Marie Kurstjens hat den mit 15.000 Euro Preisgeld dotierten German Design Award 2026 in der Kategorie »Newcomer of the Year« gewonnen. Die Jury würdigte ihr Designverständnis als kollaborativen Prozess zur Bewältigung sozialer und humanitärer Herausforderungen. Sie erhielt die Auszeichnung unter anderem für ihre Bachelorarbeit »COOK/ABILITY« an der Bauhaus-Universität Weimar und ihre Masterarbeit »Designing Dignity« an der Universität der Künste Berlin.
In ihrer Bachelorarbeit »COOK/ABILITY« untersucht Kurstjens, wie Menschen mit schweren motorischen Einschränkungen selbstbestimmt kochen können. Das Projekt richtet sich unter anderem an Personen mit Tetraplegie, also Lähmungen aller vier Extremitäten. Wer ein Messer oder einen Kochlöffel nicht sicher greifen und führen kann, ist beim Zubereiten von Mahlzeiten häufig auf Unterstützung angewiesen. Für Betroffene werden viele alltägliche Handgriffe in der Küche zur Herausforderung.
»COOK/ABILITY« möchte mit einem ganzheitlichen Ansatz aus Produkt, Dienstleistung und digitaler Anwendung Abhilfe schaffen. Herzstück ist ein vollständig individualisierbarer Griff, der sich an unterschiedliche körperliche Voraussetzungen anpassen lässt und mit einer umfangreichen Produktfamilie verschiedener Küchenwerkzeuge kombiniert werden kann. Während des gesamten Prozesses wurde eng mit der Zielgruppe und weiteren Expert*inenn zusammengearbeitet. Anwender*innen werden so zu aktiven Mitgestalter*innen des Systems und ihre Erfahrungen und Rückmeldungen flossen direkt in die Weiterentwicklung ein. Damit kehrt sich das gewohnte Prinzip um: Nicht der Mensch passt sich dem Produkt an, sondern das Produkt dem Menschen.
Das Griffsystem wird durch eine digitale Dienstleistung ergänzt, die den Weg zum individualisierten Hilfsmittel vereinfacht. Über eine App wählen Nutzer*innen ein passendes Paket und erhalten ein Abdruck-Kit nach Hause. Sie senden den Abdruck zurück, der digital erfasst und als Grundlage für die passgenaue Form des Griffs genutzt wird. So entsteht ein individuell gefertigtes Hilfsmittel, das zusammen mit gewünschten Küchenwerkzeugen direkt an die Nutzerinnen geliefert wird.
Die App dient als Kommunikation der Dienstleistung und unterstützt die Nutzer*innen bei der Individualisierung des Griffs, der Auswahl der Werkzeuge und der fortlaufenden Anpassung. »COOK/ABILITY« versteht Design als kollaborativen Prozess, der konkrete Teilhabe im Alltag ermöglicht.
»Der German Design Award 2026 als »Newcomer des Jahres« bedeutet mir sehr viel«, so Marie Kurstjens. »Er macht Social Design sichtbarer und gibt Themen wie Teilhabe und Gestaltung mit Menschen statt für Menschen mehr Raum. Ich hoffe zudem, dass Social Design durch diese Auszeichnung mehr Reichweite bekommt, um Communities, Institutionen und Entscheider*innen zusammenzubringen, damit mehr Projekte entstehen, die Menschen im Alltag konkret entlasten und stärken.«
Neben »COOK/ABILITY« wurde auch Marie Kurstjens Masterarbeit »Designing Dignit«y gewürdigt, die sich mit Menstruationsgerechtigkeit beschäftigt. Weiterführende Infos zu beiden Arbeiten finden Sie auf der Website des German Design Awards im Interview mit Marie Kurstjens: www.german-design-award.com/news/detail/marie-kurstjens
Wir gratulieren herzlich zu dieser großartigen Auszeichnung und freuen uns mit Marie Kurstjens über diesen herausragenden Erfolg!
Die Bachelorarbeit wurde von Gerrit Babtist, Professor für Design und Management, und der damaligen Künstlerischen Mitarbeiterin Almut Nowack betreut.
Über den German Design Award
Der German Design Award wird jährlich vom Rat für Formgebung vergeben und zählt zu den international bedeutendsten Auszeichnungen für herausragende Gestaltung. Er würdigt innovative Beiträge, die Design, Funktionalität und Relevanz für Gesellschaft und Wirtschaft vereinen. In der Kategorie Newcomer of the Year stehen junge Talente im Fokus, die mit ihren Projekten neue Impulse für die Design-Community setzen. Der Wettbewerb bietet den ausgezeichneten Designer*innen eine wichtige Plattform zur Sichtbarkeit innerhalb der internationalen Designszene.
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