Félix Guattari. Die subjektive Stadt
Herausgegeben von Volker Bernhard und Henning Schmidgen
Félix Guattaris Arbeiten zwischen institutioneller Analyse, Aktivismus und Philosophie waren seit den 1960er Jahren eng mit Fragen der Architektur und des Urbanismus verbunden – von den frühen Überlegungen zu einer neuen Architektur psychiatrischer Krankenhäuser über die Diskussionen mit Deleuze und Foucault zur Privatisierung des öffentlichen Raums bis hin zu den prägnanten Studien zur japanischen Architektur und zur urbanen Dimension der ökologischen Frage.
Der von Volker Bernhard und Henning Schmidgen herausgebrachte Band versammelt Schriften zur „Wiederaneignung der subjektiven Stadt“ auf der Basis einer psychoanalytisch und philosophisch fundierten Reflexion. In diesen Texten analysiert Guattari nicht nur die Planetarisierung, Digitalisierung und Standardisierung der Stadt im maschinischen Kapitalismus, er hebt auch die mannigfaltigen Widerstände und molekularen Formen der Revolution in den Kämpfen um die Stadt hervor.
The Dwelling Question: A Critical Theory of the Bourgeois Home
Volker Bernhard
Dwelling is a fundamental mode of existence and a key site where contemporary societal crises manifest – from the endangered habitability of the Earth to digital exploitation and mass surveillance, from rising loneliness to the erosion of the public sphere. To grasp these phenomena, a critical theory of dwelling is needed, as the 19th-century paradigm of the bourgeois home continues to shape and amplify them. This article develops such a theory by conceptualizing dwelling as integral to processes of subjectivation, deeply embedded in specific historical, social, and technological contexts. Drawing on Walter Benjamin’s analysis of bourgeois interiors, Félix Guattari’s machinic and ecosophical thought, Michel Foucault’s investigation of space and biopower, François Béguin’s concept of the ‘domestic world’, and Paul Klee’s dialectic of home, the article critiques the hegemonic model of bourgeois dwelling and offers a framework for reimagining dwelling in light of current existential and ecological threats.
Maschinische Normativität. Über Leben und Technik im digitalen Kapitalismus nach Félix Guattari
Henning Schmidgen
Maschinische Normativität bezeichnet die biologisch fundierte und sozial vermittelte Fähigkeit, das Zusammenwirken von Menschen und Maschinen zur selbstbestimmten Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens zu nutzen. Diesen Gedanken hat der Psychoanalytiker und Philosoph Félix Guattari in einer Fülle von Arbeiten entfaltet – von seinem frühen Engagement für eine Reform der Psychiatrie über die Zusammenarbeit mit Gilles Deleuze bis hin zu seinem Plädoyer für neue Formen der Ökologie. Dabei profilierte Guattari immer wieder das kinematographische Wechselspiel von Wahrnehmung und Bewegung, Überlegung und Handlung, Betrachtung und Gestaltung. Henning Schmidgen zeigt, warum dies eine besondere Relevanz für die Analyse und Kritik eines zunehmend digitalisierten Kapitalismus aufweist.
The Planetary Experiment: A History and Theory of Science at Scale
Orit Halpern/Robert Mitchell/Henning Schmidgen
The article introduces and discusses the concept of planetary experimentation, its history, and its implications for understanding the relationship between humans and the environment, highlighting the need for a better understanding of knowledge production in the face of global warming and other human-driven environmental changes. We use a historical approach to understand the development of planetary experimentation, from its early phases to its current forms. Our analysis suggests that the concept of inadvertent planetary experimentation is probably not the most helpful way to approach the causes and current dynamics of the problematic global changes captured by the term Anthropocene. We argue, though, that the history and language of planetary experimentation can open up contemporary discussions of engineering and technical solutionism to a critical history of politics, truth, and aesthetics.
Die Naturphilosophie von Deleuze. System und Methode seines späten Hauptwerks »Was ist Philosophie?«
Mathias Schönher
»Was ist Philosophie?«, von Gilles Deleuze gemeinsam mit Félix Guattari verfasst, zählt zu den Schlüsselwerken der Gegenwartsphilosophie. Aufgrund seiner thematisch breit gefächerten und dabei äußerst knapp gehaltenen Ausführungen gilt es jedoch als schwer zugänglich. Mathias Schönher arbeitet den philosophisch-systematischen Gehalt des Werkes heraus, verortet es mit Blick auf seinen historischen Kontext im Schaffen von Deleuze und erweist seine Aktualität. So fördert er eine zeitgemäße Naturphilosophie zutage, die ebenso die Entwicklungen der kapitalistisch geprägten Kommunikationsgesellschaften wie die Erkenntnisse der modernen Naturwissenschaften berücksichtigt. Ergänzt wird die Auseinandersetzung mit »Was ist Philosophie?« durch einen Exkurs über Guattaris Animismus.
La folie est une forme de vie. À propos de la rencontre entre Tosquelles at Canguilhem
Henning Schmidgen
In the summer of 1944, Georges Canguilhem, a trained philosopher and physician, acted as a “doctor in the Resistance.” After the Mont Mouchet battle against the Germans, Canguilhem hid and cared for wounded people at the Saint-Alban psychiatric clinic for several weeks. During this time, he participated in clinical work, including the examination and observation of the patient “Mrs. C…”. At the same time, Tosquelles, Bonnafé, and other psychiatrists working at Saint-Alban engaged with the medical thesis that Canguilhem had defended in 1943 at the University of Strasbourg, his famous Essay on Certain Problems Concerning the Normal and the Pathological. The paper explores the convergences between the psychological views of Canguilhem and Tosquelles. At its core are questions regarding the status of mental illness (and queerness) and “normativity,” i.e., the autonomy of organic individuals.
Vitalist Marxism: Georges Canguilhem and the Resistance of Life
Benjamin Prinz/Henning Schmidgen
Following Hannah Arendt’s insights into the affinities between Marxism and the philosophy of life, this article reconstructs a theoretical position that we propose to call “Vitalist Marxism.” This position conceives of life not only as an essential foundation of the production process, but also as a critical resource for resistance to the capitalist logic of exploitation. We highlight the role Georges Canguilhem (1904–95) played in developing this position, in particular by depicting tools and machines as “organs of life.” Drawing on Canguilhem’s early writings as well as unpublished manuscripts, we show that this “organological” understanding of technology was rooted in the increasingly anti-fascist reception of Marx in France during the 1930s. Against the background of today’s protests against climate destruction, racism, and anti-feminist violence, all of which invoke the defense of basic living conditions, we argue that the critical position of Vitalist Marxism acquires remarkable topicality.
Georges Canguilhem. Über Maurice Halbwachs
Aus dem Französischen von Ronald Voullié, mit einem Nachwort von Henning Schmidgen sowie einem Anhang mit Dokumenten zu Halbwachs in Buchenwald.
Am 15. März 1945 starb der französische Philosoph und Soziologe Maurice Halbwachs an den Folgen von Deportation und Lagerhaft im KZ Buchenwald. Zwei Jahre später würdigte Georges Canguilhem in einem Nachruf das Leben und Werk von Halbwachs. Im Vordergrund von Canguilhems Würdigung steht nicht die Frage des kollektiven Gedächtnisses, die bis heute vor allem im deutschsprachigen Raum mit dem Soziologen verbunden ist. Vielmehr akzentuiert Canguilhem das soziale Engagement von Halbwachs und dessen Interesse für das Verhältnis von Mensch und Materie. Demnach ist die Beziehung der Gesellschaft zu der von ihr geschaffenen Umwelt und ihre daraus resultierende »Lebensweise« (genre de vie) der zentrale Gegenstand der Halbwachs’schen Soziologie. In dieser Ausrichtung auf das gesellschaftliche Problem des Lebens liegt die gemeinsame Aktualität von Halbwachs und Canguilhem. Sie ist aber von der forcierten Diskussion nicht zu trennen, die im Frankreich der 1930er-Jahre um Antifaschismus, Kritische Theorie und Marxismus entbrannte. Was durch das gewaltsam unterbrochene Werk von Halbwachs greifbar wird, ist ein aufgeklärter Gegenpol zum rechtskonservativen Ökologiedenken, wie es sich gegenwärtig im Rekurs auf Martin Heidegger und Carl Schmitt neu formiert.
Foucault, digital
Bernhard J. Dotzler/Henning Schmidgen
Mitte der 1960er Jahre hat Michel Foucault die Methode der „Diskursanalyse“ in die Geistes- und Sozialwissenschaften eingeführt. Besonders in der Archäologie des Wissens hat er dafür plädiert, die Geschichte des Wissens und der Wissenschaften zum Gegenstand diskursanalytischer Untersuchungen zu machen. Über ein halbes Jahrhundert später ist im Bereich der Informatik ein zunehmendes Interesse an der Diskursanalyse zu verzeichnen. In der Regel spielt Foucault dabei aber keine Rolle. Fern von jeder Archäologie setzen auch die Digital Humanities vermehrt auf die Analyse von historischen und gegenwärtigen Diskursen. Angesichts dieser Konjunkturen ist es an der Zeit, die Archäologie des Wissens neu zu lesen. Denn schon 1968 behauptete der französische Historiker Emmanuel Le Roy Ladurie „Der zukünftige Historiker wird Programmierer sein, oder er wird nicht sein.“ Ein Jahr später gibt Foucault mit seinem Buch auf eben diese Herausforderung eine ebenso informierte wie nuancierte Antwort. Diese Antwort ist in ihrer Aktualität und Relevanz erst noch zu entdecken.
How blood met plastics, plant and animal extracts: Material encounters between medicine and industry in the twentieth century
Benjamin Prinz
Twentieth-century medicine saw the remarkable rise of complex machines and infrastructures to process blood for medical purposes, such as transfusion, dialysis, and cardiac surgery. Instead of attributing these developments to technological ingenuity, this article argues for the primacy of material encounters as a promising focal point of medical historiography. In fact, blood's special properties consistently clashed with most materials used in medical practice, provoking a series of material exchanges. Drawing on a combination of epistemological and network approaches, three exemplary cases are presented to examine blood's encounters with plastics, plant and animal extracts: William M. Bayliss's (1860–1926) injections of dissolved gum acacia to expand diminished blood volume; Charles H. Best's (1899–1978) production of the anticoagulant heparin from animal organs; and the preservation of fragile blood cells by silicone coatings inside of John H. Gibbon Jr.‘s (1903–1973) heart-lung machine.
Horn, or The Counterside of Media
Henning Schmidgen
“In this prescient and urgent intervention, unicorns, rhinoceroses, and trumpet players guide us through an imagined exhibition of possible technical experiences. Using ‘horn’ as a structuring concept linking the materiality of bodies, the boundary of death and life, sensation, technology, and aesthetic practices, Henning Schmidgen creates a powerfully novel account of media. At a time when our lives have never been more mediated, Horn provides a necessary corrective to our stilted, unimaginative conceptions of the future world as either a society of control or a techno-utopia.” — Orit Halpern, author of Beautiful Data: A History of Vision and Reason since 1945
Hermann von Helmholtz. Versuche zur Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Reizung in den Nerven
Henning Schmidgen (Hrsg.)
Dieser Band enthält sämtliche Schriften, die Hermann von Helmholtz der Psychophysiologie der Zeit gewidmet hat: von seiner wegweisenden Mitteilung „Über die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Nervenreizung“ (1850) bis hin zur exemplarischen Studie „Über die Zeit, welche nötig ist, damit ein Gesichtseindruck zum Bewusstsein kommt“ (1871). Neben den deutschsprachigen Veröffentlichungen werden zwei Aufsätze von Helmholtz in französischer Sprache berücksichtigt. 1850 und 1852 publiziert, handelt es sich dabei nicht einfach um Übersetzungen aus dem Deutschen, sondern um zum Teil erheblich revidierte Fassungen ihrer jeweiligen Pendants. Ebenfalls in diesen Band aufgenommen wurden die Beiträge, die zu Helmholtz’ Lebzeiten nicht veröffentlicht worden sind: zum einen die vom Dezember 1850 stammende „Mittheilung für die physikalische Gesellschaft in Berlin betreffend Versuche über die Fortpflanzungsgeschwindigkeit der Reizung in den sensiblen Nerven des Menschen“; zum anderen die „Explication des épreuves“ vom September 1851, die sich zusammen mit dem Manuskript der „Deuxième Note sur la vitesse de propagation de l’agent nerveux“ und den zugehörigen Kurvenbildern im Archiv der Académie des Sciences in Paris erhalten hat.
Die Guattari-Tapes
Henning Schmidgen
Félix Guattari (1930-1992) ist insbesondere als Ko-Autor von Gilles Deleuze berühmt geworden. Sein eigenes Werk ist dagegen schwerer zu fassen. Anders als Deleuze war Guattari kein Universitätsphilosoph, und obwohl er zeit seines Lebens in der psychiatrischen Klinik »La Borde« arbeitete, war er weder Neurologe noch Psychiater, sondern: Maschinentheoretiker, Schizoanalytiker und ein Kartograph chaosmotischer Subjektivitäten. Im klinischen Alltag, aber auch in der politischen Aktion galt sein brennendes Interesse dem konkreten Verhältnis von Körper und Technik und der kritischen Verbindung von Ökonomie und Ökologie. Genau darin liegt die ungebrochene Aktualität seiner Arbeit, in die dieser Band anhand von fünf Gesprächen einführt, die einen Lebensweg skizzieren, der zwischen Theorie und Praxis ebenso überzeugend changierte wie zwischen Individuum und Kollektiv.
Selen. Eine Materialgeschichte zwischen Industrie, Wissenschaft und Kunst
Johannes Hess
Mit der Entdeckung seiner Lichtempfindlichkeit im Jahr 1873 gerät das chemische Element Selen plötzlich in den Blick von Forschern und Erfindern aus den unterschiedlichsten Bereichen. Einen festen Platz hat es in der Geschichte des frühen Fernsehens, weil damit das Licht der Bilder in telegrafisch übertragbaren Strom umgewandelt werden kann. Johannes Hess zeigt, dass diese Fernsehgeschichte nur ein Teil einer verzweigten Geschichte ist – einer Materialgeschichte des Selens. Nicht Personen, Institutionen oder Technologien spielen hier die Hauptrolle, sondern das Material selbst. In einem Zeitraum von etwa 1870 bis 1930 führt der Weg des Selens von Chemiefabriken und Messstationen durch elektrophysikalische Labore und Erfinderwerkstätten bis in die Ateliers von experimentellen Künstlern. Statt der oft wiederholten Geschichten von aufmerksamen Entdeckern, genialen Erfindern oder nationalen Erfolgsprojekten macht das Material dabei eine andere Geschichte sichtbar, die unterhalb von Wissenschafts-, Technik-, Medien- und Kunstgeschichten verläuft. Auf diese Weise stellt die Wanderung des Materials die Wissenschaft, die Technik, die Medien und die Kunst in neue Zusammenhänge, und es zeigt sich, wie eng verwoben die vermeintlich getrennten Bereiche sind.
Félix Guattari. Planetarischer Kapitalismus
Aus dem Französischen von Ronald Voullié und Frieder O. Wolf. Hg. und mit einem Nachwort versehen von Henning Schmidgen.
Der Band enthält wesentliche Beiträge Félix Guattaris zur Theorie des globalisierten Kapitalismus. Im direkten Rekurs auf Marx entwickelt Guattari in den späten 1970er Jahren das Konzept des „Integrierten Weltweiten Kapitalismus“. Weitgehend unabhängig von der Spaltung in West und Ost fasst er das Kapital als einen „semiotischen Operator“, der einerseits zur Entwicklung von neuartigen Darstellungsformen des zirkulierenden Kapitals führt (Kredite, Aktien, elektronisches Geld) und andererseits der kulturellen wie sprachlichen Integration von Arbeitskräften in den Produktionsprozess dient. Am Kulminationspunkt dieser Semiotisierungen erscheint die Information als Produktionsfaktor – als letzte Stufe einer Homogenisierung im planetarischen Maßstab, die mit der Herausbildung des „kybernetischen Kapitals“ verbunden ist.
Horn oder Die Gegenseite der Medien
Henning Schmidgen
Unser täglicher Umgang mit Medien ist durch eine bemerkenswerte Konjunktur des Taktilen geprägt. Überall und immerfort berühren wir Smartphones und Tablets, halten sie fest, schnallen sie an, tippen behutsam auf ihre Oberflächen und sind aufmerksam für ihre Vibrationen. Doch nicht nur wir sind es, die die Medien in zunehmendem Maße berühren. Im Gegenzug sind es auch die Medien, die uns abtasten: von Drucksensoren in Autositzen über Bewegungsmelder vor automatischen Türen bis hin zu Körperscannern und Fitnessarmbändern. Henning Schmidgen antwortet darauf, indem er ein exemplarisches ›Dazwischen‹ genauer betrachtet: Horn ist ein natürliches Material, aber auch ein künstliches Objekt. Es steht an der Grenze zwischen Innenwelt und Außenwelt, ist Zierde und Schmuck, Werkzeug und Panzer. Im Dialog mit Künstlern, Wissenschaftlern und Philosophen, die sich mit Posthörnern und Schalltrichtern, mit Hornhäuten, Gedächtniskegeln und Rhinozerossen beschäftigt haben, entwirft Henning Schmidgen ein Panorama unserer taktilen Kultur, in dem die Gegenseite der Medien klar zum Vorschein kommt.
Machine Learning – Medien, Infrastrukturen und Technologien der Künstlichen Intelligenz
Christoph Engemann / Andreas Sudmann (Hg.)
Nicht weniger als von einer Revolution ist gegenwärtig die Rede. Neuere Verfahren der Künstlichen Intelligenz greifen in sämtliche Bereiche des sozialen und kulturellen Lebens ein: Maschinen lernen Bilder und Sprache zu erkennen, beherrschen die autonome Steuerung von Fahrzeugen ebenso wie Finanzinvestments und medizinische Diagnostik. Im digitalen Wandel ist Lernen damit kein Privileg des Menschen mehr. Vielmehr verschieben sich mit maschinellen Lernverfahren die Relationen zwischen Erkenntnismöglichkeiten, technischen Umwelten und humanen Akteuren. Dieser Band vermittelt erstmals für den deutschsprachigen Raum einen Überblick über die medialen, infrastrukturellen und historischen Voraussetzungen des maschinellen Lernens.
Forschungsmaschinen. Experimente zwischen Wissenschaft und Kunst
Henning Schmidgen
Wer über Wissenschaft und Kunst spricht, kann vom Experiment nicht schweigen. Die Rede ist heute von »Künstlerischer Forschung«, »Poetik des Experiments«, »Kunstwissenschaft als Experimentalsystem«. Die Konjunktur dieser Begriffe ist aus dem Zusammenhang einer übergreifenden Entwicklung zu verstehen, in der ›Experiment‹ zum Schlüsselbegriff einer posthumanen Kultur geworden ist, in der sich Menschen und Maschinen, Körper und Technik, Natürliches und Künstliches in immer neuen Formen verkoppeln, um Effekte des Neuen hervorzubringen. Henning Schmidgen untersucht in diesem Band die konkrete Beschaffenheit und die spezifische Wirksamkeit experimenteller Anordnungen in Kunst, Kino und Architektur. Seine Untersuchung mündet in der Vermutung, dass der Diskurs über das Experiment, will er seinen wissenschaftlichen und künstlerischen Gegenständen gerecht werden, selbst experimentelle Züge annehmen muss.