Bericht zum Caring City Projekt nun auf Deutsch in der IfEU Open Reihe erschienen
In den letzten Jahren hat die „Caring City“ als Konzept zur Überwindung der vielfältigen Care-Krisen in vielen Städten weltweit Eingang in feministische und städtebauliche Debatten und in die Kommunalpolitik gefunden. In einer Studie im Auftrag des vhw untersuchten die Autorinnen Sandra Huning und Hannah Müller an der Bauhaus-Universität Weimar, Fakultät Architektur und Urbanistik, von Dezember 2023 bis September 2024 die Entstehung, die Umsetzung und das Potenzial von Caring Cities für eine nachhaltige und sozial gerechte Stadtentwicklungspolitik. Auf Grundlage einer internationalen Literaturrecherche und ausgewählter Fallstudien stellt dieser Bericht die Ergebnisse der Studie vor. Er gibt einen Überblick über die Caring-City-Politik in ausgewählten Städten in Europa und Lateinamerika, über ihre Entstehung, Ziele und wesentlichen Elemente. Caring-City-Maßnahmen und -Projekte reichen von integrierten Care-Strategien über Care-Systeme und Care- Zentren auf Nachbarschafts- und Quartiersebene bis hin zu Netzwerken zur gegenseitigen Unterstützung und gesellschaftlichen Sensibilisierung. Der Bericht benennt und beschreibt die zentralen Bausteine und diskutiert, unter welchen Voraussetzungen diese auch im deutschsprachigen Raum bei unterschiedlichen lokalen Akteuren Anwendung finden können.
Der Bericht kann Open Access als PDF heruntergeladen werden: https://doi.org/10.25643/dbt.68371
Bei Rückfragen und Anregungen wenden Sie sich gern an: hannah.mueller[at]uni-weimar.de
Englischer Artikel zu Caring Cities im Urban Planning Journal, Vol 10 (2025): Public Urban Cultures of Care erschienen
Im September 2025 ist unser englischer Artikel mit dem Titel: Caring Cities: Towards a Public Urban Culture of Care? im Urban Planning Journal, Vol 10 (2025): Public Urban Cultures of Care erschienen. Dieser kann Open Access als PDF kostenlos heruntergeladen werden: https://doi.org/10.17645/up.10016
Abstract: Based on an international literature review and selected case studies, this article discusses the potential of the Caring City policies for an urban public culture of care. In recent years, “the caring city” has entered feminist and urbanist debates and local politics as a concept to overcome the multiple crises of care. The concept draws on a longstanding tradition of feminist research and critique, but is a comparatively new attempt to transform care arrangements at the local level. It addresses the urban as a system of mutual care and a place of daily and (inter)generational care for oneself, others, and the planet. In terms of the importance of local infrastructure in enabling or hindering care, the concept also includes a debate on planning as caring practice. It is enhanced and put into practice by local governments, such as in Barcelona and Madrid (Spain) and Bogotá (Colombia). Here, Caring City policies range from integrated care strategies to neighbourhood care systems, including care centres, mutual support networks, and awareness‐raising. The article provides an overview of Caring City policies, their genesis, objectives, and essential elements. We argue that the concept resonates well with the current quest to develop more sustainable and equitable cities by establishing public urban cultures of care. The Caring City policies’ long‐term effects, however, require monitoring, as the case studies demonstrate how little established Caring City policies still are and how much effort it takes to anchor them in local politics in the long term.
Abschlussveranstaltung: "Das Konzept Caring City – Potenziale für eine nachhaltige und soziale Stadtentwicklung"
Am 25. Oktober 2024 fand die englischsprachige Online-Abschlusspräsentation des Forschungsprojekts „Caring Cities“ statt. Das Projekt wurde von Dezember 2023 bis September 2024 an der Bauhaus-Universität Weimar von Vertr.-Prof. Dr.-Ing. Sandra Huning und Hannah Müller M. A. durchgeführt. Gefördert wurde es vom vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. in Berlin. Im Forschungsprojekt ging es zum einen darum zu verstehen, wie das Konzept „Caring City“ in Wissenschaft und Stadtplanung/-politik interpretiert und in praktisches Handeln übersetzt wird. Zum anderen sollten die Potenziale für eine sozialgerechte und nachhaltige Stadtentwicklung analysiert werden.
Im Zentrum der Abschlussveranstaltung stand die Präsentation der Projektergebnisse durch Hannah Müller. Zunächst stellte sie die zentralen akademischen Debatten, die mit dem Konzept der Caring City verknüpft sind, vor. Der Fokus lag dabei auf feministischen, urbanistischen und ökologischen Perspektiven. Auch munizipalistische Bewegungen haben maßgebliche Beiträge zu den Debatten um Caring Cities geleistet. Außerdem finden sich Ansätze, die Planung selbst als „Care“ diskutieren.
Anhand von vier Fallstudien – Barcelona und Madrid (Spanien), Bogotá (Kolumbien) und Umeå (Schweden) – sowie weiteren städtischen Beispielen lassen sich mehrere Anknüpfungspunkte für die Umsetzung einer Caring City-Politik auf lokaler Ebene erkennen, die auf vielfältige Weise miteinander verbunden werden können. Aus der Zusammenschau ergaben sich für die erfolgreiche Umsetzung einer Caring City-Politik mehrere Ansatzpunkte. Erstens braucht es Studien für die Schaffung von Datengrundlagen (Erhebungen zur Zeitverwendung, zur Situation von Sorgetragenden, zu Infrastruktur-Bedarfen etc.). Zweitens ist politische Unterstützung essentiell: Die untersuchten Beispiele zeigen, dass politische Mehrheiten im Stadtrat sowie die Unterstützung von der Bürgermeisterin oder dem Bürgermeister für die Durchsetzung einer Caring City-Politik sehr förderlich sind. Für die langfristige Transformation bedarf es weiterer Mitstreiter*innen (innerhalb und außerhalb von Institutionen), die an unterschiedlichen Stellen Verantwortung übernehmen und Projekte initiieren. Eine Umstrukturierung von Verwaltungszuständigkeiten kann dafür notwendig sein, um eine übergreifende und langfristige Verankerung des Themas zu gewährleisten. In jedem Fall ist es unumgänglich, sich über das eigene und gemeinsame Verständnis zentraler Begriffe und Konzepte auszutauschen und (Arbeits-) Definitionen zu verfassen (z. B. mit wissenschaftlicher Unterstützung). Darüber hinaus ist die Anerkennung von Sorgearbeit als Arbeit, ihre Sichtbarmachung und Wertschätzung zentrales Anliegen einer Caring City-Politik, z. B. durch Weiterbildungen, Kampagnen, Preise, Kunst- und Kultur etc. Zur Veranschaulichung und Erprobung können zunächst Pilotprojekte in einzelnen Stadtteilen gestartet werden, um Bedarf und Nutzen aufzuzeigen. Last, but not least braucht es die Bereitschaft zu Selbstreflexion und Weiterbildung bei allen Beteiligten mit Blick auf die gesellschaftliche Relevanz von Care-Arbeit und Care-Ethik.
Die Hinweise und Links zu den Publikationen des Projekts finden Sie unter der entsprechenden Überschrift auf dieser Seite.
Start des Forschungsprojekts "Das Konzept Caring City - Potenziale für eine nachhaltige und soziale Stadtentwicklung
Im Dezember 2023 ist ein neues Forschungsprojekt unter dem Titel: Das Konzept Caring City – Potenziale für eine nachhaltige und soziale Stadtentwicklung gestartet. Das Projekt wird den aktuellen akademischen Diskurs (deutschsprachig und international) zum Konzept Caring Cities aufarbeiten und mögliche Anschlüsse an ältere Diskurse zu feministischer Stadt(planung) und Gender Planning untersuchen. Der Diskurs um die Caring City versteht Stadt als System der gegenseitigen (Für-)Sorge und rückt die Bedarfe von Sorgetragenden in den Fokus der Organisation und Gestaltung von Stadt und ihrer Infrastruktur. Ziel der Analyse ist es den Mehrwert des Konzepts Caring City für die Stadtforschung und eine soziale und nachhaltige Stadtentwicklungspraxis auszuloten und die Übertragung des akademischen Diskurses in die Praxis zu prüfen. Neben der Aufarbeitung des Debattenstandes sind zwei Workshops mit einschlägigen Expert*innen (international und deutschsprachig) zur Diskussion und Weiterentwicklung des Konzeptes geplant. Das Forschungsprojekt wird vom vhw – Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e. V. finanziert und läuft bis einschließlich September 2024. Das Projekt wird von Vertr.-Prof. Dr.-Ing. Sandra Huning (BUW) geleitet und von der neuen wissenschaftlichen Mitarbeiterin Hannah Müller bearbeitet.