Seminar_Farbe

poly.chrom I – Farbe und Musik

poly.chrom möchte Sicherheit im Umgang mit Farbe geben und auf Zusammenhänge und Wechselwirkungen von Kontext und Farbe aufmerksam machen.
An Hand von analogen und digitalen Übungen zu Farbwirkung, Farbzusammensetzungen,Farbskalen und Farbklängen werden unterschiedliche Farbsysteme analysiert und angewendet.

Farbe existiert nie ansich oder allein. Sie ist immer Bestandteil eines Systems, genauer, sie gehört zur wahrnehmbaren Oberfläche eines Systems. Die Sprache der Farbe ist permanent und direkt im Raum und wird auch ohne Kenntnisse ihrer Gesetze individuell unterschiedlich, zutiefst unbewußt empfunden.

Für Architekten und Gestalter reicht es nicht aus, Farbordnungen und physikalische Gesetzmäßigkeiten der Farben zu studieren. Wichtiger noch ist es, die Farbwirkungen zu untersuchen. Welche Eigenschaften besitzen Farben und Farbzusammenstellungen in Bezug auf die Wahrnehmung und vor allem wie differenziert und komplex sind die Wirkungen, die sie hervorrufen? Gesehenes und Empfundenes bewusst zu machen und präzise zu artikulieren, um die dadurch gewonnenen Erkenntnisse gezielt im Entwurfsprozess anwenden zu können, ist Aufgabe einer ersten Übungsreihe in der Farbgestaltung für Architekturstudenten.

poly.chrom I – Farbe und Musik findet im Wintersemester satt. 

1_Farbe sehen und erkennen

Farbe im Schwarz + Weiß Am Beginn steht eine Senibilisierungs-Übung. Farbe soll nicht im knallbunten nebeneinander verglichen werden, sondern als feinste Tönungen neu entdeckt werden. Geringste Farbanteile werden einmal in einer Schwarzpapierkomposition und zum zweiten in Weißpapieren versteckt. Im Ergebnis wird die unterschiedliche Leuchtkraft einzelner Farben untersucht. Wie gut können sich Farben im Schwarz verstecken und wie gut im Weiß?

Farbtöne Beim Ausmischen einer einzigen Farbe mit Schwarz und Weiß werden feinste Farbnuancierungen deutlich. Welche Fülle von Farbtönen können gefunden werden? Die Ursachen für eine räumliche Bewegung einzelner Flächen in den Vordergrund bzw. in den Hintergrund soll erkannt werden.

Farbauszug Durch ein mikroskopartiges Betrachten einer Materialoberfläche erschließt sich dem Auge die pixelige Vielfalt einzelner Farben. Mit dem Auszug einzelner Farbwerte und deren Mengenanteil im Material wird eine neue Farbzusammenstellung vorgenommen, die das Material charakterisiert.


2_Farbe empfinden und benennen

Beziehungen zwischen Farben Eine Farbwelt wird als Ganzes wahrgenommen und empfunden. Ein bunter Streifen wird über verschiedene Betrachtungsansätze zu vorliegenden Beziehungen zwischen den einzelnen Farben analysiert. Nach Kontrastarten zwischen zwei Nachbarfarben, nach deutlich sichtbaren oder theoretischen Farbgruppierungen, nach räumlicher Bewegung in den Vordergrund oder Hintergrund, nach Teilen, die das Ganze stark bestimmen, nach Empfindungsinhalten u.m.

Farbklänge Fünf bis zehn Farben werden ausgewählt und in Gruppen zusammengesetzt. Ihre Zusammenstellung erfolgt über assoziative Erfahrungswerte und über den Filter der Sinne (Synästhesie): Gehör, Geruch, Geschmack und Tastsinn. Es werden zehn detailliert beschriebene Situationen oder Dinge und deren sinnliche Wirkung mit Hilfe von Farben wiedergegeben


 

3_mit Farbe sprechen und gestalten

Farbideen In der ersten Phase einer Entwurfsarbeit liegt die Suche nach Ideen. Eine Annäherungsmöglichkeit geschieht über das Eindenken in den Charakter des zu entwerfenden Gegenstandes. Das In-Farbe-denken-können kann dabei helfen. Noch losgelöst von jeglichen Form- und Raumgliederungsvorstellungen wird das Thema als lockere, assoziative Farbcollage dargestellt. Erinnerungen und Vorstellungen bestimmen die Auswahl von Farbflächen und deren Zusammenstellung.

Farbe im Layout Der mögliche Einsatz von Farbe in der Architektenzeichnung ist Teil der Layoutgestaltung. Farben sind Gestaltungsmittel mit hoher informativer Wirksamkeit. Sie können die fachliche Aussage des Entwurfes unterstreichen sowie eine gewünschte Atmosphäre hinsichtlich der Nutzung des Entwurfsobjektes schaffen. Die Suche nach geeigneten Techniken und Farbeinsatzmöglichkeiten wird durch drei Variantenproben an einer Planzeichnung demonstriert.

Farbe im Modell Ein Architekturmodell soll durch verschiedenen Einsatz von Farben zu ganz unterschiedlichen, möglichen Nutzungen verändert werden. Mindestens drei Fotos dienen dazu, diese Verwandlung festzuhalten und auszuwerten. Oder ein Architekturmodell kann in unterschiedlichem Licht und unter verschiedenem Lichteinfall betrachtet, Einblicke verändern, so dass sich dessen Aussagekraft wandelt, bis dahin, dass ein ganz anderer Raumeindruck entsteht. Für die Demonstration dieser Möglichkeit werden mindestens drei Modellfotos ausgewertet.


poly.chrom II – Farbe im architektonischen Kontext

poly.chrom II Foto: Luise Nerlich

„poly.chrom II – Farbe im architektonischen Kontext“ stellt die Funktion der Farbe in der Architektur in den Vordergrund. Vorerst werden optische, sensuell-haptische, anekdotisch-ikonische und systematische Farbkonzepte vorgestellt.

Später wird der Farbraum einer Straße in der Stadt Weimar mit Hilfe unterschiedlicher Farbsysteme erhoben und dokumentiert. Hierbei wird die Rolle der Farbe als Kommunikationsmittel untersucht, exemplarisch ein Farbfundus angelegt und die Wirkung der Farbe empirisch überprüft. Abschließend wird ein Farbvorschlag für eine Fassade im dargestellten Straßenraum angefertigt.

vorausichtliche Projekt-Termine 2020:

Freitag, 15. Mai, Blockseminar 1 – Farbkonzepte
Freitag, 12. Juni, Blockseminar 2 – Farbraum einer Straße
Freitag, 26. Juni, Blockseminar 3 – Farbraum einer Straße
Freitag, 10. Juli, Blockseminar 4 – Farbvorschlag für eine Fassade
Freitag, 17. Juli, Abgabe Dokumentation in Form einer Mappe

Für den Sommer 2020 ist angedacht, das Seminar so lange wie nötig als digitales Seminar anzubieten.
Die Kommunikation erfolgt über die Moodle-Plattform, per Mail und per Telefon.
Kursadresse ist: https://moodle.uni-weimar.de/course/view.php?id=21109

Die erfolgreiche Teilnahme am Grundkurs „poly.chrom – Farbe und Musik“ ist erwünscht.
Das Seminar kann gern als Begleitseminar zum „Grünen Salon“ – 2. Kernmodul, Entwurf-Nummer 1110140 belegt werden.