SEEL

"Bestandsaufnahme und Lösungsvorschläge
für die Abwasserentsorgung
touristischer Ausflugsziele in exponierter Lage im Freistaat Thüringen
"

Projektförderung:
Thüringer Ministerium für Landwirtschaft, Naturschutz und Umwelt (TMLNU)

Projektlaufzeit: 12/2006 bis 09/2007

Projektleitung:
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Jörg Londong

BUW- Projektbearbeiter: Dipl. Ing. Matthias Hartmann

 

Problemstellung

Der Thüringer Wald, das Schiefergebirge und die Rhön sind bevorzugte Ziele für die Freizeitgestaltung, die Naherholung und den Tourismus. Insbesondere bei schönem Wetter bewegen sich täglich mehrere tausend Menschen im Umkreis einzelner Ausflugsziele, die eine den steigenden Mindestansprüchen der Besucher entsprechende, zeitgemäße Ver- und Entsorgung benötigen. In Abhängigkeit vom Bewirtschaftungsgrad stellt dies den Betreiber der Einrichtung vor große Probleme, vor allem dann, wenn der Anschluss an öffentliche Ver- und Entsorgungsnetze nicht möglich oder wirtschaftlich nicht tragbar ist. In diesen Fällen gestaltet sich insbesondere die dezentrale Abwasserbehandlung schwierig. Zum einen, weil die generell hochbelasteten Abwässer saisonalbedingt in extrem schwankender Menge und Zusammensetzung anfallen. Zum anderen, weil die Umgebung, in der sich die Ausflugziele befinden, häufig besonders empfindlich und anfällig gegen Verunreinigungen jeder Art ist. Insgesamt werden dadurch von vornherein hohe Anforderungen an die dezentrale Abwasserbehandlung gestellt. Weitere Zwangpunkte ergeben sich durch das Fehlen von geschultem Betriebspersonal, den eingeschränkten Zugangs- und Transportmöglichkeiten sowie u.U. knappen Trinkwasser- und Energieressourcen vor Ort.

Über die Anzahl und den Zustand der in exponierter Lage betrieben Kleinkläranlagen liegen für den Freistaat Thüringen momentan keine offiziellen Daten vor. Basierend auf den Erkenntnissen anderer Untersuchungen ist jedoch davon auszugehen, dass ein Großteil der Anlagen nicht dem Stand der Technik entsprechen und somit sanierungsbedürftig sind. Allerdings ist unklar, ob moderne vollbiologische Kleinkläranlagen die Reinigung der anfallenden Abwässer auf eine den gesetzlichen Anforderungen entsprechende Qualität überhaupt gewährleisten können. Denn bauaufsichtlich zugelassene Kleinkläranlagen und Nachrüstsätze, deren Leistungsvermögen bezüglich der Reinigung von häuslichen Schmutzwasser überprüft und zertifiziert wurden, müssen nicht in gleicher Weise für die Abwasserbehandlung an Ausflugszielen in exponierten Lagen geeignet sein.

Eine Alternative zur dezentralen Behandlung mittels Kleinkläranlagen ist der Transport der anfallenden Abwässer und deren Behandlung in einer zentralen Kläranlage. Hierfür bieten sich die Sammlung der Abwässer in abflusslosen Gruben und deren Abfuhr sowie der leitungsgebundene Transport an, wobei die technische Ausgestaltung der letztgenannten Möglichkeit vielfältig sind. Welcher Variante letztlich der Vorzug zu geben ist, wird im wesentlichen von den anfallenden Abwassermengen, der Entfernung zur nächsten Kläranlage und dem Ausbau der verkehrs- und technischen Infrastruktur abhängen. Aber auch die zentrale Abwasserbehandlung stößt an Grenzen, wenn die in der Nähe vorhandenen Kläranlagen zur Mitbehandlung dieser hochkonzentrierten Abwässer größen- bzw. verfahrenstechnisch nicht ausgelegt sind.

Zielsetzung

Ziel des beantragten Projektes ist es, ausgehend von einer Bestandsaufnahme einen Leitfaden für mögliche Wege einer zielgerechten Abwasserentsorgung von sanitären Einrichtungen in exponierter Lage zu entwickeln.

Der Leitfaden zielt darauf ab, gesetzeskonforme, umweltverträgliche, hygienisch einwandfreie, benützergerechte und finanziell tragbare sanitäre Einrichtungen sowie Anlagen der Abwasserentsorgung an touristisch bedeutsamen Ausflugszielen in exponierter Lage zu etablieren. Der Leitfaden soll es ermöglichen, für die spezifischen Randbedingungen exponierter Lagen allgemeinverständliche, praktisch erprobte Entscheidungshilfen und Arbeitsunterlagen für den Bau und Betrieb von sanitären Einrichtungen und Anlagen der dezentralen und zentralen Abwasserentsorgung bereitzustellen.

Vorgehensweise

Um den Zielsetzungen des Projektes gerecht zu werden, sind folgende Arbeistschritte vorgesehe

  1. Recherche relevanter Objekte im Freistaat Thüringen
  2. Messkampagne zur Charakterisierung der anfallenden Abwässer bei ausgewählten Standorten
  3. Zustandsbewertung vorhandener Kleinkläranlagen
  4. Ableitung von Handlungsempfehlungen für bestehende Anlagen
  5. Ausarbeitung angepasster Abwasserentsorgungskonzepte
  6. Erstellen eines Leitfaden zur Entscheidungsfindung
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