Das Basler Münster

Die Baugeschichte im Rahmen des Kunstdenkmäler-Inventars

Das von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte und der Basler Denkmalpflege getragene und von der Regierung des Kantons Basel-Stadt durch den Lotteriefonds sowie mehreren Stiftungen finanzierte Kunstdenkmäler-Inventar-Projekts, wurde pünktlich zur 1000-Jahrfeier der Weihe des sog. Heinrichs-Münsters im Oktober 2019 mit der Publikation des Großinventarbandes abgeschlossen. Damit wurde eine Lücke nicht nur in der Inventarisierung des Basler Denkmalbestandes geschlossen – zu der bereits neun Bände vorlagen, die u.a. alle anderen innerstädtischen Kirchen erfassten –, sondern auch die Diskussion des Beitrags des Basler Münsters zur europäischen Kunst- und Architekturgeschichte auf eine zeitgemäße Basis gestellt. Das Basler Münster tauchte in jüngerer Zeit mehrfach in der kunst- und architekturhistorischen Forschungsdiskussion im europäischen Zusammenhang auf: der Kryptenumgang wird im Kontext der Genese der Umgangschöre diskutiert, der Bau insgesamt im Zusammenhang mit dem "Übergangsstil" als Phänomen der frühen Gotikrezeption im Reich neuerdings hoch eingeschätzt und insbesondere der Chor in diesem Zusammenhang als Anregung für den Domchor von Magdeburg als "ersten gotischen Bau im Reich" gesehen. In der nur mehr erschliessbaren Westvorhalle erkennt man den Vorläufer für die berühmte Vorhalle des Freiburger (Breisgau) Münsters, im Westportal das Missing link zwischen dem Marienkrönungsportal der Notre Dame in Paris und dem Gerichtsportal in Freiburg i.Ü. Daneben laufen ältere Diskussionen um weitere Beiträge zur europäischen Kunstgeschichte weiter: Die Galluspforte als (möglicherweise) erstes Figurenportal im deutschen Sprachraum, die Zusammenhänge mit dem Bamberger Dom oder die Erneuerung nach dem Erdbeben als Beitrag zur sog. Parlerarchitektur, zugleich gilt dieses Erneuerungsprojekt als Beispiel früher "Denkmalpflege". Dies alles, ohne dass die Baugeschichte ausreichend geklärt und der Bestand umfassend gesichtet bzw. zusammenfassend dargestellt gewesen waren. Das hat sich nun mit dem Abschluss des Inventarprojekts 2012–2018 und der Publikation des Bandes geändert, für den Hans-Rudolf Meier die Baugeschichte erarbeitet und die Baubeschreibung verfasst hat. Ermöglicht wurde dies durch die teilweise Freistellung von den universitären Verpflichtungen und der Vertretungsfinanzierung durch das Basler Projekt.

Zum Projekt:

www.gsk.ch/de/kds-baslermuenster.html

Die Publikation:

Hans-Rudolf Meier / Dorothea Schwinn Schürmann et. al.: Das Basler Münster. Die Kunstdenkmäler des Kantons Basel-Stadt Bd. 10, Bern 2019.

Online: https://ekds.ch/library/book:138

Außerdem zum Thema:

Marco Bernasconi / Hans-Rudolf Meier: Das Heinrichs-Münster – Baugeschichte, Bestand, Rekonstruktion, in: Marc Fehlmann / Michael Matzke / Sabine Söll-Tauchert (Hg.): Gold & Ruhm. Kunst und Macht unter Kaiser Heinrich II., Basel / München 2019, 228–233.

1000 Jahre Basler Münster. Kunst + Architektur in der Schweiz 20, 2019, Heft 2.

Hans-Rudolf Meier: »ursprünglich und stylgerecht« – Idealbilder bei der »Restauration« des Basler Münsters vom 12. bis zum 19. Jahrhundert, in: Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertumskunde 118, 2018, S. 23–43.