdiener Goethe und der Dichter, Rubbettino Editore, Soveria Mannelli (Catanzaro).

Lotz, Albert, 1914, Geschichte des Deutschen Beamtentums, 2., durch einen nachtrag ergänzte Aufl., R.V. Decker’s Verlag, Berlin.

Meyer, Rudolph, 1877, Politische Gründer und die Corruption in Deutschland, Bidder, Leipzig.

Müller, Heiner, 1979/1999, Der Mann im Fahrstuhl, in: ders., Die Prosa, Bd. 2 von Heiner Müller. Werke, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, S. 104–110. Null.

—, 1984/1985, Wolokolamsker Chaussee I, in: ders., Shakespeare Factory 1, Bd. 8 von Heiner Müller. Texte, Rotbuch Verlag, Berlin, S. 241–250. Null.

—, 1985–1994, Wolokolamsker Chaussee II, in: ders., Shakespeare Factory 2, Bd. 9 von Heiner Müller. Texte, Rotbuch Verlag, Berlin, S. 231–238. Null.

—, 1986/1994, Wolokolamsker Chaussee IV Kentauren, in: ders., Shakespeare Factory 2, Bd. 9 von Heiner Müller. Texte, Rotbuch Verlag, Berlin, S. 245–250. Null.

Sabrow, Martin, 2001, Herr und Hanswurst. Das tragische Schicksal des Hofgelehrten Jacob Paul von Gundling, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart.

Sauckel, Fritz, 1938, Der Beamte im Großdeutschen Reich. Rede, Weimar.

Schuller, Wolfgang (Hg.), 1982, Korruption im Altertum. Konstanzer Symposium Oktober 1979, Oldenbourg Verlag, München. Diskussionen des Symposions zur antiken Korruption, das am 9. und 10. Oktober 1979 an der Universität Konstanz stattgefunden hat.

Steinhausen, Georg, 1889, Geschichte des deutschen Briefs, Gaertner, Berlin.

Stüssel, Kerstin, 2004, In Vertretung. Literarische Mitschriften von Bürokratie zwischen Neuzeit und Gegenwart, Max Niemeyer Verlag, Tübingen.

Vismann, Cornelia, 2000, Akten. Medientechnik und Recht, Bd. 14927 von Forum Wissenschaft Kultur Medien, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main.

Walser, Robert, 1902/1972, Der Commis. Eine Art Illustration, in: ders., Fritz Kochers Aufsätze. Geschichten. Aufsätze, Bd. I von Das Gesamtwerk. Hg. von Jochen Greven, Verlag Helmut Kossodo, Genf und Hamburg.

Weber, Alfred, 1910, Der Beamte, Die Neue Rundschau, Bd. XXI, Nr. 4, S. 1321–1339.

Weber, Max, 1917/1984, Politik als Beruf, in: ders., Wissenschaft als Beruf 1917/1919. Politik als Beruf 1919, Bd. 17 von Max Weber Gesamtausgabe. Abteilung I. Schriften und Reden, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen.

 

Diplomaten (T. Nanz)

Seminar, 2 SWSFreitag, 11.00-13.00 c.t., Raum 13, Bauhausstr. 11

Es ist ein wirklich undankbares Amt: Langwierige Verhandlungen, bevor man überhaupt die Stadttore passieren darf; pompöse Inszenierungen. die stundenlang andauern und nur einen Blick auf den Herrscher gestatten; umgeben von einer Ehrengarde, die aus Mitgliedern der Geheimpolizei besteht und, falls man überhaupt seine abgeriegelte Wohnstätte verlassen darf, nicht von der Seite weicht; schließlich die drohende Hinrichtung in der Heimat, sofern der Auftrag als gescheitert gilt.

Diplomaten sind in Verhandlungsformen und -ordnungen eingespannt, die ihre Sprech- und Handlungsweisen bestimmen, wodurch ein geregelter diplomatischer Austausch zwischen verschiedenen Ländern überhaupt erst ermöglicht wird. Im Seminar steht die Formierung der Diplomatie und des Diplomaten mit seinen vielfältigen Medien im Vordergrund; am Beispiel verschiedener diplomatischer Schachzüge sollen die Techniken und Medien der Gesandten bzw. die Gesandten als Medien betrachtet werden.

Seminarplan

21.10.05 Themenvorstellung

28.10.05 Einführung in das Thema

04.11.05 Das diplomatisch-militärische Dispositiv
Michel Foucault, Vorlesung 11, in: ders., Geschichte der Gouvernementalität I, hg. v. Michel Sennelart, Frankfurt am Main 2004, S. 414–448.
Referat: Thomas Kircher

11.11.05 Etikette und Zeremoniell: Die höfische Gesellschaft
Norbert Elias, Die höfische Gesellschaft, Frankfurt am Main 1983, v.a. Kap. V.
Referat: Nora-Nele Heinevetter und Nadine Sanchez

18.11.05 Zeremoniell: Die Botschafter als Vertrater der Herrscher
William Roosen, Early Modern Diplomatic Ceremonial: A Systems Approach, in: The Journal of Modern History 53, 1980, S. 452–476.
Referat: Lutz Faupel

25.11.05 Ritual, Politik und Macht
David I. Kertzer, Ritual, Politik und Macht, in: Andréa Belliger u. David J. Krieger (Hg.), Ritualtheorien, Wiesbaden 2003, S. 365–390.
Referat: Stella Nyarko

02.12.05 Mythologische/religiöse Diplomatie: Engel und andere Götterboten
Referat: Madlen Palko und Gundola Ulonska

09.12.05 Formalisierungen vs. Emotionen
Das Kanzlei-Zeremoniell (Referat: Friso Richter)
Mythos Sissi (Referat: Nadja Kranz)

16.12.05 Anfänge der modernen Diplomatie
Die italienische Renaissance (Referat: Ina Jäger)
Hans Holbein: Die Gesandten (Referat: Günther Lösel)

06.01.06 Der höfische Tanz und Maskenbälle
Referat: Rebekka Schmidt

13.01.06 Spionage: Schwarze Kabinette
Referat: Susann Springer und Johnatan Ulrich

20.01.06 Architektur der Diplomatie
Referat: Theodor Carl

27.01.06 Der Dreißigjährige Krieg
Referat: Jörg Ens und Falko Schuster

03.02.06 Diplomat und Liebhaber: Giacomo Casanova
Referat: Stefanie Burmeister und Martin Heimbürge

Literaturliste (Auswahl)

Matthew Smith Anderson, The Rise of Modern Diplomacy 1450-1919, London u. New York 1993

Oskar Bätschmann u.Pascal Griener, Hans Holbein, London 1997

Jörg Jochen Berns u. Thomas Rahn (Hg.), Zeremoniell als höfische Ästhetik im Spätmittelalter und Früher Neuzeit, Tübingen 1995

Rudolf Braun u. David Gugerli, Macht des Tanzes — Tanz der Mächtigen.
Hoffeste und Herrschaftszeremoniell 1550–1914, München 1993

Giacomo Casanova, Geschichte meines Lebens, hg. v. Johanna von Koppenfels, Bd. 1–6, Berlin 1998

James Der Derian, On Diplomacy. A Genealogy of Western Estrangement, Oxford u. Cambridge 1987

Norbert Elias, Die höfische Gesellschaft, Frankfurt am Main 2002

Heinz-Georg Held, Engel. Geschichte eines Bildmotivs, Köln 1995

David Kahn, The Codebreakers. The Story of Secret Writing, New York 1996

Emil König, Schwarze Kabinette, Braunschweig 1875

Bruno Latour, Engel eignen sich nicht als wissenschaftliche Instrumente, in: ders. (Hg.), Der Berliner Schlüssel. Erkundungen eines Liebhabers der Wissenschaften, Berlin 1996, S. 249-276,

Johann Christian Lünig, Theatrum Ceremoniale Historico-Politicum oder Historisch- und Politischer Schau-Platz aller Ceremonien, 2 Bde., Leipzig 1719f.

Garrett Mattingly, Renaissance diplomacy, Boston 1955

Harold Nicolson, Kleine Geschichte der Diplomatie, Frankfurt am Main 1955

Julius Bernhard von Rohr, Einleitung zur Ceremoniel-Wissenschafft der großen Herren, Leipzig 1990 (Neudruck der Ausgabe von 1733)

Julius Bernhard von Rohr, Einleitung zur Ceremoniel-Wissenschafft der Privat-Personen, Leipzig 1990 (Neudruck der Ausgabe von 1728)

Fabrizio Rossi, Der Vatikan. Politik und Organisation, München 2004

Claudia Schnitzer, Höfische Maskeraden. Funktion und Ausstattung von
Verkleidungsdivertissements an deutschen Höfen der Frühen Neuzeit, Tübingen 1999

Bernhard Schimmelpfennig, Die Zeremonienbücher der römischen Kurie im Mittelalter, Tübingen 1973

Michel Serres, Die Legende der Engel, Frankfurt am Main und Leipzig 1995

Milos Vec, Zeremonialwissenschaft im Fürstenstaat, Frankfurt am Main 1998

Cornelia Vismann, Akten. Medientechnik und Recht, Frankfurt am Main 2000

Juliane Vogel, Elisabeth von Österreich. Momente aus dem Leben einer Kunstfigur,
Frankfurt am Main 1998

Christian Wieland, Fürsten, Freunde, Diplomaten. Die römisch-florentinischen Beziehungen unter Paul V. (1605-1621), Köln u.a. 2004

 

Sekretäre (B. Siegert)

Seminar, 2 SWSMontags, 18.30-20.00 s.t.Bauhausstr. 11.

Seminarplan

17. 10.: Datenverarbeitung durch Menschen: Formen, Vorüberlegungen, Planungen

24. 10.: 1. ‘secretarius’ > ‘Sekretär’.
(Andreas Kraus: Secretarius und Sekretariat. Der Ursprung der Institution des Staatssekretariats und ihr Einfluß auf die Entwicklung moderner Regierungsformen in Europa. Römische Quartalschrift für christliche Altertumskunde und Kirchengeschichte 55, 1960, H. 1/2, S. 43-84.)
2. ROM. Paulus als Sekretär/die Sekretäre des Paulus (2 Kor. und Römerbrief)
Referat: Theres Rohde

31. 10.: fällt aus (Reformationstag)

7. 11.: 1. Zwischen mysterium und ministerium: schreibende Engel
(Ivan Illich: Im Weinberg des Textes)
Referat: Yimeng Zhao
2. Papiergeschäfte. Die doppelte Buchhaltung (13./14./15. Jh.)
(Luca Pacioli: Abhandlung über die Buchhaltung 1494)
Referat: Christian Müller

14. 11.: Die universale Sekretärsmaschine: der barocke Secretarius
(Von Trithemius zu Leibniz, Harsdörffer, Stieler)
Referat: Irma Klerings

21. 11.: Sekretärsliebe (Hofmannswaldau) und Sekretärskritik (Beer)
(Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau: Liebe zwischen Eginhard und Fräulein Emma. In: Ders.: Helden-Brieffe. Ges. W. I,2. – Johann Beer: Der verkehrte Staats-Mann Oder Nasen-weise Secretarius)
Referate: Lutz Faupel, Günther Lösel

28. 11.: Eckermänner. Der Autor als Funktion seiner Sekretäre.
(Johann Peter Eckermann: Gespräche mit Goethe in den letzten Jahren seines Lebens (it 500))
Referat: Kenny Hartmann

5. 12.: Romantische Dichtung: Die Sekretäre verfallen dem Wahnsinn
(E.T.A. Hoffmann: Der goldene Topf. – Novalis: Heinrich von Ofterdingen)
Referate: Sabrina Krumpa, Anne Ortner

12. 12.: Aushöhlung der Sprache. Herman Melville: Bartleby
(Fischer TB 9302; – Giorgio Agamben: Bartleby oder die Kontingenz)
Referat: Frau von Schöningh

9. 1.: Schreiben: ein intransitives Verb. Gustave Flaubert: Bouvard et Pécuchet
(it 373; – Roland Barthes: Schriftsteller und Schreiber)
Referat: Martina Sauermann

16. 1.: Sekretärinnen I. Felice Bauer und Franz Kafka / Kurzgeschichte der Schreibmaschine.
(B. Siegert: Relais)
Referate: Frau Sanogo, Laura Kraeusel

23. 1.: Sekretärinnen II. Die Fabrikation des Dichters Brecht.
(Hans-Christian von Herrmann: Sang der Maschinen)
Referat: Kathrin Feistel
Sekretärinnen III. James Matthew Barrie: Der Zwölf-Pfund-Blick. – Irmgard Keun: Das kunstseidene Mädchen
Referat: Rebekka Schmidt

30. 1.: 1. Carl Schmitt: Die Buribunken
(Balke, Friedrich: Carl Schmitt und die Buribunken. Versuch über die Schriftmacht. In: DIAGONAL 1 (1997), S. 55-68.)
Referat: Nadja Kranz
2. Der Generalsekretär
Referat: Theodor Carl

6. 2.: Digitale Sekretäre
(Claus Pias: Digitale Sekretäre)
Referate: Martin Heimbürge, Silvia Lemke

Indizien und Evidenzen: Historiographische Annäherungen (B. Siegert, A. Lüdtke)

 

Kulturtechniken der Architektur (B. Siegert)

Radiokunst (“Word Is A Beat, Word Is An Off-Beat”) (B. Siegert)

Rendezvous der Dinge. Radio & Selbstorganisation (C. Engemann)

Blockseminar

1. Termin: 06.-07.01.2006, 13:30 Uhr, Bauhausstraße 11, R. 014
2. Termin: 27.-28.01.2006, 13:30 Uhr, Bauhausstraße 11, R. 014
3. Termin: 03.-04.02.2006, 13:30 Uhr, Bauhausstraße 11, R. 014

Intelligent Devices lautet das Versprechen zweier aktueller Radiotechnologien: der RFID Tags – Radio Frequency Identification Tags – und des Cognitive Radio. RFID Tags sind Etiketten, die den gängigen Strichcode ablösen sollen. Sie speichern umfangreiche Selbstbeschreibungen der Gegenstände, an denen sie angebracht sind und kommunizieren über Induktionsfunk. Intelligente Warenlogistik durch sich selbst verwaltende Güter, ein Packet Switching mit realen Paketen, soll mit RFID Wirklichkeit werden. Cognitive Radio ist eine Technologie zur dynamischen Allokation des Frequenzspektrums. Derzeit ist die Vergabe von Frequenzbändern im Radiospektrum eine hoheitliche Aufgabe. Mit Cognitive Radio können Devices ihre Frequenzen und Bandbreiten untereinander aushandeln. Die Einführung von Cognitive Radio ist derzeit heiß umstritten. Während die Industrie und eine ganze Reihe von Cyberaktivisten Vorteile in der Technologie sehen, sperren sich die Nationalstaaten ihre Hoheit über das Radiofrequenzspektrum aufzugeben.

Das Seminar wird diese Technologien radio-gestützter Selbstorganisation unter drei Gesichtspunkten untersuchen: 1. Politische Ökonomie: RFID verspricht für das Privateigentum Reibungsverluste in der Logistik zu minimieren, sowie die bedarfsgenaue Zustellung von Gütern. Cognitive Radio verspricht die ‘Frequency Commons’, d.h. die Umwidmung des Frequenzspektrums in Gemeinschaftseigentum. Den spezifischen Erlösungsversprechen von der Knappheit und der politischen Ökonomie dieser Technologien wird nachzugehen sein. 2. Krieg: Mit den Technologien radiogestützter Selbstorganisation gehen neue taktische Konzepte im Militär einher. Das Seminar soll hier den Konnex Radio und taktische Kriegführung vom UKW gestützten Panzerkrieg zu den Swarm-Tactics des letzten Golfkriegs untersuchen. 3. Emanzipation: Inwieweit implementieren beide Technologien auf je spezifische Art das Versprechen der Brechtschen Radiotheorie auf der Ebene der Selbstkoordination von Dingen? Jedes Ding ist nicht allein ein Empfänger, das von einer zentralen Stelle Befehle erhält, sondern zugleich ein Sender der über sich, seinen Zustand und seine Absichten Auskunft gibt. Many to many statt few to many, nur das sich hier Dinge assoziieren und nicht Individuen.Ein Leistungsnachweis kann durch ein Referat und eine Hausarbeit erworben werden. Das Seminar ist Bestandteil des Forschungsprojekts Extended Radio . Leistungsnachweis durch Referat und Hausarbeit.


Sounds of Silence. Technologie, Epistemologie und Phänomenologie des Radios 1860-1960 (B. Siegert)

Vorlesung, 2 SWSMittwochs, 11.00-13.00 c.t.

Vorlesungsplan

19. 10.: Thematische und theoretische Vorüberlegungen zu Extended Radio

26. 10.: Pataphysik des Radios: Elektromagnetismus und Äther. Von Kant über Oersted zu Faraday, Maxwell und Heinrich Hertz.

2. 11.: „Wireless“. Okkultistische „Ursprünge“ des Radios: Branly, Lodge, Crookes

9. 11.: RadioArt 1900: Jarry, Roussell u. v. a. Duchamp

16. 11.: Sprachverwirrungen: Empire, Weltkrieg I, Funk und der Untergang der Titanic

23. 11.: Funkerspuk und der Rundfunk (1918-1923): Im Radio melden sich die Toten. Hughes: Danger; Ernst Johannsen: Brigadevermittlung

30. 11.: Avantgarde: Hans Flesch: Zauberei auf dem Sender. Walter Ruttmann: Weekend (1930)

7. 12.: Lindbergflug. Radiotheorie 1925-1935: Brecht, Arnheim, Bronnen, Döblin etc.

14. 12.: Radio im Radio = Ernstfallsimulation: Orson Welles: War of the Worlds (1938)

4. 1.: Live-Übertragungen: Sportreportage, Sportpalast

11. 1.: Die Stimme als körperlose Wesenheit: Kolb und das Hörspiel der Innerlichkeit. Eduard Reinacher: Der Narr mit der Hacke

18. 1.: Die Erfindung der Rundfunk-Politik: Machtergreifung. Electronic Warfare: Funkspiele

25. 1.: Negative Radioästhetik: Günter Eich, Ingeborg Bachmann, Max Frisch

1. 2.: Worte sind Sounds wie Rauschen: Radio-Kunst nach dem Ende der literarischen Hegemonie?

8. 2.: Klausur

 

Textanalyse. Ein Vademecum (M. Krajewski)

Sommersemester 2005

Der Kollektive Mensch (M. Vöhringer)

Mittwochs, 9.15-10.45 Seminar, 2 SWS, 3 Credits Bauhausstraße 11, Raum 13

 

Jede Zeit entwarf ihren Neuen Menschen: die französischen Revolutionäre den „L’Homme Nouveau“, Friedrich Nietzsche den „Übermenschen“ und die Nationalsozialisten „Völkische Lichtgestalten“. Sie alle versprachen die Möglichkeit einer sowohl geistigen als auch physischen Vervollkommnung des Menschen, sei es mithilfe wissenschaftlicher, ökonomischer, sozialer oder technischer Novitäten. Im neuzeitlichen Russland entstand ebenfalls ein besonderer Menschentypus, der sich als „Kollektiver Mensch“ bezeichnen lässt und von den anderen Modellen dadurch unterscheidet, dass er statt Differenz vielfältige Einheit zwischen den unterschiedlichen Mitgliedern der sowjetischen Gemeinschaft herstellen sollte. Er wurde von Philosophen, Politikern, Künstlern und Biologen theoretisch konzipiert und in den 1920er Jahren durch die Macht habenden Sozialrevolutionäre, zumindest in Teilen, praktisch umgesetzt. Das Seminar wird untersuchen, welche Kulturtechniken ineinander greifen mussten, um die Optimierung von Körpern, Gehirnen und Erbanlagen als humanen Kollektivismus herbeizuführen. Die Beispiele umfassen solche Großprojekte wie die Elektrifizierung des Landes, die Umkehrung von Flüssen, die Raumfahrt und kleinere, geradezu geheime Aktivitäten am Institut für Gehirnforschung etwa oder am Institut für Bluttransfusionen in Moskau.

Ein Leistungsnachweis kann durch ein Referat in Kombination mit einer Hausarbeit erbracht werden.
Zur Vorbereitung empfohlen:
Nicola Lepp, Martin Roth, Klaus Vogel (Hrsg.): Der Neue Mensch. Obsessionen des 20. Jahrhunderts. Katalog, Ostfildern-Ruit 1999.
Stefan Plaggenborg: Menschenbilder und kulturelle Praxis in Sowjetrussland zwischen Oktoberrevolution und Stalinismus, Köln u.a. 1996.

Figuren des Tiers: Emblem, Maschine, Monster, Medium, Meute (B. Siegert)

Vorlesung, 2 SWS, 3 Credits Mittwochs, 11.00-13.00 Marienstr. , Raum xx

 

Mensch und Tier sind “epistemische Dinge”, die voneinander nicht zu trennen sind; um zu sagen, was das eine ist, muß ein Wissen vom anderen stets schon unterstellt werden. Aber das “Tier” ist ebensowenig auf einen abstrakten Singular zu reduzieren wie das Wissen vom Tier auf die Denktradition einer philosophischen Anthropologie. Das Wissen vom Tier/vom Menschen formt sich vielmehr in den Begriffsräumen, die von den Linien der Kulturtechniken historisch eröffnet und versperrt werden. Der Mensch ist das Haustier der symbolischen und materialen Techniken, die das Anthropologische als Funktion historisch ausdifferenzierter Kulturen hervorbringen. Daher wird die Vorlesung sich den medialen und kulturtechnischen Praktiken widmen, in denen sich das Verhältnis des Menschen zu den Tieren konkret gestaltet hat. Dazu gehören 1. Tiere als Institution der Genealogie oder Gemeinschaft (Wappentier, Totemtier); 2. Das Beutetier des Jägers; 3. Das Tier als Werkzeug (Marx): als Arbeits- und Kriegstier, als Nutz- und Haustier; 4. Das Versuchstier der neuzeitlichen Wissenschaften, das Auskunft über den Menschen als Naturwesen gibt: Galvanis Frosch, Darwins Affe, Pavlovs Hund, Shannons Maus bis hin zur Drosophila der Genetiker; 5. Das emblematische Tier der Künste wie zum Beispiel der Affe als Emblem der Kunst, oder die Fliege als Sinnbild und Indiz der Vergänglichkeit – bis hin zu den irritierenden Praktiken der Mimikry, in denen das Lebewesen sich in Form einer Entdifferenzierung der metaphysischen Unterscheidungen der Arten und Gattungen des Seienden auf einer Fluchtlinie des Nicht-Identischen bewegt.

Die Anthropologie ist stets eine andere geworden, wenn sich die medialen Funktionen des Tieres geändert haben. Ob als Kraft-Maschine, jägerische Projektion, physiologisches oder behavioristisches Modell oder neuerdings als genetisches Archiv und “BioArt”: stets erfindet der Mensch mit den Weisen, das Tier aufzuspüren, zu nutzen, zu verschlingen, zu lieben, mit ihm zu experimentieren und zu spielen sich selbst aufs Neue (was ebensoviele Möglichkeiten einschließt, sich zu verlieren). Bis zum Zeitalter der Gentechnik aber hat immer gegolten: Die symbolische Ordnung des Menschen ist nicht das Reale des Menschen. Verliert dieser Grundsatz mit den Techniken des Klonens und Splicens seine Gültigkeit? Fällt das Reale mit dem Symbolischen zusammen, und wird der Körper zur unmöglichen Fiktion?

Zur Vorbereitung empfohlen: Giorgio Agamben: Das Offene. Der Mensch und das Tier. Frankfurt/M. 2003 (edition suhrkamp 2441); Thomas Macho: “Tier”. In: Vom Menschen. Handbuch Historische Anthropologie, hg. v. Christoph Wulf. Weinheim/Basel 1997, S. 62-85.

Kulturtechnik (B. Siegert, M. Vöhringer)

Studienmodul, 4 SWS, 6Credits

 

Kulturtechniken sind Fertigkeiten des gelehrigen und disziplinierten Körpers im Umgang mit Medientechniken, die Menschen zu Subjekten oder Angehörigen einer bestimmten Kultur machen, aber auch in die Lage versetzen, andere Kulturen zu beherrschen – die Eroberung der Welt durch Bild, Schrift und Zahl. Dazu zählen einerseits die klassischen Kulturtechniken der Schrift-, Bild- und Zahlbeherrschung, andererseits aber auch speziellere Kulturtechniken wie Ordnungs- und Repräsentationssysteme (Diagramme, Kataloge, Karten, Archive), graphische Operationen (Zentralperspektive), Techniken der Datenspeicherung- und Verarbeitung im Bereich der Menschenwissenschaften (z. B. Anthropometrie, Fingerabdrücke, Lügendetektoren) oder Dispositive der Biomacht (z. B. in den Arbeitswissenschaften, der Psychotechnik, der Hygiene und der Rassenpolitik). Das Studienmodul Kulturtechnik setzt sich aus 2 Seminaren zusammen, von denen das eine in die wichtigsten Gegenstandsbereiche, Methoden und in die grundlegende Forschungsliteratur einführt und das andere theoretische Grundlagen und Methoden der Analyse anhand eines zentralen Themas aus dem Gegenstandsbereich der Kulturtechnik im Detail vertieft und erprobt.

Das Modul setzt sich aus dem Seminar “Kulturtechniken. Gegenstände, Methoden, Geschichte. Eine Einführung” (Prof. Siegert) und dem Seminar “Der Kollektive Mensch” (Frau Vöhringer, M.A.) zusammen. Ein Leistungsnachweis kann durch je ein Kurzreferat in beiden Modulteilen und eine schriftliche Hausarbeit in einem der beiden Teile erworben werden.

Kulturtechniken. Gegenstände, Methoden, Geschichte. Eine Einführung (B. Siegert)

Seminar, 2 SWS, 3 Credits Dienstags, 11.00-13.00 Bauhausstr. 11, Raum xx

 

Zur Thematik siehe Ankündigungstext zum Studienmodul Kulturtechnik. Das Seminar stellt anhand paradigmatischer Beispiele die wichtigsten Gegenstandsbereiche, Methoden und Grundlagentexte einer Wissenschaft der Kulturtechniken vor. Ein Leistungsnachweis kann durch ein Referat und eine schriftliche Hausarbeit erbracht werden.

Mediengeschichte und -geschichtsschreibung (M. Krajewski)

Donnerstags, 9.15-12.30 Uhr Hausknechtstraße 7, Hörsaal Projektplenum, 4 SWS

 

Dieses Plenum bildet zusammen mit dem Filmseminar “In Deutschland. Über Deutschland” (B. Leitner) das Projektmodul “Medien- und Kulturgeschichte”, wöchentlich, 8 SWS, 12 Credits (obligatorisch für BA-MK und BA-MG, 2. Semester)

Das Studienmodul verfolgt zwei Ziele. Zum einen gilt es, anhand ausgewählter Ereignisse einen zumindest rasterartigen Überblick auf Epochen und Zäsuren der Mediengeschichte zu gewinnen. Was endet eigentlich mit einer neuen Erfindung, zum Beispiel mit der Glühlampe? Welche Entwicklungen und Folgeeffekte bringt dagegen das neue Medium hervor? Zum anderen wird sich das Studienmodul der Frage widmen, wie man treffend über Ereignisse der Mediengeschichte schreiben kann. Welche methodischen Strategien, was für Denkfiguren finden dabei Verwendung? Auch hier gilt es, anhand von erlesenen Beispielen einen kleinen Kanon zu diskutieren, der nicht nur für das weitere Studium imprägniert, sondern ebenso zur Anleitung dienen mag, eigene Texte zu verfassen.

Leistungsnachweis: durch ein Referat im Plenum, ein Referat im ergänzenden Filmseminar sowie eine Hausarbeit wahlweise in einer der beiden Veranstaltungen und, selbstverständlich, kontinuierliche Lektüre und Diskussionsbereitschaft

Seminarplan

14.04.05: Einführung

21.04.05: Die Glühbirne

Haupttext: Götz 1990, Experte: Nico Marzian
Haupttext: Pynchon 1973, Expertin: Katharina Knust
Haupttext: Schivelbusch, Experte: Konstantin Beyer
Referat: Licht im Theater, Referentin: Kristin Franke

28.04.05: Medien der Antike: Die Zahl / Das Kerbholz / Der Abakus

Haupttext: Schmandt-Besserat 1992, Experten: Katrin Beckmann, T. Vostry
Haupttext: Flusser 1987, Experten: Katrin Feistel, Rebekka Schmidt

Referat: Kerbholz, Referent: Uli Schöbel
Referat: Abakus, Referenten: Marian Bollmann, Alexandra Balteanu

05.05.05: (Christi Himmelfahrt)

12.05.05: Buchdruck

Haupttext: Giesecke 1991, Expertin: Katja Schöppe
Haupttext: Eisenstein 1997, Françoise Ekalle Epanya

Referat: Setzkasten, Referent: Alexander Helbing
Referat: Vom Flugblatt zur Tageszeitung, Damaris Lehmann

19.05.05: Analoges Schreibzeug

Haupttext: Petroski 1995, Experte: Christian Müller
Haupttext: Feldhaus 1926, Expertin: Nora Kropf

Referat: Positivistische Geschichtsschreibung, Referentin: Jennifer Bohn (Übersicht)
Referat: Füllfeder, Kugelschreiber, Referenten: Sandra Linden, Ingrid Luginbühl
Referat: Geschichte des Technischen Zeichnens, Referent: Robert Brock, Amelie Becker

Kurzessays:
Ein Bleistift ist ein Bleistift ist ein Bleistift von Nora Binder
Wenn man es von hinten aufrollt… von Carolin Clausnitzer
Ohne Titel von Ulrike Falk

26.05.05: Der Zettelkasten

Haupttext: Kittler 1989, Experte: Jean Ballaz
Haupttext: Luhmann 1993, Expertin: Nadja Kranz (Übersicht)

Referat: Zettelkasten, Referentin: Martina Kellner
Referat: Exzerpte, Referentin: Janine Paschke

02.06.05: Die Post

Als Haupttext: Siegert 1993, Experten: Friederike Magerhans
Zur Hintergrundinformation: Behringer 2003, Experten: Jenny Winckelmann, Hanchao Zhu

Referat: Der Brief, Referentin: Anne Gorke
Referat: Cursus publicus, Referentin: Ewelina Dobrzalski
Referat: Rohrpost, Referentin: Jandke Anneken

Kurzessay: Marie-Luise Lange, Johannes Deich

09.06.05: Navigationsmedien: Uhr und Kompaß

Haupttext: Lane 1963 (hier als pdf), Experte: René Weigel
Haupttext: Karl Schlögel, Kartenlesen, Augenarbeit (im Ordner)

Kurzreferat: Braudel 1949, Expertin: Lisa Conrad
Referat: Die Karte, Referentin: Marine Badoux
Referat: Zeitmessung, Referentin: Rebekka Reichold

Kurzessay: Orte – vorher, nachher, in Gedanken von Nora Wellhausen

16.06.05: Telematische Medien

Haupttext: Roscher 1911, Expertinnen: F. Christophe, C. Rogister
Haupttext: Ronell 2001, Experten: Julia Beckmann, Sarah Fröb

Referat: Die Eisenbahn, Referenten: Laura Guillet, Carol Lacharne
Referat: Die Telegraphie: Marie-Claire Fredrich

Protokoll: Adrian Boldt

23.06.05: Die Photographie

Haupttext: Barthes 1980, Expertin: Julia Auerswald
Haupttext: Geimer 2002, Expertin: Sarah Czerney

Referat: Talbot & die Unschärfe, Referenten: Jörn Meyn, Xandra Pankratz
Referat: Camera obscura, Referenten: Hannah Möller, Leonie Schmidtmer

Protokoll: Christoph Kilian, Laura Machutta, Katja Gawrilow

30.06.05: Schreibmaschinen

Haupttext: Kittler 1986, Expertin: Maria Dantz
Haupttext: Levy 1998, Experte: Deniz Gencosman

Referat: Die Lochkarte, Referent: Tim Knabe
Referat: Die Turing-Maschine, Referent: Jörgen Pörsel

Protokoll: Fr. Hristova, Kirsten Sanders

07.07.05: Radio / Stimmen

Haupttext: Hagen 1991, Experten: Linda Steglich, Andreas Beyer
Haupttext: Göttert 1998, Expertin: Christina Manolin

Referat: Grammophon, Referenten: Susann Schwenke, Jörg Schibalski
Referat: Der Dolbysurroundsound, Referenten: Alexander Schumann, Sebastian Binder

Protokoll: Annekathrin Knigge, Nicole Weber

14.07.05: Videorekorder, Abschlußdiskussion

Haupttext: Zielinski 1986, Experte: Benj. von Alemann
Referat: Die Fernbedienung, Referenten: Li Dejie, Lars Zimmerman

Protokoll: Martin Saalfrank, Christiane Müller, Philipp Boltz, Conrad Ostwald

Literaturliste (Auswahl)

Barthes, Roland, 1980, Die helle Kammer. Bemerkungen zur Photographie, Bd. 1642 von stw, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.

Baumann, Carl Friedrich, 1988, Licht im Theater. Von der Argand-Lampe bis zum Glühlampenscheinwerfer, Steiner Verlag, Wiesbaden.

Behringer, Wolfgang, 2003, Im Zeichen des Merkur. Reichspost und Kommunikationsrevolution in der Frühen Neuzeit, Bd. 189 von eröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen.

Braudel, Fernand, 1949/1998, Das Mittelmeer und die mediterrane Welt in der Epoche Philipps II., Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.

Eisenstein, Elizabeth L., 1997, Die Druckerpresse. Kulturrevolution im frühen modernen Europa, Ästhetik und Naturwissenschaften. Medienkultur, Springer Verlag, Wien, New York.

Feldhaus, Franz Maria, 1926, Der Bleistift, Bd. 2 von Deutsche Arbeit, Reichsbund deutsche Arbeit, Berlin.

Flusser, Vilém, 1987/1992, Die Schrift. Hat Schreiben Zukunft?, Bd. 10906 von Fischer Wissenschaft, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main.

Geimer, Peter, 2002, „Was ist kein Bild? Zur ‘Störung der Verweisung’“
in: ders. (Hg.), Ordnungen der Sichtbarkeit. Fotografie in Wissenschaft, Technologie und Kunst, Suhrkamp, Frankfurt, S. 331- 341.

Giesecke, Michael, 1991, Der Buchdruck in der frühen Neuzeit. Eine historische Fallstudie über die Durchsetzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien, Suhrkamp,Frankfurt am Main.

Granzow, Uwe, 1986, Quadrant, Kompaß und Chronometer. Technische Implikationen des euro-asiatischen Seehandels von 1500 bis 1800, Bd. 36 von Beiträge zur Kolonial- und Überseegeschichte, Steiner, Stuttgart.

Göttert, Karl-Heinz, 1998, Geschichte der Stimme, Wilhelm Fink Verlag, München.

Götz, Matthias, 1990, Nichts als Licht, Nichts als ein Bericht, in: Licht. 15.12.1990 – 17.2.1991, Museum für Gestaltung, Basel, S. 97–130. Ausstellung und Katalog des Museums für Gestaltung Basel.

Hagen, Wolfgang, 1991, Der Radioruf. Zu Diskurs und Geschichte des Hörfunks, in: Martin Stingelin und Wolfgang Scherer (Hg.), HardWar/SoftWar. Krieg und Medien 1914 bis 1945, Bd. 3 von Literatur- und Medienanalysen, Wihelm Fink Verlag, München.

Keller, Max, 1999, Faszination Licht. Licht auf der Bühne, Prestel Verlag, München.

Kittler, Friedrich, 1986, Grammophon Film Typewriter, Brinkmann & Bose, Berlin.

—, 1989, Die Nacht der Substanz, Reihe um 9, Benteli Verlag, Bern. Vortrag im Kunstmuseum Bern, gehalten am 30. April 1989.

Lane, Frederic, The Economic Meaning of the Invention of the Compass, in: American Historical Review, Vol. LXVIII, No 3., April 1963, S. 605-617.

Levy, Pierre, 1998, Die Erfindung des Computers, in: Michel Serres (Hg.), Elemente einer Geschichte der Wissenschaften, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.

Luhmann, Niklas, 1993, Kommunikation mit Zettelkästen. Ein Erfahrungsbericht, in: André Kieserling (Hg.), Universität als Milieu, Haux, Bielefeld, S. 53–61.

Petroski, Henry, 1995, Der Bleistift. Die Geschichte eines Gebrauchsgegenstands, Birkhäuser Verlag, Basel.

Pynchon, Thomas, 1973/1981, Die Geschichte von Byron der Birne, Bd. 13514 von rororo, Rowolth Verlag, Reinbek bei Hamburg, S. 1011–1025.

Ronell, Avital, 2001, Das Telefonbuch. Technik, Schizophrenie, elektrische Rede, Brinkmann & Bose, Berlin.

Roscher, Max, 1911, Die Kabel des Weltverkehrs hauptsächlich in volkswirtschaftlicher Hinsicht, Puttkammer & Mühlbrecht, Berlin.

Schivelbusch, Wolfgang, 1983, Lichtblicke. Zur Geschichte der künstlichen Helligkeit im 19. Jahrhundert, Hanser Anthropologie, Carl Hanser Verlag, München.

Schmandt-Besserat, Denise, 1992, Before Writing. Volume I. From Counting to Cuneiform, University of Texas Press, Austin.

Siegert, Bernhard, 1993, Relais. Geschicke der Literatur als Epoche der Post 1751–1913, Brinkmann & Bose, Berlin.

Talbot, Henry Fox, 1844/1998, The pencil of nature = Der Zeichenstift der Natur, Hogfy Ed., Budapest. Nachdruck der Ausgabe London, Longman, Brown, Green & Longmans, 1844.

Zielinski, Siegfried, 1986, Zur Geschichte des Videorecorders, Wissenschaftsverlag Spiess, Berlin.

Probleme der Mediengeschichtsschreibung (L. Engell, B. Siegert, J. Vogl)

Seminar, 2 SWS, 3 Credits Donnerstags, 11.00-13.00 Bauhausstr. 11, Raum xx

 

Richtet sich an: Stipendiaten und Assoziierte des Graduiertenkollegs “Mediale Historiographien”.
Teilnahme von Studierenden der MK und EMK nach vorheriger Absprache möglich.Hausarbeit erworben.

Tiere | Menschen. Figuren und Medien der anthropologischen Differenz (B. Siegert, D. Tyradellis, M. Vöhringer)

Projektmodul, 8 SWS, 12 Credits

 

Seit Carl von Linné ist der Mensch das Lebewesen, das durch nichts anderes definierbar ist, als daß es sich selbst erkennt. Sich zu kennen, heißt aber: sich als Nicht-Mensch, als Tier, erkennen. Aber weder was ein Tier, noch was ein Mensch ist, noch wo die Grenze zwischen beiden verläuft, ist eine Konstante. Der Mensch hat sich selbst stets nur über Differenzen und Negationen gehabt, die in immer neuen Setzungen und Verschiebungen die Grenze zwischen Mensch und Tier beziehungsweise zwischen Mensch und Gott zu definieren suchten – und dabei die Figur des Menschen stets an Symbole, Werkzeuge und Medien überantwortet. Das Projekt will den Dualismus der unendlichen Spiegelbeziehung von Mensch und Tier aufbrechen, indem es sich auf jenes Dritte konzentriert, das die anthropologische Tier/Mensch-Differenz je und je historisch allererst aufmacht, verschiebt oder schließt: die Kulturtechniken der Hominisierung und der Animalisierung. Denn die dialektische und paradoxe Beziehung des Menschen zum Tier läßt sich nicht reduzieren auf den Bereich des “Klassifikationstieres”. Schon deshalb nicht, weil sich das philosophische Abstraktum “Tier” historisch erst spät durchgesetzt hat. Es wird vorgeformt, überformt, konterkariert und ausgelöscht durch Kulturtechniken der Jagd, des Opfers, der Domestizierung und der Zucht, durch Medien und Künste der Repräsentation, der Metamorphose und des Tierwerdens, durch die Dispositive des physiologischen, behavioristischen und genetischen Experiments.

Die zum Projekt gehörenden Veranstaltungen versuchen die unterirdischen Gänge aufzuspüren, die das Gattungstier Mensch (das Tier der Philosophen) mit den Staatstieren, Wappentieren, Fabeltieren, dämonischen Tieren, Jagdtieren, Haustieren, Nutztieren, Arbeitstieren, Kriegstieren und Versuchstieren verbindet. Das Projekt setzt sich zusammen aus der Vorlesung “Figuren des Tiers: Emblem, Maschine, Monster, Medium, Meute” (Prof. Siegert), dem Seminar “Tierische Wahrnehmung ” (Frau Vöhringer, M.A.), dem Seminar “Tier-werden. Die Philosophen und das Animalische” (Dr. Tyradellis) und dem Seminar “Tiererzählungen” (Prof. Siegert). Ein Projektschein wird durch mdl. Referate und eine schriftl. Hausarbeit erworben.

Tiergeschichten (B. Siegert)

Seminar, 2 SWS, 3 Credits Montags, 18.00-20.00 Bauhausstr. 11

 

Der Mensch ist das Haustier der Sprache, sagte Jacques Lacan einmal. Die Literatur ist vermutlich gerade deshalb der Ort, an dem in den unterschiedlichen Formen der Tiererzählung die Grenzen des Menschen und die Grenzen der Kunst sowohl markiert, reflektiert, erprobt und experimentell in Frage gestellt werden. Zum Hintergrund der Thematik siehe den Ankündigungstext zum Projektmodul “Tiere | Menschen. Figuren und Medien der anthropologischen Differenz”. Gelesen und diskutiert werden Tiererzählungen vom Mythos über die Fabel bis hin zu den Tiergeschichten Franz Kafkas. Außerdem dient das Seminar 2 – 3 Mal im Semester als Projektplenum. Seminarscheine können durch den Nachweis eines mdl. Referates und einer schriftl. Hausarbeit erworben werden.

Zur Vorbereitung empfohlen: Franz Kafka, Sämtliche Erzählungen, hg. v. Paul Raabe. Frankfurt/M. (Fischer Taschenbuch) 1970 und öfter.

Seminarplan

11. 4. Vorbesprechung

18. 4. (fällt aus)

25. 4. Affen und Pferde: Jonathan Swift: Gullivers Reisen
(4. Teil: Eine Reise in das Land der Houyhnhnms)

2. 5. Hunde I: Miguel de Cervantes: Gespräch zwischen Cipión und Berganza, den Hunden des Auferstehungshospitals.
In: Ders.: Exemplarische Novellen (Rahel Ueding).
E. T. A. Hoffmann: Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza.
In: Ders.: Fantasie- und Nachtstücke, S. 79-140 (Rahel Ueding).

9. 5. Hunde II: Hugo von Hofmannsthal: Die Dame mit dem Hündchen
Franz Kafka: Forschungen eines Hundes (Stefan Becker)
Michail Bulgakov: Hundeherz

16. 5. Göttliche Zungen: Pfingsten

23. 5 Affen I: E. T. A. Hoffmann: Nachricht von einem gebildeten jungen Mann.
In: Ders.: Fantasie- und Nachtstücke (Kathleen Neumann)

Wilhelm Hauff: Der Affe als Mensch.
In: Ders.: Die Geschichte vom Kalif Storch und andere Märchen, hg. v. Walter Flemmer. München 1964, S. 139-154. (Kathleen Neumann)
Horst Woldemar Janson: Apes and Ape Lore in the Middle Ages and the Renaissance. London 1952 (Kapitel X: Ars simia naturae).

30. 5. Affen II: Affen in der bildenden Kunst inkl. King Kong

6. 6. Affen III: Gustave Flaubert: Quidquid volueris. In: Jugendwerke (Kathleen Fischer)
E. A. Poe: Die Morde in der Rue Morgue (Annett Jahn)

13. 6. Affen IV: Franz Kafka: Ein Bericht für eine Akademie (Anja Hoppe)

20. 6. Wölfe: Neil Jordan: Zeit der Wölfe (GB 1984)
Deleuze/Guattari: Tier-Werden (Felix Sattler)
Alexandre Dumas: Le Meneur de Loups (Anja Sattelmacher)

27. 6. Tier-Werden: Franz Kafka: Die Verwandlung (Theres Rohde)
Franz Kafka: Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande

4. 7. Tier-Kunst: Franz Kafka: Josephine, die Sängerin oder Das Volk der Mäuse (Martin Heimbürge)

11. 7. Wolf und Katze: Robert Musil: Drei Frauen (Jan Löw)

Tierische Wahrnehmung (M. Vöhringer)

Dienstags, 13.30-15.00 Seminar, 2 SWS, 3 Credits Bauhausstraße 11, Raum 13

 

Wie wäre es, ein Seeigel oder eine Fliege zu sein? Der Biologe und Philosoph Jakob von Uexküll hat sich dies 1909 vorgestellt und dabei den Begriff der Umwelt entwickelt. Seine „Streifzüge durch die Umwelten von Tieren und Menschen“ zeigen einerseits die Dinge, Farben und Menschen wie sie beispielsweise ein Pantoffeltierchen, eine Zecke oder ein Hund sehen und untersuchen anderseits ihre anatomischen Prädispositionen.
Diese Klammer greift das Seminar auf und verfolgt die Geschichte der Darstellung und Erforschung der tierischen Wahrnehmung sowie der mit ihr sich konstituierenden menschlichen Wahrnehmungsvermögen in Wissenschaft und Bildender Kunst. Vom Hören, Sehen, Tasten, Riechen, Schmecken über das Fühlen und Fürchten bis hin zum Erkennen, Lernen, Erinnern und Halluzinieren reichen die Fähigkeiten, die Tier und Mensch gleichermaßen unterstellt und seit dem 19. Jahrhundert experimentell erklärt werden. Tierische Hypnose, Tierische Kommunikation, Art übergreifende Kommunikation zwischen Mensch und Tier, musizierende, malende, Theater spielende, schreibende und paranormal sich verhaltende Tiere sind die weniger leicht erklärbaren Themen des Seminars. Nicht nur, was Tiere sehen können, sondern was Menschen nicht wahrnehmen wird dabei zum Vorschein treten – seit Uexküll eine Frage, die sich mit jedem Umweltereignis von neuem stellt.

Ein Leistungsnachweis kann durch ein Referat in Kombination mit einer Hausarbeit erbracht werden.

Tier-werden. Die Philosophen und das Animalische (D. Tyradellis)

Seminar, 2 SWS, 3 Credits 14-tägig, teilw. Blockveranstaltungen 1. Sitzung: Donnerstag, 14. 4. 2005, 13.00-15.00 Bauhausstr. 11, Raum xx

Der philosophische Zoo ist äußerst artenreich: Sein Spektrum reicht von Ameise und Spinne über Schaf und Wolf bis hin zu Affe und blonder Bestie. Ausgehend von Gilles Deleuze’ Begeisterung für die Zecke und seinen Überlegungen zum Tier-werden (gemeinsam mit Félix Guattari in: Tausend Plateaus, Berlin 1992) geht das Seminar der Bedeutung des Animalischen in der Geschichte des philosophische Denken nach – als Vergleichsgröße, Beispiel, Vorbild, Drohung oder Metapher. Im Mittelpunkt wird die gemeinsame Lektüre und Diskussion der einschlägigen philosophischen Texte stehen. Seminarscheine können durch Nachweis eines mdl. Referates und einer schriftl. Hausarbeit erworben werden. Das Seminar wird teilweise als Block stattfinden.

Wintersemester 2004/05

Dispositive der Kunst (A. Schäfer)

Vorlesung 2 SWS, 2 Credits Mittwochs, 11.00-13.00 Marienstraße 13, Hörsaal C

 

Die Vorlesung beschäftigt sich vor allem mit künstlerischen Arbeiten, die in szenischer Form oder Performance aufgeführt werden oder als Installation ausgestellt sind. Arbeiten von Künstlern wie Samuel Beckett, John Cage, Bruce Nauman oder Ilya Kabakov setzen eine Wahrnehmung frei, die in den vertrauten Kategorien des Sehens und Hörens nicht aufgeht; sie produzieren eine Erfahrung des eigenen Körpers, die dessen Verhaltensweisen ihre Selbstverständlichkeit nimmt; sie zeigen neuartige Gebrauchsweisen von Apparaten und Instrumenten auf; und sie stellen Anordnungen her, mit denen man herausfinden kann, was man nicht weiß und was man nicht tun kann. Diese Arbeiten setzen komplexe Prozesse in Gang, in denen Dinge, Praktiken und symbolische Codes mit Darstellungs- und Inszenierungsweisen zusammenspielen. Man könnte auch sagen: Die Arbeiten bestehen aus Sichtbarem, Hörbarem und Sagbarem, sie knüpfen aus heterogenen Elementen einen flüchtigen, instabilen Zusammenhang, bringen synergetische Effekte hervor.

Es geht dabei einerseits um die Elemente einer Theatralität, die sich vom Text abkehrt, um die Inszenierung von Dingen wie Mehl und Lehm, von Stimmen und eigentümlichen Experimentalanordnungen, um den Auftritt der Rede, die Sichtbarkeit des Körpers und das Ausstellen und In-Szene-Setzen von Kulturtechniken. Und anderseits wird untersucht, wie diese Arbeiten, in dem, was sie zu sehen und zu hören geben, zugleich dessen Bedingungen freigelegen; wie sie Auge und Blick, Sehen und Hören, Wahrnehmung, Empfinden und Verstehen auseinanderreißen; und wie sie dadurch die Dispositive, die in ihnen stecken, zum Vorschein bringen und zu transformieren suchen.

Literatur (zur Vorbereitung)

Michel Foucault, Überwachen und Strafen. Die Geburt des Gefängnisses, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1977; Samuel Beckett, Hörspiele, Pantomime, Film, Fernsehspiel, Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1995; Please pay attention please. Bruce Nauman’s Words: Writings and Interviews, ed. by Janet Kraynak, Cambridge (Mass.), London: MIT Press, 2003; Hans-Thies Lehmann, Postdramatisches Theater, Frankfurt/M.: Verlag der Autoren, 1999.

Historische Zeichenregime (G. Meynen)

Studienmodul, 4 SWS, 6 Credits

 

Nur im Verbund mit ihren Benutzeroberflächen und Speichern vermögen Zeichen, ihre Codierungsmacht zu entfalten. Auch können Bild, Schrift und Zahl in einer Wissens- und Mediengeschichte der Zeichen nicht isoliert betrachtet werden, weil gerade an den Schnittstellen von Bild, Schrift und Zahl sich neue Kulturtechniken ausbilden. Das Modul “Historische Zeichenregime” lenkt das Augenmerk auf diese kulturtechnischen Zäsuren und diskutiert in zwei Einheiten eine numerische Geschichte der Benutzeroberflächen und eine geometrischen Geschichte des Zehnerübertrags und Stellenwerts.

Bestandteile des Studienmoduls sind die Seminar Zahl und Stellenwert und Tafel, Netz, Fenster. Die Medien des Büros.

Kunst und Experiment (M. Vöhringer)

Seminar / Studienmodul “Kulturtechniken” (MA) 2 SWS, 4 Credits Donnerstags, 11.00-12.30 Bauhausstraße 11, Raum 14

 

“Die Experimentiertätigkeit führt ein Eigenleben” stellte der Wissenschaftsphilosoph Ian Hacking vor einiger Zeit fest, meinte damit aber nur das Experimentieren von Wissenschaftlern. Die Wissenschaftsgeschichte bietet seither zahlreiche Möglichkeiten für die historische Verortung von Experimenten – innerhalb der Technikgeschichte von Instrumenten, als Teil der Geschichte von Disziplinen oder der Theoriebildung und schließlich, als funktionales Element im Prozess der Wissensproduktion. Wie aber steht es um die Experimente von Künstlern?

Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich die Analogie zwischen experimentierendem Künstler und experimentierendem Wissenschaftler zum Trend, der bis heute verschiedenste Blüten treibt: Künstler, die mit Wissenschaftlern zusammen arbeiten, sich als Wissenschaftler verstehen oder die Wissenschaft kritisieren und Wissenschaftler, die Kunstwerke analysieren oder ästhetische Experimente durchführen, sind nur einige Bezugnahmen zwischen Kunst und Wissenschaft.

Das Seminar will die Anfänge dieser Entwicklung beleuchten und geht hierzu vom Experiment als Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft aus. Durch die Lektüre sowohl historischer als auch aktueller Texte zum Experimentieren und mit Blick auf tatsächliche Experimente wird es versuchen zu klären – wer experimentiert?

Scheine können durch Referate in Kombination mit Hausarbeiten gemacht werden.

Policey / Polizei (A. Schäfer)

Hauptseminar 2 SWS, 2 Credits Dienstags, 11.00-13.00 Bauhausstraße 11, Raum 13

 

Im 17. und 18. Jahrhundert entsteht eine Policey, die von der Frage, wie regiert werden kann und soll, angetrieben ist, und alles zu ihrem Gegenstand erklärt, was im Staat ordnungs- und formbedürftig zu sein scheint: Das betrifft unterschiedliche Bereiche, von der Kleiderordnung, der Regelung des Personenstands und der Durchführung von Festen über die Beleuchtung in den Städten bis hin zur Verteilung von Nahrungsmitteln und dem Gesundheitswesen. Der „guten Policey“ obliegt, wie ein Vertreter der sogenannten Policeywissenschaft formuliert, die „Wohlordnung des Gemeinwesens“ und „die Erhaltung und Vermehrung des allgemeinen Vermögens des Staats“. Die Policey ist für Wohlfahrt und Sicherheit im Staat zuständig, und darüber werden ihr sowohl die Bevölkerung als auch das Leben des einzelnen zu Gegenständen unablässiger Sorge. Das Seminar verfolgt die Transformation dieser Policey zur Polizei und rückt hierbei ein Ensemble von Praktiken, Technologien und Wissenschaften in den Mittelpunkt: Es beschäftigt sich mit statistischen Erhebungen, mit Kriminalistik und psychiatrischen Praktiken und untersucht Methoden, mit denen zum Sprechen gebracht, Verfahren wie Anthropometrie, Dakytloskopie und Graphologie, mit denen die Identität des einzelnen festgestellt, und Technologien, mit denen überwacht werden kann.

Dieses Hauptseminar ist Teil des Forschungsprojekts “Vatersprache, Mutterland – Medien der Identität”.

Einführende Literatur

Michael Stolleis, Geschichte des öffentlichen Rechts in Deutschland. Bd. 1: 1600 – 1800: Reichspublizistik und Policeywissenschaft, München: C.H. Beck, 1998; Carlo Ginzburg, „Spurensicherung. Der Jäger entziffert die Fährte, Sherlock Holmes nimmt die Lupe, Freud liest Morelli“, in: ders, Spurensicherungen. Über verborgene Geschichte, Kunst und soziales Gedächtnis, München: dtv, 1988; Uwe Nettelbeck, Fantômas. Eine Sittengeschichte des Erkennungsdienstes, Salzhausen: Verlag Die Republik (Petra Nettelbeck), 1979; Michael Farin (Hrsg.), Polizeireport München 1799-1999, München; belleville-Verlag, 1999

Psychotechniken der Kunst (M. Vöhringer)

Seminar / Studienmodul “Kulturtechniken” (MA) 2 SWS, 2 Credits Montags, 15.15-17.00 Bauhausstraße 11, Raum 14

 

Bildende Künste adressieren die Wahrnehmung. Als sich im 19. Jh. auch die Physiologie, Psychologie, Psychophysik und Psychotechnik derselben annahmen und begannen, sie zu vermessen und zu trainieren, entstand eine disziplinäre Konkurrenzsituation. Ihre Folge war der Austausch von Ideen, Apparaten, Fragestellungen und Praktiken insbesondere zwischen den Künstlern der klassischen Avantgarde und den Wissenschaftlern der angewandten Psychologie. Die Russische Avantgarde wurde durch die Psychotechnik, dieser “praktischen Anwendung der Psychologie im Dienste der Kulturaufgaben” (Münsterberg), zur Gründung von Labors, Produktion von populärwissenschaftlichen Filmen und Gestaltung von Stadträumen inspiriert. Von ihr ausgehend lassen sich die Fäden nach Deutschland und in die USA, zu Arbeitswissenschaft und Pädagogik ziehen.

Das Seminar wird verschiedenen Transfers von praktischem und theoretischem Wissen um 1900 nachgehen, wird kanonische Texte der Psychotechnik mit Kunstwerken in Beziehung setzen, um zu sehen, welche Praktiken in welchen Disziplinen angewandt wurden, um mit ihnen die Wahrnehmung zu adressieren.

Scheine können durch Referate in Kombination mit Hausarbeiten gemacht werden.

Seminarplan
(wird in der ersten Sitzung vorgestellt)

Tafel, Netz, Fenster. Die Medien des Büros (G. Meynen)

Seminar / Studienmodul “Historische Zeichenregime”2 SWS, 4 Credits Donnerstags, 17.00-19.00 Bauhausstraße 11, Raum 14

 

Das Büro leitet seinen Namen von den verwesten und übelriechenden Strünken einer Pflanze ab, den Stengeln der Burre, die versponnen mit Wolle als Ausgangsmaterial für Mönchskutten und Rechentücher herhalten mussten. Bevor das Büro ein Möbel, einen Ort, ein Ministerium oder eine Arbeitswelt bezeichnete, kannte es weder Raum noch Personal, sondern nur die Zeilen und Spalten einer Tabelle. Der Gegenstand des Seminars ist deshalb keine Soziologie des Büros. Im Zentrum steht statt dessen Flachware – eine Mediengeschichte der Benutzeroberflächen. Von dem ersten Auftritt der ebenen Schreibflächen, den Tafeln der Babyloniern, der euklidischen Geometrie der Ebene, den Netzentwürfen der Kartographie und den Tabellen der doppelten Buchführung über die Tafelwerke der Ingenieure, bis zu den Rasterbildschirmen und Fenstern der graphischen Benutzeroberflächen gilt dabei das Augenmerk den kulturellen Techniken der Abrichtung, Steuerung und Navigation. Das Seminar zielt dabei auf eine Geschichte der Routinen. Im Zentrum steht die Frage, wie Operationen mit Linien, Buchstaben, Zahlen modelliert, gesteuert, verwaltet und archiviert werden.

Scheine können durch Referate in Kombination mit Hausarbeiten gemacht werden.

Seminarplan
(wird in der ersten Sitzung vorgestellt)

Literaturliste (Auswahl)
(folgt im Laufe des Semesters)

Textanalyse (A. Schäfer)

Proseminar 2 SWS, 2 Credits Donnerstags, 09.00-11.00 Bauhausstraße 11, Raum 14

 

Im Rahmen des Einführungsmoduls führt das Proseminar in die Methoden und Techniken der Textanalyse ein. Es vermittelt theoretische Grundlagen, stellt exemplarische Analysen vor und übt in eigenständiges Arbeiten mit Texten ein. Dabei sollen rhetorische Mittel, semiotische und narrative Strukturen untersucht, aber auch statistische Verfahren erprobt werden. Darauf aufbauend soll die Klärung einiger Fragen versucht werden: Wie funktionieren unterschiedliche Texte und Textsorten? Wodurch unterscheiden sich literarische Gattungen und Genres? Was ist eine Erzählung? Was sind fiktionale Texte?

Literatur (zur Vorbereitung)

Raymond Queneau, Exercices de style [1947, 1963], Paris: Gallimard folio, 1995 [dt.: Stilübungen, übersetzt von Ludwig Harig und Eugen Helmlé, 3. Aufl. Frankfurt/M.: Suhrkamp, 1994]; Umberto Eco u.a., Der Zirkel oder Im Zeichen der Drei. Dupin, Holmes, Peirce, München: Wilhelm Fink, 1985; Matias Martinez, Michael Scheffel, Einführung in die Erzähltheorie, 5. Aufl. München: C.H. Beck, 2003.

Zahl und Stellenwert (G. Meynen)

Seminar / Studienmodul “Historische Zeichenregime”2 SWS, 2 Credits Donnerstags, 13.30-15.00 s.t. Bauhausstraße 11, Raum 13

 

Zahlen haben keine Lage. So will es Proklos, ein später Freund Platons aus dem 5. Jahrhundert n. Chr., der das erste Buch der Euklidischen Elemente kommentiert. Die Arithmetik ist deshalb dem Himmel näher als die Geometrie, die sich in ihren Diagrammen mit der Anschaulichkeit der Figuren plagen muss. Paradoxerweise sind es jedoch gerade die Rechensteine der Griechen, die die Zahl von einer reinen Anzahlenkunde befreien und formalere Operationen anschreibbar machen. Sobald Zahlen geschrieben werden, besitzen sie eine Lage, eine Stelle, einen Aufenthaltsort, ob auf dem Rechenbrett, dem Papier und oder im Speicher eines Computers. Zahlen können fortan gelesen, geschrieben und gelöscht werden. Die Stelle macht sie berechenbar. Von den figurierten Zahlen der Pythagoreer über die Staubziffern al-Hwarizmis, dem automatischen Zehnerübertrag bis zur Turingmaschine diskutiert das Seminar anhand von Quelltexten, Rechenbrettern und Papiermaschinen folgende Fragen: Welchen Gebrauch machen die Zahlen von Flächen und Speichern? Wie hängen Code und Medien, Schreiben und Löschen zusammen?

Scheine können durch Referate in Kombination mit Hausarbeiten gemacht werden.

Seminarplan
(wird in der ersten Sitzung vorgestellt)

Literaturliste (Auswahl)
(folgt im Laufe des Semesters)

Sommersemester 2004

Einführung in die Grundlagen der Kulturtechnik-Forschung (B. Siegert)

Fenster und Schirm. Blick-, Mimesis- und Mimikrytheorie (B. Siegert)

Film und Hypermimesis (B. Siegert)

In 98 Tagen um die Welt (M. Krajewski)

Studienmodul / Seminar, 4 SWS, 6 Credits Dienstags, 11.00-15.00 c.t. Bauhausstraße 11, Raum 013 Erster Termin: 13.04.2004

“Es gibt keine Postmoderne, sondern nur die oder diese moderne Post” (Niklas Luhmann)

Im Gegensatz zu seinen visionären Romanen hat Jules Verne 1874 die Reise in 80 Tagen um die Welt weniger als unzeitgemäße Betrachtung denn als realistische Bestandsaufnahme der Reisebedingungen seiner Zeit verfasst. Phileas Fogg vermag seine berühmte Wette nur deshalb gelassen abzuschließen, weil er auf die Zuverlässigkeit von Bradshaw’s continental railway steam transit and general guide vertrauen kann. In Reiseführern wie diesem verdichtet sich das komplexe Zusammenspiel von Dampfschifffahrtslinien und Eisenbahnzeiten mit Telegraphie und Weltpost auf Ortsangaben, Ankunfts- und Abfahrtszeiten, um so die Möglichkeiten eines Medienverbundsystems der Übertragung von Personen, Gütern und Informationen widerzuspiegeln.

Ausgehend von Jules Vernes Erzählung möchte das Seminar für die Dauer der Vorlesungszeit (98 Tage) einerseits dieses Medienverbundsystem historisch entfalten, seine Entstehung anhand von Quellentexten, Projektbeschreibungen und zeitgenössischer Berichterstattung nachvollziehen, aber auch die spätere Rezeption und Wirkungsmacht von Phileas Fogg ebenso wie des Weltverkehrs mit Hilfe von ausgewählten Filmbeispielen analysieren. Andererseits gilt es, nach einer Medientheorie der Verkehrssysteme zu fragen, durch intensive Lektüren theoretischer Texte (Harold A. Innis, Michel Serres, Paul Virilio etc.) die Medienentwicklung des 19. Jahrhunderts mit seinen Schifffahrts-Kanälen und Daten-Leitungen, Post-Linien und Eisenbahn-Kursen in einer Netzwerktheorie der Übertragungen zu entwerfen.

Ein Leistungsnachweis kann durch ein Referat in Kombination mit einer Hausarbeit erbracht werden.

Seminarplan

13.04.04: Einführung und Problemstellung
20.04.04: Verne I. Gentleman, unterwegs: Die (private) Weltreise im 19. Jh.
Lektüre zur Vorbereitung
Jules Verne, In 80 Tagen um die Welt, Diogenes Verlag, Zürich, 1872/1974
27.04.04: Verne II. Theorie des Kursbuchs
04.05.04: Zwischen Ost und West: (Luft-)Schiffahrt über den Atlantik
11.05.04: Nach Nord und Süd: Letzte Flecken, schwarz und weiß
18.05.04: Geopolis. Zentrale und entlegene Orte
25.05.04: Verne III. Der Vorlauf der Nachricht. Die Weltpost
01.06.04: Kupferdraht & Eisen bahnen: Leitungen gen West
08.06.04: Synchronisation: Lokalzeit, Weltzeit, Datumsgrenze
15.06.04: Güter bahnen: Kanäle, Tunnel, Pipelines
22.06.04: Netzwerke I: Imperien
29.06.04: Netzwerke II: Beschleunigung
06.07.04: Aufheben, Abheben: Raumrevolution der Aviatik
13.07.04: Abschlußsitzung

Material
Walther Rathenau, Massengüterbahnen, in: ders., Reflexionen und Aufsätze, S. Fischer Verlag, Berlin, 1909/1928 (Text als pdf-Datei laden )

Literaturliste (Auswahl)
Vgl. auch die im Semesterapparat des Seminars bereit gestellte Literatur

Kulturtechnik (B. Siegert, T. Nanz)

Lacan–Lektüren III (B. Siegert)

Zwischen Gesichtern (T. Nanz)

Zwischen Mimesis und Mimikry (B. Siegert, C. Blümle)

Code und Territorium (C. Engemann)

Blockseminar

 

1. Termin: 21.04.2004, 13:30 Uhr, Bauhausstraße 11, R. 013
2. Termin: 07.-08.05.2004, 13:30 Uhr, Bauhausstraße 11, R. 014
3. Termin: 10.-13.06 2004, Exkursion ‘Wizards of OS’ Konferenz, Berlin
4. Termin: 25.-26.01.2004, 13:30 Uhr, Bauhausstraße 11, R. 014

„Jede Machtrichtung bildet einen Komplex aus Code und Territorium” schrieb Gilles Deleuze 1976. Doch was passiert wenn eine ‘Territorium’ auftaucht, dass selbst reiner Code ist? Das Internet stellt die ‘Macht’, genauer die staatliche Macht, aufgrund seiner globalen Ausdehnung vor mindestens drei Probleme: Konflikte mit anderen Staaten, die Garantie der Rechtsgeltung im eigenen Hoheitsbereich und die Steuerhoheit sind auf die Rückbindung an das Territorialprinzip, der verlässlichen Möglichkeit der Unterscheidung von Innen und Außen, verwiesen.

In den drei genannten Bereichen, äußere Konflikte (Cyberwar), innere Sicherheit (Cyberkriminalität) und Steuerhoheit (Electronic Government) finden sich umfangreiche Anstrengungen, mediale Apparaturen herzustellen, die es erlauben im und mit dem Internet staatliches innen und außen zu unterscheiden. Ausgehend von einem theoretischen und historischem Einsteig zum Problem territorialer Souveränität, sollen im Studienmodul diese Apparaturen anhand aktueller Dokumente untersucht werden. Wie wird hier Code zu Territorium, und wie Territorium zu Code?

Wintersemester 2003/04

Lacan-Lektüren II (B. Siegert)

Lesen, Schreiben, Rechnen (B. Siegert, S. Neef, M. Krajewski)

Lesen, Schreiben, Zeichnen, Rechnen. Bausteine einer Wissenschaft der Kulturtechnik II (B. Siegert)

Vorlesung,
Mittwochs, 11.00-13.00 c.t.
Hausknechtstraße 7, Hörsaal

 

Den “roten Faden” der Vorlesung bildet die Geschichte der Kulturtechniken Lesen, Schreiben, Zeichnen und Rechnen in ihrem Verhältnis zu den Medien der Schrift, des Bildes und der Zahl. Dabei wird diese Geschichte in drei sich gegenseitig perspektivierenden Kontexten behandelt: 1. im Kontext der “material culture” des Lesens, Schreibens, Zeichnens und Rechnens. Hierzu gehören einerseits alle Arten von Speicher-, Übertragungs- und Verarbeitungsmedien von Schriften, Bildern und Zahlen, andererseits die Codes (ABC, indisch-arabische Ziffern, Zentralperspektive) mit deren Hilfe Daten gespeichert und verarbeitet werden. 2. im Kontext der philosophischen, ästhetischen, literarischen und psychologischen Diskurse über das Schreiben und Lesen. Hierzu gehört die Kon- und Dekonstruktion der Differenzen von “männlich” und “weiblich”, Geist und Materie, Produktion und Rezeption, Sinn und Unsinn, “genial” und “verrückt” “individuell” und “dividuell” etc. ebenso wie die Kon- und Dekonstruktion von Hierarchien des Zeichens (Signifikant und Signifikat) und der Sinne (Auge und Ohr). Das Interface zwischen der Materialität der Medien und dem psychischen Apparat des Subjekts bilden indes Exerzitien des gelehrigen Körpers. Daher wird die Geschichte der elementaren Kulturtechniken 3. im Kontext der Pädagogik behandelt. Hierzu gehören die Medien und Methoden des Lese-, Schreib- und Rechenunterrichts vom Mittelalter bis zur Moderne ebenso wie die Praktiken des professionellen Schreibens, Lesens, Zeichnens und Rechnens. Diese drei Kontexte werden jedoch nicht isoliert nacheinander abgehandelt, sondern anhand von konkreten Beispielen aus der Literatur-, Kunst- und Wissenschaftsgeschichte permanent aufeinander bezogen, um die Struktur ihrer Bedingtheiten deutlich zu machen.

Ein Leistungsnachweis kann durch eine mündliche Prüfung oder eine Klausur erworben werden.

Zur Vorbereitung empfohlen: Hans Ulrich Gumbrecht (Hg.): Schrift. München 1993. Friedrich A. Kittler, Aufschreibesysteme 1800 / 1900. München 3. Aufl. 1995. Brian Rotman, Die Null und das Nichts. Eine Semiotik des Nullpunkts. Berlin 2000.

Seminarplan

22.10.’03: Einleitung. Theorie der Kulturtechniken und die “Äußerlichkeit der Schrift”
Arbeitsmodell der “Schriftkulturen”

29.10.’03: Am Anfang war….? 3000 v. Chr.: Die Ausdifferenzierung der “Graphé” in Schrift und Zahl

05.11.’03: (fällt aus)

12.11.’03: Lesen und Schreiben im alten Griechenland

19.11.’03: Zur “material culture” von LSR: Volumen/Kodex/Buch; Papyrus/Pergament/Papier. Lesen und Schreiben im Mittelalter.

26.11.’03: Lesepädagogik um 1800. Fibeln. Rousseau, Basedow, Pestalozzi, Stephani, Herder.

03.12.’03: Geschichte der Methodik des Lese- und Schreibunterrichts. Hegel und der Deutschaufsatz.

10.12.’03: Autoren versus Schreiber. E. T. A. Hoffmann: Der Goldene Topf. Goethe: Werther, Novalis: Heinrich von Ofterdingen

17.12.’03: Geschichte der Methodik des Rechenunterrichts

07.01.’04: Zeichnen, Zeichenunterricht, technisches Zeichnen

14.01.’04: Ein “zweigeschlechtiges Tintentier” (Gottfried Keller: “Die mißbrauchten Liebesbriefe”)

21.01.’04: Franz Kafka an Felice Bauer. Die Schreibmaschine im Geschlechterkrieg. Zur Identität der Schreibmaschinenschrift.

28.01.’04: Turing-Maschine: Schreiben, Lesen, Rechnen

04.02.’04: Tippen und Klicken. Computer(an)alphabetismus und Cyberliteralität

Die Science Faction des Thomas Pynchon (B. Siegert)

Hauptseminar, 2SWS Dienstags, 13.30-15.00 s.t. Bauhausstraße 11, Raum 014

 

Thomas Pynchons Romane und Erzählungen gelten innerhalb der literaturwissenschaftlichen Zunft als Paradefälle der literarischen Postmoderne, an denen sich das Verschwinden des Autors, die Fragmentierung des Erzählersubjekts und die Dissemination des Sinns vorbuchstabieren lässt. Im Unterschied zu solchen immanenten Lektüren werden wir im Seminar die Problematisierung des Subjekts, des Autors und der Narration im Werk Pynchons als Echo auf die Geschichte der technischen Medien und der wissenschaftlichen Diskurse entziffern. Pynchons Romanhelden – wie z. B. Oedipa Maas, Herbert Stencil oder Tyrone Slothrop – finden im Unterschied zu Kant – die transzendentalen Bedingungen der “Realität” (wie z. B. Kausalität) nicht mehr im Subjekt, sondern in empirischen Technologien (wie der Rakete), wissenschaftlichen Diskursen (wie der Thermodynamik) und mathematischen Formeln. Raum, Zeit, Identität und Kausalität sind daher keine anthropologischen Konstanten, sondern historische Variablen, die abhängig sind von den Technologien, die Raum- und Zeiterfahrungen steuern und Identität und Kausalität produzieren. Technologien, die die Stelle transzendentaler Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung einnehmen, heißen Medien – was der Grund dafür ist, dass Pynchons Romane für eine historische Medienwissenschaft eine ungeheuer produktive Schnittstelle zum Archiv der Wissenschafts- und Technikgeschichte darstellen.

Die den Lektüren, Recherchen und Interpretationen im Seminar zugrundegelegte Herangehensweise begreift Pynchons Texte folglich als Schnittstelle zwischen Archiv und Geschichte, fact und fiction – das heißt in einem Wort: als faction. Der Wechsel von fiction zu faction bedeutet u. a. auch, dass die Praxis der Lektüre von Pynchons Romanen immer wieder in eine Praxis der Recherche übergeht, zu der die Paranoia und die Verschwörungstheorien der Romanhelden selbst die Anleitung liefern.
Zum Semesterbeginn sollten folgende Texte von Thomas Pynchon gelesen sein: “Unter dem Siegel”. In: Thomas Pynchon, Spätzünder. Frühe Erzählungen. Reinbek b. Hmb. 1985. Die Versteigerung von No. 49. Roman. Reinbek 1994 (Rowohlt-TB). Die Enden der Parabel. Roman. Reinbek 1989 (Rowohlt-TB). Zur Einführung empfohlen: Bernhard Siegert/Markus Krajewski (Hg.): Thomas Pynchon. Archiv, Verschwörung, Geschichte. Weimar: VDG 2003.

Ein Leistungsnachweis kann durch ein Referat und eine schriftliche Hausarbeit erworben werden.

Seminarplan

21.10.03: Vorbesprechung. “Biographie” Pynchons
28.10.03: “Unter dem Siegel”.
04.11.03: (fällt aus)
11.11.03: “Prüfstand 7“. Buch & Regie: Robert Bramkamp. D 2001. Anschließend Diskussion mit dem Regisseur (
18.11.03: “Mortality and Mercy in Vienna´”
25.11.03: V.
02.12.03: V.
09.12.03: No 49.
16.12.03: Die Enden der Parabel.
06.01.04: DieEnden der Parabel.
13.01.04: DieEnden der Parabel.
20.01.04: Vineland
27.01.04: Mason & Dixon
03.02.04: Mason & Dixon

Literaturhinweise

Informationen, Links und Texte unter :

http://www.pynchon.pomona.edu
(San Narciso Community College, Thomas Pynchon Home Page)

“Mortality and Mercy in Vienna” ist verfügbar unter folgenden Adressen:
http://www.themodernword.com/pynchon/pynchon_mortality.html
http://www.pynchon.pomona.edu/uncollected/vienna.html

Medien der Ökonomie (M. Krajewski)

Hauptseminar, 2 SWS, 3 Credits Dienstags, 15.00-17.00 c.t. Bauhausstraße 11, Raum 014 Erster Termin: 21.10.2003

 

“Die Macht unserer Zeit ist die Zahl.” (Walther Rathenau)

Ausgehend von den Realien der Ökonomie, also den Instrumenten der Kaufleute und Werkzeugen der Haushaltsführung, wird das Seminar eine Mediengeschichte der Wirtschaft entwerfen, die von antiken Verfahren über die Techniken des Handels in der Frühen Neuzeit und Moderne schließlich zu den Strategien von Konzernen und Effizienzdiskursen bis zum Zweiten Weltkrieg reicht.

Im Mittelpunkt des ersten Seminarteils stehen dabei sowohl Geräte wie etwa der Abakus oder Telegraph in ihrer jeweiligen Wirkungsmacht als auch die Innovationskraft neuer Techniken wie beispielsweise des Tabellierens oder der (doppelten) Buchführung. Anhand von historischen Fallgeschichten wie z.B. John Laws Idee des Papiergelds und ihrem unvermeidlichen Börsencrash oder aber dem telegraphischen Technologie- und Informationstransfer eines Baron de Rothschild oder Werner von Siemens, soll der Zusammenhang von Medien und den Effekten ihrer Wirkungsweise aufscheinen.

Im zweiten Teil hingegen widmet sich das Seminar einer einzigen Figur, einem Mann mit oder ohne Eigenschaften, der sich im Kreuzungspunkt unterschiedlichster Diskurse befindet und damit selbst zum Medienphänomen gerät. Dieses “Medium Walther Rathenau” gilt es dabei in seiner Disparatheit als AEG-Präsident und Außenminister, als Ingenieur und Homme de Lettres, als Prototyp des repräsentativen Topmanagers und als Diskursvervielfacher zu begreifen, um die entscheidende Weichenstellung einer Neuen Ökonomie zwischen konzertierter Kartellierung und Welt(kriegs-)wirtschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts nachzuvollziehen.

Das Seminar ist Bestandteil des Forschungsprojekts “Lesen, Schreiben, Rechnen”. Voraussetzung zur Teilnahme bildet die Bereitschaft zu selbständiger historischer Forschungstätigkeit.
Leistungsnachweis: Referat in Kombination mit Hausarbeit.

Seminarplan

21.10.’03: Einführung und Problemstellung

28.10.’03: Ökonomie und Mediengeschichte; Film Wer war Walther Rathenau?
Lektüre zur Vorbereitung:
Rathenau (1898/1929) und Siegert (1993/2002)

04.11.’03: Instrumente des Handels in der Antike und im Mittelalter
Referate: Abakus (Claire Studemund) / Kerbholz (Inka Schrader)
Lektüre zur Vorbereitung (Kopien im Ordner):
Manfred Weidenauer und Hardy Eidam (Hg.), Summa Summarum…das macht nach Adam Riese, Erfurt, 2002
Brian Rotman, Die Null und das Nichts, Berlin, 2000, S. 23–40.

11.11.’03: Speichern: (Doppelte) Buchführung
Referat von Elise Weber und Ingo Landwehr

18.11.’03: Berechnen: Tabellen, Listen, Register, Karteien, Additionsmaschinen
Referat von Caspar Clemens Mierau
Lektüre zur Vorbereitung:
Cornelia Vismann, Tabellen, in: dies., Akten. Medientechnik und Recht, Frankfurt/Main, 2000, S. 204–217 (im Semesterapparat).
Norm Brodsky, Forget spreadsheets, Inc, Nov. 1997, Jg. 19, Nr. 16, S. 27 (Kopien im Ordner).

Lektüre zur Nachbereitung: Das Referatsskript

25.11.’03: Übertragen: Telegraphie, Telephonie und ihr Einfluß auf die Wirtschaft
Referat von Jana Mangold
Lektüre zur Nachbereitung: Vortragsskript (pdf-Datei, ca. 130kB)

Im Anschluß an das Seminar, ebenfalls in Raum 014:
Projektplenum des Forschungsprojekts Lesen, Schreiben, Rechnen

02.12.’03: Papiergeld
Referat von Sandra Naumann
Lektüre zur Vorbereitung (Bücher im Semesterapparat bzw. Kopien im Ordner):
Brian Rotman, Die Null und das Nichts, Berlin, 2000, S. 51–55 und 83–93 (im Apparat)
Jochen Hörisch, Kopf oder Zahl, (als Kopie im Ordner).
Adam Müller, Vom Papiergelde, in: W. Pircher, Sozialmaschine.Geld, Wien, 2000, (im Apparat)

09.12.’03: Medienwechsel und -Expansion: Herausbildung der Weltwirtschaft
Referat von Janne Wissmann
Lektüre zur Vorbereitung (Kopien im Ordner):
Stefan Zweig, Das erste Wort über den Ozean, in: ders. Sternstunden der Menschheit, S. 153–176
Daniel Litvin, Die Entmachtung der Moguln, in: ders. Weltreiche des Profits. Die Geschichte von Kommerz, Eroberung und Globalisierung, Gerling Akademie Verlag, München, 2003, S. 30–69

Lektüre zur Nachbereitung: Vortragsskript (PowerPoint-Datei, ca. 2,3MB)

16.12.’03: (muß wegen Streik der Studierenden ausfallen)

06.01.’04: (muß wegen Streik der Studierenden ausfallen)

13.01.’04: Das Zeitalter der Konzerne: AEG und Siemens
Referat von Caroline Melerski und Gertrud Czinki
Lektüre zur Vorbereitung:
Kocka, Jürgen, 1972, Siemens und der aufhaltsame Aufstieg der AEG, Tradition. Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie, Bd. 17, Nr. 3/4, S. 125–142 (pdf-Datei zum Download).

20.01.’04: Ein Mann mit Eigenschaften. Der moderne Manager
Referate: Manager (Benjamin Fouquet) / Dr. Paul Arnheim (Kendra Reinhardt)
Lektüre zur Vorbereitung:
Musil, Robert, 1932/1987, Der Mann ohne Eigenschaften. Roman. Erstes Buch. Herausgegeben von Adolf Frisé, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, Kapitel 86, 95 und 96 (Kopien im Ordner)

27.01.’04: Konzentration der Mächte: Internationale Kartellierung
Referat von Matthias Tetzel
Lektüre zur Vorbereitung:
William Meinhardt, 1932, Das internationale Glühlampenkartell, in: ders., Entwicklung und Aufbau der Glühlampenindustrie, Carl Heymanns Verlag, Berlin, S. 96–115, 117–188, 120. (Kopien im Ordner)

03.02.’04: Wirtschaftswechsel: Rathenau in der Kriegsrohstoffabteilung (KRA)
Referat von Alexandra Ruhland
Lektüre zur Vorbereitung:
Walther Rathenau, 1915, Deutschlands Rohstoffversorgung, in: ders., Wirtschaft, Staat und Gesellschaft (= Gesammelte Schriften, Bd. 5), S. Fischer, Berlin, S. 23–59 (pdf-Datei zum Download)

Im Anschluß an das Seminar, ebenfalls in Raum 014:
Projektplenum des Forschungsprojekts Lesen, Schreiben, Rechnen

05.02.’04: Medium Walther Rathenau: Unternehmensberatung aus dem Jenseits
(9.15–10.45Uhr, Raum 13)

Abschlußdiskussion
Lektüre zur Vorbereitung:
Präparieren Sie einen Medienbegriff Ihrer Wahl, der für das Tagesthema geeignet erscheint Thomas Pynchon (1973/1981), S. 263–270.

Literaturliste (Auswahl)

Diese Liste stellt lediglich eine Auswahl aus der für die Referate notwendigen Literatur dar. Sie enthebt Sie nicht von der Aufgabe, intensive eigene Recherchen vorzunehmen.

Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft, (Hg.) 1956, 50 Jahre AEG, AEG, Abt. Presse, Lehrmittel und Vortragsdienst, Berlin-Grunewald, als Manuskript von 1933 gedruckt.

Anonym, 1720, Gegenwärtiger Zustand derer Finantzen von Franckreich, worinnen die bißherigen Unternehmungen des Herrn Law, [...] angeführt und erläutert werden, bey Joh. Friedrich Gleditschens seel. Sohn, Leipzig.

—, 1905, The Better Way to Conduct an Office, The World’s Work, Bd. 11, Nr. 10, S. 6677–6679.

—, 1929, Zur Anwendbarkeit der Lochungskarten in der Buchführung, Büro-Organisation, Bd. 3, Nr. 4, S. 31.

Arlinghaus, Franz-Josef, 2000, Zwischen Notiz und Bilanz. Zur Eigendynamik des Schriftgebrauchs in der kaufmännischen Buchführung am Beispiel der Datini di Berto-Handelsgesellschaft in Avignon (1367 – 1373), Bd. 8 von Gesellschaft, Kultur und Schrift, Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main u.a.

Arntzen, Helmut, 1982, Musil-Kommentar zu dem Roman “Der Mann ohne Eigenschaften”, Winkler Verlag, München.

Aschoff, Volker, 1984, Geschichte der Nachrichtentechnik. Band 1. Beiträge zur Geschichte der Nachrichtentechnik von ihren Anfängen bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, Springer-Verlag, Berlin Heidelberg New York Tokyo.

Baxter, W. T., 1989/2000, Early accounting: the tally and checkerboard, in: John Richard Edwards (Hg.) The History of Accounting. Critical Perspectives on Business and Management, Routledge, London, New York, Bd. II. Recording and Reporting, S. 28–65.

Beck, Carl, 1926, Einfache und doppelte Buchführung. Lehrbuch zum Selbststudium und Führer durch die Praxis des kaufmännischen Rechnungswesens im Zusammenhang mit der neuzeitlichen Büroorganisation, Verlag von Wilhelm Köhler, Minden in Westfalen.

Beer, Wilhelm, 1845, Bemerkungen über Zettel-Banken und Papiergeld, Gebrüder Unger, Berlin.

Berghoff, Hartmut, 2001, Harmonicas for the World. The Creation and Marketing of a Global Product, in: Martin H. Geyer und Johannes Paulmann (Hg.) The Mechanics of Internationalism. Culture, Society, and Politics from the 1840s to the First World War, Studies of the German Historical Institute London, Oxford University Press, Oxford, S. 321–355.

Bergmann, Werner, 1985, Innovationen im Quadrivium des 10. und 11. Jahrhunderts. Studien zur Einführung von Astrolab und Abakus im lateinischen Mittelalter, Bd. 26 von Sudhoffs Archiv. Zeitschrift für Wissenschaftsgeschichte, Franz Steiner Verlag, Wiesbaden, Stuttgart.

Bernhard, Georg, 1906, Die Börse. Ihre Geschichte, ihr Wesen und ihre Bedeutung, Bd. VII von Handel, Industrie und Verkehr in Einzeldarstellungen, Verlag für Sprach- und Handelswissenschaft, Berlin.

Born, Karl Erich, 1972, Die Entwicklung der Banknote vom Zettel zum gesetzlichen Zahlungsmittel, Bd. 1, 1972, Steiner Verlag, Wiesbaden.

Braun, K., 1978, Konservatismus und Gemeinwirtschaft. Eine Studie über Wichard von Moellendorff, Duisburg.

Bryer, R. A., 1993/2000, Double-Entry bookkeeping and the birth of capitalism: accounting for the commercial revolution in medieval northern Italy, in: John Richard Edwards (Hg.) The History of Accounting. Critical Perspectives on Business and Management, Routledge, London, New York, Bd. II. Recording and Reporting, S. 145–177.

Buddensieg, Tilmann, Thomas P. Hughes Hans-Dieter Hellige, Ernst Schulin, Jürgen Kuczynski, Jürgen Kocka, Gerald D. Feldman Shulamit Volkov Stanisl, 1990, Ein Mann vieler Eigenschaften. Walther Rathenau und die Kultur der Moderne, Bd. 21 von Kleine Kulturwissenschaftliche Bibliothek, Klaus Wagenbach Verlag, Berlin.

Buddensieg, Tilmann und Henning Rogge, 1979, Industriekultur. Peter Behrens und die AEG 1907–1914, Gebr. Mann Verlag, Berlin.

Burchardt, Lothar, 1970, Walther Rathenau und die Anfänge der deutschen Rohstoffbewirtschaftung im ersten Weltkrieg, Tradition. Zeitschrift für Firmengeschichte und Unternehmerbiographie, Bd. 15, S. 169–196.

Delbrück, Clemens von, 1924, Die wirtschaftliche Mobilmachung in Deutschland 1914, München.

Denzel, Markus A., Jean-Claude Hocquet und Harald Witthöft, (Hg.) 2002, Kaufmannsbücher und Handelspraktiken vom Spätmittelalter bis zum beginnenden 20. Jahrhundert. Merchant’s Books and Mercantile Pratiche from the Late Middle Ages to the 20th Century, Bd. 163 von VSWG Beiheft, Franz Steiner Verlag, Stuttgart.

Edelmayer, Friedrich et al. (Hg.) 2001, Geschichte des europäischen Welthandels, Bd. 5 von Querschnitte, Verlag für Geschichte und Politik, R. Oldenbourg Verlag, Wien, München.

Foucault, Michel, 1966/1974, Die Ordnung der Dinge, Bd. 96 von stw, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.

Fürst, Artur, 1923/1985, Telegraphie und Telephonie. Der Verkehr im Draht und ¨ Ather, Bd. 1 von Das Weltreich der Technik. Entwicklung und Gegenwart, Ullstein Verlag, Berlin, Reprint Klassiker der Technik, VDI-Verlag, neu hg. und eingeleitet von Kurt Mauel.

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Siegert, Bernhard, 1993/2002, Gehörgänge ins Jenseits — Der telephonische Entzug des Ohres, in: Torsten Hahn, Jutta Person, Nicolas Pethes (Hg.), Grenzgänge zwischen Wahn und Wissen. Zur Koevolution von Experiment und Paranoia 1850–1910, Campus Verlag, Frankfurt, S. 173–192.

—, 2003, Passage des Digitalen. Zeichenpraktiken der neuzeitlichen Wissenschaften 1500–1900, Brinkmann & Bose, Berlin.

Siemens, Georg, 1961, Der Weg der Elektrotechnik – Geschichte des Hauses Siemens, Freiburg.

Stadermann, Hans-Joachim, 1994, Die Fesselung des Midas. Eine Untersuchung über den Aufstieg und Verfall der Zentralbankkunst, J.C.B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen.

Pogge von Strandmann, Hartmut, 1988, Walther Rathenau. Industrialist, Banker, Intellectual and Politician. Notes and Diaries 1907–1922, Oxford.

—, 1992, Hochmeister des Kapitalismus. Walther Rathenau als Industrieorganisator, Politiker und Schriftsteller, in: Hans Wilderotter (Hg.) Die Extreme berühren sich. Walther Rathenau (1867–1922). Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums in Zusammenarbeit mit dem Leo Baeck Institute, New York, Argon Verlag, Berlin, S. 33–44.

Strunk, Peter, 1992, Die Karriere Walther Rathenaus in der AEG, in: Hans Wilderotter (Hg.) Die Extreme berühren sich. Walther Rathenau (1867–1922). Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums in Zusammenarbeit mit dem Leo Baeck Institute, New York, Argon Verlag, Berlin, S. 45–54.

—, 1999, Die AEG. Aufstieg und Niedergang einer Industrielegende, Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin.

Toeplitz, Jakob, 1845, Die doppelte und einfache Buchführung in ihrer Anwendung auf alle Geschäfts-Vorfälle. Eine Anleitung zur leichten und gründlichen Erlernung derselben. Zunächst für Handelslehranstalten; ferner zum Gebrauch für angehende Kaufleute, für Handlungsdiener, Verlag von Gebrüder Scherk, Posen, null.

Tyson, Thomas, 1993/2000, Keeping the record straight: Foucauldian revisionism and nineteenth century US cost accounting history, in: John Richard Edwards (Hg.) The History of Accounting. Critical Perspectives on Business and Management, Routledge, London, New York, Bd. III. Cost and Management Accou, S. 402–418.

Verne, Jules, 1863/1998, Paris im 20. Jahrhundert. Roman, Bd. 13953 von Fischer Taschenbuch, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main.

Vismann, Cornelia, 2000, Akten. Medientechnik und Recht, Bd. 14927 von Forum Wissenschaft Kultur Medien, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main.

Vogl, Joseph, 2002, Kalkül und Leidenschaft. Poetik des ökonomischen Menschen, Sequenzia Verlag, München.

Wallerstein, Immanuel, 1974/1986, Das moderne Weltsystem: Kapitalistische Landwirtschaft und die Entstehung der europäischen Weltwirtschaft im 16. Jahrhundert, Syndikat, Frankfurt am Main.

Sartorius von Waltershausen, August, 1929, Weltwirtschaft, in: Ludwig Elster (Hg.) Handwörterbuch der Staatswissenschaften. Ergänzungsband, Jena, S. 892–934.

—, 1931, Die Entstehung der Weltwirtschaft. Geschichte des zwischenstaatlichen Wirtschaftslebens vom letzten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts bis 1914, Verlag von Gustav Fischer, Jena.

Weissenfeld, Horst und Stefan, 1999, Im Rausch der Spekulation : die Geschichte von Spiel und Spekulation aus vier Jahrhunderten, Thomas Müller Börsenverlag, Rosenheim.

Weiss, Robert, 1928, Bürotechnische und organisatorische Neuheiten, Das System, Bd. 1, Nr. 6, S. 154–156.

Wiedenfeld, Kurt, 1936, Die Organisation der Kriegsrohstoff-Bewirtschaftung im Weltkriege, Schriften zur kriegswirtschaftlichen Forschung und Schulung, Hanseatische Verlags-Anstalt, Hamburg.

Wilderotter, Hans, 1992a, ”Das Geheimnis des Ganzen”. Mythos, Geschichte und Politik, in: ders. (Hg.) Die Extreme berühren sich. Walther Rathenau (1867–1922). Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums in Zusammenarbeit mit dem Leo Baeck Institute, New York, Argon Verlag, Berlin, S. 17–32.

—, 1992b, ”Das Weltgericht tagt”. Rohstoffversorgung und Kriegszieldiskussion, in: ders. (Hg.) Die Extreme berühren sich. Walther Rathenau (1867–1922). Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums in Zusammenarbeit mit dem Leo Baeck Institute, New York, Argon Verlag, Berlin, S. 362–389.

—, 1992c, ”Die Mechanisierung der Welt”. Emil Rathenau, Walther Rathenau und die AEG, in: ders. (Hg.) Die Extreme berühren sich. Walther Rathenau (1867–1922). Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums in Zusammenarbeit mit dem Leo Baeck Institute, New York, Argon Verlag, Berlin, S. 256–289.

Wilke, Jürgen, 1998, Deutsche Telegraphenbureaus und Nachrichtenagenturen, in: Hans-Jürgen Teuteberg und Cornelius Neutsch (Hg.) Vom Flügeltelegraphen zum Internet. Geschichte der modernen Telekommunikation, Franz Steiner Verlag, Stuttgart, Bd. 147 von Vierteljahreschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Beihefte, S. 163–178.

Wootton, Charles W. und Carel M. Wolk, 2000, The Evolution and Acceptance of the Loose-Leaf-Accounting System, 1885–1935, Technology and Culture, Bd. 41, Nr. 1, S. 80–98.

Sichtbar machen (T. Nanz)

Seminar, 2 SWS Dienstags, wöchentlich, 11.00–13.00 Bauhausstraße 11, Raum 014

 

Das Unsichtbare sichtbar machen – eine klassische Aufgabe der Medien. Die Visualisierungvon Daten – seien es Darstellungen von (neu entdeckten) Phänomenen, seien es empirisch erhobene Daten, seien es graphische Übersichten, die Zusammenhänge auf einem Tableau vereinen – avancierte zu einem zentralen Element in den Wissenschaften und anderen Bereichen.

In diesem Seminar werden unterschiedliche Repräsentationsweisen wie etwa Diagramme, Karten, zentralperspektivische Bilder, Stammbäume, Chladnische Klangfiguren, Fahrpläne, Röntgenbilder, Isotype, DNS-Modelle, etc. beleuchtet und anhand dieser Beispiele aus der Medien- und Wissenschaftsgeschichte die Instrumente und Methoden verschiedener Visualisierungstechniken kritisch thematisiert – inklusive der Überlegung, inwieweit sich diese Techniken selbst in den Datenumformungsprozess mit einschreiben und dabei Störungen produzieren.

Seminarplan

21.10.03: Themenvorstellung

28.10.03: Einführung

04.11.03: Diskussion von Bruno Latour, Der “Pedologen-Faden” von Boa Vista, in: Ders. (Hg.), Der Berliner Schlüssel, Berlin 1996

11.11.03: Sinn: Das Auge

18.11.03: Zentralperspektive
Referat: Katharina Simmet

25.11.03: Teleskop
Referat: Max Baberg und Winfried Bellmann
Zur Vorbereitung: Vogl 2001

02.12.03: Kartographie
Referat: Janet Freysoldt

09.12.03: Statistik
Referat: Benjamin Franken und Beate Krüger

16.12.03: Streik

06.01.04: Streik

13.01.04: Geisterphotographie
Referat: Sabine Bergmann

20.01.04: Körperfunktionen
Referat: Stephan Beck, Constanze Letsch und Severine Müller

27.01.04: Strahlen und Wellen
Referat: Sebastian Grevsmühl, Mike Schumacher und Matthias Verroen

03.02.04: Freie Themen
Referat: Christoph Iwanow und Diana Voigtländer

10.02.04: Nachholsitzung
Referat: Nicolas Dominik, Frank Matuse, Martin Lihs und Kathrin Mantik

Literaturliste (Auswahl)

Leon Battista Alberti, De Statua [...] de Pictura, übers. v. Oskar Bätschmann, Darmstadt 2000
Leon Battista Alberti, Della Pittura. Über die Malkunst, hg. v. Oskar Bätschmann u. Sandra Gianfreda, Darmstadt 2002
Albrecht Fölsing, Wilhelm Conrad Röntgen. Aufbruch ins Innere der Materie, München 2002
Albrecht Dürer, Unterweisung der Messung, Nördlingen 1983
Galileo Galilei, Sidereus Nuncius, mit einem Vorw. v. H. Blumenberg, Frankfurt a. M. 2002
Peter Galison, Image & Logic, Chicago u. London 1997
Peter Geimer (Hg.), Ordnungen der Sichtbarkeit, Frankfurt a. M. 2002
Siegfried Giedion, Die Herrschaft der Mechanisierung, Hamburg 1994
Carlo Ginzburg, Spurensicherung. Die Wissenschaft auf der Suche nach sich selbst, Berlin 1995
Stephen Jay Gould, Der fasch vermessene Mensch, Frankfurt a. M. 1988
Anthony Grafton, Leon Battista Alberti. Baumeister der Renaissance, Berlin 2002
Valentin Groebner, Der Schein der Person, in: Hans Belting (Hg.), Quel Corps?, München 2002
David Gugerli u. Barbara Orland (Hg.), Ganz normale Bilder. Historische Beiträge zur visuellen Herstellung von Selbstverständlichkeit, Zürich 2002
David Gugerli u. Daniel Speich, Topografien der Nation, Zürich 2002
Ian Hacking, The Taming of Chance, Cambridge 2001
Frank Hartmann, Medienphilosophie, Wien 2000
Martin Kemp, Bilderwissen, Köln 2000
Johannes Kepler, Dioptrik, hg. v. F. Plehn, Frankfurt a. M. 1997
Thomas Kleinspehn, Der flüchtige Blick. Sehen und Identität in der Kultur der Neuzeit, Reinbek b. Hamburg 1989
Walter Krämer, So lügt man mit Statistik, München 2000
Bruno Latour, Der Berliner Schlüssel, Berlin 1996
Bruno Latour, Science in Action, Cambridge/Mass. 1987
Johann Kaspar Lavater, Physiognomische Fragmente (Auszüge), Ingelheim/Rh. 1970
Gertrud Leisegang, Descartes Dioptrik, Meisenheim am Glan 1954
David C. Lindberg, Auge und Licht im Mittelalter, Frankfurt a. M. 1987
Jürgen Link, Versuch über den Normalismus: Wie Normalität produziert wird, Opladen u.a. 1999
Michael Lynch u. Steve Woolgar (Hg.), Representation in Scientific Practice, Cambridge/Mass. 1990
Stephan Meier-Oeser, Descartes (ausgewählte Schriften), München 1997
Christoph Meinel (Hg.), Instrument – Experiment, Berlin u. Diepholz 2000
Otto Neurath, Gesammelte bildpädagogische Schriften, hg. v. Rudolf Haller u. Robin Kinross, Wien 1991
H. Oberer u. E. Verheyen (Hg.), Aufsätze zu Grundfragen der Kunstwissenschaft, Berlin 1992
Claus Pias, Computer, Spiel, Welten, München 2002
Hans-Jörg Rheinberger, Experiment, Differenz, Schrift, Marburg an der Lahn 1992
Hans-Jörg Rheinberger u.a. (Hg.), Räume des Wissens, Berlin 1997
Harry Robin, Die wissenschaftliche Illustration, Basel 1992
Brian Rotman, Die Null und das Nichts, Berlin 2000
Bernhard Siegert, Passage des Digitalen. Zeichenpraktiken der neuzeitlichen Wissenschaften 1500-1900, Berlin 2003
Martin Stingelin, Der Verbrecher ohnegleichen, in: Wolfram Goddeck u. Ulrich Stadler (Hg.), Physiognomie und Pathognomie. Zur literarischen Darstellung von Individualität, Berlin u. New York 199
Joseph Vogl (Hg.), Poetologien des Wissens um 1800, München 1999
Joseph Vogl, Medien-Werden: Galileis Fernrohr, in: Archiv für Mediengeschichte 1 (=Mediale Historiographien), 2001

Unsichtbar machen (T. Nanz)

Seminar, 2 SWS Donnerstags, wöchentlich, 13.30–15.00 Bauhausstraße 11, Raum 015

 

Das Sichtbare unsichtbar machen – eine klassische Aufgabe der Medien. Das Verbergen von Daten, Subjekten oder Objekten – seien es Täuschungsmanöver der Menschen oder Insekten, seien es die Grenzen zur Virtuellen Realität oder unpassende wissenschaftliche Ergebnisse, die ein Theoriegebäude zum Einsturz bringen könnten – sind seit eh und je zentral in unserer Natur und Kultur.

In diesem Seminar werden unterschiedliche Verfahren des Verbergens wie etwa Camouflage, Mimikry, Schleier, Vorhänge, Karten, Interfaces, etc. unter die Lupe genommen und die dahinter stehenden Techniken und Prozesse analysiert. Es ist schließlich ein Charakteristikum der Medien, dass sie sicht- und wahrnehmbar machen und dabei selbst gleichzeitig unwahrnehmbar und unsichtbar werden. Anhand verschiedener Beispiele soll diesem Umstand nachgegangen und jeweils nach der Störung gefragt werden, die die Beteiligung der Medien wieder in der Sichtbarkeit aufblitzen lässt.

Seminarplan

23.10.03: Themenvorstellung

30.10.03: Einführung

06.11..03: Diskussion

13.11.03: Verunsicherung des Augensinns
Referat: Rebekka Mönch

20.11.03: Wahrnehmungsraum Schlachtfeld
Referat: Sandy Geßner und Claudia Roeseler
Zur Vorbereitung: Lewin 1917 (Kopie im Semesterapparat)

27.11.03: Tarnen und Täuschen I
Referat: Martin Tuch
Zur Vorbereitung: Virilio 1979 (Kopie im Semesterapparat)

04.12.03: Tarnen und Täuschen II
Referat: Sebastian Grevsmühl und Christoph Iwanow

11.12.03: Streik

18.12.03: Streik

08.01.04: Markierung der Grenze
Referat: Nancy Richter und Tina Schenk

15.01.04: Eintritt in die Virtuelle Realität
Referat: Tino Böttcher, Amelie Berthaud und Nadine Gruner

22.01.04: Virtuelle Realität, Interfaces und Psychatrie
Referat: Matthias Schnell

29.01.04: Computer-Interfaces
Referat: Martin Kleppe und Markus Knauer

05.02.04: Freie Themen
Referat: Mirko Kubein, Vaclav Harsa, Stephan Witthöft und Jonathan Ullrich

Literaturliste (Auswahl)

Christoph Asendorf, Super Constellation. Flugzeug und Raumrevolution, Wien u. New York 1997

Mitchell G. Ash, Gestalt Psychology in German Culture 1890-1967, Cambridge 1998

Ulrich Bröckling, Disziplin. Soziologie und Geschichte militärischer Gehorsamkeitsproduktion, München 1997

Lewis Carroll, Alice’s Adventures in Wonderland and Through the Looking-Glass, Oxford and New York 1982

K. Eckstein, Die Schmetterlinge, Wiesbaden 1922

Michel Foucault, Die Ordnung der Ding e, Frankfurt a. M. 1997

Joachim Gessinger, Auge & Ohr. Studien zur Erforschung der Sprache am Menschen 1700-1850, Berlin u. New York 1994

William Gibson, Neuromancer, München 1987

Nelson Goodman, Weisen der Welterzeugung , Frankfurt a.M. (Suhrkamp)

Vitus Graber, Die Insekten (2 Bde.), München 1877

Andrew Hodges, Alan Turing, Enigma, Wien u.a. 1994

Dietmar Kamper u. Christoph Wulf (Hg.), Der Schein des Schönen, Göttingen 1989

Friedrich Kittler, Draculas Vermächtnis. Technische Schriften, Leipzig 1993

Sybille Krämer, Medien, Computer, Realität, Frankfurt a. M. 1998

Kurt Lewin, Kriegslandschaft, in: Zeitschrift für angewandte Psychologie 12, 1917

Rudolf Maresch u. Niels Werber (Hg.), Raum, Wissen, Macht, Frankfurt a. M. 2002

Eckhard Pabst (Hg.), “A strange World”: Das Universum des David Lynch, Kiel 1998

Howard Rheingold, Virtuelle Welten. Reisen im Cyberspace, Reinbek b. Hamburg 1992

Carl Schmitt, Theorie des Partisanen , Berlin 1963

Peter Sloterdijk, Sphären I: Blasen , Frankfurt a. M. 1998

Peter Sloterdijk, Luftbeben. An den Quellen des Terrors, Frankfurt a. M. 2002

Martin Stingelin u. Wolfgang Scherer, HardWar / SoftWar, München 1991

Gianni Vattimo u. Wolfgang Welsch, Medien – Welten, Wirklichkeiten, München 1997

Paul Virilio, Ästhetik des Verschwindens, in: Tumult 2, 1979

Paul Virilio, Ästhetik des Verschwindens , Berlin 1986

Paul Virilio, Krieg und Kino, Frankfurt a. M. 1989

Carl von Clausewitz, Vom Kriege, Berlin 1998

Manfred Waffender (Hg.), Cyberspace. Ausflüge in virtuelle Wirklichkeiten, Reinbek b. Hamburg 1991

Sommersemester 2003

Das Schiff. Bausteine einer Wissenschaft der Kulturtechnik (B. Siegert)

Vorlesung, 2 SWS Mittwochs, wöchentlich, 11.00-13.00 alle, MK, AKK Marienstraße 13, Hörsaal D

 

Die Dimension des Forschungsgegenstandes “Schiff” tritt erst deutlich hervor, wenn man das Schiff am Kreuzungspunkt von Realem, Symbolischem und Imaginärem verortet. Das Schiff funktioniert überhaupt nur aufgrund einer höchst problematischen Relation zwischen dem Imaginären der Instrumente und Medien, dem Symbolischen von Schrift und Zahl und dem Realen eines grundlosen und glatten Raumes. Das Schiff ist einerseits Technologie, Medium, Waffe, Machtinstrument und Subjekt bzw. Objekt spezieller Wissenschaften, andererseits aber auch: ein völkerrechtliches Problem, ein kulturgeschichtliches Paradox (ein Ort im Ortlosen), das Gegenteil der Polis (der Stadt), das daher immer wieder mit der Stadt verglichen worden ist, Topos einer vom Logos abgefallenen Schrift, der Unwahrheit, der Fiktion und der Phantome (siehe Fliegender Holländer). Die Vorlesung versucht, die technischen, kriegshistorischen, rechtlichen und kulturgeschichtlichen Aspekte aufeinander zu beziehen und ihre Interferenzen sichtbar zu machen. Einige der Themen, die die Vorlesung (stets an konkreten Beispielen) behandeln wird sind daher: Die Geschichte des Schiffs – Segelschiff, Ozeandampfer, Schlachtschiff, Patrouillenboot, Kanonenboot, Torpedoboot, U-Boot, Luftschiff, Raumschiff – in bezug auf das “Wesen” des Meeres; die Geschichte der Navigatons- und Ortungstechniken in bezug auf die Geschichte des Seekriegs, die Begriffe des mare clausum und der res nullius (bzw. communis), Piraten und Freibeuter, der Passagier, die Wissenschaften des “glatten Raumes”; das Staatsschiff, das Narrenschiff, der Schiffbruch.

Literaturliste (Auswahl)
Zur Vorbereitung empfohlen:

Herman Melville: Moby Dick oder Der Wal. Übers. v. Matthias Jendis, hg. v. Daniel Göske. München-Wien 2001 (oder andere Ausgaben).

Gemeinsames Doktorandenkolloquium (B. Siegert und J. Vogl)

Das Doktorandenkolloquium findet im Sommersemester nach Vereinbarung statt. Ort und Zeit werden den Teilnehmern rechtzeitig mitgeteilt.

Im Übrigen. Zur kulturellen Funktion von Rest und Abfall (M. Krajewski)

Seminar, 2 SWS, Dienstags, wöchentlich, 15.00-17.00. Bauhausstraße 11, Raum 013.

 

Seminarplan

08.04.03: Einführung und Problemstellung

15.04.03: Abfall, Fragment, Müll, Relikt, Residuum, Rest, Rückstand, Ruine, Zerfall –
Natürliche und kulturelle Ordnungen

22.04.03: Natur vs. Kultur, Dauer vs. Vergänglichkeit. Verfallsmodelle und Abfall
Außerdem: Grenzgänger. Die Geschichte der Müllabfuhr
Lektüre zur Vorbereitung (beide Bücher im Semesterapparat
Flusser, Vilém, 1993, Flaschen, in: ders., Dinge und Undinge. Phänomenologische Skizzen, Edition Akzente, Carl Hanser Verlag, München, S. 11–26.

Thompson, Michael, 2002, Benji the Binman and his Anti-Archive, in: Hedwig Pompe und Leander Scholz (Hg.), Archivprozesse. Die Kommunikation der Aufbewahrung, Bd. 5 von Mediologie, DuMont, Köln, S. 100–110.

29.04.03: Stoffwechsel: Städtereinigung, Kanalisation, Hygiene
Referat: Thomas Heilmann
Lektüre zur Vorbereitung (Texte im Ordner des Semesterapparats):

De Lillo, Don, Unterwelt, Kiepenheuer & Witsch, Köln, 1998, S. 331–340.
Illich, Ivan, 1985, H2O und die Wasser des Vergessens, Bd. 12131 von rororo, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, S. 83–125.
(Ergänzend:)
Payer, Peter, 1997, Der Gestank von Wien. Über Kanalgase, Totendünste und andere üble Geruchskulissen, Döcker Verlag, Wien, S. 61–77.

06.05.03: Ordnungstheorie: Enzyklopädien und was sie nicht auflisten. Wissenssystematik, Bücherordnungen, Selektionen zwischen Wert und Abfall
Referat: André Wendler
Lektüre zur Vorbereitung:
d’Alembert, Jean LeRond, Einleitung zur Encyclopédie, (1751), in: Mensching, Günther (Hrsg.), Meiner, 1997 (Text im Ordner)
Michel, Paul, Ordnungen des Wissens. Darbietungsweisen des Materials in Enzyklopädien, in: Ingrid Tomkowiak, Populäre Enzyklopädien. Von der Auswahl, Ordnung und Vermittlung des Wissens, Chronos, Zürich, 2002, S. 35–85 (Buch im Semesterapparat)

13.05.03: Zufällig Zerfallen? Ästhetik der Ruine, des Fragments (in der Literatur)
Referat: Aneta Bludau
Lektüre zur Vorbereitung:
Böhme, Hartmut, 1989, Die Ästhetik der Ruinen, in: Dietmar Kamper und Christoph Wulf (Hg.), Der Schein des Schönen (im Semesterapparat)
Fetscher, Justus, 2001, Fragment, in: Dieter Schlenstedt Burkhart Steinwachs Friedrich Wolfzettel Karlheinz Barck, Martin Fontius (Hg.), Ästhetische Grundbegriffe. Historisches Wörterbuch in sieben Bänden, Bd. Band 2. Dekadent — Grotesk, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart, Weimar, S. 551–588 (in der Limona).

Wählen Sie aus der literarischen Abteilung Ihrer Bibliothek Ihr “Lieblingsbuch”, das den Kriterien von Fragment nach Fetscher (2001) am besten genügt, und bereiten Sie dazu ein dreiminütiges Kurzreferat vor.

20.05.03: Sammeln: Verwaltung zwischen Fülle und Wertlosigkeiten
Referat: Alexias Klingler
Lektüre zur Vorbereitung:
Cahn, Michael, 1991, Das Schwanken zwischen Abfall und Wert. Zur kulturellen Hermeneutik des Sammlers, Merkur, Bd. 45, Nr. 8, S. 674–690 (Text als pdf-Datei).
Sommer, Manfred, Sammeln. Ein philosophischer Versuch, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1999, S. 33–52 (Kopie im Ordner).
Nabokov, Vladimir, Meine Schmetterlinge, in ders., Sprich, Erinnerung, sprich, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1999 (Kopie im Ordner).

27.05.03: Reste aus historischer, chemischer, mathematischer und ökonomischer Perspektive
Referat: Caspar Clemens Mierau
Lektüre zur Vorbereitung:
Ostwald, Wilhelm, 1909, Die stöchiometrischen Grundgesetze und die Atomtheorie, in: ders., Die Forderung des Tages, Leipzig, 1911, S. 189–195 (Text als pdf-Datei).
Droysen, Johann Gustav, Überreste, in: ders., Historik. Vorlesungen über Enzyklopädie und Methodologie der Geschichte, Berlin, München, 1937

03.06.03: Verschwendung und Vermeidung: Energetische Bilanzen
Referat: Christoph Müller
Lektüre zur Vorbereitung:
Ostwald, Wilhelm, 1909, Der energetische Imperativ Leipzig, 1912, S. 1–24, S. 64–97 (Text als pdf-Datei).
Rabinbach, Anson, The Human Motor. Energy, Fatigue, and the Origins of Modernity, University of California Press, Berkely, 1992, S. 45–48, 52–56, 69–72 (Text als pdf-Datei).

10.06.03: Wertstoffverwertung zwischen roh und gekocht: Parasiten, Reste und Recycling
Referat: Ingo Landwehr
Lektüre zur Vorbereitung:
Serres, Michel, Der Parasit, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1980, S. 11–45, 268–278 (Buch im Semesterapparat).
Reith, Reinhold, 2001, Recycling — Stoffströme in der Geschichte, in: Sylvia Hahn und Reinhold Reith (Hg.), Querschnitte 8: Umweltgeschichte, Verlag für Geschichte und Politik; Oldenbourg, Wien, München (Text als HTML-Datei).

17.06.03: Wertstoffverwertung II, köchelnd: Der Parasit in voller Größe
Lektüre zur Vorbereitung, als close reading, d.h. sehr genaues Lesen ist erforderlich:
Jean de La Fontaine, Sämtliche Fabeln, dtv, München, 1995 (Text als pdf-Datei)
Serres, Michel, Der Parasit, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main, 1980, insb. S. 11–45, 268–278 (Buch im Semesterapparat); Beachten Sie bitte besonders die Frage nach der Funktionsweise von Systemen und die Rolle des Parasiten dabei.

24.06.03: Lesen lernen: Archäologie des Mülls und der Deponie
Referat: Juliane Lenz
Lektüre zur Vorbereitung:
Göttle, Gabriele, 1994, Abfall. Bericht von einer Müllkippe, in: dies., Deutsche Bräuche. Ermittlungen in Ost und West, Die Andere Bibliothek, Eichborn Verlag, Frankfurt am Main, S. 28–36 (Buch im Semesterapparat).
Wegmann, Nikolaus, 2000, “Die Bibliothek als Mülldeponie”, in: ders., Bücherlabyrinthe. Suchen und Finden im alexandrinischen Zeitalter, Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien, Kap. 3, S. 78–121 (Buch im Semesterapparat)

01.07.03: : Eine Theorie des Abfalls; Rückstände, Zerfall im Film, Kunst, Literatur
Referate: Kilian Görl, Kristoffer Kendel
Lektüre zur Vorbereitung:
Hausheer, Cecilia und Christoph Settele, Found Footage Film, Viper/Zyklop, Luzern 1992, S. 90–109 (Kopie im Ordner des Semesterapparats).

08.07.03: Die kulturelle Funktion von Rest und Abfall. Sterbliche Reste. Abfall und Übriges in Kunst, Literatur & Musik
Referat: Sarah Schreiner
Lektüre zur Vorbereitung:
Schwab, Werner, Der Dreck und das Gute. Das Gute und der Dreck, Literaturverlag Droschl, Essay 15, Graz 1992 (Kopie im Ordner des Semesterapparats).

Literaturliste (Auswahl)

Böhme, Hartmut, 1989, Die Ästhetik der Ruinen, in: Dietmar Kamper und Christoph Wulf (Hg.), Der Schein des Schönen

Cahn, Michael, 1991, Das Schwanken zwischen Abfall und Wert. Zur kulturellen Hermeneutik des Sammlers, Merkur, Bd. 45, Nr. 8, S. 674–690.

Culler, Jonathan, 1985, Junk and Rubbish, Diacritics, S. 2–12.

Dierse, Ulrich, 1977, Enzyklopädie. Zur Geschichte eines philosophischen und wissenschaftstheoretischen Begriffs, Archiv für Begriffsgeschichte. Supplementheft 2, S. 1–8.

Dirlmeier, Ulf, 1986, Zu den Lebensbedingungen in der mittelalterlichen Stadt: Trinkwasserversorgung und Abfallbeseitigung, in: Bernd Herrmann (Hg.), Mensch und Umwelt im Mittelalter, Stuttgart, S. 150–159.

Feldhaus, Franz Maria, 1921, Ka-Pi-Fu und andere verschämte Dinge. Ein fröhlich Buch für stille Orte. Mit Bildern, Quellenforschungen zur Geschichte der Technik und Industrie, Privatdruck, Berlin-Friedenau.

Fetscher, Justus, 2001, Fragment, in: Dieter Schlenstedt Burkhart Steinwachs Friedrich Wolfzettel Karlheinz Barck, Martin Fontius (Hg.), Ästhetische Grundbegriffe. Historisches Wörterbuch in sieben Bänden, Bd. Band 2. Dekadent — Grotesk, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart, Weimar, S. 551–588.

Flaubert, Gustave, 1880/1979, Bouvard und Pécuchet, Insel Verlag, Frankfurt am Main.

Flusser, Vilém, 1993, Dinge und Undinge. Phänomenologische Skizzen, Edition Akzente, Carl Hanser Verlag, München.

Foucault, Michel, 1966/1974, Die Ordnung der Dinge, Bd. 96 von stw, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.

Göttle, Gabriele, 1994, Abfall. Bericht von einer Müllkippe, in: dies., Deutsche Bräuche. Ermittlungen in Ost und West, Die Andere Bibliothek, Eichborn Verlag, Frankfurt am Main, S. 28–36.

Grassmuck, Volker und Christian Unverzagt, 1991, Das Müll-System. Eine metarealistische Bestandsaufnahme, Bd. 1652 von edition suhrkamp, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.

Greenaway, Peter, 1986, A Zed Two Noughts, Faber and Faber, London, Boston.

Grünbein, Durs, 1994, Etwas wird dem Strom der Dinge entrissen. Der Vesuv und der Müllberg von Dresden: Woraus Gedichte entstehen und warum sie dauern, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Bd. 27. Mai, Nr. 121, S. 33.

Halliday, Stephen, 1999, The Great Stink of London. Sir Joseph Bazalgette and the Cleansing of the Victorian Capital, Sutton Publishing, Phoenix Mill, Thrupp, Stroud.

Hellige, Hans Dieter, 2000, Weltbibliothek, Universalenzyklopädie, Worldbrain: Zur Säkulardebatte über die Organisation des Weltwissens, Technikgeschichte, Bd. 67, Nr. 4, S. 303–329.

Henningsen, Jürgen, 1966, Enzyklopädie. Zur Sprach- und Bedeutungsgeschichte eines pädagogischen Begriffs, Archiv für Begriffsgeschichte, Bd. 10, Nr. xx, S. 271-362.

Honsberger, Ross, 1984, Gitter, Reste, Würfel. 91 mathematische Probleme mit Lösungen, Vieweg Verlag, Braunschweig.

Hösel, Gottfried, 1987, Unser Abfall aller Zeiten. Eine Kulturgeschichte der Städtereinigung, Kommunalschriften-Verlag J. Jehle, München.

Illich, Ivan, 1985, H2O und die Wasser des Vergessens, Bd. 12131 von rororo, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg.

Lehmann, E.H., 1934, Geschichte der Konversationslexikons, Leipzig.

Lichtenstein, Claude und Thomas Schregenberger (Hg.), 2001, As Found. Die Entdeckung des Gewöhnlichen. Britische Architektur und Kunst der 50er Jahre, Museum für Gestaltung Zürich; Müller, Zürich, Baden/Schw.

Macho, Thomas, 2001, Zoologiken. Tierpark, Zirkus und Freakshow, in: Hartmut Fischer (Hg.), TheaterPeripherien, Bd. 35 von Konkursbuch, Konkursbuchverlag, Berlin, S. 13–33.

Müller-Wille, Staffan, 1999, Botanik und weltweiter Handel. Zur Begründung eines natürlichen Systems der Pflanzen durch Carl von Linné (1707–1778), Bd. 3 von Studien zur Theorie der Biologie, Verlag für Wissenschaft und Bildung VWB, Berlin.

Payer, Peter, 1997, Der Gestank von Wien. Über Kanalgase, Totendünste und andere üble Geruchskulissen, Döcker Verlag, Wien.

Petzholdt, Julius, 1860, Chronologische Übersicht von bibliographischen Systemen, G. Schönfeld’s Buchhandlung (C.A. Werner), Dresden. Separatdruck aus dem Neuen Anzeiger für Bibliographie und Bibliothekswissenschaft.

Rathje, William und Cullen Murphy, 1994, Müll. Eine archäologische Reise durch die Welt des Abfalls, Goldmann Verlag, München.

Reith, Reinhold, 2001, Recycling — Stoffströme in der Geschichte, in: Sylvia Hahn und Reinhold Reith (Hg.), Querschnitte 8: Umweltgeschichte, Verlag für Geschichte und Politik; Oldenbourg, Wien, München.

Schärer, Kurt und Erwin Sonderegger (Hg.), 2002, Brüche, Torsi, Unvollendetes. Über Unvollständiges in Kunst und Wissenschaft., Chronos Verlag, Zürich.

Schneider, Manfred, 1999, Auswählen. Probleme und Lösungen des Kanons, in: Heinrich Bosse und Ursula Renner (Hg.), Literaturwissenschaft. Einführung in ein Sprachspiel, Bd. 3 von Rombach Grundkurs, Rombach Verlag, Freiburg im Breisgau, S. 363–384.

Schunke, Ilse, 1927, Die systematischen Ordnungen und ihre Entwicklung. Versuch einer geschichtlichen Übersicht, Zentralblatt für Bibliothekswesen, Bd. 44, S. 377–400.

Schwab, Werner, Der Dreck und das Gute. Das Gute und der Dreck, Literaturverlag Droschl, Essay 15, Graz 1992

Seifert, Arno, 1983, Der enzyklopädische Gedanke von der Renaissance bis zu Leibniz, Leibniz et la Renaissance. Studia Leibnitiana Supplementa, Bd. 23, S. 113–124.

Selg, Anette und Rainer Wieland (Hg.), 2001, Die Welt der Encyclopédie, Die Andere Bibliothek. Hg. von H.M. Enzensberger, Eichborn Verlag, Frankfurt am Main.

Steierwald, Ulrike, 1995, Wissen und System. Zu Gottfried Wilhelm Leibniz’ Theorie einer Universalbibliothek, Bd. 22 von Kölner Arbeiten zum Bibliotheks- und Dokumentationswesen, Greven Verlag, Köln.

Strasser, Susan, 1999, Waste and Want. A Social History of Trash, Metropolitan Books, Henry Holt Company, New York.

Thompson, Michael, 1981, Die Theorie des Abfalls. Über die Schaffung und Vernichtung von Werten, Klett-Cotta, Stuttgart.

Thompson, Michael, 2002, Benji the Binman and his Anti-Archive, in: Hedwig Pompe und Leander Scholz (Hg.), Archivprozesse. Die Kommunikation der Aufbewahrung, Bd. 5 von Mediologie, DuMont, Köln, S. 100–110.

Tomkowiak, Ingrid (Hg.), 2002, Populäre Enzyklopädien. Von der Auswahl, Ordnung und Vermittlung des Wissens, Chronos Verlag, Zürich.

Vogl, Joseph, 2001, Luxus, in: Dieter Schlenstedt Burkhart Steinwachs Friedrich Wolfzettel Karlheinz Barck, Martin Fontius (Hg.), Ästhetische Grundbegriffe. Historisches Wörterbuch in sieben Bänden, Bd. Band 3. Harmonie — Material, Verlag J.B. Metzler, Stuttgart,Weimar, S. 694–716.

Wegmann, Nikolaus, 2000, Bücherlabyrinthe. Suchen und Finden im alexandrinischen Zeitalter, Böhlau Verlag, Köln, Weimar, Wien.

Winkler, Norbert, 1996, Von der Physiognomie des Weltlabyrinths oder: Das Projekt einer unendlichen Enzyklopädie. Reflexionen zur Signaturenlehre bei Paracelsus, Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Bd. 44, S. 57–74.

ZumHingst, Anja, 1995, Die Geschichte des Großen Brockhaus: vom Conversationslexikon zur Enzyklopädie, Bd. 53 von Buchwissenschaftliche Beiträge aus dem Deutschen Bucharchiv München, Wiesbaden.

Material (elektronische Texte)
(siehe bei den einzelnen Sitzungen)

Beschreibung

Jeder, der sich in letzter Zeit die Mühe gemacht hat, einer politischen Gesprächsrunde zuzuhören, kennt diese Phrase: spätestens im dritten Satz beginnt der Interviewte von der eigentlichen Frage abzulenken, wobei er diese rhetorische Fluchtbewegung zumeist mit den Worten “Im Übrigen…” einleitet. Ausgehend von dieser aktuellen Konjunktur soll aus kulturhistorischer Perspektive danach gefragt werden, was sich dort, im Übrigen, befindet. Und nach einer ersten Sondierung von A wie Abfall (in der Antike, z.B., Votivgaben, Opfer, etc.) über F wie Fragment (in der Literatur, z.B. der opulente Sprachmüll Werner Schwabs) bis hin zu Z wie Zerfallenes gilt es, nach den kulturellen Funktionen von Rest und Rückständen, von Unvollständigem und Übriggebliebenem zu fragen.

Gleichzeitig sei damit die These geprüft, daß in dem Maße wie Abfall oder Ausgeschlossenes zum kulturellen Problem gerät, sich Gegenbewegungen zu etablieren verstehen, die umfassendere Ordnungstheorien aufstellen, um so den Rest zu minimieren und mit einer angestrebten Vollständigkeit das Übrige für nichtig zu erklären. Dabei soll ein wissenschaftsgeschichtlicher Blick die Theorie stets mit historischen Fallgeschichten anreichern (etwa von manischen Sammlern oder Ordnungsfanatikern, aus der Thermodynamik oder der Royal Society), die zeigen, welche produktiven Momente dem vermeintlichen Abfall eignen. Denn selbst wenn die Forschungsresultate irgendwann auf den eigens dafür vorgesehenen Halden der Historie landen – im Archiv der Preußischen Akademie der Wissenschaften beispielsweise pflegt man von 1871 bis 1946 eine Systemstelle mit der Bezeichnung Wertlose Einsendungen aus der Bevölkerung -, so bleibt der Trost, daß diese uns, im Übrigen, reichlich Material und Nahrung für Geschichte liefern.

Kulturtechniken des Speicherns (T. Nanz)

Seminar, 2 SWS Montags, wöchentlich, 17.00-18.30 Bauhausstraße 11, Raum 013

 

Daten und Objekte wollen gespeichert werden. Im Seminar werden wir verschiedene Speichertechniken betrachten und nach den Systematiken der Ordnung und Verwaltung fragen. Wir werden das weite Gebiet historisch angehen, vermutlich mit der Mnemotechnik beginnen, über Wunderkammern, Museen, Bibliotheken und Enzyklopädien reden und das Seminar voraussichtlich mit dem Videorecorder und digitalen Speichermedien beschließen.

Seminarplan

07.04.03: Themenvorstellung

14.04.03: Einführung

21.04.03: Seminar entfällt

28.04.03: Mnemotechnik
Referat: Martin Bellardi, Nicolai Marquardt und Mike Schumacher

05.05.03: Kunst- und Wunderkammer
Referat: Jörg Ens und Karina Fuchs

12.05.03: Museum
Referat: Jan Löw und Jana Voigtländer
Zur Vorbereitung: Pomian 1988, v.a. S. 38-90.

19.05.03: Bibliothek
Referat: Marc Gerbing und Martin Kleppe
Zur Vorbereitung: Borges 1988 (Kopie im Semesterapparat) und Eco 1998.

26.05.03: Gastvortrag: M. Krajewski, Verzetteln. Karriere einer Idee

02.06.03: Enzyklopädie — Beginn: 17.30 Uhr
Referat: Falko Schuster
Zur Vorbereitung: Darnton 1993 (Einleitung) und beliebige Artikel in Die Welt der Enzyklopädie, 2001.

09.06.03: Seminar entfällt

16.06.03: Archiv und Datenverarbeitung
Referat: Przemyslaw Musialski und Farnoush Pourebrahimzadeh
Zur Vorbereitung: Leibniz 1986 — Von nützlicher Einrichtung eines Archivi (1680) und Entwurff gewisser Staats-Tafeln (1680).

23.06.03: Digitale Speicher
Referat: Sebastian Nußbaum, Sebastian Seidel und Mark Winterhalter
Zur Vorbereitung: Der Aufsatz von Martin Warnke in Pompe/Scholz 2002 (steht im Semesterapparat Im Übrigen).

30.06.03: Das kulturelle Gedächtnis
Referat: Jana Poppe und Beatrice Ziller
Zur Vorbereitung: Assmann 1999, S. 1-47.

07.07.03: Abschlußdiskussion und Nachtrag
Referat: Sibylla Gottschall

Literaturliste (Auswahl)

Jan Assmann, Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, München 1999.

Günter Berger (Hg.), Jean le Rond d’Alembert, Denis Diderot u.a.: Enzyklopädie. Eine Auswahl, Frankfurt a.M. 1989.

Jorge Luis Borges, Die Bibliothek von Babel, in: Ders., Blaue Tiger und andere Geschichten, hg. v. Gisbert Haefs, München und Wien 1988.

Horst Bredekamp, Antikensehnsucht und Maschinenglauben. Die Geschichte der Kunstkammer und die Zukunft der Kunstgeschichte, Berlin 1993.

Lionel Casson, Bibliotheken in der Antike, Düsseldorf und Zürich 2002.

Roger Chartier und Guglielmo Cavallo (Hg.), Die Welt des Lesens. Von der Schriftrolle zum Bildschirm, Frankfurt a.M. und New York 1999.

Robert Collison, Encyclopaedias: Their History Throughout the Ages, New York 1966.

Robert Darnton, Glänzende Geschäfte. Die Verbreitung von Diderots Encyclopédie oder: Wie verkauft man Wissen mit Gewinn?, Berlin 1993.

Lorraine Daston und Katharine Park, Wunder und die Ordnung der Natur, Berlin 2002.

Die Welt der Enzyklopädie, ediert v. Anette Selg und Rainer Wieland, Frankfurt a.M. 2001.

Bernhard Dotzler, Babbages Rechen-Automate, Wien u.a. 1996.

Umberto Eco, Der Name der Rose, München 1998 (22. Aufl.).

Encyclopédie, ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers [...], hg. v. Denis Diderot und Jean le Rond d’Alembert, Paris 1751-1765.

Michel Foucault, Die Ordnung der Dinge, Frankfurt a.M. 1971.

Uwe Jochum, Kleine Bibliotheksgeschichte, Stuttgart 1993.

Markus Krajewski, Zettelwirtschaft. Die Geburt der Kartei aus dem Geiste der Bibliothek, Berlin 2002.

Gottfried Wilhelm Leibniz, Entwurff gewisser Staats-Tafeln, in: Ders., Sämtliche Schriften und Briefe, hg. v. d. Akademie der Wissenschaften der DDR, Berlin 1986, 4. Reihe, 3. Band, S. 340-349.

Ders., Von nützlicher Einrichtung eines Archivi, in: Ebd., S. 332-340.

Rolf Lindner u.a., Planen, Entscheiden, Herrschen, Reinbek 1984

Peter Matussek, Computer als Gedächtnistheater, in: Götz-Lothar Darsow (Hg.), Metamorphosen. Gedächtnismedien im Computerzeitalter, Stuttgart und Bad Cannstatt 2000, S. 81-100.

Rolf Oberliesen, Information, Daten und Signale, Reinbek 1982.

Krzysztof Pomian, Der Ursprung des Museums. Vom Sammeln, Berlin 1988.

Hedwig Pompe und Leander Scholz (Hg.), Archivprozesse. Die Kommunikation der Aufbewahrung, Köln 2002.

Julius von Schlosser, Die Kunst- und Wunderkammern der Spätrenaissance. Ein Beitrag zur Geschichte des Sammlungswesens, Neudruck Braunschweig 1978.

Frances A. Yates, Gedächtnis und Erinnern. Mnemonik von Aristoteles bis Shakespeare, Berlin 2001.

Siegfried Zielinski, Zur Geschichte des Videorecorders, Berlin 1985.

Lacan-Lektüren (B. Siegert)

Kolloquium, 2 SWS Mittwochs, wöchentlich, 17.00-18.30 Anzahl der Teilnehmer: begrenzt MK Bauhausstraße 11, Raum 13

 

Im Zentrum steht diesmal die Lektüre und Diskussion von ausgewählten Texten von Jacques Lacan. Dazwischen bleibt wie immer Raum für die Vorstellung von Diplomarbeiten und anderen Projekten. Das Kolloquium ist offen auch für interessierte Studierende im Hauptstudium. Teilnahme nach persönlicher Anmeldung.

Literaturliste (Auswahl)
Zur Vorbereitung:

Jacques Lacan, Die Ethik der Psychoanalyse (= Das Seminar Buch VII). Übers. v. Norbert Haas. Weinheim-Berlin 1996.

Meer und Medium I + II (B. Siegert)

Hauptseminar, 4 SWS Dienstags, wöchentlich, 13.00-17.00 Anzahl der Teilnehmer: unbegrenzt alle, MK, AKK Bauhausstraße 11, Raum 14

 

“An der Küstenlinie zwischen Land und Meer vollziehen sich Prozesse, die unsere primären Probleme darstellen. Die Ordnung verfällt in Unordnung, und gelegentlich geht sie daraus hervor. Der Ozean zerreißt die Küste, er formt die Strände. Sanfte Skulptur des Cape Cod. Wässriges Chaos, von den zeitweiligen Rhythmen geschaffen, die sich zerstreuen. Ordnung entsteht, verschwindet, kehrt zurück, verschwindet wieder, dort, hier, einst, morgen, eben erst, wie die Küste der Bretagne in Millionen von Jahren.” (Michel Serres) Im Mittelpunkt des Seminars stehen philosophische, wissenschaftsgeschichtliche und kulturgeschichtliche Texte von Michel Serres, Gaston Bachelard, Ivan Illich, Gernot und Hartmut Böhme, Carl Schmitt, Paul Virilio u. a., die aus unterschiedlichen Richtungen kommend Grundlagen für eine Kulturtheorie der Medien gelegt haben, die von der Frage nach dem Wasser als Element und nach der kulturgeschichtlich bedeutsamen Differenz von Land und Meer ausgeht.

Einen zweiten Schwerpunkt bildet die Untersuchung der filmischen Ins-Bild-Setzung des Meeres. Parallel zu den Texten werden daher auch klassische und weniger klassische Filme zum Thema behandelt: John Hustons Moby Dick, Frank Lloyds und Lewis Milestones The Mutinity of the Bounty, Polanskis Piraten, die Serie der Titanic-Filme, Fellinis E la nave va, John McTiernans Hunt for Red October, Petersens Das Boot, Kathryn Bigelows Gefährliche Brandung u. a.

Für Teilnehmer am Projekt erfüllt das Seminar die Funktion eines Projektplenums.

Literaturliste (Auswahl)
Zur Vorbereitung empfohlen:

Carl Schmitt, Land und Meer. Eine weltgeschichtliche Betrachtung. Köln-Lövenich 1981.
Gaston Bachelard: Das Wasser und die Träume. Frankfurt/M. 1991.
Michel Serres: Hermes, Bd. 5: Die Nordwest-Passage. Berlin 1994.

Ort ohne Ort: Das Schiff (B. Siegert)

Forschungsprojekt, 6 SWS, wöchentlich, Anzahl der Teilnehmer: unbegrenzt alle, MK, AKK

 

“Das Schiff”, schrieb Foucault, “das ist die Heterotopie schlechthin. In den Zivilisationen ohne Schiff versiegen die Träume, die Spionage ersetzt das Abenteuer und die Polizei die Freibeuter.” Das Schiff ist ein ungeheures Arsenal der Träume und Gleichnisse unserer Kultur: Die Reise des Lebens, das Reich der Toten oder der Untoten, der Wahnsinn, aber auch der Staat und das Surfen im Internet sind dauerhaft mit dem Bild des Schiffs verknüpft worden. Zahllos sind die ums Schiff gewebten Geschichten, die die Mythen, heilige Schriften, die Literatur und der Film überliefern vom Abenteuer des Aufbruchs, vom Kampf mit den Elementen, vom Scheitern, von der Begegnung mit anderen Gesetzen, dem Gesetz des Anderen und dem Gesetzlosen.

Was ist es, das das Schiff zum “größten Imaginationsarsenal unserer Kultur” (Foucault) gemacht hat, warum knüpfen sich um das Schiff mehr und widersprüchlichere Bilder, Phantasien und Metaphern als um jede andere technische Erfindung der Menschheit? Die Richtung, in der das Projekt eine Antwort suchen wird, ist von Hans Blumenberg vorgegeben: der Grund könnte darin liegen, daß das Schiff und die Seefahrt ein frivoles, wenn nicht blasphemisches Moment birgt, daß das Schiff einen Verstoß gegen das Gesetz darstellt, das die Institutionen des menschlichen Lebens begründet und sichert.

Das Ziel des Forschungsprojektes ist kein geringeres als dieses blasphemische Moment zur Grundlage einer Kulturtheorie der Medien zu machen. Das setzt die methodische Bereitschaft und Flexibilität voraus, medienwissenschaftliche und kulturwissenschaftliche Kompetenzen zusammenzuführen, um “das Schiff” als exemplarischen Gegenstand am Horizont einer innovativen Medienkulturwissenschaft erscheinen zu lassen: “Auf die Schiffe, ihr Philosophen!”

Bestandteile des Projekts sind die Vorlesung Das Schiff. Bausteine einer Wissenschaft der Kulturtechnik und das Hauptseminar Meer und Medium I + II.

Wintersemester 2002/03

Das Unheimliche der Medien. Scheintod, falsches Leben, lebende Leichen, “Neomorts” in Literatur, Photographie und Film (B. Siegert)

Mittwochs, 11.00-13.00 Bauhausstraße 11, Raum 13

Die gegenwärtige Konjunktur der Lebenswissenschaften, die Karriere biologischer, bio-ethischer und biopolitischer Diskurse in nahezu allen Bereichen der Gesellschaft totalisiert eine Krise der Unterscheidbarkeit von Leben und Tod, die im 18. Jahrhundert eingesetzt hat: seitdem der Tod eine Sache der Medizin geworden ist. Die Medien des Elektrischen sowie die Bildmedien Photographie und Film sind historisch in diesem Dispositiv, das alle Spielarten der Verunsicherung der Unterscheidung von Leben und Tod in sich schließt, sowohl dargestellt als auch wahrgenommen und interpretiert worden. Das Seminar wird anhand von literarischen Texten, Photographien und Filmen (von Caligari bis Frankenstein) alle möglichen (d.h. medizinische, physiologische, literarische und filmische) Spielarten des scheinbaren Todes und lebender Leichen, von kataleptischen Körpern und animierten Bildern etc. thematisieren. Es wird ihre jeweilige historische Rationalität rekonstruieren und auf diesem Wege das “Unheimliche” als Bereich der Entdifferenzierung von Leben und Tod als die “ursprüngliche” Domäne technischer Medien aufdecken.

Zur Vorbereitung: Tankred Rüdiger Koch, Lebendig begraben. Geschichte und Geschichten vom Scheintod. Leipzig 1990.

Der manipulierte Blick – Zur Geschichte optischer Instrumente (T. Nanz)

Seminar (2SWS)

“We are not afraid of Zeiss” – so ähnlich soll einmal eine englische Firma in einer Publikation den Jenaer Konkurrenten in seine Schranken verwiesen haben. Auch wir legen alle unsere Ängste ab und erforschen im Seminar optische Instrumente unter Berücksichtigung der Bestände des Carl-Zeiss Archivs in Jena: In einem ersten Schritt werden wir uns Grundlegendes über optische Medien erarbeiten, indem wir nicht nur exemplarisch einige Geräte (etwa Projektionsinstrumente, astronomische und geodätische Instrumente, etc.) betrachten, sondern ebenfalls medientheoretische und wissenschaftshistorische Überlegungen diskutieren. Ausgehend davon wollen wir zweitens Forschungen im Carl-Zeiss Archiv vornehmen, um die Ergebnisse in das EU-Projekt Licht><bild. p="" lassen.<="" zu="" einfließen="" aegina-akademie="" die=""> </bild.>

Das Seminar findet in Kooperation mit der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Lehrstuhl für Geschichte und Ästhetik der Medien statt. Es ist Bestandteil des EU-Projektes Licht><bild. präsentieren.<="" wanderausstellung="" einer="" in="" materialsammlungen="" geplant,="" ist="" es="" befasst.="" medien="" optisch-akustischer="" und="" optischer="" wirkung="" erscheinung="" entwicklung,="" der="" mit="" u.a.="" sich="" das="" aegina-akademie,="" p="" zu="" die=""> </bild.>

Die Veranstaltung findet als Blockseminar (Freitag) an der FSU Jena statt.

Einführung in die Medienkultur (B. Siegert, T. Nanz, H. Wagner)

Studienprojekt (8 SWS) Dienstags, 15.00-19.00

 

Das Projekt wird allen Erstsemestern dringend zur Teilnahme empfohlen. Es
erarbeitet einen kompakten Überblick über die wichtigsten Gegenstände
und Fragestellungen, die theoretischen Grundlagen und Positionen der
Medien- und Kulturwissenschaft, ihre historische Entwicklung und ihre
analytischen Stärken. Es führt in die wichtigsten Vorgehensweisen
(Methoden) der Medienkulturwissenschaft ein und vermittelt Techniken zur
Bloßlegung relevanter medienkultureller Problemstellungen in Bildern,
Texten und Phänomenen des alltäglichen Lebens. Es führt schließlich
exemplarisch vor, wie und wo bestimmte Theorien methodisch fruchtbar
gemacht werden können. Die versuchsweise praktische Erprobung zuvor
erarbeiteter theoretischer Erkenntnisse und Analysetechniken gehört
folglich mit zum Programm des Projekts. Das Projekt setzt sich zusammen
aus dem vierstündigen Projektplenum (Siegert/Nanz), dem textanalytischen
Seminar “Franz Kafka – frühe Texte, frühe Medien” (Siegert) und dem
Proseminar “Einführung in die Filmanalyse” (Wagner).

Empire. Die neue Weltordnung (B. Siegert)

Mittwochs, gerade Woche, 16.00-18.00
Bauhausstraße 11, Raum 15

Im Zentrum steht die Lektüre und Diskussion von Michael Hardt/Antonio Negri: Empire. Ergänzend hinzugezogen werden ausgewählte Texte von Deleuze, Foucault und aus dem Bereich der Postcolonial Studies. Dazwischen bleibt Raum für die Vorstellung von Diplomarbeiten. Das Kolloquium ist offen auch für interessierte Studierende im Hauptstudium. Teilnahme nach persönlicher Anmeldung.

Zur Vorbereitung: Michael Hardt/Antonio Negri: Empire. Die neue Weltordnung. Frankfurt/M.-New York 2002.

Franz Kafka – frühe Texte, frühe Medien (B. Siegert)

Donnerstags, 11.00-13.00 Bauhausstraße 11, Raum 13

 

Im Rahmen des Studienprojekts “Einführung in die Medienkultur” führt das Proseminar in elementare Methoden und Techniken der Lektüre und der Interpretation von Texten ein. Es schafft damit die Voraussetzungen, unserem literarischen Gedächtnis die seriösen Informationen über die kulturelle und kulturtechnische Konstruktion von Subjektivität entnehmen zu können, die wir benötigen, um medienkulturelle Problemlagen der Gegenwart angemessen beschreiben zu können. Anhand einer intensiven Lektüre früher Erzählungen, Romananfänge und Briefe von Franz Kafka soll herausgearbeitet werden, wie sich die Grundproblematik der literarischen Produktion und der Autorschaft bei Kafka im Kontext familialer Disziplinierung, (sub)kultureller Codes und der Medientechnik artikuliert. Darauf aufbauend erarbeitet das Proseminar grundlegende Begriffe der kulturellen Kommunikation.

Texte von Franz Kafka: Beschreibung eines Kampfes. Die zwei Fassungen. Parallelausgabe nach den Handschriften. Hg. Max Brod, Textedition Ludwig Dietz. Frankfurt/M 1969 (wird bereitgestellt); Betrachtung. In: Sämtliche Erzählungen (Fischer TB 1078); Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande. (Fischer TB 2067); Das Urteil. In: Sämtliche Erzählungen (Fischer TB 1078); Der Heizer (ebd.); Die Verwandlung (ebd.); Briefe an Felice (Fischer TB 1697). Ausserdem: Paul Watzlawick, Janet H. Beavin, Don D. Jackson: Menschliche Kommunikation: Formen, Störungen, Paradoxien. Bern u. a. 1985 (u.ö.).

Weltprojekte um 1900 (M. Krajewski)

Dienstags (gerade Woche), 13.00-16.00 s.t. Bauhausstraße 11, Raum 13

 

Thema des Seminars ist die Welt, und zwar als Präfix. In beinahe inflationärer Verwendung zeigt sie sich um die vorletzte Jahrhundertwende so unterschiedlichen Projekten vorangestellt wie der Durchsetzung einer Welt-Sprache, der Verbreitung und Zirkulation von Welt-Geld oder der Standardisierung unserer Zeit zur Welt-Zeit. Bei der technischen Entwicklung von frühen (Mobil)Funksystemen (das world system des Medienmagiers Nikola Tesla) findet sich diese anspruchsvolle Vorsilbe ebenso wie bei der geplanten Zusammenführung des gesamten Wissens der Menschheit in einem Welt-Gehirn.

Die Globalisierung, inzwischen ein guter Kandidat für das Unwort des Jahres 2002, beginnt also bereits im 19. Jahrhundert, spätestens mit der Verlegung der Telegraphenkabel im Atlantischen Ozean. Ausgehend von diesem, sich allmählich etablierenden sog. Weltverkehr möchte das Seminar einige jener Projekte untersuchen und diskutieren, deren Ziel darin besteht, mit einer einfachen Idee gleich die ganze Welt zu erreichen.

Nach der begrifflichen Klärung von Welt und einer historischen Herleitung der Figur des Projektmachers sollen dabei u.a. die oben erwähnten Unternehmungen in den Fokus geraten, nicht ohne Seitenblicke auf vergleichbare Erscheinungen wie die Weltausstellungen seit 1851 oder das Weltbürgertum zu werfen. Zu fragen ist dabei stets nach den charakteristischen Bedingungen und Situationen, den Kontexten und Entwicklungen, welche die Verfechter zu ihren mitunter waghalsigen Projekten ermutigen.

Seminarplan

22.10.02
Einführung und Problemstellung

29.10.02
Was sind Weltprojekte?

12.11.02
Etymologien und historische Herleitung:
Was heißt eigentlich Welt? Was ist ein Projekt oder ein Projektmacher?

26.11.02
(Ver-)Sammlungen: Weltausstellung und -museum:
Geschichte der Weltausstellungen von 1851 bis zum Ersten Weltkrieg

Vortrag von Britta Lange (Berlin):
Das “Weltmuseum” des Hamburger Wachsfigurenherstellers Umlauff.

10.12.02
Neue Koordinaten: Der Weltverkehr in -raum und in -zeit:
Voraussetzungen der Globalisierung um 1900, Übersee-Telegraphie und Dampfschiffahrt; die Standardisierung der Zeit zur Weltzeit

07.01.03
Projektionen I: Das Gehirn der Welt
Formatierung des Weltgehirns: Das Institut International de Bibliographie, Die Brücke, und andere Bibliographie-Bewegungen um 1900. Mit Paul Otlet, Wilhelm Ostwald, Julius Hanauer, Hermann Beck und als Stargast: Franz Maria Feldhaus

21.01.03
Projektionen II: Ein Staudamm für die Welt
Geopolitik im Großprojekt: “Welt bauen” mit Herman Sörgel und der Idee, das Mittelmeer trocken zu legen, um damit Europa und Afrika zu Atlantropa zu vereinigen

28.01.03
Standardisierung der Sprache
Die Organisation der Wissenschaft, der Völker und die Vielsprachigkeit der Welthilfssprachen. Esperanto oder Ido? Wede oder Volapük? Und was ist Weltliteratur?

04.02.03
Effizienzdenken
Weltwirtschaft und eine Währung für die Welt
Die Entstehung eines Weltmarkts und -handels, die gleichzeitige Monopolisierung und (verschwiegene) Aufteilung in weltweite Kartelle

12.02.03
Die Weltenwende. Der Krieg 1914 als Zäsur. Bilanz und Schlußdiskussion
Die Organisation der Ökonomie: Umstellung der Wirtschaft auf Kriegsproduktion; Walther Rathenau in der Kriegsrohstoffabteilung

Literaturliste (Auswahl)

Blaise, Clark, 2001, Die Zähmung der Zeit. Sir Sandford Fleming und die Erfindung der Weltzeit, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main.

Brücke, Die. Internationales Institut zur Organisierung der geistigen Arbeit, 1911, Was “Die Brücke” will, Selbstverlag der Brücke, München.

Bührer, Karl Wilhelm, 1912, Raumnot und Weltformat, Fr. Seybold’s Buchhandlung, Ansbach.

Defoe, Daniel, 1697/1999, An Essay upon Projects. Edited by Joyce D. Kennedy et al., Bd. 30 von AMS Studies in the Eighteenth Century, AMS Press, Inc., New York, the Stoke Newington Daniel Defoe Edition.

Engelmann, Julius, L. Bobrik und Carl Böttger (Hg.), 1868, Der Weltverkehr und seine Mittel. Rundschau über Schiffahrt und Welthandel; die internationale Industrie-Ausstellung im Jahre 1867, Bd. Ergänzungsband von Das neue Buch der Erfindungen, Gewerbe und Industrien, Spamer, Leipzig, 5. Aufl. (Pracht-Ausgabe)

Fuchs, Eckhardt, 1999, Das Deutsche Reich auf den Weltausstellungen vor dem Ersten Weltkrieg, Comparativ, Bd. 9, Nr. 5/6, S. 61–88.

Geistbeck, Michael, 1895/1986, Weltverkehr – Die Entwicklung von Schiffahrt, Eisenbahn, Post und Telegraphie bis zum Ende des 19. Jahrhunderts, Gerstenberg-Verlag, Hildesheim, 2., neu bearbeitete Aufl., Reprographischer Nachdruck der Ausgabe Freiburg/Brsg, 1895.

Institut International de Bibliographie, 1914, Das Internationale Institut für Bibliographie in Brüssel. Organisation – Methoden – Sammlungen – Arbeiten – Veröffentlichungen – Kataloge, Bd. 124 von Publication, Internationales Institut f¨ur Bibliographie, Brüssel.

Nicolson, Marjorie H. und Nora M. Mohler, 1937/1956, The Scientific Background of Swift’s “Voyage to Laputa”, in: Marjorie H. Nicolson, Science and Imagination, Great Seal Books, Cornell University Press, Ithaca, New York, S. 110–154.

Ostwald, Wilhelm, 1911, Die Forderung des Tages, Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig, 2., verbesserte Aufl.

Peus, Heinrich, 1909, Notwendigkeit, Möglichkeit und Tatsächlichkeit einer Welthilfssprache, Selbstverlag des Verfassers, Dessau.

Pohl, Hans, 1989, Aufbruch der Weltwirtschaft. Geschichte der Weltwirtschaft von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg, Bd. 24 von Wissenschaftliche Paperbacks Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, Franz Steiner Verlag, Stuttgart.

Roscher, Max, 1911, Die Kabel des Weltverkehrs hauptsächlich in volkswirtschaftlicher Hinsicht, Puttkammer & Mühlbrecht, Berlin.

Serres, Michel, 1980/1987, Der Parasit, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.

Stanitzek, Georg, 1987, Der Projektmacher. Projektionen auf eine “unmögliche” moderne Kategorie, Ästhetik & Kommunikation, Bd. 17, Nr. 65/66, S. 135–146.

Stocking, George W. und Myron W. Watkins, 1947, Cartels in Action. Case Studies in International Business Diplomacy, The Twentieth Century Fund, New York, Reprint Dec. 1946

Swift, Jonathan, 1726/1995, Travels into Several Remote Nations of the World. By Lemuel Gulliver, first a Surgeon, and then a Captain of Several Ships, Könemann, Köln.

Voigt, Wolfgang, 1998, Atlantropa. Weltbauen am Mittelmeer. Ein Architektentraum der Moderne, Dölling und Galitz Verlag, Hamburg.

Sartorius von Waltershausen, August, 1931, Die Entstehung der Weltwirtschaft. Geschichte des zwischenstaatlichen Wirtschaftslebens vom letzten Viertel des achtzehnten Jahrhunderts bis 1914, Jena.

Zweig, Stefan, 1927/1998, Sternstunden der Menschheit. Vierzehn historische Miniaturen, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main.

Material (elektronische Texte)

Wilhelm Ostwald, “Die internationale Hilfssprache”, in: ders., Die Forderung des Tages, Akademische Verlagsgesellschaft, Leipzig, 1911, 2., verbesserte Auflage, S. 437–512 (Text als pdf-Datei).

Gustav Meyer, “Weltsprache und Weltsprachen”, in: ders., Essays und Studien zur Sprachgeschichte und Volkskunde, Straßburg, 1893, S. 23–46 (Text als pdf-Datei)

Sommersemester 2002

Die Psyche unter Experimentalbedingungen (T. Nanz)

Proseminar (2SWS)

Aussagen über die Psyche eines Menschen lassen sich bekanntlich nicht unmittelbar vornehmen – die Psychologie muss/musste deshalb Techniken entwickeln, um bestimmte Charaktereigenschaften oder besondere Fähigkeiten einer Person festzustellen. Im Seminar wollen wir verschiedene Techniken und Methoden der Wissenschaftler verfolgen und dabei die Verflechtung von Psychologie und Medientheorie analysieren. In erster Linie werden wir uns auf die experimentelle Psychologie konzentrieren – ein Ausblick auf das Interface-Design ist geplant, die historische Arbeit steht aber im Vordergrund, so dass das Seminar zudem als eine Einführung in die Wissenschaftsgeschichte dienen kann.

Giorgio Agamben: Homo Sacer (B. Siegert)

Kolloquium (2 SWS)

Im Zentrum steht die Lektüre und Diskussion von Giorgio Agambens Homo Sacer. Ergänzend hinzugezogen werden ausgewählte Texte von Michel Foucault und Carl Schmitt. Dazwischen bleibt Raum für die Vorstellung von Diplom- und Doktorarbeiten. Das Kolloquium ist indes offen auch für interessierte Nichtdiplomanden und Nichtdoktoranden. Teilnahme nach persönlicher Anmeldung.

Instrumente, Geschichten, Medien (T. Nanz)

Proseminar (2SWS)

Armillarsphäre, Astrolabium, Camera Obscura, Chronograph, Fernrohr,
Foucaultsches Pendel, Globus, Gyroskop, Karte, Kymographion, Magische
Laterne, Pantograph, Polygraph, Röntgenapparat, Sextant, Sonnenuhr,
Stift, etc. Wissenschaftliche Instrumente bilden Naturphänomene nie
unmittelbar ab, sondern produzieren Daten, mit deren Hilfe der Anwender
bestimmte Schlussfolgerungen ziehen kann. Sie sind somit Dispositive der
Datenerzeugung – in exemplarischen Analysen wollen wir diese Dispositive
aufschlüsseln: Wir betrachten im Seminar nicht nur die Geschichte einzelner
Instrumente, sondern werden auch immer die Frage stellen, wann ein
Instrument zu einem Medium wird – und wie sich die Instrumente in die
Daten selbst einschreiben und somit das Experiment oder den Anwender
beeinflussen.

Kulturtechniken und Kolonialismus (B. Siegert/U. Holl)

Studienprojekt (6 SWS)

Das “Ungewisse”, in das Europäer seit Kolumbus so gerne und mit immer größerem Aufwand aufbrechen, ist nichts, was außerhalb Europas liegt, es ist eine “transzendentale”, durch Kalküle und Kontingenzbeobachtung geschaffene Bedingung der europäischen Expansion, die die Europäer selbst mitbrachten. Der europäische Expansionsdrang verdankt sich zum Großteil dieser “Errungenschaft” der europäischen Kultur, mit Zeichen und Leerstellen für das Unbekannte innerhalb des Bekannten zu operieren. Operative Kulturtechniken – Karten, Pläne und Instrumente – spielen dabei eine entscheidende Rolle; sie erzeugen das Ungewisse als Element, das im Rahmen einer Struktur der Wiederholbarkeit, der Merkbarkeit und der Deutbarkeit auftaucht. Die räumliche Erschließung der Kolonien selbst ist ebenfalls bedingt durch Mediensysteme; sei es in der ersten Phase der europäischen Expansion (16. Jahrhundert) durch den administrativen Apparat, der eine urbanistische Form der Kolonialisierung erzwingt, sei es in der zweiten Phase (19. Jahrhu dert) durch elektrische Telegrafie und Funk. Den Kriegern und Eroberern folgen die Kosmografen und Ethnologen, und in vielen Fällen sind es deren Geschichten und Bilder, die die Eroberer allererst zum Aufbruch ins Ungewisse verlocken. Auch die Reproduktions- und Massenmedien, die den Explorationsmedien auf dem Fuße folgten, zunächst der Buchdruck, …

Kulturtechniken und Phantastik des Kolonialismus (B. Siegert)

Vorlesung (2 SWS)

Die Vorlesung will die kolonialen Phantasmen und die Medien und Techniken der Kolonialisierung in einen möglichst engen Zusammenhang stellen. Sie orientiert sich daher zum einen an der Literaturgeschichte, insbesondere am kolonialistischen und postkolonialen Roman (und Film), zum anderen an der Geschichte der Praktiken, Kulturtechniken und Medien der europäischen Kolonialimperien von Kolumbus bis ins 20. Jahrhundert, behandelt also einerseits Romane wie die von Conrad, Kipling und Pynchon und Filme wie Apocalypse Now und andererseits Rituale der Landnahme, Grenzziehungen, Städtegründungen, Stadtpläne, Karten, Instrumente, kosmografische Berichte, Eisenbahnen, das Kanonenboot, das Maschinengewehr, Telegraphie, Funk und Film. Dazu kommt die Geschichte der Medikamentierungen (Chinin z. B.) und der Drogen (Opium und Meskalin z. B.). Geographisch wird sich die Vorlesung auf Lateinamerika (vor allem Mexico), Afrika (vor allem Ägypten und der Sudan) und Indien konzentrieren. Fast mehr noch als das Andere, das in phantastischen Gestalten wie She oder King Kong die westliche Imagination heimsucht, fürchten und bekämpfen die kolonialen Mächte indes die Gestalt, die sie selbst zuweilen in der Figur des Konquistadors und Kolonisten annehmen.

Wintersemester 2001/02

A/D – “Analog/Digital” Zur Genealogie einer medientheoretischen Basisdichotomie (B. Siegert)

Vorlesung (2 SWS)

Die Differenz “analog/digital” (a/d) tauchte in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts auf, um zwei grundsätzlich verschiedene Rechnertypen zu unterscheiden: Analogrechner und Digitalrechner. Seit dem Angriff der “Digitalisierung” auf alle anderen Medien in den achtziger Jahren ist a/d jedoch zu einer Unterscheidung geworden, mit der das gesamte Feld der Medien unterteilt, beobachtet und beschrieben wird. A/D ist zur Kampflinie einer Entwicklung geworden, mit der die Geschichte der Medien überhaupt ihrem Ende zuzusteuern scheint.

Statt jedoch diese Zukunftsvision auszumalen, wird die Vorlesung die Dynamisierung von a/d als Decodierung einer Serie von Unterscheidungen begreifen, die das System der abendländischen Wissenskultur organisiert haben. Eine dieser Unterscheidungen ist die zwischen dem Kontinuierlichen und dem Diskreten – Begriffe, die nicht wie a/d Signale referenzieren, sondern Modelle der Natur selbst. Damit ist die Frage nach dem Verhältnis der Medien zur Physik aufgeworfen. Auf der Unterscheidung kontinuierlich/diskret beruht wiederum die Unterscheidung zwischen Geometrie und Arithmetik, mit dieser sind verschiedene Konzepte des Graphischen verknüpft: mimetische Schriften und arbiträre Schriften, natürliche und willkürliche Zeichen.

Epistemologie der Störung. Unterbrechungen, Bugs und Rauschen in Kunst und Medien (B. Siegert/W. Ernst)

Forschungsprojekt (6 SWS)

Die Unterbrechung gilt seit der antiken Rhetorik als Figur des Erhabenen. Im en und im Abbruch der Rede, im Einbruch des Körpers in den Fluß der Erzählung, manifestiert sich ist, also Symptom, eines Undarstellbaren. Die technischen Medien haben, wie es scheint, diese Figur des Erhabenen übertragen in eine epistemologische Situation. Das Undarstellbare ist zum Grund medialer Repräsentation geworden, folglich wird die Unterbrechung, die Störung, die Interzeption zu einer Erkenntnisfigur: Erst wo Medien Widerstand leisten, werden sie als Medium sichtbar. Betreiben technische breakdowns also veritable Medienarchäologie? Martin Heidegger zufolge entbirgt sich das Wesen der Technik im Moment des Versagens; die Zuhandenheit des Werkzeugs manifestiert sich erst im Moment ihrer Abwesenheit. Das Projekt wird die Grundlinien einer Medientheorie als einer Epistemologie der Störung entwickeln und dabei kulturhistorische, ästhetische und technische Aspekte der Störung ins Spiel bringen.

Zeichenregime (B. Siegert)

Proseminar (2 SWS)

Zeichen haben immer eine spezifische Materialität, die ihre spezifische historische Erscheinungsweise bedingen: Zeichen erscheinen (u. a.) als Statuen, Bilder, Schriften, Kalküle, Tabellen, Diagramme, Geld oder Sakramente. Wenn man das Augenmerk auf die institutionellen und machttechnischen Funktionszusammenhänge richtet, in die diese historischen Erscheinungsweisen des Zeichens stets eingebettet sind, sprechen wir von Zeichenregimen – etwa von religiösen, wissenschaftlichen, juridischen, ökonomischen, disziplinatorischen oder informatischen Zeichenregimen.

Im Proseminar wechseln Blöcke, die Zeichenmodelle vorstellen und ihre unausgesprochenen (historischen wie theoretischen) Voraussetzungen reflektieren, ab mit Blöcken, in denen Beispiele historischer Zeichenregime behandelt werden. Die Auswahl der Beispiele soll in Gegenstände und Methoden einer Geschichte und Theorie der Kulturtechniken einführen.

Projekte der Studierenden

www.wartezeit.wordpress.com

Projekt der Studierenden im Rahmen des Projektseminars "Warten. Medien, Praktiken und Architekturen des Aufschubs" mit Ethnographien und Reportagen zum Thema.