Johannes Bennke

Projektitel

Medienethik und die Produktivität des Negativen. Wissensformen in der sensorischen Ethnographie.

Projektbeschreibung

In meinem Promotionsvorhaben möchte ich eine alteritäre Medienethik entwickeln, die anthropologische Differenz als Produktivität des Negativen medienphilosophisch erneuern, und deren Wissensformen in dokumentarischePraktiken der visuellen Anthropologie, insbesondere der sensorischen Ethnographie, herausarbeiten.

Die Konstitution und Involviertheit des Menschen in der Welt ist rätselhaft, offen und unverfügbar. Gerade in ästhetischen und medien-technischen Konstellationen erweist sich dies als produktives Moment eines unerschöpflichen Gestaltungsspielraums. Das Unverfügbare zeigt sich als sinnliche Performanz und Episteme. Dieses Zusammentreffen von Alterität und Potentialität zu einem unbekannten Möglichkeitsraum medienphilosophisch zu konzipieren und zugleich die Einsicht in dessen Notwendigkeit für das Humane als eine Menschwerdung darzustellen, ist Anliegen meines Promotionsprojektes.

Hierzu möchte ich in einer ersten Abgrenzungsbewegung den Begriff der Medienethik neu konzipieren. Ausgangspunkt für eine alteritäre Medienethik ist der Bildbegriff von Emmanuel Levinas. Der zentrale Anstoß meiner Arbeit ist, Levinas als Medienphilosophen zu profilieren und dessen verteilte und rare Aussagen zum Ästhetischen, insbesondere zum Bild, in eine Medienethik zu überführen. Diese Übertragung konvertiert nicht nur zentrale Konzepte der Phänomenologie (Intentionalität, Erfahrung), sondern rückt auch andere Begriffe für Theorien des Performativen (Afformanz, Entstellung, Passivität) und der Medienanthropologie (Negation, Verdinglichung, anthropologische Differenz) in den Fokus. Dies erfordert eine grundlegende Arbeit sowohl am Begriffsfeld der Phänomenologie und des Performativen und ihren Operationen als auch an konkreten (künstlerischen) Praktiken.

Eine zentrale methodische Notwendigkeit meiner Arbeit besteht daher darin, Theorie und (Film-) Material in eine enge filmphilosophische Diskussion zu verwickeln, um deren singuläre Wissensform bestimmen zu können. So hat sich auch die Medienethik den dokumentarischen Praktiken der visuellen Anthropologie zu stellen, insbesondere denjenigen, die unter dem Namen "Sensorische Ethnographie" bekannt sind.

 

Vita

Johannes Bennke studierte Philosophie, Filmwissenschaft und Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in Frankfurt am Main, Berlin und Paris. Er beendete 2014 seinen Master in Europäischer Medienwissenschaft an der Universität Potsdam bei Dieter Mersch und Michael Mayer mit einer medienphilosophischen Arbeit zum Bildbegriff bei Emmanuel Levinas (Bildkonversionen. Zum Wandel der Performativität und ihrer Episteme in künstlerischen Praktiken). Während seines Studiums war er Stipendiat des Ev. Studienwerks Villigst e.V. und Sprecher der AG Kunst und Wissenschaft. Er war studentische Hilfskraft am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und Literatur, Berlin für die Autorin Tzveta Sofronieva sowie wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Medientheorie der Universität Potsdam. Er ist Gründungsmitglied des Online Filmmagazins FRAGMENT FILM und hat vor seinem Studium mehrere Jahre bei David Chipperfield Architects als Architekturfotograf gearbeitet.

 

Forschungsschwerpunkte 

Medienphilosophie, -theorie, Phänomenologie, Bildphilosophie, - theorie, Filmphilosophie, -theorie, Medienanthropologie, Dokumentarfilmtheorien, Ethnographischer Film, Dokumentarische Praktiken, Artistic Research, Performance Philosophy

 

Publikationen

2016

An Interview with Mark Hansen, in: Iluminace. The Journal of Film Theory, History and Aesthetics, 2/2016, Vol. 29 (im Erscheinen).

Disziplinarmacht, Kontrollmacht, Psychomacht. Medialitäten des technischen und leiblichen Fühlens, erscheint auf dem Blog des Masterstudiengangs Medienwissenschaft der Bauhaus Universität Weimar (im Erscheinen).

 ...and One Day It Will All Fit Together. An Interview with Georges Didi-Huberman, in: Iluminace. The Journal of of Film Theory, History and Aesthetics, 1/2016, Vol. 28, S. 123-128.

Die Erschütterung des Humanen, in: Cargo, No. 30, Berlin: Cargo Verlag 2016, S. 54-62.

Zur Ethik des Bildes bei Emmanuel Lévinas, in: figurationen. gender literatur kunst: Visuelles Denken/Visual Thinking, hrsg. v. Dieter Mersch, No. 1/2016, Zürich: Böhlau 2016, 93-114.

2013

Tagungsnotiz: Performance Philosophy. Staging a new fiel 11.-13.4.2013, University of Surrey, Guildford, UK
http://kunstwissenkollision.tumblr.com/tagged/texte#48762533467 

2012

Morphologie des Humanen - Ein Essay zu Körperregimen im Film Vortrag im Rahmen des Workshops „Körper - Zwischen Wissen und Wahrnehmung“ der AG Kunst und Wissenschaft des Ev. Studienwerks Villigst e.V.
kunstwissenkollision.tumblr.com/post/22782175586/morphologie-des-humanen-ein-essay-zu&nbsp

seit 2011 zahlreiche Filmkritiken für FRAGMENT FILM und Berliner-Filmfestivals.de 


Vorträge
 

11/2016 The Documentary Real. The Films of the Sensory Ethnography Lab and the Conversion of Media Philosophy
„The Real of the Reality. International Conference on Philosophy and Film“, Symposium, 2.-6.11.2016, ZKM | Centre for Art and Media Karlsruhe.

09/2016 Spiegeln ohne Reflektion. Zur Performanz der Projektion
„Ernst Kapp und die Anthropologie der Technik. Eine interdisziplinäre Tagung“, 22.-23.09.2016, Internationales Kolleg für Medienphilosophie und Kulturtechnikforschung (IKKM) in Kooperation mit dem Kompetenzzentrum Medienanthropologie (KOMA) Bauhaus Universität Weimar.

07/2015 Disziplinarmacht, Kontrollmacht, Psychomacht. Medialitäten des technischen und leiblichen Fühlens
"medien:fühlen", 6. Tagung des Masterstudiengangs Medienwissenschaft Bauhaus-Universität Weimar.

06/2015 Bild-Gebung als Akt der Zerstörung
"Das Bild als Argument in den Wissenschaften", Workshop der AG Kunst und Wissenschaft, ev. Studienwerk Villigst e.V. (UdK Berlin)

03/2015 Bildkonversionen und ihre Signaturen in künstlerischen Praktiken
"Das ist ein Bild!", Workshop der AG Medienphilosophie der Gesellschaft für Medienwissenschaft, 12./13. März 2015, Aby Warburg Haus, Hamburg

07/2012 Wir sind alle Nekronauten! - Kunst und Demokratie bei der International Necronautical Society
"Aisthetische Dimensionen des Performativen", Öffentlicher Workshop mit einem Abendvortrag von Kristiane Hasselmann (FU Berlin) an der Uni Potsdam.

03/2012 Morphologie des Humanen - Ein Essay zu Körperregimen im Film
„Körper - Zwischen Wissen und Wahrnehmung“, Workshop der AG Kunst und Wissenschaft des Ev. Studienwerks Villigst e.V. (Berlin)
kunstwissenkollision.tumblr.com/post/22782175586/morphologie-des-humanen-ein-essay-zu 

02/2012 Ethische Dimensionen des Performativen in Herman Melvilles "Bartleby"
"Ethische Dimensionen des Performativen", eine öffentliche Gesprächsrunde mit Barbara Gronau (FU Berlin) und Alice Lagaay (Uni Bremen) an der Uni Potsdam.

  

Lehrveranstaltungen

WiSe 2016/2017: Einführung in die Bildanthropologie

WiSe 2015/2016: Zur Medienethik des Bildes

SoSe 2014: Die undarstellbare Gemeinschaft (Jean-Luc Nancy), in Kooperation mit Dr. Maurício Liesen

WiSe 2011/12: Schreiben über Film an der Schnittstelle von Film- und Medienwissenschaft

  

Workshopbeiträge und Lehreinheiten

10/2016 Introduction into German Media Philosophy (Prague)
 
Workshopbeitrag, Charles University Prague. Gefördert durch das ERASMUS + Programm.

09/2016 Leviathan und das Sensory Ethnography Lab (Zürich)
 
Workshopbeitrag, Sommerakademie Master-Forschungskolleg „Ästhetische Kulturen“, Im Trüben fischen. Tiere in den Künsten und der ästhetischen Forschung, ZHDK - Züricher Hochschule der Künste.

12/2015 Mediale Anthropologie (Weimar)
 
Lehreinheit, Master-Studiengang Medienwissenschaft unter der Leitung von Prof. Dr. Christiane Voss.

06/2015 Psychomacht und Gouvernementalität (Potsdam)

Lehreinheit, Bachelor-Studiengang der Europäischen Medienwissenschaft unter der Leitung von PD Dr. Michael Mayer.

 

Workshop- und Veranstaltungsorganisation

06/2016 KOMA Tischgespräche: Szenen des Teilens und Tauschens im Film (Weimar)

Konzeption und Organisation eines experimentellen Workshops gemeinsam mit Martin Siegler und Susanne Wagner im Rahmen des Kultursymposiums „Teilen und Tauschen“ Weimar, 2. Juni 2016, Goethe-Institut

06/2014 Wir geben nix, wir nehmen nur. PARALLAKTISCHES LABORATORIUM I  (Schwerte)

Konzeption und Organisation einer partizipativen Ausstellung, AG Kunst und Wissenschaft des Ev. Studienwerk Villigst e.V.

09/2013 STOFF[WECHSEL]. Eine multidisziplinäre Forschungswerkstatt (Könnern bei Halle an der Saale)

Konzeption und Organisation eines Workshops, AG Kunst und Wissenschaft des Ev. Studienwerk Villigst e.V.

06/2013 Interdisziplinäre Werkstattbegehungen (Berlin/Potsdam)
Konzeption und Organisation von Werkstätten, AG Kunst und Wissenschaft, Ev. Studienwerk Villigst e.V.

10/2004 - 01/2010 Quick Flick World, Monthly International Shortfilmfestival (Berlin/Paris)

Organisation von „Masterclass-Events“

  

Projekte an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft

09/2014 AEROGRAPHIE (Zürich)
Aufzeichnungsexperiment am Windkanal des Forschungsschwerpunkts Transdisziplinarität an der Zürcher Hochschule der Künste, AG Kunst und Wissenschaft, Ev. Studienwerk Villigst e.V.

06/2014 PARALLAKTISCHES LABORATORIUM I. (Schwerte)
Auftakt einer Serie zur Praxis von medialen und ästhetischen Differenzen AG Kunst und Wissenschaft, Ev. Studienwerk Villigst e.V.

- Parallaxen (10 Minimalfilme mit je 2 Frames, 8fps & 12fps)
- Zeitparallaxe (Zwei-Kanal-Video-Installation)
- Im Zeugenstand (Zwei-Kanal-Video-Installation)
- Ko-respondenz (Schreibperformance zusammen mit Dr. Maurício Liesen)
- Anarchiv. Dokumentensammlung zur Undarstellbarkeit der Gemeinschaft
  (zusammen mit Dr. Maurício Liesen)
- Das Soziale Band (Performance, zusammen mit Dr. Maurício Liesen)

03/2014 TÜR INS NICHTS (Berlin)
Soundperformance zusammen mit Christina Sporr, realisiert im Rahmen der Veranstaltungsserie In leeren Räumen wohnen #1, Berlin.

08/2013 ANGELOMETRIE (Berlin)
Soundperformance mit Tamara Rettenmund, aufgeführt am ETI Berlin. 

10/2012 BLACKBOX//MÖGLICHKEITSRAUM (Potsdam)
Rauminstallation im Syntopischen Salon, Potsdam. Konzept und Umsetzung zusammen mit Stephan Orendi.