Eduard-Rosenthal-Straße, Weimar

Exkursion am 18.11.15, Teil I

Bauen im Bestand lebt davon, dass in der Praxis immer wieder veränderte Bedingungen angetroffen werden. Um sich einen authentischen Einblick in ein derartiges Bauvorhaben zu verschaffen hat die Professur Baubetrieb und Bauverfahren Masterstudenten zu einer kurzen Exkursion in die Eduard-Rosenthal-Straße eingeladen.

An der schon weit fortgeschrittenen Brückenbaustelle der Deutschen Bahn ließen sich die Studierenden die komplizierte Brückenerneuerung „unter rollendem Rad“ von dem Projektleiter der Bahn Projektbau, Herrn Müller, und dem Geschäftsführer der BU Wandersleben, Herrn Dr. Reuter, ausführlich erläutern.

An mehreren Stellen hatten die Bauleute erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden. Zum einen war der Baugrund im Widerlagerbereich wesentlich härter, so dass die einzuschlagenden Spundwände nicht auf die erforderliche Tiefe geschlagen werden konnten. Das hatte zur Folge, dass die Statik noch einmal komplett neu gerechnet werden musste. Dies wiederum verzögerte das Einheben der Behelfsbrücke. Ferner waren im Bereich er Brückenunterfahrt wichtige Versorgungsleitungen direkt in den Beton der Fahrbahn gegossen worden. Diese mussten schonend geborgen und dann im Seitenbereich erneut abgesenkt werden.

Immerhin führten die Verzögerungen dazu, dass der für das Ausheben der Behelfsbrücke vorgesehene Sperrpause nicht genutzt werden konnte. Die endgültige Fertigstellung der Brücke erfolgt nun im Laufe des nächsten Winters, wenn ohnehin die Bahnstrecke Weimar-Jena für einige Monate voll gesperrt wird, um sie komplett zweigleisig auszubauen.

Nach einer sehr informativen Besichtigungsstunde setzten die Studierenden den Exkursionsvormittag auf der benachbarten Baustelle ehemaligen Weimarer Krankenhauses fort.

Exkursion am 18.11.15, Teil II

Am 18.11.2015 fand im Rahmen der Vorlesungsreihe „Bauen im Bestand“ eine Exkursion zum alten Krankenhaus in der Eduard-Rosenthal-Straße 70 in Weimar statt.

Die Bestandsgebäude sind seit Mitte der 90er Jahre ohne Nutzung und befinden sich in einem sanierungsbedürftigen Zustand. Besitzer des Areals ist derzeit die Hufeland-Träger-Gesellschaft Weimar mbH (HTG). Innerhalb eines Wettbewerbs zur zukünftigen Nutzung, setzte sich ein Verein namens Ro70 gegen andere Teilnehmer durch. Mit der Idee eines Wohnprojektes erhielt der Ro70 Verein Anfang 2015 den Zuschlag der HTG zur weiteren Entwicklung eines genehmigungsfähigen Projekts. Anschließend erfolgte die Gründung der Wohnprojekt Ro70 eG. Anfang 2016 wird die HGT nach Wiedervorlage und Vorstellung des konkreten Projekts darüber entscheiden, ob sie das Gelände an das Wohnprojekt Ro70 verkaufen wird.

Das alte Krankenhausgelände besteht aus drei Gebäudeteilen (Hauptgebäude, West-Flügel, Ost-Flügel). Nach dem Konzept des Wohnprojekts Ro70 sollen die Seitenflügel zu Wohnzwecken unter Bildung von jeweils drei eigenständigen Hausgemeinschaften genutzt werden. In jeder Hausgemeinschaft werden maximal zehn Haushalte entstehen. Dabei sollen die Erdgeschosse barrierefrei hergestellt und im Souterrain des Ost-Flügels Arbeitsräume, Ateliers und Werkstätten für Studierende, Künstler oder Freiberufler integriert werden. Im Hauptgebäude werden Gemeinschaftsräume und Gewerbe (z.B. Veranstaltungssaal, Büro-, Seminar- und Gewerberäume) sowie Wohnräume entstehen. Insgesamt sollen in dem bestehenden Gebäudekomplex ca. 200 Bewohner nach dem Gedanken des Mehrgenerationenwohnens ein Zuhause finden. Die energetische Sanierung soll nach zukunftsorientierten, baubiologischen und ökologisch nachhaltigen Prinzipien erfolgen. Das 3-flüglige Ensemble umschließt einen Innenhof mit Baumbestand. Hier soll eine Parkanlage als Treffpunkt und Erholung mit einem angrenzenden Spielplatz entstehen. An diese Parkanlage wird sich der Gemeinschaftsgarten anschließen.

Frau Bohne vom Wohnprojekt Ro70, hat den Studenten im Rahmen der Exkursion die in Planung befindliche Konzeption des Bestandskomplexes erläutert und ist auf verschiedene Schwierigkeiten bei der Umnutzung eines Klinikgebäudes in einen Wohnkomplex (z.B. Integration der langen Flure deren Wände tragend sind) eingegangen. Weiterhin erläuterte Sie Probleme mit dem Umgang des fast 20 Jahre leer stehenden Gebäudes, dessen Substanz dem Selbstzerfall überlassen war. Im zweiten Teil der Exkursion durften die Studenten eigenständig durch das Gebäude gehen und eine Bestandsanalyse mehrerer Räume des Westflügels vornehmen und den Bestand einmal etwas genauer unter die Lupe nehmen.

Wir bedanken uns sehr bei Frau Bohne, vom Wohnprojekt Ro70 für ihr zeitliches Engagement, die Vorstellung des geplanten Mehrgenerationenwohnens sowie die Führung durch das Gebäude und wünschen viel Erfolg beim Fortgang des Projekts.