Johanna Seifert

Projekttitel

Overcoming the human. Der Mensch im Spannungsfeld von Medienanthropologie und Posthumanismus.

Projektbeschreibung

Mit den gegenwärtigen Entwicklungen der “converging technologies” (NBIC) ist ein neues Moment der Integration von Mensch/Körper und Medien/Techniken angesprochen. Traditionelle philosophische Anthropologien, die den Menschen substantialistisch und identitär verstehen und definieren, scheinen den gegenwärtigen technologischen Bedingungen nicht mehr entsprechen zu können. Demgegenüber stehen die Erklärungsversuche der Biowissenschaften, die den Menschen primär in seiner Funktion als Lebewesen betrachten. Diesen einseitigen Perspektiven soll kritisch begegnet werden. Dies geschieht zum einem auf begrifflich-analytische Weise, indem nach den konzeptuellen Verschiebungen des biowissenschaftlichen Paradigmas gefragt wird, zum anderen auf dem Weg der Beschreibung anthropomedialer Verschränkungen von Technischem und Organischem, Menschlichem und Nichtmenschlichem, Körper und Technologie. Indem Technik den menschlichen Körper nicht einfach erweitert, sondern eigendynamisch auf diesen zurückwirkt, wird nach ihrem anthropogenerischen Potential gefragt. Das Forschungsprojekt mündet in der Frage, wie sich das Bild des Menschen im Spiegel seiner neuen Medien verändert und welche normativen Konsequenzen sich aus der anthropomedialen Verschiebung des Menschenbegriffs ergeben.


Vita

Johanna Seifert studierte Deutsche Literatur und Philosophie im Bachelor an der Humboldt Universität zu Berlin und der Università degli Studi di Palermo, sowie Philosophie im Master an der Freien Universität Berlin. Während ihres Studiums war Johanna Seifert studentische Hilfskraft für Prof. Philipp Felsch am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt Universität. Im März 2015 graduierte sie in Philosophie mit einer Arbeit zu Nietzsche und dem Transhumanismus. Seit April 2015 ist Johanna Seifert Stipendiatin am Kompetenzzentrum Medienanthropologie (KOMA).


Publikationen

Herausgaben:

"Das Mitsein der Medien. Prekäre Koexistenzen von Menschen, Maschinen und Algorithmen", gemeinsam mit Johannes Bennke, Martin Siegler, Christina Terberl, Fink 2018.


Artikel:

"Praktiken, Techniken, Operationen. Die praxeologische Wende in der Medien- und Kulturwissenschaft", in: Internationales Jahrbuch für Medienphilosophie, hg. v. Dieter Mersch, Katerina Krtilova, De Gruyter, Bd. 5: Medialität/Praxis (im Erscheinen).

"Ernst Kapps Organprojektion zwischen Mängeltheorie und Medienanthropologie", in: Harun Maye, Leander Scholz (Hg.): Ernst Kapp und die Anthropologie der Medien, Kadmos (im Erscheinen).

"Self-Enhancement: A New Form of Self-Formation? Nietzsche and Transhumanism”, in: Katrin Lörch-Merkle, Albert van der Veer (Hg.): Human Enhancement: toward a new kind of human being? Anthropological and ethical perspectives on biological and technical possibilities, Vernon Press (im Erscheinen).

"Technikkörper und Körpermedium. Überlegungen zum technischen Eingriff in den menschlichen Körper", in: Lorenz Engell, Christiane Voss, Katerina Krtilova (Hg.): Medienanthropologische Szenen. Die conditio humana im Zeitalter der Medien, Wilhelm Fink (Im Erscheinen)

"Von der Schwierigkeit, sich selbst zu verstehen. Technik als anthropologische Herausforderung", in: Philokles. Zeitschrift für populäre Philosophie (im Erscheinen)

"Einleitung" (gemeinsam mit Johannes Bennke, Martin Siegler), in: Johanna Seifert, Johannes Bennke, Martin Siegler, Christina Terberl (Hg.): Das Mitsein der Medien. Prekäre Koexistenzen von Menschen, Maschinen und Algorithmen, Fink 2018. S.1-24.

"Parahumanität und prekäre Koexistenzen. Karin Harrasser im Interview mit Johannes Bennke, Johanna Seifert, Martin Siegler und Christina Terberl", in: Johanna Seifert, Johannes Bennke, Martin Siegler, Christina Terberl (Hg.): Das Mitsein der Medien. Prekäre Koexistenzen von Menschen, Maschinen und Algorithmen, Fink  2018. S. 175-185.


Übersetzungen:

Emmanuel Alloa: "Architekturen der Transparenz", in: Ulrike Kuch (Hg.): Das Diaphane. Architektur und ihre Bildlichkeit, Transcript (im Erscheinen).


Rezensionen zu (Auswahl):

Dierk Spreen: Upgradekultur. Der Körper in der Enhancement-Gesellschaft, transcript: 2015, in: Philosophie Magazin 01/2016.

Christiane Voss/Lorenz Engell (Hg.): Mediale Anthropologie, Fink: 2015, in: Philosophie Magazin 05/2015.

Jules Renard: Das Leben wird überschätzt, Matthes & Seitz: 2015, in: Philosophie Magazin 03/2015.

Karin Harrasser: Prothesen. Figuren einer lädierten Moderne, Vorwerk 8: 2016, in: Philosophie Magazin 04/2016


Tagungsbericht:

“Paradiesische Heilsversprechen hinterfragen”, Bericht zur Tagung “Humanistische Kritik am Transhumanismus” der Humanistischen Akademie Berlin-Brandenburg, 14.-15. November 2014, Berlin, hpd.de/artikel/10672.


Vorträge

"Organprojektion und Organersatz revisited. Überlegungen zur anthropologischen Techniktheorie", Vortrag auf der dritten INSIST-Nachwuchstagung "Von Menschen und Maschinen. Interdisziplinäre Perspektiven auf das Verhältnis von Gesellschaft und Technik in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft", am Karlsruher Institut für Technologie (KIT), 05.-07.10.2018.

"Rethinking the human. Technik als anthropologische Herausforderung", Vortrag beim Workshop "Wer hat Angst vor Anthropologie?" an der Leucorea Wittenberg, 15.-16.10.2016

"Technikkörper - Körpertechniken. Überlegungen zum neurotechnischen Eingriff in den menschlichen Körper", Vortrag auf der Tagung "Medienanthropologische Szenen" der AG Medienphilosophie der GfM, des IKKM und des KOMA an der Bauhaus-Universität Weimar, 7.-9.7.2016.


Workshops

Konzeption und Organisation des Workshops "Grenzen des Machbaren. Kunst und Technik zwischen Vollzug und Automation", Goethe-Institut Prag, 26. Juni 2017, gemeinsam mit Katerina Krtilova


Sonstiges

Interview im Rahmen der Arte Creative-Produktion "Streetphilosophy" zum Thema "Optimiere dich!", ausgestrahlt am 4. Oktober 2016.