Ab dem Wintersemester 2018/19 verstärkt Dr. Christopher Buschow mit der Juniorprofessur für Organisation und vernetzte Medien den Fachbereich Medienmanagement an der Bauhaus-Universität Weimar. (Foto: Hauke-Christian Dittrich Fotografie)
Erstellt: 24. September 2018

Dr. Christopher Buschow ist neuer Juniorprofessor für »Organisation und vernetzte Medien«

Im Interview spricht er über geplante Lehrveranstaltungen, Cat Content und das Leben in der »5-Minuten-Stadt« Weimar.

Tina Meinhardt:Sie waren die letzten Jahre am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover tätig. In Hannover leben etwa achtmal so viele Menschen wie in Weimar. Genießen Sie die Ruhe oder vermissen Sie den Trubel?

Christopher Buschow: Dank meiner neuen Kolleginnen und Kollegen konnte ich Weimar schon in den Sommermonaten ein wenig kennenlernen. Da war die Stadt immer lebendig – nicht nur während der eindrucksvollen summaery! Ich habe gelernt, dass ich jetzt in einer »Fünf-Minuten-Stadt« wohne, die wesentlich komprimierter ist als eine Großstadt. So läuft man sich viel eher auch mal ungeplant über den Weg. Das gefällt mir, denn aus meiner Sicht sind es die zufälligen Treffen bei Veranstaltungen, auf dem Campus oder auf der Straße, die häufig neue Gedankengänge anstoßen. Für mich korrespondiert die Größe der Stadt wunderbar mit dem »Bauhaus-Gedanken«, mit der Idee eines transdisziplinären Austausches, der Impulse für Neues setzt. Die ersten spontanen Begegnungen und Gespräche hat es schon gegeben und ich freue mich auf viele weitere!

TM:Sie treten zum Wintersemester 2018/19 die Juniorprofessur »Organisation und vernetzte Medien« im Fachbereich Medienmanagement an. Was kann man sich unter dieser Denomination vorstellen?

CB: Die Digitalisierung hat die Strukturen der Medienbranche fundamental verändert. Das gilt auch für Fragen der Organisation von Arbeit und Beschäftigung. Dass diese künftig kaum mehr exklusiv in den alten, unveränderten Modellen des massenmedialen Zeitalters – Presseverlage, Rundfunksender und ihre Redaktionen – erbracht werden wird, ist ja nicht zuletzt durch deren aktuelle Krisen offensichtlich geworden. Deshalb werde ich mich in Weimar schwerpunktmäßig mit der Fragestellung befassen, welche neuen Organisations-, Koordinations- und Arbeitsformen entstehen, um öffentliche Kommunikation unter den Bedingungen digitaler, vernetzter Medien erfolgreich zu organisieren. Für diese zukunftsgerichtete, häufig explorative Forschung bieten die Juniorprofessur und die Bauhaus-Universität aus meiner Sicht ausgezeichnete Voraussetzungen.


TM:Ihre Schwerpunkte sind Media Entrepreneurship und journalistische Start-Ups. Wie planen Sie diese Bereiche in die Lehre der Fakultät Medien einzubinden? Auf welche Lehrveranstaltungen können sich die Studierenden im kommenden Semester freuen?

CB: Meine Lehre schließt natürlich an den Forschungsschwerpunkt an: Auch hier soll es in erster Linie um die neuen Organisations- und Arbeitsformen in der Medienbranche gehen. Ein zentraler Ort, an dem diese erprobt werden, sind Neugründungen und Start-ups. Im Wintersemester werden die Studierenden und ich uns deshalb mit Potenzialen und Herausforderungen journalistischer Gründungen beschäftigen. In Verlagsbranche und Journalismus zeigen sich die typischen Problemlagen der Medienwirtschaft besonders deutlich. Deshalb bilden sie auch den Gegenstand des Methodenseminars zur qualitativen Fallstudienforschung, das ich im Wintersemester parallel anbiete.


TM: Sie haben sich viel mit dem Wandel des Journalismus und sozialen Medien beschäftigt. Wie erklären Sie sich das Phänomen »Cat Content«?

CB: Da muss ich weiter ausholen: Das Internet hat eine stark verschärfte ‚Ökonomie der Aufmerksamkeit‘ geschaffen, in der mehr Inhalte als je zuvor um das begrenzte Zeitbudget von Nutzerinnen und Nutzer konkurrieren. Dass u.a. ‚Cat-Content‘ und damit also eine spezielle Internet-Popkultur zu einer bedeutenden Konkurrenz für die gängigen Medienformate geworden ist, hängt vermutlich – ohne dass ich hierzu dediziert geforscht hätte – mit ihrer einfachen und schnellen Konsumierbarkeit, ihrer positiven Grundstimmung und ihrem zugegebenermaßen großen Unterhaltungswert zusammen. Als Kommunikationswissenschaftler interessiert mich in diesem Zusammenhang allerdings auch, welche Potenziale Internet-Popkultur, ihre Memes, GIFs usw. eröffnen, um gesellschaftliche Öffentlichkeit herzustellen. Ein Beispiel: Kann die Verknüpfung mit Katzen-Inhalten jüngere Nutzer wieder verstärkt an informierende Berichterstattung zu Gesellschafts- oder Politikthemen heranführen? Das News-Start-up BuzzFeed hat diesen Weg in den USA ja verfolgt und durchaus beachtliche Erfolge erzielt.


TM:Wo kann man Sie außerhalb der Universität antreffen? Welche Orte in Weimar haben das Potential zu Ihren Lieblingsplätzen zu werden?

CB: Momentan erkunde ich die Stadt noch – aber gerade das kann natürlich zu spontanen Begegnungen führen, über die ich mich immer freue. Überall dort, wo die ‚Bauhaus-Idee‘präsent ist, wird es für mich besonders spannend sein. Deshalb ist es prima, dass ich am 10. Oktober beim neudeli Gründertreffen schon vor Lehrbeginn meine Arbeit kurz vorstellen darf.

 

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