Lehre

Semesterschwerpunkte

Das gesamte Lehrangebot von Prof. Hartmann findet sich im Vorlesungsverzeichnis

"Graphic Novel, Comics Journalism, Visual Essay" - Sommersemester 2016

Geschichte und Geschichten im Bild: vom Fotojournalismus zum 'Comics Journalism', Illustration und die Frage nach Authentizität. Wie ist Wirklichkeit medial abbildbar, wie sind Ereignisse dokumentierbar, wie sind Erlebnisse grafisch übersetzbar? Das Seminar untersucht eins der jüngsten Genres der visuellen Kommunikation und strukturelle Grundlagen dieses Narrativs. Für VK und Kunst wahlweise mit dem Fachkurs "Gezeichnete Wirklichkeit" von Augusto Paim (Doktorand) zum Thema belegbar.

"Paläo-Ästhetik (2) - Natur und Kultur" - Sommersemester 2016

Der Dualismus von Natur und Kultur wird zunehmend als neuzeitlich/moderne Kategorisierung kritisiert (Philippe Descola). Was bedeutet diese Kritik für Fragen der Paläoästhetik, für die Evolution ästhetischer Urteilsbildung? Im Seminar wird theoretisch und mit Anwendungsbeispielen diskutiert, welche Folgen solche Fragen für die Diskussion eines vermeintlichen "Ursprungs" von Kunst und Kultur (als symbolische Narrative) haben, sowie in praktischer Hinsicht für die Ästhetik von künstlichen Werkstoffen, kopierten Artefakten, Simulationen von Höhlenbildern.

Hinweis: Wissenschaftsmodul bevorzugt für Masterstudierende. 
(Das Seminar ist unabhängig von der Einheit im WS belegbar)

"Paläo-Ästhetik: Die Hand an der Wand" - Wintersemester 2015/16

Paläoästhetik bezeichnet die Evolution ästhetischer Urteilsbildung. Eine lineare Entwicklung von den Höhlenbildern zu Michelangelo (oder auch Graffiti oder Comics) hat es aber nie gegeben. Alle Annäherungen an die prähistorische Welt der Bilder sind hoch spekulativ. Anlässlich der Entdeckung und zügigen Vermarktung der Chauvet-Grotten (Film, begehbare 3D-Rekonstruktion) stellt sich die Frage nach dem Sinn einer Behauptung vom Ursprung der Kunst. Warum die verkrampfte Suche nach einem "Anfang der Kunst"? Was lehren uns Medientheorie und Kunstphilosophie über symbolische Äußerungen des Menschen vor aller Erfindung der Schrift?

"From Artefacts to Hyperobjects" - Sommersemester 2015


Nicht nur verändern digitale Technologien die "Dinge", die technisierte Kultur bringt auch Dinge hervor, die mehr sind als nur Artefakte: "Technobilder" (Vilém Flusser) und "Hyperobjects" (Timothy Morton)— Dinge von zeitlicher und räumlicher Dimension, die sich menschlicher Wahrnehmung entziehen, die auf Daten und Apparaten beruhen. Dieses Seminar diskutiert erstens neuere Literatur zum Thema und geht zweitens der Frage nach, wie in dieser "neuen Ontologie" Formen vermittelbar sind und welchen Beitrag Künstler, Designer, Gestalter leisten könnten.

Hinweis: teilweise in englischer Sprache -- this course is open for ERASMUS students.

"Sachbild, Diagramm, Piktogramm" - Sommersemester 2015

Geschichte der grafischen Darstellung von Information und Bildstatistik, Ansätze der Entwicklung einer modernen internationalen Bildersprache (Otto Neurath, Isotype), visuelle Abstraktionen und "nützliche Bilder", Infografiken.

"Visuelle Kulturen" - Wintersemester 2014/15

Visual Culture Studies sind populär als Forschungsrichtung, die es nicht primär mit Bildern und Bidlwissenschaft zu tun hat, sondern mit kulturell und historisch geprägter Sichtbarkeit. Wissen lebt zunehmend von visuellen Metaphern, diese wiederum sind zeitlich-kulturell bedingt. Neben der langen Tradition einer Erzeugung von "Lesbarkeit der Welt" tritt seit dem 19. Jahrhundert eine neuartige Bildlichkeit. Das bringt Vorteile mit sich, aber auch neue Probleme: Was sieht man, wenn man sieht? (Wissenschaftsmodul für Masterstudiengänge)

"Post-Graffiti & Street Art" - Sommersemester 2014

Fortsetzung der Diskussion vom Wintersemester (Teilnahme ist auch unabhängig davon möglich!)
Ein Kunstphänomen am Rande der Legalität - Graffiti ist strafrechtlich verfolgbar - hat es in die Galerien und Kunsthäuser geschafft. Endlich eine rettende Infusion für die erlahmte Kunstwelt? Zur Geschichte und Bedeutung dieser "illegitimen Kunst" des Graffiti  gehen wir der Frage nach, was eigentlich beim Aufeinandertreffen von Graffiti-Kunst mit dem Kunst-Establishment (Galerien, Kuratoren, Theoretiker) passiert, mit ihrem Witz, ihrer Provokation und ihrer Gegenrede.

"Graffiti Culture" - Wintersemester 2013/14

Nicht in jedem einzelnen Fall, wohl aber auf der Metaebene urbaner Diskursivität artikulieren Graffiti den Protest gegen die Proliferation kommerzieller Botschaften. Ihre Zeichensprache kondensiert Bedeutung an bestimmten Orten, und die Form, in der sie das tut, ist getragen von ikonoklastischen den Gesten einer Sub- und Gegenkultur, die sich zum Missfallen ordentlicher Bürger als »Schmiererei« an den Fassaden der Stadt wiederfinden. Die Kultur des Graffiti ist eine direkte, auktoriale Äußerung in der Öffentlichkeit, bei der es nicht vordergründig um eine Mitteilung geht, sondern zunächst einmal um eine Präsentierung: »Ich bin / ich war hier«; das Ganze funktioniert auch im Plural. Im einfachsten Fall ist das Hinterlassen seines Namens (»tags«) eine Ausweitung der sonst vielleicht unscheinbaren oder unbedeutenden Person, oder gilt als tribalistische Markierung des Reviers von Straßenbanden, bzw. zeugt von einem illegalen Besuch und damit von symbolischer territorialer Aneignung, Normverletzungen, Destruktion von Herrschaftssymbolen und ist damit eine Form von Sozialkritik. Es würde zu kurz greifen, Graffiti entweder als vandalistische Schmiererei zu verdammen oder aber als Ausdruck einer volksnahen, authentischen Ästhetik zu romantisieren. Sehr wohl aber sind Graffiti ein wesentlicher Beitrag zur visuellen Kommunikation, und bereiten als Post-Graffiti jüngst den Weg für eine neue prestigeträchtige Kunstform im öffentlichen Raum: Street-Art.

"Speaking Signs - Visions of Modernity" - Sommesemester 2013

Towards a positivistic logic of the visual - From maps and diagrams to picture language – information visualization – data graphics – making things public – graphic presentation of social and economic data as a new challenge for the Social Sciences at the turn to the 20th century – from facts to figures, the formation of a new visual aesthetics – infographics as cultural technique; Geschichte der Infografik, Materialien und Texte u.a. von Willard Brinton, Otto Neurath, Rudolf Modley.

"Ordnungen des Wissens" - Wintersemester 2012/13

Klassifizieren, Dokumentieren und Informieren gehören zur Grundbefindlichkeit menschlicher Existenz. So entstanden Taxonomien, Orientierungssysteme des Wissens, Enzyklopädien, Bibliotheken und zum Zeitpunkt ihres Veraltens neue Formen der Wissensvisualisierung und des Informationsdesigns. Ausgehend vom historischen Beispiel (Paul Otlet, 1868-1944) werden die grundlegenden Fragen diskutiert, die  mit der Aufbereitung von Dokumentation und Information zur Wissensorganisation und Wissensintegration zu tun haben. LIteratur: Frank Hartmann (Hrsg.): Vom Buch zur Datenbank. Paul Otlets Utopie der Wissensvisualisierung, Berlin 2012

"Bildwelten - Visuelle Strategien" - Sommersemester 2012

Fotografien prägen seit einem Jahrhundert wesentlich unseren Blick auf die Welt, sind aber längst nicht nur deren Abbild. Während Simulationsbilder und Stock Photos der Bildagenturen den Wahrnehmungsraum homogenisieren, suchen (Foto)Künstler nach einer neuen Ästhetik des Erscheinens (u.a. etwa James Turrells Lichtkunst, David Hockneys Kunst vom Ipad, Takashi Murakamis Oberflächenkunst) oder nach einer neuen Bildlogik (Jeff Wall, Andreas Gursky), Hyperrealismus (Thomas Ruff) und neuen Bildsujets (Pieter Hugo, Sebastaio Salgado, Cindy Shermans Selbst-Verfremdung, Taryn Simon ...) die aus unterschiedlichsten Quellen inspiriert ist - Generative Design delegiert die Geste des Bildermachens dann ganz an die Algorithmen. Wie wirkt Technik auf die ästhetischen Möglichkeiten? Was lässt sich über die Epistemik dieser Bildlichkeit aussagen, und welchen visuellen Strategien zwischen analog und digital folgt diese Bildlogik? Was ist der Anteil des Mediums an diesen Bildwelten, was geschieht mit dem Sehen? Wie erschließt sich in einer Welt digitaler Bildmanipulation noch, was "wirklich" ist? Anhand einer Auswahl maßgeblicher Künstlerpositionen wird im Seminar diese Frage neuer visueller Strategien zwischen Technik und Handarbeit in Kunst und Gestaltung diskutiert.

"Zeit im Bild" - Wintersemester 2011/12

Thema ist der Wandel des Konzeptes von "Zeit" in der Moderne, speziell auch die Visualisierung von "Zeit" als Kulturtechnik, die Kartographie von Zeitlichkeit sowie die Kulturgeschichte der Geschwindigkeit und Designgeschichte der Zeitmessung. Die kulturelle Ästhetik änderte sich ab dem 19. Jahrhundert grundlegend, was vor allem mit den neuen Medien der Realaufzeichnung zu tun hat. Welche Bilder brachte diese neue Medienästhetik mit sich? Wie werden Phänomene der Zeitwahrnehmung selbst visuell vermittelt? 

"The Public Sphere" - Sommersemester 2011

From Books to Facebook - one of the main issues in the age of enlightenment was the quest for "making things public", that means for general participation in democratic debate. With propaganda and electronic mass communication (radio, TV) in the 20th century "public opinion" became a topic for political consultants and PR-managers. In the age of new media there are new questions - what is at stake here and what are the changes which really matter?  We will discuss core theories and analyse visual documents to find out more about what constructs such a thing as the "public sphere".

"Schrift/Bild Kommunikation" - Sommersemester 2011

Vorwärts - vom Bild zur Schrift und nun wieder zurück zu den Bildern? Mit dem Fortschritt der grafischen Reproduktionstechnik (19. Jh.) erobern Bilder die Öffentlichkeit, und die elektronischen Interfaces (20. Jh.) definieren einen neuen, post-typografischen Code des Visuellen in unserer Kultur, die den Status von Schrift und Bild grundlegend verändern. Welche gestalterischen Fragen sich damit verbinden, erkundet diese Lehrveranstaltung (gemeinsam mit Prof. Jay Rutherford) anhand ausgesuchter Beispiele der historischen Medienkunde (Geschichte der Schrift, Bildtheorie, Semiotik, Mediologie).