Themen

Die Themenfelder des Kongresses

Komplexität gestalten | Moderne Haltungen | Virtuelle Realitäten | Öffentlichkeit und Gemeinschaft | Material-Begegnung | Räume und Resonanzen

ziehen sich in sechs Strängen durch den Kongress. Es bleibt den Kongressteilnehmern überlassen, sich kontinuierlich einem Themenfeld zu widmen oder aber interessengeleitet zwischen den Themenfeldern zu wechseln. Die Einwahl in die Tagungsformate ist mit einer verbindlichen Anmeldung möglich.

 

I Komplexität gestalten

Im Themenfeld „Komplexität“ gestalten wird die Frage nach dem Wesen der Dinge und deren Einflussnahme auf den Menschen und den Alltag gestellt. Ausgangs- punkt nimmt diese im Anspruch des Bauhauses, über das Objekt den besseren Menschen zu formen. Ob es dieser Zielsetzung durch eine tatsächliche Bezugnahme auf die Bedürfnisse des Menschen und seine technischen Entwicklungen gerecht wurde und inwiefern das kunsthandwerkliche Design-Verständnis noch heute zeitgemäß ist für eine professionelle Qualifizierung zukünftiger Künstler*innen, Gestalter*innen, Entwerfer*innen und Vermittler*innen ist, steht im Mittelpunkt dieses Themenfeldes.

II Moderne Haltung

Im Themenfeld „Moderne Haltung“ steht die Entwicklung und Befragung einer Rezeptionskultur zu vergangenen und gegenwärtigen Veränderungen einer Gesellschaft einschließlich ihrer Kultur und Künste im Mittelpunkt. Dazu werden auch die Rahmenbedingungen für die Entwicklung von Gesellschaften und den mit diesen verbundenen Haltungen zur Welt diskutiert. Die Auseinandersetzung mit Ursachen der Entwicklung eines neuen Denkens als Ergebnis historischer Erfahrungen wird am Beispiel der Ideen des Bauhauses, die in dem Ziel der Befreiung von Traditionen und Lasten der Vergangenheit gründeten, verhandelt. Damit verbunden ist die Frage nach der aktuellen Relevanz einer hundertjährigen Idee von der Rationalisierung des Lebens und daraus resultierenden Formung des Menschen durch technische Orientierung und Formsprache für eine zeitgemäße Bildung.

III Virtuelle Realitäten und Verantwortung

Die Gesellschaft nach dem Ende des Kaiserreiches und den Erfahrungen des ersten Weltkrieges anders zu gestalten und den Menschen durch einen neuen Objektbezug zum besseren zu formen, bestimmte das Selbstverständnis des Bauhauses vor 100 Jahren. Der Gestaltungsprozess ging von einem Denkraum aus, ohne jedoch die Menschen in den Vortagen der Machergreifung der Nationalsozialisten aktiv in diesen einzubeziehen. Ist das Problem der Teilhabe an der Lösung gesellschaftlichen Problemstellungen bis heute ungelöst, lassen virtuelle Realitäten den Zuschauer zum Akteur werden. Die direkte Kommunikation zwischen konstruierten Räumen, deren Wirkung und Beschaffenheit durch reale Personen mitgestaltet werden kann, und den gestaltenden Nutzern lassen die Potentiale von Teilhabe erfahrbar werden. Im Themenfeld Virtuelle Realitäten und Verantwortung wird der Frage nachgegangen, welche Potentiale mit der Neukontextualisierung von Dingen der echten Welt im virtuellen Raum einhergehen, welche neuen Wege der Wahrnehmung mit den Aneignungs- und Teilhabeprozessen verbunden sind und welche Verantwortung Vermittler*innen, Gestalter*innen, Künstler*innen und Entwerfer*innen tragen, auch die reale Welt anders gestalten zu lernen.

IV Öffentlichkeit und Gemeinschaft

Das Bauhaus als Lern- und Lebensraum wird im Themenschwerpunktes „Öffentlichkeit und Gemeinschaft“ verhandelt. Damals wie heute an der Bauhaus- Universität Weimar war das tägliche Miteinander durch den Leitgedanken einer starken Beteiligungskultur der Studierenden geprägt. Diese fand ihren Ausdruck in internen privaten Festen und Zusammenkünften der Bauhausschüler*innen (spontan, anarchisch, dionysisch) sowie in öffentlichen Bauhausabenden (szenografisch gestaltet, durchkomponiert). Als wichtiger Kulturstandort im Deutschen Reich sollte das Bauhaus durch die Einladung und Mitwirkung namhafter Persönlichkeiten etabliert werden

V Material-Begegnung

Der Gestaltungsprozess konzentriert sich nicht nur die gestaltete Form selbst, sondern schließt die Infragestellung und Entwicklung von Verfahrensweisen, Produktionsmitteln und Materialien ein. Das Experiment, die Infragestellung bisheriger Nutzungen und bestehender Strukturen bestimmen daher den Designprozess. Zudem stellt die anhaltende Entwicklung neuer Materialien eine ebenso große Herausforderung dar, wie die eigene notwendige Beteiligung am Entwicklungsprozess dieser. Dabei kommt durch digitale Materialien eine weitere Erkenntnis- und Entwicklungsebene hinzu, durch die sich ethische Fragen anders stellen als zur Zeit des Bauhauses.

VI Räume und Resonanzen

Gestalter zu bilden bedeutet sich jener Erfahrungs- und Dingwelten bewusst zu werden, welche die Menschen nicht beschreiben können, aber deren Sinnhaf- tigkeit mit ihrem Erscheinen außer Frage steht. Beobachtung, Neugierde und die Fähigkeit zum Wechsel zwischen Gestalter- und Nutzerperspektive sind wesentliche Bildungsziele, um eine zukunftsfähige Generation von Entwerfer*innen, Gestalter*innen, Künstler*innen und Vermittler*innen zu gewinnen. Dabei ist die Gestaltung von Wirklichkeit nicht auf die Dingwelt zu reduzieren sondern umfasst ebenso sämtliche soziale wie räumliche Konstruktionen. Inwiefern das Bauhaus auf eine als historische empfundene Formsprache mit zeitgemäßen architektonischen Alternativen ebenso reagierte wie mit einer auf technischen Innovationen gründenden Produktkultur wird in dem Themenfeld Räume und Resonanzen diskutiert.