Gabriel Geffert

Projekttitel

„The Ultimate Trip“ – Film und Rausch

Projektbeschreibung

In einer auf das gegenkulturelle Klima der 1968er Jahre zugeschnittenen Kampagne wurde Stanley Kubricks Film 2001: A Space Odyssey seinerzeit als „the ultimate trip“ beworben. In der Rhetorik dieser Vermarktung ist ein Topos aufgerufen, der uns abseits findiger Marketingstrategien auch in Alltagssprache, Ästhetik sowie Naturwissenschaften begegnet und den das Dissertationsprojekt erstmalig umfassend rekonstruieren und in seinen medientheoretischen Implikationen reflektieren will: Rausch und Film als verschwisterte Wahrnehmungsmodi.
In einem medienanthropologisch geimpften Versuch möchte ich den Rausch als ephemeres anthropomediales Gefüge begreifen. Neben anderen rauschgenerierenden Kulturtechniken steht dabei der substanzinduzierte Rausch im Fokus, bei dem das Rauschmittel, verstanden als Medium, und das ihm inhärente psychopharmakologische ‚Programm‘ in rekursiver Wechselwirkung mit dem inneren und äußeren Milieu (set / setting) der Konsument*innen eine existenzbildende Verschränkung ergeben, deren phänomenologische Eigenschaften mit denen der Filmrezeption in Beziehung gesetzt werden sollen. Den Ausgangspunkt dafür bildet die Rekapitulation des Topos vom „Film als Rausch“ in seiner filmtheoretischen Verhandlung, die – dem aporetischen Charakter des pharmakon-Begriffs als Heilmittel und Gift zugleich entsprechend – zwischen zwei zunächst disparat erscheinenden ideologischen Polen oszilliert: Bewusstseinsregression und Bewusstseinserweiterung.
Vor dem Hintergrund der soziologischen These einer kulturellen Desintegration des Rausches im Zuge der gesellschaftlichen Institutionalisierung der ratio werfen die ideengeschichtlichen Isomorphien des Rausch- und des Filmdiskurses die Frage auf, ob die Denkfigur des „Films als Rausch“ symptomatisch auf einen umfassenderen Delegationsprozess verweist: Hat, während der Rausch im Übergang vom natürlichen Stoff zum synthetischen Produkt technologisiert wurde, Technologie in ihrer ökologischen Dimension rauschhafte Qualitäten entwickelt? Und verheißt dieser Vorgang lediglich die Disruption des ‚westlichen‘ Rationalitätsbegriffs aufklärerischer Tradition, oder hält er im Sinne einer aisthesis anthropomedialer Verschränktheit die Chance auf experimentelle, onto-epistemologische Alternativentwürfe bereit?

Vita

Gabriel Geffert studierte Kunstgeschichte sowie Literatur- und Kulturwissenschaften an der Technischen Universität Dresden und der Université Sorbonne Paris IV. Nachdem er sein durch das Deutschlandstipendium gefördertes Studium ausgezeichnet mit der Victor-Klemperer-Urkunde der Technischen Universität Dresden abgeschlossen hatte, arbeitete er primär als freier Mitarbeiter des Archivs der Avantgarden (Staatliche Kunstsammlungen Dresden) im Projekt „Digitalisierung und Neustrukturierung der Sammlung Egidio Marzona“. Aktuell ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter des DFG-Graduiertenkollegs „Medienanthropologie“ an der Bauhaus-Universität Weimar und promoviert in diesem Rahmen zum Topos des Films als Rausch.

Publikationen

Film als Rausch. In: [kon]. Magazin für Literatur und Kultur (2019). Nr. 6: Rausch. S. 10. 

Vorträge

Christian Borchert. Tektonik der Erinnerung. Führung durch die Ausstellung im Kupferstich-Kabinett (Staatliche Kunstsammlungen Dresden) zusammen mit Kurator Bertram Kaschek, 22.01.2020.

Film und Rausch. Podiumsdiskussion im Rahmen der Veranstaltung Release [kon] #6, Rote Sonne, München, 26.10.2019.