Projekt: Heimat neu Denken | Re-thinking Home

Entwurfsäquivalentes Projekt 8 SWS / 12 ECTS, Diplom/Master level

Seminar 2 SWS / 3 ECTS, Diplom/Master level

Künstlerische und architektonische Strategien der Identitätsstiftung in der Kleinstadt

In seinem Vortrag ‚Prä- und Postarchitektur’ auf dem Bauhaus-Kolloquium 2009 erklärt Philipp Oswalt, heutiger Direktor am Bauhaus Dessau, wie das Arbeitsfeld des Architekten zunehmend von Fragestellungen eingenommen wird, die mit dem herkömmlichen Verständnis von Architekturproduktion nichts zu tun haben: von der Frage, wie überhaupt ein Bedarf nach neuer Architektur geweckt werden kann, und der, wie mit bestehenden Bauten umzugehen ist, die Ihren Sinn verloren haben. Der historische Marktplatz der traditionsreichen hessischen Kleinstadt Biedenkopf kann als ein solcher Ort angesehen werden: als Folge der fortgeschrittenen Mobilisierung der Bevölkerung ist der Handel aus der nicht autogerechten und kleinteiligen Innenstadt komplett in das Gewerbegebiet an der Ortsumgehung abgewandert. Großflächige Neubauten für Verwaltung, Medizin und Ausbildung wurden schon seit Jahrzehnten an der Peripherie der Stadt gebaut, und kulturelle Nutzungen tun sich im Zeitalter des Home-Entertainments schwer. Die Stadt implodiert.

In Kooperation mit dem Institut für Europäische Urbanistik, Professur Bauwirtschaft und Baumanagement sollen auf dem Gebiet der Projektentwicklung in einem interdisziplinären Projekt mit Studierenden der Fachrichtungen Kunst im öffentlichen Raum, Design, Architektur, und Urbanistik, sowie mit zahlreichen Akteuren vor Ort Projekte entwickelt und durchgeführt werden, deren Thema die Belebung einer funktionslos gewordenen Innenstadt ist. Als praktizierte Form des Quartiersmanagements, definiert als möglichst nachhaltige Vernetzung lokaler Akteure, werden wir neben der Erstellung städtebaulicher Masterpläne, für die mangels Großinvestoren keine Nachfrage besteht, ‚kommunikative’ Methoden zum Stadtumbau und Stadtwandel versuchen. Hierbei werden wir Strategien situativer künstlerischer und architektonischer mikro-Eingriffe diskutieren, entwickeln und erproben.

Neben dem Erarbeiten theoretischer Grundlagen zu den Themen Identitätskonstruktion, Heimat, Tradition, Erinnerung und Ihrer Erneuerung, Rollenverhalten, Ortsverbundenheit, Regionalismus, sowie zu künstlerischen und mikro-architektonischen Strategien der Diskussion und des Wandels, des Kulturmanagements, der Gentrifizierung, usw, bietet sich hier die Möglichkeit, Strategien aus dem Weimarer Kleinstadtlabor im Freilandversuch zu testen, und gleichzeitig eine Menge über das Funktionsprinzip der Kleinstadt zu lernen.

Ein intensiver Workshop in der Stadt zum Anfang, sowie eine Umsetzungs- und Präsentationsphase zum Ende des Semesters sind vorgesehen. Wir werden in verschiedenen Szenarien mögliche Entwicklungswege der Stadt aufzeigen und diskutieren. Die Entwicklung innovativer Betreiber- und Projektentwicklungsstrategien ist eine zweite Phase, und der Architektonische Entwurf neuartiger Lösungen im Dialog mit dem Bestand an verschiedenen Teststandorten die Dritte.  In einem von uns koordinierten ‚Artists in Residence’ Programm werden gleichzeitig künstlerische Denkanstöße zur Bedeutung des Marktes als Identifikationsort gegeben. In vielfältigen Kooperationen mit Partnern in der Stadt und möglichen Sponsoren werden die Studierenden selbst Teile der Projektsteuerung mit übernehmen.

Artistic and Architectural Strategies in Constructing Identities for a Small Town

In his Lecture 'Pre- and Post-Architecture' at the International Bauhaus-Colloquim 2009 declares Philipp Oswalt, today's Director of the Bauhaus Dessau, that the profession of the Architect is increasingly determined by questions that have nothing in common with the traditional role of the design architect: such as the question, how to develop a demand for (new) architecture, and the question, how to deal with existing buildings that have lost their purpose.


The historical Market Square of the small town Biedenkopf, which is rich in history and tradition, can be described as such a place: as a consequence of the advanced auto-mobilization of the population, almost all trade businesses have moved away from the historical, yet tight inner city into the industrial area close by the bypass road. Large new developments for public services, medical and educational purposes have long since been erected on the perimeter of the town, and cultural uses are, in the age of home-entertainment, insufficient to fill the city center. A Town is imploding.

In co-operation with the Institute of European Urban Studies, Chair for Construction Management / Project Development, students of the disciplines of Architecture, Urbanism, Design, and Public Arts, will, together with numerous local actors, develop Strategies and Projects that aim to discuss and revive an inner city which has become useless. As a practice of 'Quartiersmanagement', defined as a sustainable Networking of local people, we will, aside from deriving the ususal master plans that have no use in the face of lacking investors, try 'communicative' methods to instigate urban renewal and change.

Aside from aquiring the necessary theoretical background of the relevant discourses, construction of identity, home, tradition, memory and its renewal, role models, connectedness to a place, regionalism, and studying known artistic and architectural strategies to incite discussion and change, cultural management, gentrification, etc., we will develop and test our own miniature projects in mixed groups of architects and artists.

We will jointly visit the town at the beginning of our project for an intense workshop phase involving local people as well, and have a brief on-site presentation phase at the end of the semester. We will draft scenarios for the future of the city, and discuss pros and cons to find new ideas and strategies. Test designs for a few open lots can complement our studies.

Dipl.-Ing. Olaf Pfeifer M.A.

Wissenschaftlicher Mitarbeiter 2005-2012

olaf.pfeifer[at]alumni.tu-berlin.de