Carsten Praum

Wider den Profit?! Der gemeinschaftliche Wohnungsbau am Beispiel von München und Frankfurt

Kurzdarstellung

Die Wohnungsfrage kehrte in den 2010er Jahren mit Vehemenz zurück auf die politische Tagesordnung und auch im wissenschaftlichen Diskurs wird sie seitdem wieder verhandelt. Dabei steht ein Aspekt – bis heute – im Vordergrund: das Problem der Bezahlbarkeit des Wohnens. Insbesondere wachsende Städte sind teilweise erneut von einer eklatanten Wohnungsnot betroffen, die das Resultat von verstärkt auf Reurbanisierung und Gentrifizierung sowie auf Deregulierung und Finanzialisierung ausgerichteten Stadtentwicklungs- und Wohnungspolitiken der vergangenen vier Jahrzehnte ist. Mit Blick auf die Wohnungspolitik kann die Aufhebung der Wohnungsgemeinnützigkeit im Jahr 1989 als einer der zentralen Ausgangspunkte dieser Entwicklung angesehen werden.

Mit dieser Aufhebung wurde auch die klassische gemeinnützige Wohnungswirtschaft samt ihren steuerlichen Privilegien und ihren gesetzlichen Verpflichtungen abgeschafft. Während sich die ehemals gemeinnützigen Wohnungsunternehmen in den darauffolgenden Jahrzehnten auf vielfältige, oftmals profitorientierte Weise transformierten, bildete sich parallel dazu – so eine erste These – ein neues Phänomen heraus: der gemeinschaftliche Wohnungsbau. Dieses Phänomen rückte spätestens mit der mal wieder wiedergekehrten Wohnungsfrage in den 2010er Jahren endgültig in den Fokus des öffentlichen Interesses, da gemeinschaftliche Wohnprojekte auch in der Phase der Nach-Wohnungsgemeinnützigkeit häufig für gemeinnützige beziehungsweise gemeinwohlorientierte Ansätze standen und stehen.

Vor diesem Hintergrund zielt die Dissertation darauf, die Herausbildung des gemeinschaftlichen Wohnungsbaus zu einem – nicht nur – wohnungspolitisch bedeutenden Phänomen anhand einer rekonstruierenden Untersuchung erklärend zu verstehen. Diese rekonstruierende Untersuchung wiederum ist zentraler Bestandteil einer vergleichenden Fallstudie zum gemeinschaftlichen Wohnungsbau in München und Frankfurt in den Jahren von 1990 bis 2020. Mit ihr soll Auskunft gegeben werden über die Kausalmechanismen, die sowohl die gesellschaftliche Funktion als auch die institutionelle und baulich-räumliche Form des gemeinschaftlichen Wohnungsbaus in der Phase der Nach-Wohnungsgemeinnützigkeit hervorgebracht haben.

Verfasser

Carsten Praum studierte Soziologie auf Diplom an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und Historische Urbanistik im Master an der Technischen Universität Berlin. Von 2011 bis 2016 war er Mitarbeiter im Planungsbüro STATTBAU GmbH in Berlin, seitdem ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur Stadtplanung der Bauhaus-Universität Weimar. Von 2012 bis 2019 war er zudem Mitglied der Redaktion von sub\urban. zeitschrift für kritische stadtforschung. Weitere Informationen finden Sie hier.

Kontakt

carsten.praum[at]uni-weimar.de

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