Susanne Wagner

Susanne Wagner war von April 2015 bis April 2019 Promotions-Stipendiatin am KOMA. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen der visuellen Kultur, der Ausstellungstheorie, der Bildpraktiken zeitgenössischer Kunst, sowie Bildern des Dokumentarischen.

Projekttitel:

Kritische Situationen des Ausstellens: Zur Interferenz von künstlerischen, ethnologischen und dekolonialen Perspektiven.

Projektbeschreibung:

Das Dissertationsprojekt geht der zentralen Frage nach, wie und auf welchen Ebenen sich kritisches Ausstellen in der ethnologischen Museumspraxis im Spannungsfeld zwischen ethnologischen, künstlerischen und dekolonialen Strategien vollzieht und welche Konsequenzen und Wirksamkeiten sich daraus a) für die Prozesse der Herstellung von Wissen und Erfahrung im medialen Gefüge des Ausstellung und b) für die institutionelle Verfasstheit des Museums beobachten und untersuchen lassen.
Dabei nimmt das Projekt eine Verschiebung der Perspektive vor: Nicht die Ausstellung als Produkt und Zustand, sondern das Ausstellen als Vollzug von Verfahren und Prozessen steht im Mittelpunkt der Betrachtung. Diese Verschiebung erlaubt es die Ausstellungsdinge (d.h. nicht nur die präsentierten Objekte, sondern alle am Ausstellen beteiligten Elemente und Akteure) nicht nur als objekt- und subjekthafte Entitäten, sondern als prozesshafte Verflechtungen zu verstehen, die in wechselseitige Bedingungsgefüge eingebunden sind. Damit versteht das Projekt das Ausstellen als Einsatz in raumzeitliche Strukturen, der in bestehende Konstellationen hineinwirkt und neue Konstellationen hervorbringt. In diesem Sinne wird das Ausstellen immer schon als interventionistisch und als kritisch gedacht und damit als eine – auch widerstreitende – Bezugnahme auf und Transformation von bestehenden Zusammenhängen. Die durch das Ausstellen ermöglichten und transformierten Relationen zeichnen sich durch einen dynamischen, aber auch ephemeren und fragilen Charakter aus.
Kritische Situationen des Ausstellens zu befragen bedeutet demnach, Momente des Einsetzens, Unterbrechens, De- und Neukontextualisierens zu identifizieren, sowie zu beschreiben, wie sich die jeweils konkreten und spezifischen Veränderungen auf das Gefüge einer Ausstellung auswirken. Die Arbeit macht dabei vor allem die Untersuchung von Spannungs- und Konfliktlinien zwischen ethnologischen, künstlerischen und dekolonialen Ansätzen des Ausstellens produktiv, die innerhalb der ethnologischen Museumspraxis aufeinander einwirken.

Vita

2015-2019
Promotionsstipendiatin am Kompetenzzentrum Medienanthropologie, Bauhaus-Universität Weimar
2014-2015
Mitarbeit im künstlerischen Büro der 8. Berlin Biennale und im arsenal Institut für Film und Videokunst, Berlin
2013-2014
wissenschaftliche Hilfskraft an der Professur für Bildtheorie mit dem Schwerpunkt Bewegtbildforschung, Bauhaus-Universität Weimar
2011-14 und seit 2015
wissenschaftliche Hilfskraft am Internationalen Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie, Weimar
2011
Forschungsstudentin am Graduiertenkolleg Mediale Historiographien (Erfurt, Jena, Weimar)
2010- 2014
Masterstudium der Kulturwissenschaftlichen Medienforschung, Bauhaus-Universität Weimar, Abschluss: Master of Arts. Titel der Abschlussarbeit: „Dinge sichtbar machen, ohne sie zu zeigen?  – Zur Infragestellung musealer Zeigestrategien am Beispiel des Ausstellungsprojekts The Subjective Object.“
2008-2009
Erasmus-Austausch an der Universität Basel in den Fachbereichen Medienwissenschaften und Kulturanthropologie
2006-2010
Bachelorstudium der Medienkultur, Bauhaus-Universität Weimar

Publikationen

Essays/Texte:

  • Migrationsgeschichten zu sechs ethnologischen und künstlerischen Objekten für den Katalog zur Ausstellung „Die Migration der Dinge“: Nr. 31: Schnupftabakdose in Pyramidenform, Nr. 32: Nautiluspokal,Nr. 38: Maske (Ngady mwaash), Nr. 39: Korb, Nr. 40: Geschnitzter Elfenbeinstab, Nr. 41: Gópe-Schild Ahnenbrett. In: Claudia Tittel (Hg.): Migration der Dinge - Kulturtransfer und Wissenszirkulation in Zeitaltern der Globalisierung. Weimar: Bauhaus-Universitätsverlag 2017, S. 296-300 und 308-317.•    „Kino/Liebe“ in: Volker Pantenburg und Katrin Richter (Hg.): Kino-Enthusiasmus. Die Schenkung Heimo Bachstein Weimar: Lucia 2017, S. 15.
  • „Cinema | ameniC“, in: eject – Zeitschrift für Medienkultur, Ausgabe 3, 2013, S. (-)83-(-)76.
  • „Im Labor der Autoren – Protokoll einer Versuchsanordnung“ in: eject – Zeitschrift für Medienkultur, Ausgabe 1, 2011, S. 58-64.

Herausgaben:

  • mit Jasmin Meerhoff u.a.: eject – Zeitschrift für Medienkultur (2011-2013)

Rezensionen:

  • mit Martin Siegler: „Beschäftigte des Bildes. Beobachtungen zur Ausstellung und Konferenz Eine Einstellung zur Arbeit, 27.–28. Februar 2015, Haus der Kulturen der Welt, Berlin, www.zfmedienwissenschaft.de/online/besch%C3%A4ftigte-des-bildes

Vorträge (Auswahl)

  • „Das kritische Potenzial von Interventionen in Dauerausstellungen ethnologischer Museen“, Gastvortrag im Rahmen des Studienmoduls „Ciné-Ethnographie“, Prof. Dr. Julia Bee, Bauhaus-Universität Weimar, 01.02.2017
  • „Dekoloniale Perspektiven im ethnologischen Museum.“ im Rahmen der »Vortragsreihe (Un)-sichtbar?! - Koloniale Spuren in Museen und Gesellschaft«, Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung Sachsen, grassi-Museum für Völkerkunde zu Leipzig, 17.01.2017
  • „Kritische Interventionen? Das Ausstellungsprojekt 'fremd,' und die Krisen von Repräsentation, Narrativität und Sichtbarkeit im ethnologischen Museum.“ im Rahmen der gfm-Jahrestagung 2016, »Kritik!«, FU Berlin, 30.09.2016
  • „Interspaces in Art History and Installation Art: How to detect the In-between?“ im Rahmen der Konferenz »Critical Themes in Media Studies«, New School, New York City, 13.-14.04.2012
  • „Interface: Editing as Scientific Practice in Harun Farockis Works“ im Rahmen des Workshops »Science/Film«, Graduiertenkolleg Mediale Historiographien, Weimar, 06.05.2011

Lehrveranstaltungen

  • WiSe 18/19 Schauarrangements: Dispositive und Medialität des Ausstellens (Seminar), Johannes-Gutenberg-Universität Mainz
  • Wise 17/18: Lehreinheit „Die Objekte der ,Anderen‘“ im Rahmen des Seminars Art & Agency von Martin Siegler, Bauhaus-Universität Weimar
  • SoSe 17: 2 Lehreinheiten „Das Ausstellen von Dingen“ und „Modelle des Kuratorischen“ im Rahmen des Seminars Kuratieren: Kulturtechniken des Zeigens von Dr. Claudia Tittel, Bauhaus-Universität Weimar
  • SoSe 17 Vom Sehen zum Schreiben: Filmkritik (Aufbaumodul), Friedrich-Schiller Universität Jena
  • WiSe 16/17 Grenzbereiche des Dokumentarischen (Aufbaumodul), Friedrich-Schiller Universität Jena
  • SoSe 16 Einführung in die Theorie des Dokumentarfilms (Aufbaumodul), Friedrich-Schiller Universität Jena
  • WiSe 15/16 Filmkritik (Studienmodul, gemeinsam mit Lena Serov), Bauhaus-Universität Weimar

Veranstaltungen und Ausstellungen:

  • Unterstützung in der Vorbereitung des Ausstellungsprojekts "Die Migration der Dinge" (7.7. - 15.10.2017, Schloss Belvedere Weimar), kuratiert von Dr. Claudia Tittel − Vermittlung theoretischer Grundlagen der Ausstellungsarbeit für teilnehmende Studierende
  • Konzeption und Organisation der Ausstellung „frame by frame – Eine Ausstellung zu 11 Jahren Kinoheft“ in der Universitätsbibliothek Weimar, 8. Juni 2016-20. Oktober 2016. (gemeinsam mit Katrin Richter und Lena Serov)
  • Konzeption und Organisation der Filmreihe „KOMA-Kino“ im Wise 16/17, Lichthaus Kino Weimar. (gemeinsam mit Lena Serov)
  • Konzeption und Organisation des experimentellen Workshops „Table talks/Tischgespräche“ im Rahmen des Kultursymposiums „Teilen und Tauschen“ des Goethe-Instituts, Weimar, 2. Juni 2016 (gemeinsam mit Johannes Bennke und Martin Siegler)