Master_Thesis

wasser.architekturen

Entwurf: Dimitra Papadimitirou

EIN BADEHAUS

Master-Thesis Dimitra Papadimitriou, 2017

Wasser stellt nicht nur die lebensnotwendige Ressource für uns Menschen dar, sondern ist als Medium ein elementarer Bestandteil vieler Rituale und Heilpraktiken. Ein Blick auf vergangene, kulturelle Epochen zeigt wie das Wasser in spezifischen Bauformen thematisiert wurde. Daran angelehnt beschäftigt sich auch das Projekt “Wasser.Architekturen” der Professur Bauformenlehre mit dem Entwurf einer zeitgemäßen, adäquaten Bauform der Wasserarchitektur.

Die wesentliche Grundlage für den Entwurf bilden zwei Stegreifentwürfe. Der erste Stegreif verlangte die Auseinandersetzung mit der persönlichen Badebiographie. Die emotionale Konfrontation mit einem Erlebnis erlaubt es, ein erstes Bild zu entwickeln, dass im späteren Entwurf zu tragen kommt. Es ist die erste Fahrt mit dem Boot auf eine Insel. Diese Metapher greift durch ihre Bildhaftigkeit drei Parameter auf: Bewegung, Sehnsucht und Ruhe. In einem abstrakten Modell, wurden diese drei Stichworte verbildlicht. Der zweite Stegreifentwurf forderte die Beschreibung eines Protagonisten, für welchen das beschriebene Erlebnis von Bedeutung sein oder werden kann.

Ein gesundes Körpergefühl und ein gesunder Geist gelten in unserer heutigen Zeit als erstrebenswerte Ideale. Der moderne Mensch ist einer andauernden Beschleunigung ausgesetzt. High-Speed und to-go-Produkte versprechen zeitliche Kompensation. Wir wollen überall sein, erreichbar- und leistungsbereit bleiben. Aus dem Schneller-Besser-Ideal entspringt ein wertvoller technischer und wirtschaftlicher Fortschritt, den niemand missen möchte. Geht allerdings ein humanverträgliches Maß verloren, reagieren Menschen sensibel. Krankheiten wie Burnout und Depressionen stellen längst keine Modeerscheinungen mehr dar. Orte der Ruhe und Erholung haben mittlerweile den Status eigener Sakralräume erlangt. Welchen Einfluss nimmt die Architektur auf diesen Protagonisten? Wie sieht ein Raumgefüge aus, welches im Zusammenhang mit Wasser einen Ruheort ausbildet? Aus diesen Fragen entwickelte sich der Gedanke einzelner Ruhe und Bewegungsräume. In ihrer Gesamtheit stellen diese nicht nur eine Raumfolge dar, sondern verbildlichen die Begriffe Sehnsucht, Bewegung und Ruhe und dienen darüber hinaus, als eine Art Katalog für den Entwurf.

Auf Basis der Stegreifentwürfe galt es einen Ort zu finden, der eben jenen Rückzugsort entsprechen kann. Die Beschreibung des Protagonisten unterstreicht den Gedanken ein urbanes Refugium zu schaffen - je zentraler, desto besser. Ein Paradoxon das entscheidende Vorteile mit sich bringt: Das Gebäude bildet einen zentralen Erholungsort und schafft es die, dem Wasser zugeschriebene Bauform wieder im Zentrum unserer Städte zu integrieren. Das Badehaus füllt die Baulücke hinter dem Rathaus am Markt in Weimar. Es ist von der Windischengasse aus erschlossen und setzt sich als Monolith auf die ehemaligen Grundstückgrenzen der Bebauung aus dem 18. Jahrhundert. Die Beschreibung des Gebäudes als Badehaus greift sicherlich auf einen historischen Bautyp zurück. Während die Badehäuser und Badestuben des 13. - 16. Jahrhunderts primär der Hygiene gewidmet waren, soll das hier entworfene Badehaus einen Erholungsort im Stadtgefüge darstellen und somit das Erholungsangebot der Stadt erweitern. Es bietet Platz für 25 Besucher die sich zeitgleich im gebäude aufhalten können.

wasser.architekturen

Entwurf: Julia Zenk

RUINENBAD

Master-Thesis Julia Zenk, 2017 

(…) Das Ruinenbad kommt am Ende einer Wanderung zwischen dichten Waldbäumen zum Vorschein. Die Mauerreste einer einstigen Burg, der Lobdeburg, bilden zusammen mit Sichtbetonfertigteilen eine neue Hülle für das Ruinenbad. Einige Mauerteile der Ruine bleiben in ihrer heutigen Erscheinung erhalten und werden mit Abdeckblechen auf den Mauerkronen vor Witterung geschützt. Der Eingang tritt aus der ansonsten schlichtgehaltenen Fassade hervor. (…)

Man folgt einem Cortenstahlpfad, der sich durch das Gebäude schlängelt und so eine klare Abfolge der einzelnen Badelemente vorgibt. Von geschlossenen Räumen mit gedämpften Licht wird man stufenweise zu hellen Bereichen mit atemberaubenden Ausblicken geführt. Man durchläuft angelehnt an das antike Vorbild des Ringtypus einen warmen (tepidarium), einen heißen (caldarium), wieder einen warmen und einen kalten (frigidarium) Bereich, um von dort aus abermals den warmen Bereich zu betreten und eine weitere Runde zu starten. Nicht nur der Weg sondern auch die Komponenten auf dem Kurs, wie die einzelnen Becken oder das Dampfbad, sind in Cortenstahl gefasst. So kann auf eine Beschilderung – bis auf die vorschriftsmäßig notwendigen – verzichtet werden, da man dem rostrotem Faden folgt. Um die geforderte Oberflächenqualität für die Nutzung in einem Bad zu gewährleisten, wird die Stahloberfläche mit einer rutschhemmenden Pulverbeschichtung, die desweiteren gegen Abfärben schützt, versiegelt. Der Weg ist durchgängig beheizt und die Messinghandläufe, -beckeneinstiegshilfen und -türgriffe sichern eine angenehme Haptik. (…)

textil

verfasser_foto: bernd rudolf