Kompetenzen wollen trainiert werden. Wenn wir in den kleinen Alltäglichkeiten das Verstehen, das Üben und das Erlernen trainieren, dann kann Wachstum stattfinden. Auch wer Großes will, sollte klein anfangen um im Prozess größer/besser zu werden - so einfach funktioniert der Mensch. Umwelten, welche die Kleinigkeiten kappen, verhindern den Startschuss, konsekutive die Ausweitung und den Transfer auf größere Kontexte. Wen sollte es da wundern, wenn irgendwann grundlegende Kompetenzen fehlen?
Wer kennst es nicht, das Schildchen der Deutschen Bahn mit der Aufschrift, Bitte verlassen Sie diesen Raum so, wie Sie ihn vorfinden möchten. Niemand hat Zeit, Material und Lust, im Gegenzug für die Benutzung der Toilette im ÖPNV dieselbe so herzurichten, wie man sie gerne vorgefunden hätte … im günstigsten Falle einigt man sich kommentarlos auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, alle Gebrauchsspuren zu entfernen. Was ist passiert? Wieso scheint die Selbstverständlichkeit die Toilette sauber zu hinterlassen verloren? Sogar die benennende Aufforderung wirkt selten.
Die Omnipräsenz von Bewegungsmeldern, Infrarot-Schaltern etc. beschädigt die Bereitschaft, den Hahn nach dem Hände reinigen erneut zu berühren um ihn händisch wieder zu schließen: Der manuelle Wasserhahn im öffentlichen Raum (siehe Abbildung eines Hinweisschildes) funktioniert nicht mehr! Man mag den Verlust an Selbstverständlichkeit in diesem Kontext belächeln und auf die Verfügbarkeit automatisierter Lösungen verweisen, trotzdem ploppt die Frage auf, wie wir der Inflation traditioneller Selbstverständlichkeiten begegnen können.
Veränderte Gewohnheiten stellen neue Anforderung an die Gestaltung von Produkten: Die Automatisierung mag Hygieneprobleme schmälern, dem Verlust von Zuständigkeitsgefühl und dem Vertrauen auf Selbstwirksamkeit innerhalb kleiner sowie großer Kontexte, wird dadurch Vorschub gewährt. Heute suchen wie nach Produktlösungen, die beiden Herausforderungen gerecht werden.