Kleine Orte - alle gleich?

1. Projektmodul

Prof. Dr. Max Welch Guerra, DG Britta Trostorff
Note - 12 LP/8 SWS

Thüringen zeichnet sich durch eine extrem kleinteilige Siedlungsstruktur aus: mehr als ein Drittel der ThüringerInnen leben in Gemeinden mit weniger als 5.000 EinwohnerInnen; kleine Orte mit weniger als 1.000 EinwohnerInnen machen 65% aller Städte und Gemeinden im Freistaat aus (Stand 2014, TLS). Diese Gegebenheiten werden in der Fachliteratur mit dem Begriff „ländlicher Raum“ zusammengefasst, der Umstand, dass die nächsten größeren Zentren in einiger Entfernung liegen, bringt dem ländlichen Raum zusätzlich das Attribut „peripher“ ein.

Seit einigen Jahren erfährt der ländliche Raum insbesondere in Zusammenhang mit dem demographischen Wandel größere Aufmerksamkeit. Dessen Auswirkungen werden für die dünn besiedelten Regionen als besonders gravierend eingeschätzt, da etwa gegenwärtige Angebote der Daseinsvorsorge unter den Vorzeichen von noch weniger und älter werdenden Menschen nicht aufrecht erhalten werden können. Die Prognose von einem weiteren Bevölkerungsrückgang um 17% in den Thüringer Landkreisen bis 2034 (TLS)[1] münden in Assoziationen von „sterbenden Dörfern“ oder einem „Wolfserwartungsland“.

Also nur eine Frage der Zeit, bis die kleinen Ortschaften von der Thüringer Landkarte verschwunden sind? Ein detaillierterer Blick zeigt, dass dies keineswegs der Fall sein wird. Die Entwicklung in den Gemeinden ist durchaus unterschiedlich gerichtet, während sich in einem Ort die Entwicklung stetig verschlechtert, prosperiert der Nachbarort deutlich. Was jedoch sind Faktoren, die die Entwicklung einer Gemeinde beeinflussen? Wo liegen insbesondere Potentiale für die Entwicklung und wie können diese nutzbar gemacht werden? Welche Hemmnisse und Hürden gilt es ggf. zu beseitigen?

In unserem Planungsprojekt werden wir uns mit diesen Fragestellungen beschäftigen. Ziel ist die empirisch basierte Erarbeitung einer Ortstypologie, die nicht nur statistische Größen sondern auch qualitative Merkmale umfasst und die Heterogenität kleiner Orte in Thüringen mit Blick auf deren Entwicklungspotentiale abbildet. Ausgehend von dieser Typologie gilt es zudem, typenspezifische Handlungsansätze zur Stärkung der identifizierten Entwicklungspotentiale bzw. zum Abbau möglicher Defizite zu entwickeln.

Die Projektarbeit wird sowohl literaturbasiert als auch praktisch-empirisch im Landkreis Gotha erfolgen und in konzeptionellen Vorschlägen der ProjektteilnehmerInnen münden. Zwischenergebnisse werden mit PlanerInnen aus  Mittelthüringen diskutiert und die Projektergebnisse dieser Fachöffentlichkeit vorgestellt.