Am 27. und 28 Mai 2026 organisierte die Professur Stahl- und Hybridbau im Rahmen der Exkursionswoche der Fakultät Bau- und Umweltingenieurwissenschaften zwei interessante Tagesexkursionen mit Fokus Stahl- und Holzbau.
Die Exkursion am 27. Mai widmete sich dem Ingenieurholzbau sowie der Bauwerkserhaltung. Beginnend bei der Fa. Thüringer Holzwerke Hermsdorf GmbH erhielten die Studierenden einen umfassenden Einblick in die Fertigung individueller Brettschichtholzträger. Vom Hobeln der technisch getrockneten Rohholzlamellen über die Keilzinkung der Lamellen und deren Verklebung zu gekrümmten oder geraden Bauteilen bis hin zum Hobeln der Bauteile und anschließendem CNC-gesteuertem Abbund wurden sämtliche Produktionsschritte erläutert und nachvollzogen.
Werksbesichtigung Thüringer Holzwerke Hermsdorf GmbH
Beim anschließenden Besuch der Fa. STRAB Ingenieurholzbau Hermsdorf GmbH konnte die 2025 fertiggestellte neue Lagerhalle in Holzbauweise mit in Köcherfundamenten eingespannten Brettschichtholzstützen und hierauf aufgelagerter Kranbahn besichtigt werden. In der Abbundhalle des Unternehmens erhielten die Studierenden weitere Einblicke in die Produktion moderner Ingenieurholzkonstruktionen. So konnte während des Besuchs u.a. die vollständige Vorfertigung einer 34 Meter langen und ca. 4,4 Meter breiten Fuß- und Randwegbrücke in konstruktiv geschützter Trogbauweise für den Bahnhof Weikersheim (Baden-Württemberg) bestaunt werden, welche bereits wenige Tage später mittels Schwertransport an ihren Bestimmungsort verbracht und dort in einem Stück eingehoben werden sollte.d im Büro von IGS Ingenieure.
Werksbesichtigung STRAB Ingenieurholzbau Hermsdorf GmbH
Mit der Besichtigung des Neuen Jagdschlosses in Hummelshain war der Nachmittag dem Thema Bauwerkserhaltung/-instandsetzung unter Denkmalschutzauflagen gewidmet. Wissenswertes zur Bau- und Nutzungsgeschichte sowie zu in den vergangenen 10 Jahren erfolgten Bauwerkssicherungs- und Instandsetzungsmaßnahmen vermittelte Herr Hohberg vom Förderverein Schloss Hummelshain e.V., welcher sich bereits seit 1998 dafür einsetzt, das zwischen 1880 und 1885 erbaute Jagd- und Residenzschloss der letzten Herzöge von Sachsen-Altenburg vor dem Verfall zu bewahren. Anhand konkreter Schadensschwerpunkte erläuterte Herr Schmidt-Schuchardt die von der Fa. Bennert GmbH im Objekt umgesetzten Maßnahmen zur Trockenlegung und Bekämpfung des Echten Hausschwamms sowie der anschließenden Instandsetzung der vom Dachgeschoss, über die stuckverzierte Holzbalkenebenen bis in den Kellerbereich stark geschädigten Bausubstanz.
Besichtigung Neues Jagdschloss Hummelshain
Die Exkursion am 28. Mai widmete sich dem Stahlbau und ermöglichte den Studierenden einen umfassenden Einblick in die thüringische Stahlindustrie.
Den Auftakt der Exkursion bildete der Besuch einer Baustelle zur Errichtung einer Asphaltmischanlage der Mitteldeutschen Hartensein-Industrie AG - MHI Gruppe. Die MHI Gruppe ist ein seit 1906 bestehendes Unternehmen mit Sitz in Hanau zählt zu den leistungsstärksten Baustoffproduzenten und Verkehrswegebauern in der Mitte Deutschlands und deckt ein breites Spektrum entlang der gesamten Wertschöpfungskette im Infrastrukturbau ab. Im Bereich Asphalt ist die MHI Gruppe einer der führenden Produzenten in der Region. Produziert werden unterschiedliche Asphaltsorten für verschiedenste Einsatzgebiete, darunter Asphaltbeton für Straßen und Verkehrsflächen. Asphaltmischanlagen stellen anspruchsvollste Ingenieurbauwerke im Bereich des Stahlhochbaus dar: Sie vereinen Tragwerke, Fördertechnik, Silo- und Behälterkonstruktionen sowie Plattformen und Arbeitsbühnen, die dynamische Lasten aufnehmen müssen.
Die Baustelle vermittelte den Studierenden einen realitätsnahen Eindruck von den planerischen und logistischen Herausforderungen, die bei der Errichtung von Stahlkonstruktionen zu bewältigen sind. Montageabläufe, Sicherheitskonzepte auf der Baustelle sowie der Umgang mit Schwerlastmontagen wurden durch die begleitenden Fachleute erläutert. Besonderes Highlight der ersten Station war die Möglichkeit, der Besteigung der Anlage. Die Studierenden hatten so einen Rundumblick auf die Baustelle sowie das umliegende Gelände.
Als zweite Station besuchte die Gruppe die RSB Rudolstädter Systembau GmbH in Rudolstadt – ein mittelständisches, familiengeführtes Unternehmen mit über einhundertjähriger Tradition im Stahl- und Metallbau. Das Unternehmen hat sich zum anspruchsvollen Systembauer entwickelt und bietet die gesamte Leistungskette von Ingenieurleistungen über Stahlbau, Metallbau und Fassadenbau bis hin zu Montage, Projektmanagement bis zur technischen Gebäudeplanung an.
Die Studierenden hatten die Gelegenheit, in alle Bereiche der Produktion des Unternehmens Einblick zu nehmen: In den Lagerhallen werden unterschiedlichste Stahlprofile – darunter verschiedene Trägerprofile sowie Bleche verschiedener Stärken – bereitgehalten. Die sachgerechte Lagerung, Kennzeichnung und Sortierung des Materials verdeutlichten die logistischen Anforderungen moderner Stahlbaubetriebe. In den Produktionshallen konnten die Studierenden den gesamten Fertigungsprozess nachverfolgen: vom Zuschnitt der Rohlinge mittels Sägen und Brennschneidanlagen über das Bohren und Fräsen von Verbindungspunkten bis hin zum Schweißen der Bauteile. Abschließend wurde die Oberflächenbehandlung – insbesondere der Korrosionsschutz durch Strahlen und Beschichten – erläutert.
Den Abschluss und zugleich Höhepunkt der Exkursion bildete der Besuch des Stahlwerks Thüringen in Unterwellenborn – dem einzigen Stahlwerk in Thüringen. Die Geschichte des Standorts reicht bis ins Jahr 1872 zurück, als die Eisenwerksgesellschaft Maximilianshütte aus dem bayerischen Sulzbach-Rosenberg die Genehmigung zum Bau einer Hüttenanlage erhielt. Seit 1878 wird am Standort ununterbrochen Stahl produziert. Das Stahlwerk Thüringen ist ein auf Profilstahl spezialisiertes Elektrostahlwerk. Als Rohstoffbasis dient zu 100 Prozent recycelter Stahlschrott, der im Elektro-Lichtbogenofen eingeschmolzen und zu flüssigem Stahl verarbeitet wird. Nach dem Gießen in der Stranggussanlage wird das Material in der modernen Profilwalzstraße zu fertigen Trägerprofilen gewalzt und anschließend auf handliche Längen abgelängt. Die Produktpalette umfasst mehr als 250 verschiedene Profile.
Zwei engagierte Mitarbeiter des Stahlwerks begleiteten die Studierenden auf einer ausführlichen Führung durch die gesamte Produktionslinie. Beginnend beim Schrottplatz, wo angeliefertes Altmetall sortiert, und für den Schmelzprozess vorbereitet wird, über den beeindruckenden Elektro-Lichtbogenofen bis hin zur Strangguss- und Walzanlage konnten alle Produktionsschritte hautnah miterlebt werden. Die begleitenden Fachleute erläuterten dabei nicht nur die technischen Abläufe, sondern gingen auch auf Qualitätssicherung, Energiemanagement und die Nachhaltigkeitsstrategie des Werkes ein.
Die Mitarbeitenden der Professur Stahl- und Hybridbau bedanken sich herzlich bei den beteiligten Unternehmen, Ingenieurbüros und Vereinen, die diese interessanten Exkursionstage für die Studierenden möglich gemacht haben.