Essen dient nicht nur der Lebenserhaltung – ganz im Gegenteil: wo, wie und wovon wir uns ernähren, sagt eine Menge über die Persönlichkeit und die Gesellschaft aus. Wir kommunizieren mittels unseres Einkaufs, über den Ort, darüber, wie wir etwas zubereiten, kochen und anrichten. All diese Handlungen und die damit verbundenen spezifischen Gebrauchsgegenstände und Werkzeuge, sind durchzogen von Ritualen und Symbolen, denen wir uns meist gar nicht bewusst sind.

Seit ich meine Tätigkeit in der Lehre aufgenommen habe, biete ich als Professor für Produkt-Design Projekte an, die sich thematisch und inhaltlich mit Koch-, Tisch- und Esskultur bewusst und intensiv auseinander setzen. Diese sowohl theoretischen als auch praktischen Betrachtungen haben dazu geführt, dass viele Studierende reflektiert und sensibilisiert mit dem Themenkomplex umzugehen vermögen.
Viele Werte und Rituale der Esskultur drohen verloren zu gehen. Qualitatives Wissen der Esskultur findet keine Weitervermittlung und gerät so in eine Sackgasse. Ich bin überzeugt, dass die intensive Auseinandersetzung und die daraus entstehenden Designstudien dem Nutzer neue und revitalisierte Werte unserer Esskultur anbieten.
Design kann und sollte in diesem Zusammenhang gewährleisten, neue Modelle der möglichen Wertschöpfung zu konzipieren, zu kommunizieren und für sie zu sensibilisieren, um so verantwortungsbewusste und nachhaltige Visionen für gegenwärtige und zukünftige Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln.

Eine Auswahl von aktuellen Projekt- und Diplomarbeiten aus dem Studiengang Produkt-Design an der Bauhaus-Universität Weimar, werden unter dem Titel »creating culture« gesammelt und katalogisiert und im Februar 2012 auf der Ambiente 2012 in Frankfurt präsentiert.

Zum Download des Katalogs »creating culture«

Ambiente 2012
10. Februar 2012 - 14. Februar 2012
Halle 4.0 F91

Professor Gerrit Babtist
Produkt-Design
Bauhaus-Universität Weimar

Alina Dorsch – Alltäglich – Brot, Butter + Salz

Für den Genuss einer guten Stulle braucht es nicht viel… 
Handgemachtes Brot wieder wertschätzen lernen und sinnlich erfahrbar machen. Das Brot wird dabei in einem mit Magneten verschließbaren Leinenbeutel an die dafür vorgesehene Vorrichtung an der Wand der Küche gehängt und sticht dort ins Auge.

Genuss ohne viel Schnickschnack: nur Brot mit Butter und Salz, die Letzteren in Steinzeugtonbehältern aufbewahrt. Die Butter bleibt mittels Luftabschluss durch kaltes Wassers ohne Kühlung von Außen frisch, das Salz wird mit Hilfe der Fingerspitzen dosiert, das wendbare Tuch dient zugleich als Tischtuch.

Beitrag zum Semesterprojekt Produkt-Design 2011

Anna Quentin – Trinkassistent »Fountain«

Ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen ist nicht nur eine Wohltat für den Körper, es hält ihn auch gesund. Die fünf ineinander stapelbaren Gläser des „Fountain“ unterteilen die Trinkmenge eines gesamten Tages in leicht zu bewältigende, überschaubare Portionen. Die Farbe uns Größe des Glases gibt schnelle Orientierung über die konsumierte Flüssigkeitsmenge. Das größte Glas ist mit einem Deckel verschließbar und passt unter alle gängigen Wasserhähne. Damit wird Leitungswasser als Getränk auch unterwegs jederzeit zugänglich.

Diplomarbeit Produkt-Design 2011

Arvid Häusser – Seppl

Espressomaschine in Porzellan
Geschmacksneutralität, einfache Reinigung und hohe Wärmespeicherung sind Qualitäten des Werkstoffs Porzellan, die für den Umgang mit Speisen und Getränken ideal sind. Die Maschine wird an der Wand angebracht, das spart Platz auf der Arbeitsfläche und vereinfacht die Bedienbarkeit. Die einzelnen Komponenten sind separat angebracht und komplett sichtbar. So wird der Prozess der Kaffeezubereitung für den Nutzer nachvollziehbar gestaltet.

Beitrag zum Semesterprojekt Produkt-Design 2011

 

Christian Krüger – Spunk & Krummelus Spunk & Krummelus

Gefäße für Limonade
Limonade ist ein Traumgetränk. Sie stillt die Lust und nicht den Durst. Oh, möge man die Muße nie vergessen. Die Glasgefäße sind diesem Getränk gewidmet. Die Serie umfasst die Misch- und Servierkanne, das Sirupfläschchen und die Kräuterlese-Schale.

Beitrag zum Semesterprojekt Produkt-Design 2011

Fang Hu – Food Therapy

Eine rituelle Produktserie für das spezielle Ingwer-Wasser
Chinesen sprechen Nahrungsmitteln aufgrund ihrer therapeutischen Wirkung eine besondere, qualitative Bedeutung zu. Heutzutage wird Ingwer-Tee wegen seiner typisch frischen, einzigartigen Schärfe und seiner unmittelbar wärmenden Wirkung auch in Europa geschätzt. Das Wissen, wie man Ingwer richtig zubereitet und anwendet, sollte deshalb verbreitet werden.
Die Arbeit zeigt eine rituelle Produktserie für die Aufbewahrung bzw. Zubereitung des traditionellen chinesischen Ingwer-Vollrohrzucker-Wassers sowie eine neue Ingwer-Wasser-Zeremonie für Europäer.

Diplomarbeit Produkt-Design 2011

Karen Häcker & Franz Junghans – Schulgarten

Der Kinder-Garten
Heutzutage gilt die Schulgartenlehre oft als veraltet und deren Wichtigkeit bei der Erziehung von Kindern wird stark unterschätzt. Viele von ihnen wachsen in einem urbanen Umfeld, ohne Garten, auf. Sie kennen „frisches“ Obst und Gemüse nur aus Supermarktregalen. Mit diesem neuen Schulgartenkonzept wird der Garten ins Haus geholt. Auf kleinstem Raum soll individuell, spielerisch wie auch pädagogisch das Interesse der Schüler am Gemüseanbau gewonnen werden. Das Verantwortungsbewusstsein und die Sensibilität für Natur und Nahrungsmittel wird dadurch gesteigert.

Beitrag zum Semesterprojekt Produkt-Design 2011

Holger Eichinger – Besteck aus Knochen

Knochen als Werkstoff
Knochen ist als Werkstoff weitgehend aus unserem Alltag verschwunden. Er wurde verdrängt durch Kunststoffe. Er ist uns fremd geworden. Das Leder, mit dem wir uns kleiden, ruft kaum Emotionen hervor oder bei der Wurst, die wir essen, machen wir uns keine Gedanken darüber, dass dafür ein Tier in seinen eigenen Darm gestopft wurde. Was für Gedanken werden in uns hervorgerufen, wenn wir mit Besteck, das aus Rinderknochen gefertigt ist, eine Beinscheibe desselben Tieres verzehren?

Beitrag zum Semesterprojekt Produkt-Design 2011

Marie Burkhard – Iss und Sprich

Die Sprache des Essens
Essen dient in unserer Gesellschaft nicht nur der Lebenserhaltung. Durch Auswahl, Zubereitung und Präsentation von Speisen vermitteln wir immer auch Botschaften, mit denen wir zwischenmenschliche Beziehungen beschreiben, pflegen oder anknüpfen. Suppengeschirr, Servierplatte und Gestelle zum Servieren von Nachspeisen – drei Entwürfe, die diesen besonderen Aspekt des Essens versinnbildlichen und die beabsichtigten Botschaften zu unterstreichen. 

Diplomarbeit Produkt-Design 2011 

Min-Fang Weng – Chá

Neuinterpretation der Teezeremonie
Tee – als ein beliebtes Genussmittel – hat viele positive medizinische Wirkungen. Heutzutage gehört er deshalb zu den großen Wirtschaftspflanzen dieser Welt. In China, wo Tee seinen Ursprung hat, wird das Teetrinken seit mehreren Jahrhunderten als ein Ritual betrachtet.
Die Teezeremonie hilft durch eine streng festgelegte Abfolge dabei, zu innerer Ruhe und Harmonie zurück zu finden. Die zahlreichen Schritte und das umfangreiche Zubehör haben dazu geführt, dass die Teezeremonie in der westlichen Welt nicht sehr verbreitet ist. Um dieses Ritual nach Deutschland zu transportieren, wurde bei diesem Projekt der Ablauf der Teezeremonie durch einen neuartigen Entwurf vereinfacht.

Beitrag zum Semesterprojekt Produkt-Design 2011

Stepahn Bohn – KLARA

Induktionsfähige Glasgefäße
»KLARA« verbindet traditionelle Materialien und Produktionstechniken von drei Thüringer Handwerkern mit der Technologie moderner Induktionskochfelder. Das Resultat ist eine gestalterische und funktionale Neuinterpretation eines Wasserkochers und eines Kaffeebereiters.
Der Entwurf versucht das gewohnte Bild klassischer Handwerks Produkte aufzulösen und sie in einen neuen Kontext zu setzen, um neue Perspektiven zu schaffen und das Zukunftspotenzial des traditionellen Handwerks hervorzuheben.

Diplomarbeit Produkt-Design 2011

 

Robert Hofmann & Jens Zijlstra – T40

Ein alternatives Konzept für Stehrestaurants und Schnellküchen

Das Imbisstablett ist ein schlichtes System. Reduziert auf das Wesentliche, erhält der Gast ein Tablett aus Schichtholz, in das Speiseschale und Getränkeglas integriert sind. 
Die Utensilien stehen nicht alleine, was Diebstahl entgegen wirkt. Ein Pfand ist nicht nötig. 
Das Tablett wird in eine Schiene eingehakt, so sind die Hände frei zum Essen.
Der Kunde erfährt über das Geschirr eine Aufwertung der dargebotenen Speisen. 
Ein Besteck vereint Gabel und Löffel und vereinfacht die Logistik.

Beitrag zum Semesterprojekt Produkt-Design 2011

Jonas Althaus & Niclas Zimmer – Schnittstelle

Experimentierfeld Küche

Kochen ist nicht nur etwas für Erwachsene, es kann für jede Altersgruppe zum Erlebnis und zu einer wichtigen Erfahrung werden. Diese Küche wurde für das Szenario eines Urlaubsangebotes entwickelt, bei dem es Eltern ermöglicht wird, gemeinsam mit ihren Kindern, Speisen zuzubereiten und somit den Ferienort durch seine Küche und Lebensmittel kennenzulernen. Für Probleme die sich u.a. aus dem stark variierende Alter der Köche ergeben, wurden Lösungen erarbeitet. Die „Schnittstelle“ bringt alle Benutzer auf eine gleiche Augenhöhe – nicht nur im praktischen Sinne – und unterstützt durch die strukturgebende Form ein angenehmes und sicheres Kochen mit vielen Teilnehmern.

Beitrag zum Semesterprojekt Produkt-Design 2011